Gleichgültig

Quelle: Pinterest
„Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!“,
hieß es einst in Kinderjahren,
als zu uns, aus fernen Ländern,
fremde Menschen zu uns kamen.

Italiener, die uns halfen,
neuen Wohlstand zu erwerben,
den wir einst im Krieg verloren,
durch die eigenen braunen Schergen.

Viele folgten noch, auch andere,
die uns fremd und bös erschienen;
schwarze Haare, anderer Glaube.
Glaubten wir doch an Doktrinen,

eine Sammlung von Geschichten,
theologisch und abstrakt,
die einst abgehobene Priester
jahrelang uns beigebracht.

Einfach ist der Wahrheit Mitte
in den meisten Religionen,
als sie noch gelehrt von Kräften,
die noch geistig in uns wohnen.

Von der großen Kraft beseelt,
inspiriert in alten Tagen,
alle Menschen seien gleich,
dieses Band des Geistes tragen.

Etwas bringt uns zueinander,
denn was gleich in uns, vereint.
Sonne scheint auf alle Menschen,
einerlei ist’s, wem sie scheint.

Wäre ich eine Missionarin, würde ich meine Aufgabe immer in zwei Richtungen sehen. Die eine ist rein destruktiv und die andere konstruktiv. Erstens, all das Unkraut zu vernichten, das die menschliche Seele schon zu lange erstickt hat: das Unkraut der Falschheit, das von den Kirchen gefördert wird; all die unsinnigen, abstoßenden und manchmal blasphemischen Lehren, die im Namen der Religion angeboten werden. All das muss ausgerottet werden, denn es verhindert, dass das Leben gelebt wird, wie es sollte. Das ist der zerstörerische Teil. Der konstruktive Teil besteht darin, Wissen anzubieten und zu zeigen, wie vernünftig, wie einfach, wie schön und wie wahr es für alle ist, die bereit sind, es zu empfangen. Die beiden Aufgaben gehen Hand in Hand.

Es gibt viele Menschen, die jede Kritik an der Falschheit ablehnen und deren wahres Gesicht nicht erkennen. Was soll ich dazu sagen?! Was ist der Ostersegen eines Papstes gegen den Segen Gottes, der aus unserem Herzen kommt? Jeder muss selbst ‚erleuchtet‘ werden.

In unseren Adern fließt das gleiche Blut, in jedem von uns steckt der gleiche Geist. Der große Geist hat uns alle zu Mitgliedern einer einzigen Familie gemacht.

Kinder lassen sich von der Meinung Erwachsener manipulieren. Sie erkennen nicht die zugrunde liegende Einheit. Ich habe mich als Kind darüber gewundert, dass mir mein Vater den Umgang mit einem italienischen Mädchen verbat. Ich war fasziniert von ihren wunderbaren langen, schwarzen Haaren, die sie zu einem Zopf gebunden trug. Meine Eltern lehnten alle Ausländer ab.

Die müssen daran erinnert werden, dass es keinen wahren Fortschritt gibt, bis diese geistigen Realitäten ihren Platz in allen weltlichen Systemen einnehmen.

Ewige Liebe

Tristan und Isolde – John William Waterhouse 1849-1917
Nur Liebe möcht’ ich fühlen
in allen meinen Zellen,

möcht’ meinen Sinn, den kühlen,
in Herzenswärme stellen;

ganz in Gedanken sinken,
die sehnsuchtsvoll entbrennen,

ein freundschaftliches Winken
am Horizont erkennen.

Vertraute Hände fühlen,
auf meinen, liebevoll,

in der Erinnerung wühlen,
voll Glück und ohne Groll;

vertraulich schau’n in Augen,
die niemals Lügen sprechen,

im hellen Sonnenglänzen
der Grenzen Zäune brechen.

Möcht’ Seligkeit erleben,
die es auf Erden gibt,

mich ganz und gar ergeben,
dem, der mich ewig liebt.

Lied der Engel

In Tönen, die nur Seraphinen singen,
durchströmt ein glockenheller Klang die Welt,
mit überirdischem Vibrato ferner Stimmen,
wird unsre Dunkelheit zum lichten Tag erhellt.

Zum altgegangenen Weg der Religionen,
dringt dieses Licht der Wahrheit mehr und mehr.
Die Finsternis, in der noch viele wohnen,
wird es mit Weisheit fluten, wie ein Meer.

Versiegelt scheint die heil’ge Wirklichkeit,
die Flamme der Vernunft, sie wird es lösen;
das Licht geht auf, der Bettler steht in feinem Kleid,
denn ein Geringer zeigt des Geistes Größen.

