Am Meer

William Adolphe Bouguereau (1825-1905)

Sonnendurchtränkter weißer Strand,
wie lieb ist mir deine Idylle.
Das Meer umspült den flüchtigen Sand,
die Wogen durchbrechen die Stille.

Endlose Wellen in glitzerndem Nass
schimmern wie funkelnde Sterne,
glänzen wie Seide und gläserner Strass,
brechen das Licht in der Ferne.

Muscheln verzieren die feuchte Natur,
Sonne verbrennt letzte Schatten;
Krebse wandern auf Poseidons Spur,
Salzluft liegt auf den Rabatten.

Strahlender Himmel in endlosem Blau,
spiegelt sich tief in den Fluten,
salziger Wind nimmt den Wolken das Grau,
Sonne kühlt ab ihre Gluten.

Buchstabenperlen

Louis Janmot (1814-1892) – Das Gedicht der Seele

Des reinen Geistes Sinn wird offenbar,
webt aus Gedanken edler Verse Reim,

Vokabular, wie gold‘nes Engelshaar,
verflochten mit der tiefen Liebe Keim,

Buchstaben-Perlen, leerer Seiten Zier,
sie reih’n sich Wort an Wort mit Poesie,

dringen tief in dein Sein, verweilen hier,
wie eine Seelensinfonie.

Seele im Garten Eden

Durch Zweifel kommen wir zur Wahrheit
Tarotkarte „Der Eremit“

Das Ego ist der Herrscher deiner Seele,
der Glaube an das Ich, dein Selbstvertrauen,
Bewusstsein, deines Lebens Öllaterne,
Erleuchtung zündend am Erkenntnisbaum.

Aus hoher, hehrer Sphäre der Gedanken,
füllst du die Früchte deiner Wahl ins Füllhorn ein,
dort wächst beseelter Same an den Ranken
und lässt das Fühlen dir erquickend sein.

Du bildest deinen eignen Garten Eden,
hervorgebrachte Pracht und Harmonie,
dort, so von Gott erfüllt, auf allen Wegen,
beherrscht die Demut dich und Fantasie.

Sonnenfeuer

Sir John Everett Millais (1829-1896)

Die Frühlingsluft tanzt durch die Gärten,
vermählt sich fröhlich mit dem Wind,

umhüllt mit einem weichen Wehen,
den Weltschmerz, wie ein kleines Kind.

Die Sonne zaubert hehres Leuchten
voll Freude in des Tages Zeiten,

und Himmelsfrieden lässt den Lärm
des Alltags in die Dünste gleiten.

Ihr Heerschar himmlischer Gewalten,
die ihr dem Schöpfer dienend schafft,

entzündet in den Menschenherzen,
des Abends eure Sonnenkraft!

Und jedes Herz, vom Glanz erhellt,
getröstet, wird sein Leid verstehen,

drum muss es abends stille sein,
dann kann der Schmerz der Welt vergehen.

Gütige Hände

Historische Künstlergrafik
nach dem Ölgemälde von Bertalan Székely (1835-1910)

Du bist so hilfsbereit und voller Güte,
weil du die Andren nicht vergisst,
obwohl du einst in deiner Blüte,
die Liebe selber hast vermisst.

Dort stehst du, öffnest beide Hände,
nimmst voller Mitgefühl den Schmerz;
wer immer sich auch zu dir wende,
es leuchtet ihm dein edles Herz.

Du wirst das Christuslicht verspüren,
das tiefen Frieden um dich hüllt,
es soll dich in die Zukunft führen,
mit Freude, die dein Herz erfüllt.

Wirst immer dein Zuhause finden,
wo einst dein Heimatstern auch steht,
kannst du dich ohne Angst verbinden,
mit Gott, der ewig mit dir geht.

Des Glaubens Hüter

Betende Hände – Albrecht Dürer (1471-1528)

Gott, Du bist die Ewigkeit,
die endlos seit dem Anfang uns umschließt.
Der in seiner Herrlichkeit,
die Gnade „Leben“ in uns gießt.

Wenn unsrer Hoffnung Sicht zerbricht,
geb‘ unsrem Geiste Kraft und Licht.
Lass unsern Glauben Hüter sein,
beschütze unsrer Liebe Schein,
die von dem großen Himmelslicht
ein Abglanz ist. – Herr uns gebricht
die Kraft, der Mut –
mit Dir im Herzen sind wir gut,
doch gehen wir ein Stück allein,
herrscht Dunkel dort.
Denn unser Sein, es ist Dein Wort,

als dessen Klang Gestalt gewonnen,
wohl unter hohen, lichten Sonnen
in biblischer Vergangenheit,
die uns allein erscheint so weit.

