Am Niederrhein

Foto: Pieter Delicaat – Wikipedia

An der Niers am frühen Morgen,
schwebt ein Nebel, sanft bewegt,
und der Mond hält das Gebilde
fest am Boden, bis er geht.

An den Ufern strecken Bäume,
das Geäst zum Himmelszelt,
spinnen veilchenblaue Träume;
Schlaf entweicht der Vogelwelt.

Der Jasmin beginnt zu blühen,
glänzt im feuchten Morgentau.
Duft’ges Weiß liegt auf dem Grünen,
kontrastiert zum Himmelblau.

Weiden mit bizarren Ästen
winken heimatlich gesinnt,
bieten farbenfrohen Gästen,
Lebensraum und Neubeginn.

Nimmermüde Dotterblumen,
träumen schwefelgelben Traum,
lauschen selig den Gesängen,
aus dem hohen Lindenbaum.

Foto: Gisela Seidel

Grün erneuert sich das Leben,
Farbenrausch am Niederrhein,
Butterblumen an den Wegen,
Jedermann will draußen sein.

Senfsaat hat in manche Ecke
gelbe Blüten ausgestreut,
überdeckt die Erdendecke.
Seht nur, wie ihr Anblick freut!

Dunkles Erdreich atmet Schwere,
Schollen sind zur Saat bereit,
damit im Frühjahr wiederkehre,
was im Herbst zur Ernte reift.

Jasmin

Bild von Henryk Niestrój auf Pixabay
Des Lenzes blaues Band entschwebt,
das Jahr teilt sich, man riecht des Juni’s Süße;
der Lindenduft scheint übers Land geweht,
Flora ersehnt sich durstig Regengüsse.

Die Sterne des Jasmins sind schon verblüht -
in weiß getaucht war mir der Kindheit Garten,
wenn jeder Stern geliebte Düfte sprühte,
geschlossenen Auges konnt‘ ich ihn erraten.

Aus weiten Fernen irrt zu mir der Duft –
längst abgeblüht, aus der Vergangenheit;
hör‘, wie mich jeder Strauch des Weges ruft -
in allen Blütensternen weint mit mir die Zeit.