In Träumen blicke ich ins Weite, geh still den Weg, der unser war; Nachdenklichkeit geht mir zur Seite, macht mir Vergangenes offenbar.
Zeugt jeder Stein und Baum des Weges von deiner Gegenwart allhier, so wird mein Gang – ein Traumerlebnis, ein Weg, der tiefen Seufzer mir.
Nur Trauer fühl’ ich, übermächtig, in mir da toben Gram und Pein. Mein Gang ist schwer, mein Schritt bedächtig, denn heut geh‘ ich den Weg allein.
Der Wind, er haucht mir deinen Namen: „Mein Liebes“ schwebt mir sanft durchs Licht. Doch, ach, der Spott kennt kein Erbarmen, wenn er mit deiner Stimme spricht.
Treibt voller Hohn mit diesen Worten nun Wehmut in den Herzensgrund; fühl’ ich an den vertrauten Orten, noch deinen Kuss auf meinem Mund.
Dort steht verwaist die Bank. Und wieder füllt sich mit Traurigkeit mein Herz, und meine tränenschweren Lider, verschließen sich in wehem Schmerz.
Wo bist du, dem ich so vertraut, der mich so sanft und zart umfing? Nichts blieb mir! Wie der Morgen graut, so graut in mir mein Lebenssinn.
Warst meines Daseins reichste Fülle, in Liebe hülltest du mich ein. Trag deren inhaltslose Hülle, in eine leere Zeit hinein.
Die Luft um uns hängt voller Geigen, der leise Wind ist ganz erfüllt von Glücksgefühl. Ein Strahlenreigen umspielt dein liebes, trautes Bild.
Der Zweige sanftes Auf und Nieder klingt rhythmisch, wie ein Flügelschlag, es schwingt in unsren Herzen wieder, der golddurchwirkte, heitre Tag.
Wie Flüstern hebt das Blätterrauschen von Baum zu Baum sich, wie ein Chor. Es singt und klingt – wir stehn und lauschen und Seligkeit durchströmt das Ohr.
Wir fühlen Harmonie und Frieden, der unsre Seelen sanft erfasst, vereint mit der Natur, getrieben von Liebe, fern von aller Last.
Fast 20 Jahre sind vergangen; ein neuer Frühling zieht ins Land. Es war vor langer Zeit, als er gegangen, und mich die einsame Erinnerung band.
Ich hatte Hass, war wütend und in Qual, noch Jahre später, als die Arbeit band; doch jetzt verstehe ich mit einem Mal, dass ich mein Schicksal im Alleinsein fand.
In Stille zog ich in mein Schneckenhaus, in die Spirale meines Seeleninnern ein, löschte die Lichter der Erwartung aus – ein sehnsuchtsloser Platz für mich allein.
Bald werden viele Frühlingsregen fallen und starke Winde durch die Straßen wehen; ich werd‘ die Hand des Eremiten halten, mit ihm durch Nebel in die Zukunft gehen.
Es war im September 2008, als ich von einem Eremiten ohne Gesicht träumte, der meine Hand fasste. Er trug eine dunkelbraune Mönchskutte aus grobem Sackleinen. Das machte mir Angst. Ich stand in der Küche und sah in den Flur, als der Mann, den ich liebte, in ein von Nebeln verhülltes Treppenhaus verschwand und nicht mehr wiederkehrte. Genauso kam es dann auch. Heute hat dieses Verhalten einen Namen: Ghosting.
Es gibt Menschen, die kommen nicht wieder, auch, wenn man sie sehnlichst vermisst. Sie sind wie ein Vogel entflogen, der den Rückweg im Fluge vergisst.
Du kannst sie laut rufen und klagen, in Liebe vergehen, verzeihen. Es verlischt eines Tages die Hoffnung, und du wirst die Erwartung bereuen.
Sind doch längst in anderen Gefilden, wie losgelassen und frei. Muss sich jeder den eigenen Weg bilden, bis vollkommen und fruchtbar er sei.
