Verblichen abgedankt –
erlöste Körper in versunkenen Gründen.
Weltlich entfernt, der Erde abgewandt,
der Zeit entrückt, zum niemals Wiederfinden.
Gereifte Energien, gepflückt im Wandelbaren,
geerntet in der Freude, wo kein Auge weint,
um leibbefreit ihr Sein zu offenbaren,
obwohl gestaltlos unsichtbar es scheint.
Den alten Reigen tanzend - ewige Natur,
um körperlos die Erde loszulassen,
dem Geist des Ursprungs auf der Spur,
den Sinn, die Wahrheit sterbend zu erfassen.
Kategorie: Taggedanken
Erkenntnis

Als aus Christen Katholiken wurden,
sind daraus Materialisten entstanden,
damit die einen daran verdienen
und die anderen daran glauben müssen.
Die Natur ist verschwenderisch!
Instinktiv fressen Tiere, bis sie satt sind
und ruhen aus, bis sie wieder hungrig sind.
Beim Menschen ist das anders. –
Konsum macht ihn glücklich!
Mensch kauft sich tausend Dinge,
die er nicht braucht,
von Geld, das er nicht hat,
um anzugeben;
zeigt allen, wie es ihm gelingt,
auf großem Fuß zu leben,
obwohl der Schuh nicht passt.
Damit ihn Leute eindrucksvoll beneiden,
besonders die, die er nicht leiden kann,
macht er Schulden,
finanziert damit das Schöne, Neue,
bis ihn die Krise stoppt in seinem Wahn.
Wachstum und Leistungsfähigkeit -
gelebter Materialismus
Um mit möglichst wenig Menschen
in immer kürzerer Zeit,
bei geringer Bezahlung,
immer mehr herstellen zu können.
Wachstum haben wir mit Schulden finanziert,
deshalb haben wir jetzt eine Schuldenkrise.
Nur einen Ausweg gibt’s, dem zu entkommen:
Wachstum! –
Wie man ihn finanziert? …
„Und ewig grüßt das Murmeltier."
Des Herbstes Abgesang

Gereifte Frucht
befreit verließest du die Hülle Einzigartigkeit,
dientest dem Leben,
doch deine Reife war dem Herbst geweiht,
der dich zu Grabe trug
und dich begrub
im bunten Sommerkleid.
Luftgeister

Herbst nimmt von Zweigen das letzte Blatt,
rüttelt an Sträuchern und Rinden;
regenbeschwert fallen sie hinab,
löst auf, was noch immer sich bindet.
Bin wie ein Blatt, das getaumelt im Wind,
verweht, sanft zu Boden geflogen;
wo all die vielen gelegen sind,
die Frühjahr und Sommerzeit woben.
Luftgeister wirbeln durchs bunte Laub,
bis alle Zweige gelichtet;
meine Gedanken sind wie ein Hauch -
ein Windstoß nimmt fort, was gedichtet.
Oktoberwind

Tage verdunkeln sich;
letzte Vogelschwärme
fliehen im trüben Licht
vor des Frostes Härme.
Oktoberwind, der Wilde –
gerüstet schon zum Kriege,
vertrieb die Sommermilde,
verhilft dem Herbst zum Siege.
Der Blätter letztes Leben,
sie winden sich und springen;
ein Windstoß und ein Schweben
wird sie zu Boden bringen.
Gelassen will ich scheiden -
so fallend wie ein Blatt,
das nach des Herbstes Treiben
nur noch den Winter hat.
Früher

In ein Jahrhundert gehn von anno dazumal,
das scheinbar schön und einfach war,
das Tagwerk härter nur, mit wenig Lohn,
ein müßig Ding, die Armut offenbar.
In tristen Hütten, strohbedeckt und klein
erhellte Kerzenlicht das dunkle Heim;
Geldadel, hoch zu Ross, einsilbig streng,
beherrschte das Gesetz im Land allein.
Nach Notdurft stank es in den Städten,
den Nachttopf leerte man auf Straßen,
statt im Kanal, wie wir ihn heute kennen,
roch es auf den urin-getränkten Gassen.
Das arme Volk ersann sich eigene Lieder,
die Kinder tanzten fröhlich Ringelreihen;
die Bauern hegten lang die reife Saat
und fuhren, wenn das Laub fiel, Ernte ein.
So golden war die Welt gefärbter Felder,
des Lenzes Blüten längst gereift und hin;
der letzte Apfel war gepflückt und selber
suchte man Wärme nach der Arbeit am Kamin.
Man schaffte sich an gelbbelaubten Plätzen
im Herbst ein kleines Stück Gemütlichkeit;
wenn vom Kastanienbaum die Früchte fielen,
dann war das Erntedankfest nicht mehr weit.
Gerechtigkeit

Wie gern möchte ich euch schreiben
von der sinkenden Abendsonne,
von Bäumen, die sich verneigen
mit majestätisch beugender Krone.
Wie gern möcht‘ ich deuten die Stille,
die in bereits herbstlicher Nacht
unterliegt dem natürlichen Willen,
der den Sommer vertrieb, der vollbracht.
Im Traum kanns nur sein, sich zu denken,
die Erde sei friedlich und frei
mit Menschen, die sich beschränken,
damit Leben gerechter sei.
Wie gern schaue ich zu den Sternen
und wünsche mir sehnlichst herbei,
dass Kinder Krieg nicht mehr lernen
und die Welt paradiesischer sei.
Kleine Welt

Für einen Moment dem Weltlichen fern,
nur den Wolken am Himmel folgen,
bis ich nächtens Universum und Sternen
demütig Achtung zolle.
Beim Blick nach oben wird mir bewusst,
wie klein unsere Welt, kurz das Leben.
Unendlich schien es und die Lebenslust
war Antrieb des inneren Strebens.
Es wich die Kraft, wie der Wolkenzug,
Energie trieb in ewige Räume;
gedanklich treib ich durchs Himmelblau
und beschränk‘ mich auf meine Träume.
Die Kunst

Kunst ist es nicht nur jenen zu gefallen,
die tiefen Sinn hinter der Hülle sehen;
betrachtend steht manch 'Weiser‘ in den Hallen
und deutet, was selbst Künstler nicht verstehen.
Kopfschüttelnd runzelt mancher seine Stirne -
„Ein Kunstbanause!“, kritisieren die Experten,
und viel zu Reiche zahlen, was die Künstler-Hirne
durch Anderssein und Kritzeleien verzerrten.
Ein Künstler ists, wenn sich des Kunstwerks Hülle
in wundersamer Schönheit selbst erklärt,
wenn sich sein Werk in bloßer Herzensstille
mit einem Seelenblick durch Liebe nährt.
Unendlichkeit
Gleite aus der Nacht der Träume
in des Tages wirren Lauf,
durch das lichte Gelb der Räume
treibt es mich ganz Gott vertraut.
Wie Gemälde sichtverbunden
mit den Künstlern, die sie schufen,
klingen diese schönen Stunden
wie ein schöpfungsnahes Rufen.
Offene Fenster, lichtdurchdrungen,
malen Bilder an die Wände;
alle Schatten sind verschwunden,
Sommerluft streift meine Hände.
Wolken ziehn wie Zuckerwatte
am blauen Himmel von so weit.
Der Morgen strahlt, nur selten hatte
er diesen Hauch Unendlichkeit!