Gewissheit

Es wird noch lang so bleiben,
und ich fürchte mich:
Nur eisiges Schweigen
zwischen den Wänden –
und ich!

Da ist kein ‚Wir’,
das sich im ‚Uns’
verschließt – kein ‚Du’.
Kein Vogel singt
ein Lied für
‚unsren’ Tag!

Mit Sonnenhänden
hast du mich berührt,
und Hoffnung in den
Garten meiner Seligkeit
gepflanzt.

Doch ewig bist du fern,
und wo die andern Pärchen
liebend beieinander sitzen,
da ist kein Platz für uns.

Du sitzt mit andern –
nicht mit mir!

Dort, wo die Hoffnung
in mir wuchs,
blüht einzig wehes Bangen,
denn deine Sonnenhand,
sie brannte mir
Entsagen in das Herz.

Die Tage ohne dich
sind dunkel mir und kalt,
und alle Wege, die ich jemals
ging mit dir,
sie liegen traurig, tot im
Schatten unsrer Liebe.

Bitte, komm bald!

(2007)

Balsam des Vergessens

Caspar David Friedrich (1774–1840)

Bald* bist Du gänzlich fort aus meinem Leben!
Du gehst nicht ganz – ein kleiner Teil bleibt hier,
den senke ich mit liebevollem Weben
in die verborgne Kammer meines Herzens mir.

Nicht losgelöst sind alle Erdenstricke,
noch hält mich die Erinnerung gebannt,
doch bald pflegt Schwester Zeit mit leisem Schritte,
mir mein gebrochnes Herz mit sanfter Hand.

Sie wird den Balsam des Vergessens auferlegen,
der wie der Nachtwind sich in Seelen senkt.
Sie wird die Wunden heilen, die noch quälen
und tröstend Sehnsucht stillen, wenn der Tag beginnt.

Die Einsamkeit wird sich in Stille wandeln,
mein Herz wird heilen, irgendwann und -wie.
Nur manchmal senkt mir dein verklärtes Handeln
„Verbundenheit“ in meine Phantasie.

In diesem Dunstbild sehe ich dich wieder,
du hüllst mich ein, in weißes Traumgespinst.
Dein Geist singt mir am Tage Trauerlieder,
zeigt mir, dass Traumesbilder nicht das Leben sind.

*Das Gedicht entstand im Jahr 2008

Abstand

Johann Heinrich Vogeler 1872-1942

Wie ein Dolchstoß traf mich dieses Wort,
wie ein Pfeil durchdrang er Mark und Bein.
Aus, vorbei! – Ein kurzer Schlussakkord,
klang mir warnend tief ins Herz hinein.

Wo vor nicht allzu langer Zeit
Nähe und Verbundenheit bestand,
löst nun dieses messerscharfe Wort
für ewig unser ‚untrennbares‘ Band.

Nichts blieb mir, nur Leere, Illusion.
Abstand halten, wird zur Zukunftspflicht.
Trifft mich doch dein harter Liebeslohn
wie ein Faustschlag mitten ins Gesicht.

Deiner Liebe hab‘ ich blind vertraut,
doch sie war ein langes Trauerspiel.
Wo normal sie Zukunftsschlösser baut,
hattest du nicht einen Stein, – kein Ziel.

Alles nahmst du mir, nichts bleibt zurück.
Scherben kann man kleben, Herzen nie!
Kreuzt sich dennoch unser Weg ein Stück,
werd‘ ich Abstand halten…irgendwie.

Still sein soll mein Herz

Ludwig von Hofmann (1861-1945) – Gretchen im Kerker

Still sein soll mein Herz –
kann im tiefen Schmerz
keine schwere Last mehr tragen,
will verzagen an der Welt,
an den vielen bangen Fragen,
die uns unsre Liebe stellt.

Oft trifft die Erkenntnis bitter
in den weichen Seelenkern,
und der letzte Hoffnungsstern
glänzt mir trübe durch die Gitter.
„Einzelhaft – ein Leben lang!“,
hör ich meine Seele klagen.

Werde niemals mehr befreit.
Will und kann es nicht ertragen!
Wenn der Kerkertüre Schluss,
sich vollzieht durch deine Hände,
fällt des Schattenbildes Guss
hier an die Gefängniswände,

und dein Bildnis schwebt im Raum,
um schnell wieder zu verblassen.
„Irgendwann muss ich dich lassen!“,
flüstert es mir leis‘ im Traum.
Kann das Schicksal nicht verstehen –
es erscheint mir wie ein Hohn!

Bleibt mein Wunschbild – Illusion?
Und beim traurigen Erwachen,
höre ich das Schicksal lachen:
Es trägt Deiner Stimme Ton!

