Unsichtbarer Wanderer


Steht die höchste Sonnenscheibe
über jedem Menschenbilde,
das da harrt nach kühler Bleibe.
Hitze, werd‘ doch wieder milde!

Schau den Feldstein dort am Wege,
wie er lastet auf der Erde,
doch darunter ist es rege,
Wurzeln sinnen ein „Ich werde!“.

Wachse in verborgenen Gründen,
in des Reifens Einsamkeit.
Nur ein Seher wird dich finden,
dich, in deinem lila Kleid.

Veilchen, du wirst einst erblühen,
wenn es schauernd regnet nieder,
und die Hoffnung wird sich mühen,
findet Halm und Blüte wieder.

Wind, du unsichtbares Wesen,
eilst im Flüchtigen dahin,
an dir wird die Welt genesen.
Sei der kühlen Zeit Beginn!

Fata Morgana

Quelle: Pinterest
Wenn der Sommer zur Vollendung
streut sein heißes Sonnenlicht,
wogt das Korn gereift und wartet,
dass es bald ein Mäher bricht.

Geht ein Flimmern über Felder,
lässt die schwere Luft erglühen;
sieht man in der Ferne Bilder,
die wie Wüstenblumen blühen,

spiegeln uns die Fieberträume,
flirrend heißer Sommerlüfte;
von der Sonnenkraft beschienen,
reifen an den Sträuchern Früchte.

Rot und Blau seh’ ich sie prangen;
erntereif, das braune Korn,
manches Obst seh’ ich schon hangen,
und im Windhauch, weht der Sporn.

Bald wird es ans Welken gehen,
und die Blumenpracht verblüht;
wenn die Farbpalette dunkelt,
und des Herbstes Farben sprüht.

Sonnenaufgang

Bild von Pexels auf Pixabay
Die Sonne geht auf, als wär’s der erste Tag;
die Erde öffnet sich dem Licht.

Das Meer schwingt ruhig im Wellenschlag,
benässt den Strand, an dem es bricht.

Brandet am Ufer – ein Kommen und Gehen,
als würd’ Gott es zum Meeresgrund tragen,

wo Blinde leben, mit Lichtern versehen,
die Sonne im Wesenskern haben.

Urkraft

Vladimir Kush (1965…)

Alle menschlichen Ideen,
wie Tau entströmt, aus fernen Himmeln,
Talente – hohe Bäume auf Alleen,
Gott ließ sie das Unmögliche gelingen.

Die Urkraft, die ihr Werk der Erde schickt,
Wunschbilder, die ins Seelenlicht getaucht,
ein Denken bilden, das uns hilft und glückt,
Gedanken, die der Mensch zum Leben braucht.

Es sind die hohen Kräfte, die uns dienen,
sie streuen Gottvertrauen auf die Erde,
und was zuerst im Seelenlicht erschienen,
das baut der Mensch, es ist dann sein
„Es werde!“

Am Niederrhein

Foto: Pieter Delicaat – Wikipedia

An der Niers am frühen Morgen,
schwebt ein Nebel, sanft bewegt,
und der Mond hält das Gebilde
fest am Boden, bis er geht.

An den Ufern strecken Bäume,
das Geäst zum Himmelszelt,
spinnen veilchenblaue Träume;
Schlaf entweicht der Vogelwelt.

Der Jasmin beginnt zu blühen,
glänzt im feuchten Morgentau.
Duft’ges Weiß liegt auf dem Grünen,
kontrastiert zum Himmelblau.

Weiden mit bizarren Ästen
winken heimatlich gesinnt,
bieten farbenfrohen Gästen,
Lebensraum und Neubeginn.

Nimmermüde Dotterblumen,
träumen schwefelgelben Traum,
lauschen selig den Gesängen,
aus dem hohen Lindenbaum.

Foto: Gisela Seidel

Grün erneuert sich das Leben,
Farbenrausch am Niederrhein,
Butterblumen an den Wegen,
Jedermann will draußen sein.

Senfsaat hat in manche Ecke
gelbe Blüten ausgestreut,
überdeckt die Erdendecke.
Seht nur, wie ihr Anblick freut!

Dunkles Erdreich atmet Schwere,
Schollen sind zur Saat bereit,
damit im Frühjahr wiederkehre,
was im Herbst zur Ernte reift.

Wachstum

„Gewogen und zu leicht befunden.“ – KI generiert durch Gemini
Bald kommt der Mai,
in dem die Bäume früher Knospen trieben
und blütenreich gen Himmel zeigten.
Sie sind fast abgeblüht;
mit viel zu früh verwelktem Blütenkleid,
verweht der Wind es lange vor der Zeit.

