Bedingungslose Liebe

Wir sollten versuchen, die Menschen zu lieben wie sie sind, ganz gleich auf welchem Weg sie sich befinden, und ganz gleich, welch eigene, besondere Art ihnen innewohnt. Auch, wenn ihre Taten nicht immer liebenswert sind, so bedeutet “bedingungslose” Liebe, so, wie die Sonne auf alles zu scheinen, was existiert auf Erden, auf Gut oder Böse.

Du gehst deinen eigenen Weg. Es sind deine Entscheidungen, auf welche Weise du deine irdischen Lektionen lernen möchtest. Sei der Mensch, der du sein möchtest und nicht der, den andere erwarten. Doch vergiss dabei nie: Du sollst niemandem antun, was du selbst nicht ertragen könntest! Bleib stets liebevoll und lass dich niemals leiten von Hass, Rache, Neid und Gier.

Niemand kann wissen, was für dich das Beste ist, obwohl andere es manchmal meinen. Sie waren niemals dort, wo du gewesen bist, sind nie in “deinen Schuhen gelaufen”, haben das Leben demnach nur aus ihrem eigenen Blickwinkel betrachtet, von ihrem Standpunkt aus.

Welche Lernaufgaben du dir ausgesucht hast, als du in dieses Leben kamst, weiß niemand auf Erden. Es liegt alleine an dir, wie oder mit wem du sie lösen möchtest und in welcher Zeit. Denke aber daran: Deine Eltern, die Menschen mit denen du zeitlebens zusammentreffen wirst, hast du dir selbst gewählt, um durch ihre Taten zu wachsen und zu reifen. Seelenreifen ist Schmerz! Menschen, die dir scheinbar Schlechtes antun, damit du reifen kannst, haben eine schwere Aufgabe übernommen. Sei auch dafür dankbar!

Wie viel Zeit dir gegeben ist, weiß nur Gott. Bedenke: Zeit ist das einzige Kapital, das du auf diese Welt mitgebracht hast. Versuch sie mit Gutem und Nützlichem zu füllen, dann wirst du darin weiterleben. Niemand hat die Welt durch deine Augen gesehen, wie könnte jemand also wissen, was du benötigst?!

Wenn dich deine Handlungen, Gedanken oder Worte zu Taten treiben, mit denen du anderen Schaden zufügst, überdenke den Weg, der dorthin geführt hat. Nur du allein bist ihn gegangen. Auch Vergebung ist Liebe. Dennoch dient alles, was du tust, dem geistigen Wachstum.

Ein jeder sieht die Welt aus seinem eigenen Blickwinkel. Akzeptiere, dass es vielerlei Möglichkeiten gibt, die verschiedenen Seiten unserer Welt zu betrachten und zu erfahren. Niemand darf dir dein Recht auf Entwicklung absprechen. Alle Menschen verfügen über dieses Recht! Versuche, die Liebe, die du in dir fühlst, an alle gleich gültig weiterzugeben. Sei wie die Sonne, die nicht unterscheidet und alles gleichermaßen bestrahlt. Was du ausstrahlst, wird zu dir zurückkommen! Was du säest, das wirst du ernten!

Du hast die freie Entscheidung, deinen, von dir gewählten Weg zu gehen. Ob es der richtige war, wirst du erfahren. Falsch gewählte werden dich zurückwerfen. Manchmal musst du eine Weile ausruhen und in dich gehen, wenn du wieder einmal in einer Sackgasse steckst. Du kreierst hier auf Erden deinen eigenen Himmel oder deine eigene Hölle.

Ob der Weg auf- oder abwärts führt, bestimmst du alleine. Sei Balsam für die Welt, nicht Säure, die zerstört! Jedes Wesen folgt dem inneren Drang, der ihn seinen Pfad erkennen lässt. Dieses Drängen kommt von Gott, der uns in die richtige Richtung führt. Jeder Mensch kann hier auf Erden auf ganz individuelle Art und Weise seine eigene Weisheit und Liebe einbringen. Wir sind hier, um Lieben zu lernen.

Die Welt wird uns gereicht, wie ein bunter Blumenstrauß aus vielen Rassen, Religionen, Kulturen, Nationalitäten und Glaubensrichtungen, sodass wir aus dieser Vielfalt einen großen Nutzen und viele Lehren ziehen können. Die Menschheit besteht aus Brüdern und Schwestern, auch, wenn sie an fernen Orten geboren wurden oder einen anderen Glauben haben.

Tolerant sein, ist nicht immer leicht, aber wir lernen ja noch, sonst wären wir nicht hier.

Seelenleuchten

The Kiss – Silvio Allason (1845-1912)

Es war im Blicke seiner Augen,
ein Funken von Verbundenheit;
an wahre Liebe wollt‘ ich glauben,
an Feuer in der Dunkelheit.

