Mitten im Gewühl der Menge,
wie im Meer von tausend Stimmen,
liegt die Insel fern dem Trubel,
wo nur rauschend Wellen klingen.
Dahin zieht, wer Ruhe sucht,
fliehend vor den lauten Klängen;
steht am Ufer ganz allein
vor des Meeres sanftem Drängen.
Jede Woge nimmt Geräusche
mit hinaus ins tiefe Schweigen;
in schier unbekannte Tiefen,
fern vom schrillen Tagestreiben.
Einsamkeit, in Stille sein -
Wogen glättend im Verstehen.
Endlich zu sich selber finden,
um der Leere zu entgehen.
Sind berauscht von den Geräuschen,
die das Wichtigste verschütten
und den Ruf des eigenen Ich‘s
unter Lärm der Zeit ersticken.
Kategorie: Taggedanken
Blick zurück
Meine Gedanken, sie laufen weit fort
von der Gegenwart getrieben,
fern, so fern ist mein liebster Ort,
gestorben all meine Lieben.
Auch Vater, der in mir Übles sah,
das er lieblos großziehen musste,
ist in den Gedanken an gestern da;
wie durch mich seine Ablehnung sprosste.
Mutter seh ich am Bügeltisch,
am Herd, an der Nähmaschine;
von ihr lernte ich vieles und sicherlich,
wie man den Gatten bediente.
Auch das Ertragen lernte ich hier,
wenn Vater mich schlug, bis aufs Blut.
War doch nur wie ein geduldetes Tier,
und das nur, wenn es wortlos ertrug.
In der Elternschule hab ich gelernt,
den Männern das Recht zu gewähren,
„Me too“ von heute lag damals fern,
Frau war schuld an des Mannes Begehren.
Für Minirock und Make-up der Zeit
habe ich Prügel und Schelte bezogen.
Erstes Schminkzeug und das ‚schreckliche Kleid‘
sind in den Müll geflogen.
So kämpfte ich dort wie ein Pionier,
doch die Zeit schien so lang und die Jahre.
Es trieb mich die Angst um mein Leben von hier,
was mich vor dem Hass meines Vaters bewahrte.
Ein letztes Mal Vater beim Mittagschlaf sehen,
um dann eilig davonzuschleichen.
Ich seh mich noch zitternd am Hoftor stehen,
um vom Ort meiner Eltern zu weichen.

Trübes Licht der Zeit

Die Amsel singt, so wie an allen Tagen,
des Sommers Hitze hat sich abgekühlt,
der Morgen kommt und mit ihm alle Plagen,
die Schlaf beraubt der wache Körper fühlt.
Da sitzt man wie vor tiefem Schweigen,
die Wände atmen aus, was sie bedrückt;
man starrt darauf, als würden sie sich neigen,
sind ohne Worte nah herangerückt.
Sie tragen in sich viele Taggedanken,
die schwerer lasten als so mancher Stein,
als ließen sie die stärksten Mauern wanken,
dringen sie seelentief ins Mark hinein.
Wird morgen noch die Amsel singen,
wird lieblich sein, des Tages Sonntagskleid?
Was werden uns die nächsten Stunden bringen,
wird Freude sein im trüben Licht der Zeit?
Sommerpause

Ich habe mich dazu entschlossen, eine kurze Pause zu machen. Meine „Batterien“ sind leer.
Vielen herzlichen Dank an alle, die meinem Blog folgen und mitlesen, liken und so fleißig kommentieren. Danke auch für alle Eure tollen Beiträge, die ich weiter mit viel Freude verfolgen werde. Genießt die sonnigen Tage in vollen Zügen.
„Gottes-Bilderbuch“ ist immer für Euch geöffnet.
Süße des Lebens

Ach, wenn doch alle es wären,
so ehrlich, gelehrsam und rein,
dann würde es hier auf Erden
längst paradiesisch sein!
Was wäre, wenn ein jeder Mensch dächte,
sein Gegenüber ist Geist,
der mittels unzähl’ger Atome
das Universum bereist?
Wird denn das geistig Erfüllte
jemals zum Ziel kommen hier?
Der Weg führt doch ewig weiter,
ist von nicht endender Kür.
Ob die Sonne noch aufgeht
am Morgen über der Welt?
Bringen die Wolken das Wasser,
das erquickend vom Himmel fällt?
Fragen, Gedanken und Wünsche,
sie breiten wie Schickung sich aus,
als energetisches Streicheln
zieht Liebe die Süße daraus.
Saat und Ernte

