Gedankenflüstern

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Wenn alles schweigt, dann flüstern die Gedanken.
Draußen die Welt, im Zeitgeist ihrer Schranken.

Die Einfalt tanzt in elitären Kreisen,
hilft Hirngespinsten falsche Freiheit tragen.
Gefährlich droht die Dummheit zu entgleisen
und trägt zum Massengrab die Todeszahlen.

An Tagen reißen die Kalenderblätter,
sind Maßband zwischen Anbeginn und Ende,
Erinnerung in abgelebter Kette,
hängt wie verharzt am stillen Zeitenpendel.

Vergang’nes will mit groben Händen greifen,
durch Dickicht von Dornröschen-Träumen,
zieht lebenslange Dauerschleifen,
wie Raben, kreisend über Bäumen.

Klarheit

Fraktale von Karin M.

Wissenschaft
sucht neue Sichtweisen,
schafft Durchsicht für einen Moment,
wie ein Wischen auf beschlagenen Scheiben,
ständig aufs Neue.

Bewusstsein
lässt Geist und Seele allmählich leuchten,
überwindet die Mauer des Verstandes,
brennt als Licht
vor den beschlagenen Fenstern
der Wissenschaft.

Die innere Stimme

Bild: Karin M.

Manchmal verschließt man die Augen,
nur die innere Stimme wird leise
im Hintergrund wachen;
manchmal will man zu Höherem taugen,
doch in der Tiefe flüstert es leise:
„Du kannst es nicht machen!“


Manchmal schwebt die Seele im Taumel,
bringt die innere Stimme zum Singen.
Mit belebtem Körper und Geist,
wirst du wieder zum Boden baumeln.
Sie wird dich zur Weitsicht bringen,
solange sie „Leben“ heißt.

Grüne Gedanken

Claude Monet (1840-1926) – Frühling

Bald schon wird die Welt erblühen,
kaltes Kunstlicht weicht der Sonne,
die Gedanken werden grün,
es erwacht des Lebens Wonne.

Fenster strahlen wie die Spiegel,
Herzschlag sucht den taktvoll gleichen,
Winter bricht das Frühlingssiegel,
Kälte wird der Wärme weichen.

Bringt ins Dunkel lichtes Sprühen,
lässt die Nebeltücher ziehen.
Gärten duften voller Blühen
bald nach Veilchen und Jasmin.

Welcher Antrieb aller Dinge
wirkt im Zeichen der Natur?
Fruchtbarkeit und Leben bringe
uns die Ewigkeiten Spur.

Wie kein Frühling ohne Liebe,
gilt Lobpreis dem Schöpfergott.
Lust auf Leben, grüne Triebe,
Ist für alle Zeit Gebot.

Momente

Bild von FelixMittermeier auf Pixabay

Vom Berg hinab ins Tal zu schauen,
über mir Himmel;
seh‘ Wolken ziehen,
vor dem blauen.

Gedanken ruhen, wie tiefe Seen.
Nur sein zum Schein,
unsichtbar,
im Licht vergehen.

Die morgenfrische Welt zu fühlen,
die schmeichelnden Lüfte,
wie sie duften und kühlen.

Augen schließend den Sinnen lauschen,
Gott-Vater finden,
im Innen und Außen.

Manchmal

Hans Thoma (1839-1924) – Kinderreigen

Manchmal muss man schweigen,
wenn der Menschheit Reigen
sich im Trubel dreht.

Man muss manchmal lachen,
über dumme Sachen,
die man nicht versteht.

Mit den Wölfen heulen,
muss man nicht und meiden,
den Dämonensieg.

Unsagbares sagen,
wenn die ‚Großen‘ tragen,
uns zum nächsten Krieg.

Manchmal soll man singen,
und die Geigen klingen,
tränenreich im Lied.

Klangvoll wird die Stille,
manchmal scheint die Fülle,
Harmonie besiegt.