Da war ein Leuchten unsrer Seelen,
etwas ergriff mein ganzes Herz,
es schien vom Boden mich zu heben
und gleichsam zog es voller Schmerz.

Es waren kurze Glücksmomente,
ein Losgelöst sein von der Zeit.
Des Glücks Sekunden sind zu Ende,
Erinnerung beschwert mein Herz.

Wieder ist Frühling! Aufgewühlt,
geht weit zurück ein altes Hoffen.
Nie wieder hab ich so gefühlt!
Kein Herz schien mir so nah und offen.

Durchlebte Zeit

„Träumerei“ Gemälde von Franz Guillery (1863-1933)


Wie schnell die Zeit läuft,
wenn du bei mir bist,
wie sie zu stehen scheint,
wenn du mich küsst.

Wenn deine Lippen sanft auf meine Hände gleiten,
dann ist es so,
als würden die Sekunden schleppend schreiten
und sich nur zögernd mit den Strömen der Vergänglichkeit verbinden,
als müssten unsre Seelen sich in ihren Tiefen wieder finden.
Nur unsre Liebe hilft uns aus dem irdischen Geschehen,
hinüber in die zeitenlose Dimension zu gehen.
Wenn unsre Geister sich im Über-All verbinden,
dann werden wir uns in den fernen Himmeln wieder finden,
die wir verlassen mussten schon vor Ewigkeit;
nun fanden wir uns auf der Erde wieder,
hier und heut.

Wenn mir dein Augen-Blick wie ein Versprechen scheint,
das uns nicht erst in der Unendlichkeit vereint,
dann werden mir die Tage lang und endlos scheinen,
und in der Zeit des Wartens werd‘ ich bittre Tränen weinen.

Du gabst mir nichts,
nur deine Liebe gabst du, deinen lieben Blick,
doch brachtest du mir das Elysium in diese graue Welt zurück.
Gib mir die Hand für eine lebenslange Reise durch die Zeit,
sag niemals, unsre Liebe sei Vergangenheit.

Selbst befreit

Károly Brocky (1807-1855)- Schlafender Bacchant

So, wie ein Hauch
im Fluss der Zeit verdunstet,
gelöst, gelöscht die Spur,
die tränenreich verschwamm.
 
So trieb der Rauch,
der lichtlos sich verdunkelt,
aus meiner Hölle hoch empor,
als Glut noch glomm.
 
Was bleibt zum Schluss?
Ein Nicht-Verstehen,
Vertrauensbruch und Schmerz,
der tief begraben in der Grube ruht.
 
Doch weckt man ihn,
zerreißt es mir das Herz,
und aus dem Rauch
und aus der Asche steigt die Wut.
 
Es gab kein Wort,
kein Abschied…letzte Blicke.
Erklärung suchend
deute ich den Schluss.
 
So wende ich mich ab,
ertrag die Tritte,
von dem, der „rein“ zu sein schien,
mit Verdruss.
 
Benutzt, gedemütigt, verworfen,
verletzt, verstoßen – längst bereut.
Verbrannt im großen Höllenofen
der Fehler…schließlich selbst befreit.
 

Ausgeträumt

Karl Pavlovich Bryullov (1799-1852)
„Ein Traum eines Mädchens vor Sonnenaufgang“

Aus meinem Traumstein
sind die Träume entflohen.
Wie die Schatten der Nacht
sind sie im Nichts verschwunden.
Als das Licht mir die Wahrheit zeigte,
habe ich sie freigesprochen,
vom Bann ihrer Bestimmung.
Nun schweben sie im kosmischen Nichts,
auf der Suche nach einer neuen Vision,
schöner noch als die alte.
Irgendwann werde ich wieder einen neuen Stein finden,
bereit, mich und ihn mit schönen Träumen zu füllen,
für eine neue Bestimmung.

Mein Halt

Seated Nude 1884 – William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Mein Herz ist müd’ vom Weinen, Hoffen.
Nicht enden will mein schicksalsschwerer Gang
auf Wegen, steinig, zukunftsoffen –
weit fort von dir.
 
Ich schau den Himmel an!
Mir scheint, das Blau ist fahl,
wird nie mehr leuchten.
 
Ein Sonnenstrahl streift mild mein Angesicht.
Er trocknet meine Augen nicht, die feuchten;
an meiner Traurigkeit zerbricht sein Licht.
 
So lang schon bist du fort, und immer wieder
spür ich das Atmen deiner Seele um mich her.
 
Dein Geist ist bei mir! Schwer sind meine Lider.
Nur deine Augen sehend wandle ich umher.
 
Bin nicht mehr ich! Mein Sein ist gramestrunken.
Nichts und doch alles bindet mich an dich.
Wenn ich in Nächten tief im Traum versunken
mein Selbst verliere, halte mich.