Wo Gottes milde Segensströme fließen,
ergossen durch den reinen Sphärenklang,
endlos wird Liebe sich in uns ergießen,
wo wunde Herzen leiden, zukunftsbang.

Morgen- und Abendrot

Filmmusik von Ennio Morricone aus dem Film „Die Mission“

Foto: Gisela Seidel – Aussicht aus dem Küchenfenster meiner ehemaligen Wohnung

Die Morgenröte der Möglichkeiten
erwacht im Lichtstrahl der Erkenntnis;
der Dunkelheit entstiegen,
erweckt sein,
voll von Gottvertrauen,
Leben, fühlen und getragen sein von Vollkommenheit,
die begeistert,
einen unbekannten Weg zu gehen,
das Wofür, zu finden im tieferen Sinn,
ihn anzunehmen,
auf die Zukunft gerichtet durch höhere Macht,
von ersten zaghaften Schritten,
hin zur letzten Wegstrecke des Alters.
In der Stille der Dämmerung,
sich als Kind fühlen,
das geborgen ist im Gegenwärtigen,
deren Hände ruhen vor dem Dunkelwerden,
das im höchsten Glück vollendend geistig macht.

Welke Tage

Copyright: olegdudko
Tage, welche welk geworden,
fallen in den Schoß der Zeit,
sind wie Staub,
gehn geistverloren
in die Schicht der Fruchtbarkeit.

Alter Weg vergang’ner Fährten,
Schichten, die wie Jahresringe
alter Bäume Auskunft geben,
sind der Boden aller Dinge.

Schoß, aus dem die Leben kamen,
werden, wachsen und vergehen.
Wiederkehren ist ein „Amen“,
lässt das Ur-Bild auferstehen.

Lebensspirale

Lia Chechelaschwili *1971

Wenn stiller Tag Erinnerungen findet,
der Jahre, die vorüber, eilt die Zeit.
Wie eine Spule, die sich schneller windet,
wenn nur noch wenig abzuspulen bleibt.

Nur noch ein kleines bisschen! Die Spirale,
sie dreht fast unsichtbar im raschen Kreis.
Die Optik täuscht. Schon spürt man das Finale,
in dem der Spule letzter Inhalt reißt.

Ein Schattenspiel – es endet im Verblassen,
macht manche dunklen Töne hell und licht.
Durch Nebel geht das irdische Verlassen,
wenn Sonne durch die Himmelsfirnis bricht.

So duftig trägt der Wolkenzug das Ende,
wie Zuckerwatte, süß, in höchstem Glück,
und die Spirale zieht bereits in Wende
ein neues Band – ein neues Lebensstück.

Buchstabenperlen

Louis Janmot (1814-1892) – Das Gedicht der Seele

Des reinen Geistes Sinn wird offenbar,
webt aus Gedanken edler Verse Reim,

Vokabular, wie gold’nes Engelshaar,
verflochten mit der tiefen Liebe Keim;

Buchstabenperlen, leerer Seiten Zier,
sie reihen sich Wort an Wort mit Poesie,

dringen tief in dein Sein, verweilen hier,
wie eine Seelensinfonie.

Gute Gedanken

Franz von Assisi -Frank Cadogan Cowper (1877-1958)

Impulse aus guten Gedanken –
weich fließende, göttliche Kraft.
Gesegnet mit Liebe; sie sanken
hernieder, so friedvoll gedacht.

Dringt tief, wie ein sonniges Weben,
erwärmend und mild in dein Herz.
Bringt Freude und Glanz in dein Leben,
streckt Seele und Blick himmelwärts.

Lässt menschliche Fehler vergessen,
bringt Frieden und Licht in die Zeit.
Tilgt manches Leid, das gewesen,
verwandelt’s in Glückseligkeit.

Höre, wie Engel dir singen
im himmlischen Notenkleid.
Wie liebevoll ist das Klingen
im Jetzt und in Ewigkeit.

Ein Hauch von Liebe

Liebe ist auf dieser Welt nur ein Hauch der göttlichen Liebe. Die Macht des Geistes ist das Höchste; es gibt nichts Größeres in dieser Welt. Die Liebe ist die größte Macht von allen; Liebe ist die Macht des Geistes in Aktion. Liebe, so steht es in der Bibel, ist die Erfüllung des Gesetzes.