Einst streute ich Samen auf Himmelswiesen,
gar prachtvoll und bunt war das Blühen,
und zwischen den wachsenden Paradiesen,
sah ich Engel Freude versprühen.
Auch streute ich tote Saat auf die Fluren,
der Wind trug sie in dunkle Welten.
Verloren das Leben in all ihren Spuren;
nichts konnte zum Keimen verhelfen.
Ich säte Samen der Liebe auf Äcker,
die karg und verdorben mir schienen.
Doch seht nur, die Saat war ihr sanfter Erwecker,
denn die Liebe ging auf in ihnen.
Dem Hass und der Wut war das Feld bereitet
durch mich; fegte fort das mit Liebe Gesäte.
Wie Unkraut wuchert das Übel, verbreitet
sich tückisch, verdarb Saaten und Beete.
Manch bittere Saat konnte Wurzeln schlagen,
war in meinem Lebensacker das Amen.
Nun leb’ ich auf ihm, ernte all seine Plagen
und weiß, ich selbst legte den Samen.
Mit dem, was ich säte in vergangenen Zeiten,
bin ich in dies Leben gegangen.
Meinen Lohn für Saat und Ackerarbeiten
werde ich einst zur Ernte empfangen.
Musik
Die tiefe Stille kann ich hören,
wenn ich versunken in das Sein;
mag keine Töne, die mich stören,
tauche in Wind und Sonne ein.
Hör nur die Klänge der Natur,
das Lüftchen, das durch Felder zieht,
hör Vögel, die ihr Singen nur
dem Tag geweiht, der langsam flieht.
Die weißen Wölkchen über mir
ziehn rasch vorbei am Himmelszelt,
das Blätterdach vor meiner Tür
rauscht sanft, wie Fisselregen fällt.
Alle Oktaven dieser Welt
erfahren wie in Symphonien;
wie ein Konzert für uns bestellt,
taucht unser Geist in Fantasien.
Einklang des Lebens, Harmonie
streicht Wellen der Erhabenheit
über den Geist mit der Magie,
die tief berührt die Seele heilt.
Weichzeichner

Du Zeichner Zeit,
wie malst du mein Gesicht?
Ich schaue in den Spiegel
und erkenn mich nicht.
Wer bist du, dort im Glas,
so fremd und deformiert?
Ist DAS mein Konterfei,
das gerade ungeniert
mir in die Augen blickt?
Ein körperlicher Überrest
im Zerrspiegel der Zeit -
glaubtest, die Leichtigkeit der Jugend
sei ewige Unvergänglichkeit.
Vom Licht beschienen

Ein Stern beschien mich letzte Nacht
mit himmelwarmen Träumen,
ein sanfter Wind trieb rauschend sacht
durchs Blätterkleid der Bäume.
Der Himmel schloss sein Wolkenreich,
der Mondschein lieh sich Sonne,
die Vogelschar, orchestergleich,
begrüßt den Tag mit Wonne.
Das Leben, ob bei Tag, bei Nacht,
kennt keine Mußestunden;
das Licht schickt seine Himmelspracht,
lässt Mensch und Tier gesunden.
Der Ohrwurm
Zum Vatertag

Ein Ohrwurm hing als kleiner Rest
wie Fetzen im Gehörgang fest,
dort trat er mit zerrissenem Klang
ungnädig den Alleingang an.
Nach einer wohl durchzechten Nacht
hatte ein Mensch ihn mitgebracht.
Statt Schlaf verfolgt ihn nun Musik
mit Tönen, die dem Ohr nicht lieb.
Dort gingen didel-dadel-dum
die Schwindel ihm im Kopf herum,
und als des nachts sie kreisend flogen,
war Kopfschmerz in das Hirn gezogen.
Vom Alkohol gebeugt und stumm,
saß nun der Mensch im Bett herum.
Von der Musik war nichts geblieben,
der Ohrwurmfetzen war vertrieben.
Der Rausch der Nacht war bald vorbei,
das Ganze ihm nun Warnung sei.