Seelenflüge

Louise Janmot (1814-1892)

Die Seele öffnet ihre Flügel, wenn sie liebt.
Hebt alle Erdenanker, treibt im Meer des Sehnens,
und so, wie Sommerwolken über Wellen schweben,
treibt sie bis an die fernsten Weltenenden
im Strom der Leichtigkeit dem Liebenden entgegen.

Der Ruf der Seele sucht das Ohr des andern,
der einsam und allein am fernen Ufer stehend wartet
und voller Angst den Weg zurück nicht findet.
Dazwischen sucht die Woge des Vergessens
im Strom verflossener Zeit Vergangenes zu lösen.

Die Seelenflügel sind im Liebesfluge weit gebreitet.
Sie suchen Herzensbrücken über Abgrundtiefen
auf neuem Grund zu bauen, in Liebe fest verankert,
den bodenlosen Strudel fliehend.
Nur, wenn man liebt, dann hat die Seele Flügel.

Untragbar

Dein Blick war mir das hellste
Licht auf dieser Welt,
du nahmst es fort,
ich trieb allein im dunklen Raum,
und meine Liebe zu dir,
die mich unlösbar in Fessel stellte,
war stark, wollt‘ Früchte tragen
wie ein Baum.

Doch du beschneidest ihn,
lässt ihn nicht blühen.
Er fragt das Jahr: „Wann wird es Frühling sein?“
Die trüben Himmel sind stets über ihm,
es bleibt die Kälte, und er steht allein.

Auch, als ich meine Hände nach dir streckte,
so wie der Baum zum Himmel sein Geäst,
so bleibst du fern, bist unerreichbar fort,
bist wie ein Schatten, der kein Leuchten lässt.

Nicht lange hielt das Liebesband
uns sanft umschlungen,
unlösbar schien es – trennend war die Zeit.

Ich lebte zwischen Sehnsuchtsleid
im Taumel, hoffend, wartend,
und täglich sind es die Erinnerungen
an jene Stunden,
als wir weltvergessen, voller Liebe,
einander in die Herzen lauschten
und Liebe dort,
so wie ein sanftes, frisches Windesrauschen,
ein Frühlingsweben in die Seelen schrieb:
Ich hab dich lieb!

Der Geist dieses Ortes

Genius huius loci – in Weimar

aus Werthers Leiden von Johann Wolfgang von Goethe,
Zeichnung von Friedrich Bold

Es gibt einen Ort dessen Schwingung
erstrahlt mir so rein wie Kristall.
In seinen Facetten, da spiegelt
sich dein Geist noch ein letztes Mal.

Spür’ noch deinen Arm, deine Blicke,
die heller erstrahlten als Licht.
Warst mir der Schönste zum Glücke,
erhaben, dein Geist, dein Gesicht.

Als leise im Frühlingserwachen
dein Mund mich zärtlich berührt,
da hab ich auf heißen Wangen
den Hauch deiner Liebe gespürt.

In unseren Herzen lag Frieden,
Glückseligkeit gab uns Geleit,
doch blühten die Herbstzeitlosen
uns lange schon vor der Zeit.

Das Schicksal, es streute uns Rosen,
doch der Geist unsrer Liebe trieb fort.
Vorbei ist das Streicheln und Kosen,
die Blüten, zertreten, verdorrt.

Das Leben hat alles genommen;
dein Geist ist so fern mir, so weit.
Nun ist der Winter gekommen –
du hast dich von mir befreit!

Verwoben

Fotograf unbekannt

Der Raum – erfüllt von dir,
und wenn ich meine Augen schließe, bist du hier.

Ich fühle deinen Atem noch an meiner Wange,
und deine starke Hand hält mich noch lange,

auch wenn es nicht in Wirklichkeit geschieht,
du bist noch hier, doch deine Schwingung flieht,

und schon nach kurzer Zeit geht sie dahin,
doch bleibst du tief in Seele mir und Sinn.

Das Schicksal hat uns für die Ewigkeit verwoben,
es scheint, als hätten Engel uns ins Licht gehoben.

Ein Teil von mir bist du, das ich nicht missen will,
an deinem Herzen werd ich ruhig und still.

So gern würd‘ ich die Zukunft für dich sein,
denn nur ein Tag mit dir fängt mir die Sonne ein.

Bedingungslose Liebe

Wir sollten versuchen, die Menschen zu lieben wie sie sind, ganz gleich auf welchem Weg sie sich befinden, und ganz gleich, welch eigene, besondere Art ihnen innewohnt. Auch, wenn ihre Taten nicht immer liebenswert sind, so bedeutet “bedingungslose” Liebe, so, wie die Sonne auf alles zu scheinen, was existiert auf Erden, auf Gut oder Böse.

