Sommerahnung

Sweet Summer – John William Waterhouse (1849-1917)
Der Himmel malt ein lichtes Funkeln,
leuchtend und glänzend, wie ein Stern,
was vormals farblos und im Dunkeln,
strahlt nun mit buntem Seelenkern.
 
In Seidenglanz gehüllter Morgen,
ersetzt die schlafengeh’nde Nacht,
mit Sonnenschein, der große Sorgen
jetzt kleiner und erträglich macht.

Was lange Zeit im Erdeninnern,
zeigt nun die volle Blütenpracht;
Flora und Fauna, sie erinnern,
was uns erschuf die Schöpferkraft.
 
Genießen wir die warmen Stunden,
gestreute Vielfalt, buntes Land,
legen mit hellen Glückssekunden
das Leben uns in leichte Hand.
 
Vorbei das Frieren und das Warten
auf eine lang ersehnte Zeit,
das Leben ist ein großer Garten,
die Welt erscheint im Sonntagskleid.

Löwenzahn

Samenkörner segeln fort, 
wie die Schiffe mit dem Wind,
hin bis in die fernsten Orte, 
die versteckt im Dunkeln sind.

Irgendwann mit Licht beschienen, 
fällt auch dort ein winz’ger Strahl,
stellt das Leben her in ihnen, 
und sie wachsen ohne Zahl. 

Dort entsteht die kleine Blume, 
blütenschwer in gelber Pracht,
zarte Blüte wohlgefällig, 
dehnt zum Sonnenschein ihr Blatt.

Schwer, das Köpfchen, gelb und offen, 
um die Stängel Blätter satt,
Stiele sind, wenn sie gebrochen, 
wohl gefüllt mit weißem Saft. 

Nur des Abends, müd vom Blühen,
wenn die Sonne schlafen geht,
schließen sie die Blütenkelche, 
wenn die Nacht um Wandel fleht. 
Pludrig werden sie erwachen, 
aus dem Blütenblatt ein Flaum,
rüsten ihre vielen Samen, 
für den Flug im Lebenstraum. 

Bis zum nächsten Jahr vollendet 
sich der Kreislauf der Natur,
sie sind fort - wir seh’n sie wieder - 
nur der Wind kennt ihre Spur.

Die Vögel

So federleicht im Morgengraun,
immer dem Himmel nah,
singt es dort oben aus dem Baum -
ein kleines Vogelpaar.

Besingen Welt und Sonnenschein,
so wunderbar zufrieden;
möchte ich doch – so insgeheim –
leicht, wie die Vöglein fliegen.
 
Brauchte nicht schaffen, ohne Sinn,
könnt’ nur den Tag besingen,
egal, wo ich auch steh’ und bin,
würd’ Gott mir Nahrung bringen.
 
Die Seele flög zum Himmelszelt,
bis an die weißen Wolken,
beschau von oben hoch die Welt,
würd’ weit dem Winde folgen.
 
Könnt’ bau’n mein Nest auf jeden Ast,
den Gott zum Platz mir böte;
ich lebte freudig, ohne Hast,
klein, meine Lebensnöte.

Der Baum

Bild von RegalShave auf Pixabay
streckt weit zum Himmel seine Äste,
als wolle er das Wolkentreiben spüren,
um der Natur, gleich einer Ballerinen-Geste,
den Tanz auf Zehenspitzen vorzuführen.
 
Er neigt sich, wiegt sich,
folgt dem Takt des Windes,
verankert mit den wurzelfesten Streben,
wild, mit dem ungestümen Geist des Kindes,
erfasst von Böen und Sturm,
Zeit seines Lebens.
 
Noch hält er stand
und trotzt der Witterungen Launen,
die Ringe seiner Jahre ziehn durchs Holz.
Noch sehn die Menschen zu ihm auf und staunen,
durchlebt kraftvoll die Jahre, ohne Stolz. 

Ihn kümmert nicht der Schatten seiner Krone,
wie sie Figuren auf den Boden malt,
er zollt sein Wachstum nur dem Gott zum Lohne
und wird mit Sonnenschein und Licht bezahlt. 

Hoffnungszweige

Bild von Kerstin Herrmann auf Pixabay
Der Sonntag will kein Sonntag sein,
so still ist es geworden.
Es frieret wieder Stock und Stein,
der Wind weht kalt von Norden.

Das Zwitschern öffnet sanft den Tag,
obwohl die Wolken dunkeln,
und auf den Feldern friert die Saat,
Frost lässt die Schollen funkeln.

Der schwere Mond ist längst verblasst,
mit ihm die Sterne wichen,
und jede Stunde wird zur Last,
die sonnenlos verstrichen.

