Brot der Sprache


Der jüdische Schriftsteller Hans Sahl (eigentlich Hans Salomon) 1902-1992 war vor den Nationalsozialisten nach Frankreich geflüchtet. Von dort gelang ihm 1941 die Emigration in die vereinigten Staaten von Amerika.
                                                                        

Kein deutsches Wort hab ich so lang gesprochen.
Ich gehe schweigend durch das fremde Land.
Vom Brot der Sprache blieben nur die Brocken,
die ich verstreut in meinen Taschen fand.

Verstummt sind sie, die mütterlichen Laute,
die staunend ich von ihren Lippen las,
Milch, Baum und Bach, die Katze, die miaute,
Mond und Gestirn, das Einmaleins der Nacht.

Es hat der Wald noch nie so fremd gerochen.
Kein Märchen ruft mich, keine gute Fee.
Kein deutsches Wort hab ich so lang gesprochen.
Bald hüllt Vergessenheit mich ein wie Schnee.

Autor: Gisela

Bitte auf meiner Seite "Über mich" nachlesen.

2 Gedanken zu „Brot der Sprache“

  1. Liebe Gisela,
    ich habe seit Jahren den Eindruck, dass die Sprache nicht mehr wertgeschätzt wirde.
    Sie verkommt regelrcht nach meinem Empfinden, sie gewalttätig, verroht und viele wundervolle Worte gehen verloren und werden ersetzt durch ihrendein Pallawer….
    … mit Herz und Segen!
    M.M.

    1. Liebe Monika-Maria,
      es ist so, wie Du schreibst: Unsere schwierige, aber auch schöne Sprache zählt nicht mehr. Ich versuche immer, etwas dagegen zu setzen, indem ich alte Worte verwende, die quasi in unserem heutigen Sprachgebrauch ausgestorben sind. Das habe ich auch in meinen Romanen getan. Es hat sich aber bereits die Frau eines Kollegen darüber beschwert, weil sie richtig lesen müsse und das Buch nicht nur überfliegen kann. Worte sind wichtig, und leider ist der Umgangston ‚unterirdisch‘ geworden.

      ♥liche Grüße
      Gisela

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.