Geistesfreiheit

Vladimir Kush
Die Welt verwandelt sich durch Taten,
durch die Gedanken, die du in dir trägst.
Säe die Liebe im Bewusstseinsgarten,
damit du Hass und Zweifel untergräbst.

Wo Liebe blüht, da schreibt das Herz Geschichte.
Ein neuer Himmel wird sich dir erschließen;
dann kann ein Strahl von Seinem Lichte
auf die noch dunklen Völker fließen.

Fülle mit Farben die Tristesse der Zeit,
damit sie aufgehellt im Licht erstrahlt;
unter den Körpern blitzt ein geistig’ Kleid,
das unvergänglich dir die Freiheit malt.

Als Kind des Himmels ist sie dir gewiss!
Geknechtet trägt die Welt die Dornenkrone,
doch anders, als die Menschheit es umriss:
Bewusstsein wird im Leiden erst zum Lohne.

Weihnachtstage

Jakub Schikaneder (1855-1924)
Wirf ab, Herz, was dich kränket
und was dein Sein beschwert.
Wenn sich der Tag versenket,
sei hell, ein warmer Herd.

Lass alle Sorgen fahren,
denn deiner Seele Flehen
soll in die Weihnachtstage
mit frommer Hoffnung gehen.

Nimm Finsternis und Mächten
ihr tiefes Dunkelsein,
und lad in heiligen Nächten
den Schöpfer selbst dir ein.

Dann hört man leis die Engel
durch unsere Fülle gehen,
bis sie im Stern-Gepränge
am lichten Himmel stehen.

Andachtsvolle Weihnachten

Vincenzo Irolli (1860-1949)
Weihnachtsfest, Zeit der Erinnerungen.
Früh lernten wir als Kinder diese Klänge,
wie schon die Alten hatten einst gesungen;
die Kirche war gefüllt bis in die ob’ren Ränge.

Das Orgelspiel klang feierlich und trug
den Ton der Flöten durch die Reihen.
Wir sangen Christ entgegen, frohgemut;
der Saal war ganz erfüllt von Glanz und Freuden.

Vor dem Altar sah ich die Englein schweben,
ich malte mir den Heiland, neu geboren.
Der Tag war mir ein himmlisches Erleben,
ich wurde aus dem Alltag fortgehoben.

Hell strahlend fiel herab der lichte Traum,
nahm mir die Sorgen fort und Nöte,
es streifte mich des Lichtgewandes Saum,
als wenn’s der ganzen Welt Erlösung böte.

Gott verleiht Flügel

KI Bild erstellt von Google gemini
Mit Mühen bin ich emporgestiegen,
hab oft in stachlige Disteln gegriffen,
musste die inneren Dränge besiegen,
Kummer hat meine Seele geschliffen.

Auf spitzen Steinen bin ich gegangen,
über Wege, wo nur Ängste begleiten;
als ich Auswege suchte, blieb ich gefangen,
im Moloch gewohnter Gebundenheiten.

Glauben hab ich aus dem Blick verloren
und die Demut, die sich gern unterjocht;
hab verdrängt, irdische Götter erkoren,
fühlte, wie mein Herz ‚schreiend‘ pocht.

Erlöst von den Übeln, die mich beschwerten,
hat mich das Schicksal zur rechten Zeit.
Nicht Wissenschaft war es, die mich belehrte,
nur Gott in mir, der mir Flügel verleiht.

Wintergedanken

Ernst Ferdinand Oehme (1797-1855)
Quellen müssen die Gedanken
gerad‘ in langen Winternächten,
wo sie Wort um Wort begannen
einsam Reim an Reim zu flechten.

Für die Vielen nicht, für manche;
nur für diesen oder jenen,
der abseits der großen Menge
lauscht den bald vergessenen Tönen.

Wie mit Schritten zur Kapelle,
auf verschneitem Weg zu kommen,
ganz abseits des Pilgerzuges,
doch im Feuerschein der Frommen.

Demütig, gebückten Hauptes,
durchs verschneite Pförtlein treten,
um vor weihnachtlicher Krippe
und dem Kindlein selbst zu beten.