Fruchtlos vergangen,
ohne bestäubt zu sein durch Bienen und Getier,
durch eine Unnatur der Wärme hier,
hat Mensch Verrat an der Natur begangen.

Man wollte Wirtschaft stärken,
ohne Rücksicht auf Verluste, Geld und Macht vermehren,
und sportlich größer, besser als die anderen sein,
so, ohne Rücksicht Gottes Plan verwehren.

Insekten starben
für das immer mehr und größer als zuvor,
durch Gift auf Ackerbreiten und Gehölz,
wo man für „dreißig Silberlinge“
jeden Sinn der Ausgeglichenheit verlor.

Die große Wirtschaft welkt,
und eine Krise wird Bedrängnis in den Köpfen,
die bauernschlau mit weiteren Gesetzen,
nicht nur aus Menschenmelken Wachstum schöpfen,
sondern sich aller Ordnung Gottes widersetzen.

Am Wege

Peder Mørk Mønsted (1859-1941)
Die alte Weide treibt in ihren Ruten
die neuen Blätter, himmelwärts, zum Licht.
Sie spiegelt sich verzerrt in ruhigen Fluten
des Baches Lauf und fließend Angesicht.

Die hellen Birken nässen ihre Zweige
im Morgentau und wiegen sanft im Wind;
bald stehn sie da, in neuem Frühlingskleide,
die Krone tragend, weil sie Königinnen sind.

Die Bäume öffnen sehnsuchtsvoll die Lüster -
ein rechter Ort zum nächsten Nesterbau.
Ein Rascheln – heimlich geht ein Flüstern
durch alle Welt von Baum und Wiesentau.

Der erste Löwenzahn ist gelb erblühet,
mit weißen Gänseblümchen ringsumher,
die Vögel sind in aller Herrgottsfrühe
dem blauen Himmel nah, im Sonnenmeer.

Im Frühlicht möcht‘ ich stehen bei den Bäumen,
und Deinen heiligen Atem spüren.
Fühl‘ Dich in jedem Lächeln, jedem Träumen;
auf allen Wegen wirst Du mich berühren.

Sonnenhungrig

Aus den Wolken fällt der Regen,
welterwachend, frühlingsmild,
sanft, wie zarter Hauch und Segen,
tränkt er Wiesen, Wald und Feld.

Tröpfchen hängen an den Zweigen,
jede Knospe fein erwacht;
gelb malt an Forsythien-Zweigen
Farbe „Frohsinn“ über Nacht.

Wolken, die vorüberschweben,
sind in regengrau getaucht,
und das frühlingsnahe Leben
wird von Ungeduld behaucht.

Kühl sind noch die Temperaturen,
doch die Wärme stellt sich ein,
wenn die alten Sonnenuhren
wachgeküsst vom Sonnenschein.

Frühlingsgeister

Kühle Winde stoben,
bald ist es April,
und das Wetter droben,
weiß nicht, was es will.
 
Treibt die Winterwesen
durch die grauen Gassen,
fegt mit feinem Besen
über Feld und Straßen.
 
Jung und Alt erleben
Vogelsang und Wende.
Frühlingsgeister geben
sich die Sonnenhände.
 
Knistern, Brechen, Heben
unter dunklen Schollen,
und das bunte Leben
hebt sich aus den Knollen.
 
Segensreich erneuern
wird die Frühlingszeit,
schmückt mit frischen Farben
tristes Erdenkleid.

Frühlingsklänge

Der Reigen – Jacob Abraham Camille Pissarro (1830-1903)
Hell und lustig, wie ein Singen;
jedes Lied klingt wie ein Bogen,
der die Geigensaiten streifte,
dass die Seelen höher flogen.

Augenblicklich singt man Lieder;
trübe Augen werden heller,
wo man sanfte Töne fiedelt,
pulst das Blut zum Herzen schneller.

Winterfrei macht man die Tische,
so, als würde auf den Bänken,
frisch geputzt der Frühling sitzen,
Wärme gebend, Sonne schenkend.

Volle Krüge, essen, tanzen,
dass die Mädchenzöpfe fliegen,
wie auf altgemalten Bildern,
die im Reigen sich vergnügen.

Ausgelassen, froh und munter
sitzt das Volk bei Brot und Schinken;
rote Wangen, wache Blicke,
zeigen unbeschwert ihr Trinken.

Die in Frühlingswonne träumten,
wolkenfrei vom Blütenschimmer,
fanden ihre alte Welt
plötzlich hoffnungslos in Trümmern.

Wären nicht die Religionen,
Menschen könnten glücklich werden!
Wäre nicht der Hass der Menschen,
O, es wäre schön auf Erden!