Du löst die Knoten, entwirrst das Verflechten, vollziehst das Naturgesetz zum stets Gerechten, malst Bilder aus farbigen Schicksalsfäden, die der Menschheit mit auf den Weg gegeben.
Solange wir träumen, sind wir die Geführten, als Körper und Sinne die Freiheit spürten; doch in all unseren tiefsten Daseinsträumen entwachsen wir langsam den Erdenräumen. Wir halten die Fäden in eigenen Händen, die schicksalhaft sich zum Richtigen wenden.
Schau näher hin, sind es wirklich Deine? Hinter dem, was du tust, steht doch stets der All-Eine!
Die Nacht kommt und die Stimmen flüstern. Hört niemand, wie die Seelen schreien? Die Gegenwart verklärt den Blick im Düstern, lässt Kopfsteinpflaster wie magnetisch sein.
Verbunden sind die Leiber der Verstreuten, die nächtens angezogen auf die Suche gehen. Verhallter Klang der Schritte – sie bereuten, die falschen Zeichen noch am Tag zu sehen.
Sie suchen Hoffnung mit und in den Allen; die wälzt sich schlaflos in vertaner Zeit. Die immer noch der Illusion verfallen, ziehen mit der Sehnsucht in die Dunkelheit.
Im Schein der Lichter glänzt das alte Pflaster, das unter vielen Füßen schon begangen; es trägt des Lebens Freud- und Leid-Desaster, der Nächte ungestilltes Glücksverlangen.
„Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!“, hieß es einst in Kinderjahren, als zu uns, aus fernen Ländern, fremde Menschen zu uns kamen.
Italiener, die uns halfen, neuen Wohlstand zu erwerben, den wir einst im Krieg verloren, durch die eigenen braunen Schergen.
Viele folgten noch, auch andere, die uns fremd und bös erschienen; schwarze Haare, anderer Glaube. Glaubten wir doch an Doktrinen,
eine Sammlung von Geschichten, theologisch und abstrakt, die einst abgehobene Priester jahrelang uns beigebracht.
Einfach ist der Wahrheit Mitte in den meisten Religionen, als sie noch gelehrt von Kräften, die noch geistig in uns wohnen.
Von der großen Kraft beseelt, inspiriert in alten Tagen, alle Menschen seien gleich, dieses Band des Geistes tragen.
Etwas bringt uns zueinander, denn was gleich in uns, vereint. Sonne scheint auf alle Menschen, einerlei ist’s, wem sie scheint.
Wäre ich eine Missionarin, würde ich meine Aufgabe immer in zwei Richtungen sehen. Die eine ist rein destruktiv und die andere konstruktiv. Erstens, all das Unkraut zu vernichten, das die menschliche Seele schon zu lange erstickt hat: das Unkraut der Falschheit, das von den Kirchen gefördert wird; all die unsinnigen, abstoßenden und manchmal blasphemischen Lehren, die im Namen der Religion angeboten werden. All das muss ausgerottet werden, denn es verhindert, dass das Leben gelebt wird, wie es sollte. Das ist der zerstörerische Teil. Der konstruktive Teil besteht darin, Wissen anzubieten und zu zeigen, wie vernünftig, wie einfach, wie schön und wie wahr es für alle ist, die bereit sind, es zu empfangen. Die beiden Aufgaben gehen Hand in Hand.
Es gibt viele Menschen, die jede Kritik an der Falschheit ablehnen und deren wahres Gesicht nicht erkennen. Was soll ich dazu sagen?! Was ist der Ostersegen eines Papstes gegen den Segen Gottes, der aus unserem Herzen kommt? Jeder muss selbst ‚erleuchtet‘ werden.
In unseren Adern fließt das gleiche Blut, in jedem von uns steckt der gleiche Geist. Der große Geist hat uns alle zu Mitgliedern einer einzigen Familie gemacht.
Kinder lassen sich von der Meinung Erwachsener manipulieren. Sie erkennen nicht die zugrunde liegende Einheit. Ich habe mich als Kind darüber gewundert, dass mir mein Vater den Umgang mit einem italienischen Mädchen verbat. Ich war fasziniert von ihren wunderbaren langen, schwarzen Haaren, die sie zu einem Zopf gebunden trug. Meine Eltern lehnten alle Ausländer ab.
Die müssen daran erinnert werden, dass es keinen wahren Fortschritt gibt, bis diese geistigen Realitäten ihren Platz in allen weltlichen Systemen einnehmen.
In Tönen, die nur Seraphinen singen, durchströmt ein glockenheller Klang die Welt, mit überirdischem Vibrato ferner Stimmen, wird unsre Dunkelheit zum lichten Tag erhellt.
Zum altgegangenen Weg der Religionen, dringt dieses Licht der Wahrheit mehr und mehr. Die Finsternis, in der noch viele wohnen, wird es mit Weisheit fluten, wie ein Meer.
Versiegelt scheint die heil’ge Wirklichkeit, die Flamme der Vernunft, sie wird es lösen; das Licht geht auf, der Bettler steht in feinem Kleid, denn ein Geringer zeigt des Geistes Größen.
Wo Gottes milde Segensströme fließen, ergossen durch den reinen Sphärenklang, endlos wird Liebe sich in uns ergießen, wo wunde Herzen leiden, zukunftsbang.
Filmmusik von Ennio Morricone aus dem Film „Die Mission“
Foto: Gisela Seidel – Aussicht aus dem Küchenfenster meiner ehemaligen Wohnung
Die Morgenröte der Möglichkeiten erwacht im Lichtstrahl der Erkenntnis; der Dunkelheit entstiegen, erweckt sein, voll von Gottvertrauen, Leben, fühlen und getragen sein von Vollkommenheit, die begeistert, einen unbekannten Weg zu gehen, das Wofür, zu finden im tieferen Sinn, ihn anzunehmen, auf die Zukunft gerichtet durch höhere Macht, von ersten zaghaften Schritten, hin zur letzten Wegstrecke des Alters. In der Stille der Dämmerung, sich als Kind fühlen, das geborgen ist im Gegenwärtigen, deren Hände ruhen vor dem Dunkelwerden, das im höchsten Glück vollendend geistig macht.
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