Bist nur gedankenweit entfernt,
den Ton zu finden, den wir einst gelernt,
der die Verbindung spürt, die Gegenwart.
Zeitlos bist Du, der immer bei uns harrt.

Dein Wort, das einst durchs All geklungen,
es ist ein Ruf, der längst zu uns gedrungen.
Es ist ein langer Weg in reinem Sein,
ein Widerhall zurück zu Dir allein.

Der die Zeiten wandelt und sie lässt verwehen,
lass uns alle Deine Wunder sehen.
Öffne uns zu Hause Deine Tür,
dieses Wissen gib uns tröstlich hier.

Du klingst in uns, so lass uns für Dich klingen,
auf dem Nach-Hause-Weg will ich Dir singen!

Heilige Agnes im Kerker

Die ‚heilige‘ Agnes von Rom (237-250) soll mit ca. 13 Jahren den Märtyrertod gestorben sein, weil sie die Ehelosigkeit um Christi Willen und somit ihre Jungfräulichkeit verteidigte.

Mich hat die Legende um ihre Person erschüttert. Auch Heilige waren Menschen, die irrten und fanatisch in ihren Ansichten waren. Ob die vielen ‚heilig‘ gesprochenen Menschen dem auch entsprachen? Das mag Gott alleine entscheiden.

Frank Cadogan Cowper (1877-1958)

In meiner Not gibst Du mir Stärke,
ein schützend‘ Kleid aus Engelshand.
Durch Lichtgewand und Wunderwerke
reicht mir der stille Gott die Hand.

Wenn böse Energien durchdringen
den Bannkreis meines lichten Seins,
so können Flammen ihn nicht bringen,
den Tod, der mich mit ihm vereint.

Bringst mir, für meine letzte Stunde,
ein Unschuldskleid aus Himmelslicht.
Bringst bald der Welt die Todeskunde,
noch eh‘ der neue Tag anbricht.

Rosengarten

The soul of the rose – John William Waterhouse (1849-1917)

Erträumen wir ein Leben wie im Rosengarten,
ein Paradies der Phantasie,
verwandelt sich das Streben in ein Warten
und uns’re Träume werden Ironie.

Bald überdrüssig wird des Müßigganges Bürde,
denn fehlen uns des Lebens Tiefen,
als ob das Einerlei nie enden würde,
werden wir leid, was wir einst riefen.

So nehmet hin das Bittre und das Süße,
wenn ihr das eine liebt,
tretet das andre nicht mit Füßen.
Nur wer im Dunkeln steht, ersehnt das Helle;
wer nur im Glücke schwebt, tritt auf der Stelle.

Wer reinen Herzens sucht, sucht nicht vergebens.
Such nach den Quellen, tief in dir vergraben,
Du findest Quellen reinen Lebens,
so schöpf aus ihnen ihre heil’gen Gaben.

Zauberschleier

Der Morgen – Caspar David Friedrich (1774-1840)

Verhüllt liegt unsre Zukunft, weltverborgen,
und um uns webt der lichte, helle Morgen,
die weißen Zauberschleier in den Tag.

Am Abend wirft die Nacht die langen Schatten
und legt sich auf des Tages Lasten nieder;
leise raunt die Natur die alten Lieder,
auf den Rabatten.

Die Weise, die erklingt, so fern der Nöte,
sie schwebt zum Wohle aller durch die Nächte,
als ob sie allem Übel Tröstung böte
und Freunde brächte.

Wer hoffend lauscht, den wird der Segen finden,
er eilt von Herz zu Herz, wie ein Gebet.
Den rechten Weg, wirst du ergründen,
wenn deine Seele es erfleht.

Wenn du die Liebe fühlst, so ganz durchdrungen,
dann öffnest du dich deinem Gott in dir.
Folge der Stimme, voll Vertrauen, unumwunden,
öffne die Tür.

Corona – Dornenkrone

Glücklos waren manche Tage,
tränenreich, die Nächte lang.
Einer Dornenkrone Plage
war die Überwindung dann.

Auferstanden aus Ruinen,
aus der Asche Neubeginn.
Menschen wählen Licht und Schatten,
schmerzensreich des Lebens Sinn.

Glücklich zählen sich Erlöste,
die in Christus auferstehen.
Doch wer Falsches sucht, der tröste
sich mit Werden und Vergehen.

Menschen tragen Lust und Not,
unbeschwert und unbelehrt,
kreisend durch Geburt und Tod,
sind sie nur zurückgekehrt.

Irgendwann des Wanderns müde
rebelliert der alte Geist,
und er sucht des Auswegs Trübe,
der den Weg „Erlösung“ weist.

Schmerzensreich ist diese Krone,
jubelnd nimmt er sie nun an.
Nicht als Sühne – nur zum Lohne,
dass Erlösung werden kann.