Bald hellt der trübe Himmel auf,
sein Blau wird treu sich zeigen,
und alles Grün bedeckt das Grau,
an neuen Hoffnungszweigen. 
 

Geist des Lenzes

Cornelis Kuijpers (1864-1932) – Frühling
Springen möchte man und singen,
denn der Frühling will beginnen.
Seht ihr, wie die Blumen schauen,
hin zum Himmelszelt, dem blauen? 

Zieren Bäume ihre Spitzen,
lassen schönste Blüten blitzen,
und das Grüne treibt aus Ästen,
froh umschwirrt von Federgästen.

Dort, ein Blümlein wächst auf Stein!
Wenig Erde ist sein Heim.
Neues Leben ist gekommen,
aus dem Darben Glück und Wonnen.

Die, die einst mein Leben waren, 
sind ins Irgendwo gefahren,
fortgenommen und verweht,
doch die neue Welt entsteht.

Schweben mit dem Geist des Lenzes,
durch die Räume, durch die Fenster.
Von Gott erfüllte Energien
ziehn geistesgroß zur Sonne hin. 

Zeitenwechsel

Vier Jahreszeiten – Alfons Mucha (1862-1939)
Treibt durch das Jahr
so schnell die Zeit,
mit weiten Riesenschritten,
man sehnt sich nach
des Frühlings Kleid
und gleich ist es
entglitten.
 
Schon hüllt des
Sommers heißes Flimmern
die Welt in prächt’ges Glühen,
sieht man bereits
im Morgenschimmern
des Herbstes Nebel sprühen.
 
Bald fegt der Wind
mit starker Hand
den Staub der warmen Tage,
dann geht ein Welken durch das Land,
bringt trüb
der Stürme Plage.
 
Und fern erscheint
ein weißes Leuchten,
der Frost, erstarrt im Eisgewand.
Die Winterzeit streut ihre feuchten
Gesellen auf das kalte Land.
 
So wird der Wechsel
aller Zeiten
von hell nach dunkel uns beschert,
sind schlechte Jahre zu bestreiten,
gefolgt von guten umgekehrt.

Frühlingseinzug

Hans Andersen Brendekilde  1857-1942
 Die Luft ist lau, die Winde lind,
 die Vögel ziehen Kreise,
 
 die Sonne strahlt, als lächelt sie;
 die Welt erwacht, ganz leise.
 
 Der Baum wiegt langsam hin und her
 im stillen Morgentanze,
 
 deckt seine Kahlheit mit dem Kleid
 aus Sonnenstrahlenglanze.
 
 Die Vogelwelt stimmt an ihr Lied -
 noch zaghaft hat’s geklungen,
 
 dann kam der Frühling über Nacht,
 hat kräftig mitgesungen.
 
 Er streute frisches Grün aufs Land,
 lässt alles blüh‘n und sprießen,
 
 nun kann sich Lebenslust und Sinn
 in Winterherzen gießen.


In Windeseile

Ivan Konstantinovich Aivazovsky (1817 – 1900)

Es drückt wie Blei auf die Gemüter,
das dunkle Erbe letzter Nacht.
Lichtlose Zeit, wie graue Tücher,
hängst du erstarrt – was müde macht.

Das Rollo wird vom Sturm gerüttelt,
die Fenster zu, wie stumme Münder,
die Ohren lauschen, wenn es rüttelt
am Dachstuhl, wie ein Minenzünder.

Gedimmt erscheint die Helligkeit;
das Tageslicht hat zugedeckt
von letzter Nacht das helle Kleid,
in Windeseile ist’s versteckt.

Das Raunen, Pfeifen oder Rauschen
gleicht einer alten Melodie.
Der ‚kleine‘ Mensch muss ängstlich lauschen,
in demutsvoller Agonie.

Tanz des Windes

Songtext Übersetzung: „O Tag, erwache! Die Atome tanzen,
dank Ihm tanzt das Universum,
die Seelen tanzen, überwältigt von Ekstase.
Ich werde dir ins Ohr flüstern, wohin ihr Tanz sie führt.
Alle Atome in der Luft und in der Wüste wissen es genau, sie sind in einem Rausch.
Jedes einzelne Atom, ob glücklich oder unglücklich
verliebt sich in die Sonne, von der man nichts sagen kann.“

Der Sturmwind treibt den Winter aus,
er fegt das Land, die Stadt, das Haus,
er säubert Beet und Ecken,
die altes Laub bedecken.

Ganz wie ein Derwisch wirbelt er,
schwingt seine Röcke weit und schwer,
durchdringend wird sein Rauschen
und alle Ohren lauschen.

Das Heer des Himmels ist erwacht,
es treibt voran mit großer Macht,
die Welt ins Lot zu bringen,
nur Gott kann dies gelingen.