Gott, der Große Geist, ist der Inbegriff von Liebe und Weisheit. Er ist die Dynamik, die es allem ermöglicht, zu existieren, zu atmen, sich zu bewegen, Gefühle zu haben und sich auszudrücken. Gott ist jenseits allen endlichen Verständnisses, jenseits aller Begrenzung und Beschränkung. Er ist der unendliche Geist, die Quelle von allem, was je gewesen ist und je sein wird. Er ist der Geist, der die Liebe möglich macht und alles Bewusstsein mit den Attributen Seiner Göttlichkeit ausgestattet hat. Er ist der Geist, der sich im Menschen regt und ihn befähigt, sich zu Höhen des Idealismus, der Selbstaufopferung und des Dienstes zu erheben. Wir sind Teil seines Plans.

Die göttliche, unendliche Liebe hat den großen Plan erdacht. Da es unendliche Liebe gibt, muss es auch Barmherzigkeit geben, denn Barmherzigkeit, Mitgefühl, Toleranz, Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Liebe, das sind die Attribute der Göttlichkeit.

Man kann in keinem Labor den Geist sezieren. Genauso wenig kann der Mensch Leben erschaffen. Leben erschaffen kann nur Gott. Wie niedrig die Form des Lebens auch sein mag, sie kann von Menschen nicht hergestellt werden, weil das Leben nicht physisch ist.

Der Tod hat keine Macht über das Leben oder die Liebe.

Man wird mich belächeln, wenn ich schreibe, dass mir meine Katzen stets näherstanden als Menschen. Ich liebe Tiere über alles. Es tut mir innerlich weh, wenn ich diese Geschöpfe leiden sehe. Katzen sind meine Lebensgefährten geworden, und ich bin dankbar dafür, durch die Liebe dieser Tiere in meinem irdischen Dasein beschenkt worden zu sein. Ich fühle mich dadurch reichlich gesegnet. Sie haben und hatten Liebe von einem Menschen und ich hatte Liebe von ihnen. Ich bin überzeugt davon, dass es meinen bereits verstorbenen Katzen nach dem Tod gutgeht, ohne Anzeichen von Alter oder Gebrechen, sondern schön in der Anmut; sanfte, liebevolle Geschöpfe, denen ich in ihrer Entwicklung hoffentlich helfen konnte.

Liebe in ihrer höchsten Form ist göttlich; Liebe in ihrer niedrigsten Form ist der Gipfel der Selbstsucht.

Die Schatten der Erfahrungen sind zu Meilensteinen auf dem Weg der geistigen Erkenntnis geworden. Zu sich selbst zu finden und sich selbst zu lieben, waren schwierige Wegstrecken, die ich zurücklegen musste.

Liebe kann nicht gemessen oder gewogen werden, Liebe kann mit keinem Skalpell oder Instrument seziert werden, aber sie existiert. Die Liebe ist die größte Macht im Universum, sie ist die Erfüllung des Gesetzes. Das ganze Universum existiert wegen der Liebe. Es ist die Liebe, die das Schicksal jedes Lebewesens im gesamten Sein lenkt.

Die Liebe, die der Gipfel, die Grundlage und die Quelle allen Lebens ist, dringt durch den Menschen und versucht, sich in größerem Maße auszudrücken, sodass in der Fülle der Zeit das ganze Universum von der Liebe des Wesens, das alles gestiftet hat, umhüllt sein wird.

Es ist leicht, die zu lieben, die dem Spiegelbild gleichen. Darin liegt keine Tugend, keine Heiligkeit. Aber diejenigen zu lieben, die einem feindlich gesinnt sind, das ist die Eigenschaft einer entwickelten Seele.

Die höchste ist die altruistischste Form, sie liebt, weil sie muss, sie liebt, weil sie weiß, dass die Liebe die Erfüllung des göttlichen Gesetzes ist.

Vielfach ist die Liebe zu einer Familie egoistisch, eine Liebe zu Blutsbanden. Oft wird sie von einem Beschützerinstinkt geleitet und ist ein Überbleibsel der tierischen Abstammung im Evolutionsstrom. Aber die Liebe ist zu ihren höchsten Aspekten fähig, wenn sie danach strebt, alle zu lieben, ohne an sich selbst zu denken, ohne Belohnung, ohne Wärme, sondern weil sie Selbstverleugnung ist, das Göttliche in Aktion. Die Liebe will dienen, aufrechterhalten, trösten. Die Liebe drückt sich in Barmherzigkeit, Mitgefühl, Freundlichkeit und Güte aus. Sie offenbart sich in Verzicht und Opferbereitschaft.

Die Liebe in unserer Welt ermöglicht viele wundersame Taten, wie Aufopferung, Heldentum, Dienst und Selbstverleugnung. Aber können wir die Kraft der Liebe ermessen, die von einem hoch entwickelten, geistigen Wesen ausgeht, das einen Teil der Lebenskraft selbst sammelt, um befähigt zu sein, uns Menschen ein Schutzschirm zu sein?