Du gehst deinen eigenen Weg. Es sind deine Entscheidungen, auf welche Weise du deine irdischen Lektionen lernen möchtest. Sei der Mensch, der du sein möchtest und nicht der, den andere erwarten. Doch vergiss dabei nie: Du sollst niemandem antun, was du selbst nicht ertragen könntest! Bleib stets liebevoll und lass dich niemals leiten von Hass, Rache, Neid und Gier.

Niemand kann wissen, was für dich das Beste ist, obwohl andere es manchmal meinen. Sie waren niemals dort, wo du gewesen bist, sind nie in “deinen Schuhen gelaufen”, haben das Leben demnach nur aus ihrem eigenen Blickwinkel betrachtet, von ihrem Standpunkt aus.

Welche Lernaufgaben du dir ausgesucht hast, als du in dieses Leben kamst, weiß niemand auf Erden. Es liegt alleine an dir, wie oder mit wem du sie lösen möchtest und in welcher Zeit. Denke aber daran: Deine Eltern, die Menschen mit denen du zeitlebens zusammentreffen wirst, hast du dir selbst gewählt, um durch ihre Taten zu wachsen und zu reifen. Seelenreifen ist Schmerz! Menschen, die dir scheinbar Schlechtes antun, damit du reifen kannst, haben eine schwere Aufgabe übernommen. Sei auch dafür dankbar!

Wie viel Zeit dir gegeben ist, weiß nur Gott. Bedenke: Zeit ist das einzige Kapital, das du auf diese Welt mitgebracht hast. Versuch sie mit Gutem und Nützlichem zu füllen, dann wirst du darin weiterleben. Niemand hat die Welt durch deine Augen gesehen, wie könnte jemand also wissen, was du benötigst?!

Wenn dich deine Handlungen, Gedanken oder Worte zu Taten treiben, mit denen du anderen Schaden zufügst, überdenke den Weg, der dorthin geführt hat. Nur du allein bist ihn gegangen. Auch Vergebung ist Liebe. Dennoch dient alles, was du tust, dem geistigen Wachstum.

Ein jeder sieht die Welt aus seinem eigenen Blickwinkel. Akzeptiere, dass es vielerlei Möglichkeiten gibt, die verschiedenen Seiten unserer Welt zu betrachten und zu erfahren. Niemand darf dir dein Recht auf Entwicklung absprechen. Alle Menschen verfügen über dieses Recht! Versuche, die Liebe, die du in dir fühlst, an alle gleich gültig weiterzugeben. Sei wie die Sonne, die nicht unterscheidet und alles gleichermaßen bestrahlt. Was du ausstrahlst, wird zu dir zurückkommen! Was du säest, das wirst du ernten!

Du hast die freie Entscheidung, deinen, von dir gewählten Weg zu gehen. Ob es der richtige war, wirst du erfahren. Falsch gewählte werden dich zurückwerfen. Manchmal musst du eine Weile ausruhen und in dich gehen, wenn du wieder einmal in einer Sackgasse steckst. Du kreierst hier auf Erden deinen eigenen Himmel oder deine eigene Hölle.

Ob der Weg auf- oder abwärts führt, bestimmst du alleine. Sei Balsam für die Welt, nicht Säure, die zerstört! Jedes Wesen folgt dem inneren Drang, der ihn seinen Pfad erkennen lässt. Dieses Drängen kommt von Gott, der uns in die richtige Richtung führt. Jeder Mensch kann hier auf Erden auf ganz individuelle Art und Weise seine eigene Weisheit und Liebe einbringen. Wir sind hier, um Lieben zu lernen.

Die Welt wird uns gereicht, wie ein bunter Blumenstrauß aus vielen Rassen, Religionen, Kulturen, Nationalitäten und Glaubensrichtungen, sodass wir aus dieser Vielfalt einen großen Nutzen und viele Lehren ziehen können. Die Menschheit besteht aus Brüdern und Schwestern, auch, wenn sie an fernen Orten geboren wurden oder einen anderen Glauben haben.

Tolerant sein, ist nicht immer leicht, aber wir lernen ja noch, sonst wären wir nicht hier.

Seelenleuchten

The Kiss – Silvio Allason (1845-1912)

Es war im Blicke seiner Augen,
ein Funken von Verbundenheit;
an wahre Liebe wollt‘ ich glauben,
an Feuer in der Dunkelheit.

Da war ein Leuchten unsrer Seelen,
etwas ergriff mein ganzes Herz,
es schien vom Boden mich zu heben
und gleichsam zog es voller Schmerz.

Es waren kurze Glücksmomente,
ein Losgelöst sein von der Zeit.
Des Glücks Sekunden sind zu Ende,
Erinnerung beschwert mein Herz.

Wieder ist Frühling! Aufgewühlt,
geht weit zurück ein altes Hoffen.
Nie wieder hab ich so gefühlt!
Kein Herz schien mir so nah und offen.