Bittere Neige

Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski 1817-1900


Ich liebe dich so sehr, dass ich vergaß,
dass wir nicht Eins sind, sondern zweigeteilt.
Ich liebe dich so über jedes Maß,
dass mich die Trennung wie ein Todeskampf ereilt.
 
Ich habe nächtelang gelegen und gewacht!
Wer einst zusammenführend uns gelenkt,
der kann nicht Absicht haben und bedacht,
die Liebe hindern, weil er uns nun trennt.
 
So wie ein Leuchtturm steh’ ich, felsenfest;
du kennst den Weg zurück, er steht dir frei.
Noch schüttelt mich der Neige bittrer Rest,
des Daseins Kelch dir abgenommen sei.
 
Was fürchtest du? Du bleibst in deiner Welt.
Doch ihrer Ordnung dienst du nicht allein!
Der Seit an Seit uns zueinander stellte,
wird Planer unsrer Lebenswege sein.
 
Bringt dich die Liebe einst zurück zu mir,
gelenkt von ihm, der einzig weiß warum,
dann öffnet er uns Herz und Seelentür
und wandelt Tod in neues Leben um.
 

Wochenende

Herzweh statt Freude,
verhaltenes Warten,
Blick auf die Uhr.
 
Gedanken,
bedrückend, verharrend im Leide,
wartend und hoffend,
von Glück keine Spur.
 
Lösung?
Nicht dürfen,
nicht können,
nicht wollen!
 
Fragen ins Leere!
Steht Pflicht vor Gefühl?
 
Abwenden,
leugnen,
Achtung zollen,
Gefühle der Anderen –
ein bitteres Spiel.
 
Ausweg?
Bringt Trennung!
Auf steinigen Wegen,
Wandel,
der schmerzhaft
das Neue gebiert.
 
Zeit und Geduld?
Ein klagendes Streben,
das meine Tage
mit Trauer verziert.
 

Lieben heißt sehnen

Sulamith Wülfing  – 1901-1989

Das Sehnen ist ein Band, das liebend bindet,
die Zauberschnur, die niemals reißt und bricht.
Wo sich die alte Liebe wieder findet,
da wird das tiefste Dunkel hell und licht.
 
Du strahlst in mir, wie Diamanten strahlen,
du reflektierst das Licht, so, wie ein Edelstein.
Lass‘ deiner Augen Glanz auf meine fallen,
du wirst der Glanz auf meiner Seele sein.
 
Du bist mir fern, doch öffnen sich die Schleier,
so wie die Sonne durch die Wolken bricht.
Und jedes Wort, das du mir schreibst erneuert,
was du mit deiner Gegenwart versprichst.
 
Die Liebe hält uns fest und ganz umschlungen,
nichts wird sie lösen – nicht in Ewigkeit!
Und ist dein liebes Wort schon lang verklungen,
dann schwebt es selig weiter durch die Zeit.
 
Das Band der Liebe ist um uns geflochten,
es bindet sanft, doch hart fordert die Pflicht.
Was unsre Träume, Wünsche, nicht vermochten,
nun eine andre Macht für uns erficht.
 
Gott gab uns Liebe, er wird uns geleiten,
damit wir rechte, lichte Wege gehn.
Er wird vor uns die Möglichkeiten breiten,
damit wir wagen, glauben und verstehn.
 

Getrennte Wege

Der lange Weg, er teilt sich in der Mitte
Und jeder Abzweig strebt ins Nirgendwo.
Du wähltest deinen Weg, mit festem Schritte,
längst bist du weit von mir, im Irgendwo.
 
Hast ein Kleinwenig noch am Horizont gestanden.
Hast deinen Kopf nach mir gewandt ein letztes Mal.
Als meine Hoffnungen mit dir im Nichts verschwanden,
hab ich geweint in langer, stiller Qual.
 
Du ließest mich zurück. Im Alltagstreiben
war mir dein Leben völlig abgewandt.
Wenn tausend Dichter ‚schön’ von Liebe schreiben,
dann haben sie die unsre nicht gekannt!
 
Was mir ein Glück zu sein schien, war kein Segen,
es war nur Illusion, ein Tränenhort.
Die spülten wie ein sintflutart’ger Regen
all unsre Herzverbundenheit hinfort.
 
Die ‚kalten’ Augen wähltest du! Die warmen
sind doch längst trüb geweint, vom Gram ganz alt. 
Du lässt dich von Erinnerung umarmen
und willst nicht sehn: Die Gegenwart bleibt kalt.
 
Noch fühlen wir Gedanken. – Sie vergehen!
Erinnerung verblasst – der Weg ist weit!
Und unsre Liebe blieb am Wegkreuz stehen,
bald liegt sie tief unter dem Schnee der Zeit.