Schicksal

John Everett Millais (1829-1896)

Fühle mich innerlich wie neu,
geboren aus Schmerz und Hoffen.

Das kleine Glück, es blieb mir treu:
Gott ließ mir ein Stück Zukunft offen.

Der Tod grub schon an meiner Grube.
Darf mich nun auf den Frühling freuen.

Da wird der Sonnenstrahl zum Schube
und lässt den Lebensmut erneuern.

Die kleinen Dinge meines Lebens
war’n immer wichtiger, als große.

Kein Tag des Daseins war vergebens;
oft fiel ich aus dem weichen Schoße

der Engel, die mich sanft belehrten,
ertrugen meine Menschlichkeit.

Sie, die sich opfernd nie beschwerten,
sie hoben mich durch manches Leid.

Nun taste ich mich durch die Tage.
Manches, das aussteht wird verwunden.

Und wird auch manche Zeit zur Plage,
ich freue mich auf jede Stunde.

Weihnachtsstern

Planeten Konstellation am 21. Dezember 2020
Jupiter und Saturn, fast wie zu Zeiten von Christi Geburt.
Besuch der Sterndeuter aus dem Morgenland.

Weiter Blick zum sternenklaren Himmel;
Mondfinsternis,
Planetenbegegnung lädt ein zur Feierstunde auf Erden.
Sternstunde der Menschheit;
Konstellation der Superlative,
flutet den Schatten irdischer Dualität mit Licht,
beleuchtet den Vorhang zwischen den Welten.
Suche nach der Wahrheit seit Äonen von Jahren,
Countdown zur Beendigung der Eiszeit;
Weihnachtsstern als Symbol für Frieden und Liebe,
bringt uns ein Stück himmlisches Zuhause in die Gegenwart.
Erinnerung an unsere Herkunft.
Vereinigung von Himmel und Erde im göttlichen Zeitplan.
Verankerung des Christus-Bewusstseins in unseren Herzen,
für eine paradiesische Zukunft auf Erden.

Ein anderes Fest

Ein Fest, das anders werden soll:
Nur feiern in heimischem Raum.

Wie einst, wo sich erwartungsvoll
das Christkind zeigte im Traum.

Wo Groß und Klein im Lied vereint,
erleben Lichter und Glanz;

der Wunderkerze Funke scheint,
wie flücht’ger Engeltanz.

Geruch von Schwefel in der Luft,
Knistern des Feuers, fürwahr.

Vor Glockenläuten, Plätzchenduft,
staunend, voll Demut, verharrn.

Kein Rennen und Laufen, weg von der Gier,
dem Kauf von teuren Dingen.

Den Ärmsten unter Mensch und Tier
Weihnacht der Liebe bringen.

Nur anspruchslose Einfachheit,
als ‚bunte Teller‘ Geschenke waren.

Kein Überfluss, Zufriedenheit,
so wie in den Nachkriegsjahren.

Nicht schimpfen über die Beschränkung,
geht lobend durch das Labyrinth.

Wir leben noch! Nehmt es als Schenkung
und freut euch, wenn der Weg gelingt.

Namenloses Sehnen

Im Geheimen – Sulamith Wülfing 1901-1989

Du stehst im Dunkeln –
unerkannt,
verborgen dein Gesicht.
Nie wird dein Name mir genannt,
und wie ein Schatten tauchst du aus dem Licht.
 
Wer bist du, unbekanntes Wesen,
nach dem mein Herz so sehnend dürstet?
Wartest du schlummernd,
bis die Zeit gereift?
Siehst du nicht, wie sie gnadenlos ergreift
mein klagend Leben?
So wird sich bange Sehnsucht
in die Stunden weben
und mich verzweifeln lassen
an der Seeleneinsamkeit.
 
Ich bitte dich, oh Zeit,
nimm mir die finst’ren Qualen
und zeig im Licht, was du mir vorgesponnen!
 
Wird neue Liebe mir den Ausgleich zahlen,
für das Vertrauen, das sie einst genommen?

Verlorenes Paradies

Es geht ein Hoffen um die Welt,
 ein altes Sehnen,
 
ein Streben, frei vom Drang nach Geld,
befreit von Tränen,
 
es ist die Suche nach dem Glück,
für ewig gar,
 
bringt uns das Paradies zurück,
wie’s damals war,
 
in dem nur dornenlose Rosen stehen
und alle Lebensräder rückwärts drehen;
 
in dem es keine Sünde gibt,
nur einen Gott, der uns unendlich liebt;

befreit von Priestern und Gelehrten,
die Gottes Wort ins Weltliche verkehrten.

Nur Liebe ist dann unsre Religion;
vorbei die Konkurrenz vor Gottes Thron.

Verbotene Sehnsucht

So, wie die Schwalben ohne Rast
zu segeln durch die Lüfte,
 
mit allen Sinnen, fern der Last
zu atmen süße Düfte;
 
oh, wie du lockst, du weite Welt,
mit Schönheit und mit Leben,
 
und jeder Stern am Himmelszelt,
will meine Sehnsucht regen;
 
wie leide ich an meiner Ruh’
der abgeschied’nen Welten,
 
so hör’ mich rufen, laut: Nur DU
kannst meiner Seele helfen!
 
Wollt’ nahe sein nur DIR, mein Herz
und opfern DIR mein Leben,
 
dass Einsamkeit mir wird zum Schmerz,
bitt’ ich DICH zu vergeben.
 
Seh’ nicht als Sünde meinen Drang
des Daseins Sinn zu üben,
 
folg’ trotzdem DIR ein Leben lang,
gib meiner Seele Frieden.
 

Freundschaft

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Freundschaften wachsen tief ins Herz,
so ganz und gar verbunden,
fühlt man gemeinsam Freud’ und Schmerz,
gute und schlechte Stunden.

So edel manches Freundschaftsband
schien tief und fest verwoben,
ist es auf einmal kurzer Hand,
uns plötzlich fort geflogen.

Schutzengel

Sulamith Wülfing 1901-1989

So fremd sind uns historische Epochen,
so grausam das Geschehen mancher Zeit.
Ein Lidschlag war’s und 100 Jahre krochen,
so wie ein Windhauch durch die Ewigkeit.
 
So manche Seele hat die Zeit verschlungen,
doch auch so viele neu der Welt geboren,
und immer hat der Mensch danach gerungen,
den Gott zu finden, den er glaubt verloren.
 
So viele Hilfeschreie in der Not durchdrangen
den Schleier dieser andren Dimension,
wo Gottes Helfer menschlich wehes Bangen
in Freude wandeln, nur für Glaubenslohn.
 
So geht der Engel, der dich freundlich leitet,
von Ewigkeit zu Ewigkeit mit dir;
schützt deine alte Seele Flügel breitend,
und bist du einsam, steht er vor der Tür.
 
So trägt er für dich manche Daseins-Bürde,
und oft trägt er auch dich auf seinem Rücken;
als wenn die Liebe niemals enden würde,
baut er dir ständig neue Himmelsbrücken.

Gottesnähe

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

So, wie der Wind die Wolken treibt,
rastlos am Firmament,
ist nichts seit Anbeginn der Zeit,
das uns von Gott getrennt.
 
ER zeigt in allem ewiglich
sein gütiges Gesicht,
in der Natur entzündet ER
die Liebe uns im Licht.
 
Allgegenwärtig schützt ER uns
durch seine Engelschar,
wir sind in ihm und ER in uns
für ewig, immerdar.