Erst nach dem Tod verstehen wir die wahre Bedeutung der Liebe, denn die Liebe ist im Wesentlichen eine geistige Eigenschaft. Liebe ist die Eigenschaft, die Seelen und Gemüter verbindet. Die Liebe ist ein Ausdruck des Großen Geistes. Liebe ist der Wunsch, alle notwendigen Opfer zu bringen, um zu dienen. Die Liebe sieht kein Übel, keinen Schmerz, keinen Schaden, sie begehrt nichts für sich selbst.

Die wahre Liebe ist die Vereinigung zweier Seelen. Der Große Geist hat in unendlicher Weisheit bestimmt, dass jedes der beiden Geschlechter das andere ergänzt. Und dort, wo die vollständige Verschmelzung stattfindet, ist es wahre Liebe, denn jeder liefert, was dem anderen fehlt, und die Dualität bildet die Einheit. Da sie ein Teil des unendlichen Geistes ist, hat sie eine unendliche Anzahl von Variationen, die von der niedrigsten bis zur höchsten reichen, von der magnetischen und physischen körperlichen Anziehung über die mentale bis hin zur geistigen, die die Grundlage ist.

In dieser Welt ist sie außergewöhnlich. Es ist die Ausnahme, nicht die Regel, dass sich die beiden Hälften treffen. Wenn sie es tun, finden sie zueinander und werden ganz. Das ist die natürliche Ehe der Seelen. Es ist die uralte Lehre von den Affinitäten, den Seelenverwandtschaften, die ihren Ausdruck finden. In einem Prozess, der Millionen und Abermillionen von Jahren dauert, kann man sehen, dass das Zusammentreffen von zwei Hälften oder Affinitäten nicht üblich ist, weil sie etwa zur gleichen Zeit geboren werden müssen. Wenn dies der Fall ist, ist es Teil des göttlichen Plans.

Die indische Philosophie behauptete schon vor Jahrtausenden, dass der Mensch vor Urzeiten beide Geschlechter in sich getragen hat, so wie es auch in der 1. Schöpfungsgeschichte der Bibel steht. Der Mensch war demnach androgyn wie ein Engel, also Mann und Frau in einer Person. Die Entwicklung der Teilung war ein Prozess, der in Jahrmillionen geschehen ist. Das Naturgesetz, als Gesetz der Materie, hat die beiden Geschlechter voneinander gelöst, um sie dann aber in einem äußerlich erlebten Akt wieder körperlich zu vereinigen. Doch ist diese Vereinigung nur für kurze Zeit und nur körperlich.

Die Sehnsucht nach Zusammenschluss im Geiste bleibt bestehen, die Sehnsucht nach einem einzigen Ich. Eines Tages wird man einsehen, dass die sexuelle Kraft nur ein Selbstbetrug ist. Man glaubte, in der körperlichen Einheit die vollkommene Erfüllung erreichen zu können. Ein Feuerwerk, das gleich danach ausgebrannt und erloschen war. Es blieb eine Sehnsucht nach dem Glück, die nicht auszulöschen ist.

Die Liebe ist die Offenbarung einer Kraft, die hier auf Erden Menschen zwingt, sich zu vereinigen. Es ist nur ein körperliches Einswerden möglich. Die Seele bleibt alleine. Um diesem Teufelskreis zu entkommen, müssten wir die sexuelle Kraft in eine schöpferische wandeln, d. h., sie auf eine höhere Ebene erheben und sie ins Erhabene steigern, verfeinern, veredeln und den Trieb im künstlerischen, kulturellen Schaffenskreis umsetzen.  

Von der Gewalt, die alle Wesen bindet, befreit der Mensch sich, der sich überwindet!“ – Goethe

Geistesfreiheit

Vladimir Kush
Die Welt verwandelt sich durch Taten,
durch die Gedanken, die du in dir trägst.
Säe die Liebe im Bewusstseinsgarten,
damit du Hass und Zweifel untergräbst.

Wo Liebe blüht, da schreibt das Herz Geschichte.
Ein neuer Himmel wird sich dir erschließen;
dann kann ein Strahl von Seinem Lichte
auf die noch dunklen Völker fließen.

Fülle mit Farben die Tristesse der Zeit,
damit sie aufgehellt im Licht erstrahlt;
unter den Körpern blitzt ein geistig’ Kleid,
das unvergänglich dir die Freiheit malt.

Als Kind des Himmels ist sie dir gewiss!
Geknechtet trägt die Welt die Dornenkrone,
doch anders, als die Menschheit es umriss:
Bewusstsein wird im Leiden erst zum Lohne.