Weihnachtsstern

Quelle: Pinterest
Du schwebst im Dunkel, bald wirst du erstrahlen.
Oh, Weihnachtsstern, so flüchtig fern dein Bild,
zeig deinen Glanz, so wie vor vielen Jahren,
wo Mensch erinnerungsträchtig die Erneuerung fühlt.

Ein Kindlein einst als Unschuldsfrucht erblühte,
ein unbeschriebenes Blatt im Weltgeschehen,
um das sich Magier ferner Länder mühten,
ihm Zeichen schenkten, seine Zukunft sehen.

Gold schenkten sie, sodass der Hass versiegt
und Böses dieser Welt nur Gutes bringt;
Weihrauch, dass einst sein Geist den Tod besiegt,
der, auferstanden ins Bewusstsein dringt.

Die Bitterkeit des Leidens und des Todes,
als Zeichen wurde Myrrhe ihm geschenkt;
entkam dem Plan des mordenden Herodes,
den Weg zunächst nach Bethlehem gelenkt.

Geboren unter'm Weihnachtsstern in Liebe,
Du, Herr des Lichts, im Geist auch dieses Jahr,
der Ziel und Ursprung ist im Weltgetriebe,
Dein inneres Leuchten wird uns offenbar.
Quelle: Pinterest

Geweihtes Licht

Sankt Nikolaus aus Myra – KI modifiziert
Geweihtes Licht, das nur dem Einen gilt,
entzündet an der Liebe vieler Herzen,
die einst vor langer Zeit das Christusbild
mit Glauben füllten unter Schmerzen.

Die heimgegangenen Ahnen sah’n das Licht,
den güldenen Schweif, kometenhaft und groß,
wie’s durch des Himmels Schwärze bricht
und aus den Blicken in die Seelen floss.

Dort gärte es, wie Sauerteig für Brot,
nährte die Gläubigen mit Hoffnungsgaben;
Legenden von den Wohltätern der Not,
die einst gefoltert und gefangen starben.

Aus Myra stammt der heilige Nikolaus,
um den sich die Geschichten ranken,
als ihm, verfolgt, als Christ, der Kerker graust,
verteilte er sein Geld an Arme, Kranke.

Zu Brauchtum wurde der Geschenkebringer,
der alle kleinen Kinder glücklich macht.
Der Wirtschaft dient der alte Künder,
der plötzlich gottlos wurde über Nacht.

Als Santa Claus, Amerika entsprungen,
kam er als Werbung, Cola preisend, einst zu uns;
dem Weihnachtsmann wird heut gesungen,
der kaufmännisch die Welt festhält in seiner Gunst.

Väterchen Frost

„Väterchen Frost“ -Iwan Jakowlewitsch Bilibin (1876-1942)
Das Leben war genügsam im Gefilde,
so wintermüde lag das alte Land.
Sehnsucht nach Wärme, Frühlingsmilde -
Väterchen Frost vertrieb’s mit kalter Hand.

Hilfeschreiend blieb fortan das Leben,
Leiber starr und frosterfüllt im Leid.
Es sollte keinen neuen Frühling geben,
nur Stürme wiederkehren vor der Zeit!

Im Land schreit tausendfaches Sterben,
da liegen Frau und Kind und Mann an Mann.
Statt Frühling kommen schwarze Schergen
und setzen alles gnadenlos in Brand.

Über den Städten wogen dunkle Dämpfe
aus Häusern, tausendfältig preisgegeben;
gar tausendarmig scheinen Tod, und Kämpfe
verachten jedes Dasein, jedes Leben.

Wie Donnerschläge grollen die Kanonen,
die Bäume schwarz, verbrannt im Rauch.
Wo sonst die Vögel in den Zweigen wohnen,
bizarre, kahle Äste, ohne Laub.

Des Frostes Fesseln mögen Mächte sprengen,
Werkzeuge sind sie, freiheitlich der Sinn.
Da hilft kein Zögern, kein Verdrängen -
dann tauen Tränen, folgt ein Neubeginn.

Und unsre Erde trinkt die vielen Tränen,
die vielen Leiber nimmt sie tröstend auf,
verwandelt Welten, Frühlingssehnen,
und neue Hoffnung schaut zum Himmel auf.

Dunkler November

Friedhofseingang – Caspar David Friedrichs (1774-1840)
Die Tage haben kalte Finger,
der Monat zieht die Socken an.
November ist der Überbringer
von trüber Dunkelheit alsdann.

Das ‚blaue Band‘ ist ausgetauscht,
grau ist die Farbe dieser Zeit,
die Stille herrscht, kein Blattwerk rauscht,
der Baum entleert bizarr sein Kleid.

Bald sind die letzten Blätter unten
und Frost gesellt sich zu der Nacht.
An Gräbern wird das Treiben bunter,
den Toten wird ein Licht gebracht.