Bleib immer sonnenbeschienen, dränge alle Zweifel zurück. Die Tränen, sie werden trocknen durch anderes Lebensglück.
Gewidmet hab ich dir die tiefen Wunden, die oberflächlich lang schon Narben tragen; nach zwanzig Jahren scheinen sie verschwunden, doch nicht des Übels Kern und viele Fragen.
Ich hab dich fliehen sehen wie ein Schatten. Du gingst verhüllt in tiefes Schweigen. Die vielen Stunden, die geheimen, satten, sind nun Geschichte, so auch ihre Freuden.
Das Kleid des Glücksgefühls ist längst zerrissen; zerlumpte Reste hängen mir am Herzen. Geliebt, als viel getragenes Hemd, verschlissen und löchrig abgelegt im Müll mit Schmerzen.
Dein Antlitz ist verblasst im Grau des Nebels, nichts ist von deinem Wort „vielleicht“ geblieben. Selbst in den Träumen such ich dich vergebens - befreit von mir bist du davongetrieben.
Karl Pavlovich Bryullov (1799-1852) „Ein Traum eines Mädchens vor Sonnenaufgang“
Die Lippen, die dich küssten in der Nacht, die Lügen, die dich streichelnd „Liebes“ nennen; bei Tagesanbruch ist dein Herz entfacht, und dein Verlangen wird in Sehnsucht brennen.
Nach ‚Jauche und Levkojen‘ riecht das Zimmer, nachdem der Nebel des Das-war‘s darüber zog. Es war ein Irrtum! – So erscheint es immer, wenn dir die Liebe hier nur Schrecken bot.
Zerbrechlich ist der alte Traum vom Glück, die Liebe ein Gespinst der Fantasie. Das Band hält dich doch nur ein Stück, dann reißt es - ewig bleibt es nie.
Es schwebt davon in Dunkelheiten, nachdem es unergründlich Leiden schuf, ist dann ein Band der Einsamkeiten, das die Verbindung ins Vergessen trug.
Wie im Ballon ein Luft gefüllter Raum, den es zerreißt, wenn man mit Nadeln sticht, so bleibt so manche Liebe wie ein Traum, der ausgeträumt ist, wenn der Tag anbricht.
Wie ein Lächeln zeigte er am Fenster, dass die lauen Lüfte Hoffnung trugen und sich wiegend mit dem Tag vereinten. Lieblich ist des Frühlings Angesicht!
Rings umher sein warmes Strahlen, eisbefreit schmilzt unter seinen Händen, was ermuntert wird zu neuem Leben, wie des Baches Lauf in freien Fluten.
Blumen öffnen bald schon ihre Blüten, denn all jene, die den Herbsttod starben, richten sich erneut empor gen Himmel, um der Krone „Auferstehung“ Glanz zu tragen.
Majestätisch hat der Herbst zerstöret, was mit winterlichem Ausklang endet. Milde gibst du neu, in ewig gleichem Lauf, was du, Natur, einst nahmst mit ernster Miene.
Nach kurzem Schlummer schenkst du uns ein Lächeln, denn nicht vernichten wolltest du, nur ruhen. Gelöst hast du des Frühlings Fesseln. Der lang in holder Lust gefangen, tanzt bald zu Nachtigallentönen.
Wird auch der Liebe Frühling wiederkehren? So viele Wunden auf dem Feld der Trennung! Ein ew’ger Winter ist längst eingezogen und abgestorben ist das Grün der Hoffnung.
Die kargen Stundenblumen sind verwelkt im Leid; der Abschiedsschmerz hat sie hinfort gerissen. und unter kummervollen Tränenjahren sind die der Freude längst gewichen.
Die Zeit der Rosen bot mir ihre Dornen, und keine Sonne wird sie neu erwecken. Der goldne Frühlingsschimmer segnet lichterfüllt, treibt übers Grab „Vergangenheit“ den Hauch des Abschieds, denn niemals kehrt der Liebe Frühling wieder.
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