Denn die Zeit ist schwer geworden,
macht den Heiligen Geist zur Fabel,
und aus neuen Wohlstandstrümmern
baut der Wahn ein neues Babel.

Oftmals möcht‘ ich schier verzagen:
Geld und Macht sind höchste Götter.
Unbedeutend werden sterben,
all die Heuchler und die Spötter.

Helf’ uns Gott den Weg nach Hause
aus dem Erdenelend finden,
lass aus Glaube, Liebe, Hoffnung
uns den Kranz „Erlösung“ binden!

Engelgleiche Wesen

William Adolphe Bouguereau (1825-1905)
Liebe, Weisheit, Lebenswahrheit,
Essenz des Daseins ist gewonnen;
zeigt den Grund, dass all die Klarheit
aus des Geistes Welt genommen.

Die Erkenntnis ist das Erbe,
die nur weise Seelen schauen,
die durch Strahlen Seines Lichtes
auf der Erde ‚Himmel‘ bauen.

Die des Geistes Grund verbreiten
sind in diese Welt gekommen,
von der Wahrheit uns zu zeigen
und die Herzen zu besonnen.

Längst erleuchtet, erdgenesen,
die durch Menschenwerk uns dienen;
denn durch engelgleiche Wesen
wirkt der Große Geist in ihnen.
Auszug: William Adolphe Bouguereau (1825-1905)

Zuversicht

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Legt die Sorgen ab, die schweren,
lasst das Dunkel hinter euch.
Es soll Hoffnung wiederkehren,
Herzen öffnen, offen, weich,
Blicke heben, Schritte wagen,
jeder darf willkommen sein,
denn im Licht, an hellen Tagen,
wird aus Furcht ein warmer Schein.

Scheint in dunkeltrübe Seelen,
macht Enttäuschung faltenfrei.
Zieht aus dunkelsten Kanälen
Schmutz, dass Sternenstaub er sei.
Funkelt golden hier auf Erden,
glänzt wie edler Stein im Licht,
facettiert in Soll und Werden
lupenreine Zuversicht.

Ewige Harmonien

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Sind die Leben auch verschieden,
währen kurz nur oder lang,
dienen müssen wir hienieden,
Schüler sind wir lebenslang.

Gehen ausgetretene Wege,
Sehnsucht führt zum Lebensort.
Über teils zerbrochene Stege
treibt des Körpers Gang uns fort.

Ein Mensch sind wir nur von vielen,
jeder sucht das Ziel, den Sinn.
Finden schließlich inneren Frieden
nur im ewigen ICH BIN.

Werden und vergehen

Grabstein auf dem Melatenfriedhof in Köln. Foto: Gisela Seidel

Es ist ein ewig Auf und Ab,
ein Werden und Vergehen.

Die Erde ist ein großes Grab,
die Zeit nur ein Geschehen.

Wie Blätter fallen sie vom Baum,
die vielen Todgeweihten.

Die Lebenszeit bleibt nur ein Traum
von Hoffnung in den Zeiten.

Du schöne Welt, du süßer Klang,
bald muss ich Abschied nehmen.

Bin wie die Vielen müd und bang,
vom Dasein wund gelegen,

und bettet mich der Sonne Strahl
in neue Frühlingsfülle,

so wandle ich ein weit’res Mal
auf dieser Erdenhülle.

Verklärtes Lied – im letzten Klang
dem Himmelsglanz zu singen;

der alten Töne neuer Sang,
Vollendung und Beginnen.

Ein sprudelnder Brunnen

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Ein sprudelnder Brunnen mit Wasser des Lebens
füllt ohne Unterlass Schalen des Lichts,
gesegnetes Schenken des selbstlosen Gebens,
einer Quelle, die finstere Schatten durchbricht.

Wo ein Regenbogen den Ursprung spiegelt
und der Gold-Topf am Ende die weltliche Sphäre,
hat Gott die Sicht ins Jenseits versiegelt,
nur der Glaube daran füllt die seelische Leere.

Engel tragen das Licht in geöffnete Herzen,
füllen leere Münder mit göttlichen Worten,
dann öffnen sich Türen, weichen die Schmerzen,
und der Schleier öffnet die Jenseitspforten.