Ohne Wiederkehr

Edmund Blair Leighton (1853-1922) To the unknown land

Wo ist mein Lachen,
wo die Leichtigkeit der frühen Jahre,
als jeder Tag wie ew’ges Spiel begann?

Als dieses Spiel den schweren Kindheitstagen
noch Flügel gab, entflog und mit sich nahm.

Die Ängste, die wie Mauern vor mir standen,
sie wurden fortgeholt durch Traum und Zeit.

Die Fäden, die mich an die Eltern banden,
sie schnürten meine freie Kindlichkeit.

Und als der Faden dünner wurde mit den Jahren,
durchtrennten ihn erwachsene Fantasien.

Konnte entweichen, wo ich Zwang erfahren,
schon nah der Freiheit, wollt‘ ich zu ihr fliehn.

Doch auch in dieser Welt fand ich kein Lachen,
sah Leichtigkeit erstickt im Alltagsmeer.

Betrübnis treibt auf schwarzem Nachen
und trägt die Fahne „Ohne Wiederkehr“.

Liebeslied

Ich bin der Hirsch und du das Reh,
Der Vogel du und ich der Baum,
Die Sonne du und ich der Schnee,
Du bist der Tag und ich der Traum.

Nachts aus meinem schlafenden Mund
Fliegt ein Goldvogel zu dir,
Hell ist seine Stimme, sein Flügel bunt,
Der singt dir das Lied von der Liebe,
Der singt dir das Lied von mir.


Anmerkung von Hermann Hesse (1877-1962):
„Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich.“

Komposition, Arrangement und Produktion:
Schönherz & Fleer – Hesse Projekt- / Rezitation: Ben Becker

Neues Jahr

Sonnenuntergang Frohes Neues Jahr

Das reine, nicht gelebte,
wie ein Buch,
mit leeren Seiten,
vom Leben selbst beschrieben,
mit Wahrheit, Hoffnung,
Krieg und Frieden,
mit Gutem und mit Bösem,
mit hellen oder dunklen Zeichen
zur Freude oder gar zum Leid,
hält jeden neuen Tag
dir als Geschenk entgegen.

Wie du die Stunden füllen wirst,
mit Leben oder Tod,
mit Liebe, Abschied,
liegt in deiner Hand…
ist Gottes Plan.

Das alte Jahr verging;
Schicksale, die es trug,
sie knüpfen an und werfen Schatten
auf das unbefleckte, neue.

Im Buch des Lebens
schlägt Gott die nächste Seite um.
Fülle mit deinem Licht die Tage
deiner Jahre.
Beleuchte alles Dunkle,
löse auf die Schatten,
zu neuer Hoffnung,
in ewigem Kreislauf!

Übersetzung:

New year

The pure, not lived,
like a book,
with blank pages,
written by life itself,
with truth, hope,
war and peace,
with good and with evil,
with light or dark signs
to joy or even to sorrow,
holds each new day
as a gift to you.

How you will fill the hours
with life or death,
with love, farewell,
is in your hands…
is God’s plan.

The old year passed;
Fates it bore,
they tie up and cast shadows
on the unsullied, new one.

In the book of life
God turns the next page.
Fill with your light the days
of your years.
Illuminate all darkness,
dissolve the shadows,
to new hope,
in eternal cycle!

Dezember Ausklang

Geweihte Stunden im alten und neuen Jahr

Für dieses Jahr möchte ich mich verabschieden.
Danke, dass Ihr mir Eure Zeit gewidmet habt beim Besuch meiner Seiten.

Ich wünsche allen ein besinnliches, frohes Weihnachtsfest
und vor allen Dingen Gottes Segen und Gesundheit.

‚Schaut‘ mit den Herzen und ‚rutscht‘ gut ins neue Jahr.

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend‘ geh ich durch die Gassen,
alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt’s wie wunderbares Singen-
O du gnadenreiche Zeit!

Joseph von Eichendorff
(1788 – 1857)