Zeitgenossen

Das Wunder ist das einzige Reale,
es gibt nichts außer ihm.
Wenn aber ALLES Wunder ist,
d. h. durch und durch unbegreiflich,
so weiß ich nicht,
warum man dieser großen Unbegreiflichkeit,
die ALLES ist,
nicht den Namen GOTT geben sollte.

Christian Morgenstern

Gedichte auf dieser Seite:

Abschied
Mainacht – Agnes Miegel
Wie liegt im Mondenlichte
Zur Ruhe
In einem kühlen Grunde 🎵
Der Ungenannten
Nicht alle Schmerzen sind heilbar
Schicksalstage
Im Grase
Herbst
Der schöne Sommer ging
Abendlied 🎵
Schöne Fremde
 Winterstille
Der Dom – Lermontow
Am Brunnen vor dem Tore 🎵
Gebet – Rilke
Das sind die Nächte, die mir Furcht erregen – Erich Mühsam
Das bucklige Männlein
Stufen – Hermann Hesse
Ade zur guten Nacht 🎵
Sei wachsam – Reinhard Mey 🎵
Ein grauer, trüber Morgen
Paulinchen
Brot der Sprache – Hans Sahl
Eine Frau spricht im Schlaf – Erich Kästner
Wandrers Nachtlied – J. W. v. Goethe
Alle Tage ist kein Sonntag 🎵
Irgendwo auf der Welt 🎵
Auf der Heide blühn die letzten Rosen 🎵
Herbstlied – Hans Eckardt Wenzel 🎵
Frühherbst
My life has been saved – Queen 🎵
Herbst – Rilke
These are the days of my life – Queen 🎵
Wenn die Liebe dir winkt – Kahlil Gibran
Ich will Du sein – Rilke 🎵
Der Oktober – Erich Kästner
Abend wird es wieder – Hoffmann von Fallersleben 🎵
Kleine Stadt am Sonntagmorgen – Erich Kästner

Ästhetik

Beim Betrachten der modernen Dichtung frage ich mich oft: „Was würden Goethe und Schiller dazu sagen?“ Ob Verswissenschaft oder Bauchgefühl: Poesie sollte einen gewissen Schönheitsanspruch an sich selbst stellen und nicht nur wie ein „Brainstorming“, wenige, für Uneingeweihte nicht erklärbare, oft sogar unschöne Worte beinhalten.
Hier möchte ich Immanuel Kant zitieren, der u. a. folgende Aussage machte: [..] In der Dichtkunst kann sich das Vermögen ästhetischer Ideen „in seinem ganzen Maße“ zeigen [..] oder weiter [..] Die Dichtkunst verdankt fast gänzlich dem Genie ihren Ursprung und nimmt den obersten Rang unter den Künsten ein.

Ist denn die ästhetische Urteilskraft, in der das Gefühl der Schönheit
wurzelt, in der heutigen Gesellschaft nahezu verloren gegangen?
Gibt es überhaupt ein objektives Prinzip des Geschmacks oder der Schönheit? Schiller sah Kunst als Erlebnis. Er war der Überzeugung, dass nur DAS Werk schön zu nennen sei, das dieses Erlebnis der ästhetischen Freiheit auszulösen vermochte. In seinen Kallias-Briefen schrieb er: „…Schönheit ist Freiheit in der Erscheinung.“ Diese Freiheit gelangt uns dadurch zum Bewusstsein, dass wir nicht genötigt werden, nach einem Grund der Erscheinung zu fragen, der außerhalb des Gegenstandes liegt. Schön sei die Form, die sich selbst erklärt.

Die Ästhetik ist in der modernen Lyrik leider größtenteils verloren gegangen. Da kann nichts mehr fließen. Da gibt es keine Sprachschönheit mehr, wenig Aussagekraft. Schade!
Wo sind die Dichter und Denker von einst? Armes Deutschland!

Siehst du Gott nicht?
An jeder stillen Quelle,
unter jedem blühenden Baum
begegnet er mir in der Wärme seiner Liebe.

Johann Wolfgang von Goethe

Was wir sind, ist nichts,
was wir suchen, ist alles.

Friedrich Hölderlin

Das ist eine Hauptaufgabe des Lebens,
die physische Jugend, welche vorübergeht,
durch eine geistige zu ersetzen.

Rudolf Eucken

Caspar David Friedrich 1774-1840

Glaube
 ist Liebe zum Unsichtbaren,
Vertrauen aufs Unmögliche,
Unwahrscheinliche.

Johann Wolfgang von Goethe

Winterstille

(gekürzt)

Nun hat der Berg sein Schneekleid angetan,
und Schnee liegt lastend auf den Tannenbäumen
und deckt die Felder zu, ein weißer Plan,
darunter still die jungen Saaten träumen.

Fried’ in der Weite! Nicht ein Laut erklingt
ein Zweig nur bebt und stäubt Kristalle nieder,
gestreift vom Vogel, der empor sich schwingt –
und still ist alles rings und reglos wieder.

In Winters Banden liegt der See und ruht,
die Wellen schlafen, die einst lockend riefen.
Nicht spielen mehr die Winde mit der Flut,
kaum regt sich Leben noch in ihren Tiefen.

Welch eine Stille! Kaum im Herzen mag
ein Wunsch sich regen, dass es anders werde.
Und doch, o Herz, du weißt, es kommt der Tag,
der wieder schmückt mit blüh’ndem Kranz die Erde.

Johannes Trojan (1837-1915)