Die Hoffnung hinter den Gesichtern
nach leichtem Sinn und Sonnenstrahlen
wird tot geglaubte Seelenlichter
zur Ruhe auf den Friedhof tragen.

Den Winter umarmen

Er kommt mit großen Schritten;
auf seinen Schultern, drückt die Schwere,
denn was er trägt,
kann nur sein kaltes Wesen tragen,
denn es zerrinnt in wärmevoller Atmosphäre.
Im Rausch des Windes hört man seine Klagen,
die Spuren, die er hinterlässt,
sind Tränen, die zu Schnee geworden.
In Sehnsucht nach Umarmung
darf er nur Kälte geben –
zwiespältig wie das Leben.

Besenrein

Foto: privat 1957
Verdrängung bin ich wie ein Schweigen,
das Erinnerungen wie ein Denkzettel beschwert;
längst vergangene Stunden, deren Treiben
das Bewusstsein wie ein Vakuum entleert.

Bin nichts mehr, nur eine, die gewesen
durch das Tal vergangener Zeiten lief,
die manchmal mit allzu hartem Besen
letzten Schmutz aus ihren Räumen trieb.

Ordnung brachte Licht gerechte Tage,
löste sich von vielen Freundschaftsbändern.
‚Brauner‘ Sinn als infektiöse Plage
ist wie Pest, gefahrlos nicht zu ändern.

Alle sind wir Menschen gleicher Klasse.
Nichts und niemand hat sie zu bewerten!
Die Idee der Schöpfung strahlt aus jeder Rasse;
Herrenmenschen gibt es nicht auf Erden.

Lieber bleibe ich alleine in Gedanken -
besser als verdorbenes Wort zu reden.
Will dem Schöpfer jede Stunde danken,
die ich hier sein darf, im Garten Eden.

Nebelträume

Image by Zsolt Hegyi from Pixabay

Die Welt ist grau, trägt Schleier in den Bäumen,
es wabern Nebel durch den Straßenzug.

Der Übergang von Nacht zu Tagesträumen
gleitet im zeitlos unbemerkten Flug.

Die Vögel sind verstummt, kein Liebessingen;
die bunten sind dem Grau der Stadt entflogen.

Die Melodie aus hellen Vogelstimmen
ist nun ein Moll betontes Krähen droben.

Das Jahr geht hin, ihm folgen viele Pläne,
die bluterfüllt wie offene Wunden sind;

lebensberaubt wie ausgetrocknete Kanäle,
machen für Zuversicht die Augen blind.

Nebel verbirgt die Menschenferne,
wie sie tagtäglich fremd auf Straßen wandelt.

Nicht eine Seele für mich! Nur zu gerne
hat die Tristesse mich unsichtbar verschandelt.

Mein Herz sehnt sich nach alten Stätten,
dem Elternhaus, wo längst ein Fremder wohnt.

Erinnerungen zieren Schicksalsketten,
verklärt mit Nebel, der in Hirnen thront.

Fremdes Bild

Vexierbild „All is Vanity“ (Alles ist Einbildung),
eine Illustration des amerikanischen Künstlers Charles Allan Gilbert (1873-1929)
Fremdes Bild im matten Spiegel.
Wer bist du? Mein Konterfei?
Bist wie ein vergrämter Schatten,
Licht bezeugt nicht faltenfrei.

Treibst aus den Erinnerungen,
die dich dunkeln, lebenslang;
bist im Einst der Zeit gefangen,
die Erinnerung, dein Zwang.

All die einst gelebten Stunden
waren schnell vergangene Zeit.
Viel gerungen, viel vergessen –
Leben webte dir dein Kleid.

Was begehrt und was verloren,
liegt auf deinem Weg des Wandels;
der Vergebung hartes Los
zeichnet mild und abgehandelt.

In den Tiefen deiner Seele
schlummern Träume, die verloren,
nur der Hoffnung weiche Welle
wiegt dich in den neuen Morgen.

Halloween

Quelle: Stardock.com
Die ersten Kerzen sind entzündet,
so mancher Kürbis kriegt Gesicht,
an Halloween wird heut verkündet,
das, was man schenken soll, ist Pflicht.

Vor Türen stehn die frechen Gören,
mit Handylichtern und Geschrei.
Sie drohen denen, die nicht hören,
mit Rache, die gar sauer sei.

So einfach kann man bössein lernen -
die alte Zeit, wo ist sie hin?
Da gingen Kinder mit Laternen
von Haus zu Haus mit gutem Sinn.

Da freute man sich auf die Gaben,
auf Nüsse, Schokolade, Kuchen;
die Leckereien, sie zu haben,
war ein Geschenk für arme Stuben.

Aus Kindermündern wurd‘ gesungen,
heut singt man nicht mehr, nein, man droht;
Amerika ist durchgedrungen,
der neue Mensch im Spaß verroht.