Verbindung

Eine spirituelle Verbundenheit mit der geistigen Heimat, über die jeder Mensch verfügt. Intuitiv empfangen 2003, als ich zu schreiben begann.

Théodore Chassériau (1819 –1856) – Der Engel

Beseelt von neuem Glück will ich dir schreiben,
in manchen Reim versteckter Weisheit Sinn,

vieles wird wie die Sphinx zwar groß und schön,
doch umso rätselhafter bleiben,

das Wort wird lenken deinen Weg zu Anbeginn;
und während ich gedanklich mich im Vers verbinde,

verrinnen die Sekunden visionär;
ersehnend fühl’ ich lang vergangene Erdengründe

– die Zeit, sie flog dahin, als ob‘s ein Lidschlag wär‘.
Bist Führer meiner Seele fehlend’ Hand,

bin nur im Geiste das verborg‘ne Glied,
hinter des Schleiers Anderwelten, unerkannt,

bin ich Vermittler, spinne dir mein Lied.
Ich bleibe stumm, habe nur diese Zeilen,

um dir zu sagen: Sinnend wart’ ich hier!
So sehr ein Wort verletzt, so sehr kann es auch heilen;

bin nur gedankenweit entfernt von dir.
Du wirst es spüren: Wenn ich bei dir weile,

vergessen wir gemeinsam Zeit und Raum,
wenn ich vom Licht des Universums schreibe,

verschmelzen Endlichkeit und Ewigkeit im Traum.
So, wie ein Wolkenband den Himmel ziert,
so sollen die geschrieb‘nen Worte sein,

Gedanken, wie von Engeln inspiriert,
sie gehen tief ins menschlich‘ Herz hinein.

Poesie

Paul Cézanne (1839-1906)- Kiss of the Muse

Verschlungen
ist das Band der Poesie,
im kurzen Rausch erstickt der Schwall der Worte,
und wer mit Andacht lauscht,
erhebt sie still zu hoheitsvollem Orte,
nur Einfalt senkt herab sie in die Tiefen;
beschwörend, heilig, wen die Musengeister riefen,
mit Tönen wohl aus purem Moll und Dur.

Verliert sich zwischen Ewigkeiten ihre Spur,
so schwingt das Band sich eng um Reim und Vers,
zieht aus den Orten des Vergessens die Gedanken
und leitet sie vom Herzen himmelwärts.

Stimme in der Tiefe

Bild: Karin M.

Hör auf die leise Stimme in der Tiefe,
sie spricht zu dir bei Tag und in der Nacht.
Und ob sie dich oft auch vergeblich riefe,
sie ruft und ruft bis endlich du erwacht:

Es rauscht ein Strom in dir, gespeist aus Quellen,
die ferner sind, als du erahnen magst.
Es trägt der Strom dein Herz auf seinen Wellen,
du aber weißt es nicht und bangst und fragst.

Woher die Kraft, die dich durchs Dasein führet,
woher der Mut, noch immer fest zu stehen,
wenn alles um dich wankt? Bis du gespüret:
Dich trägt der Strom, du kannst nicht untergehen.

Es trägt der Strom dich hin durch viele Leben
und zeigt dir Bilder, die vorübergehen,
nur was du sehen sollst, wird dir gegeben,
sieh an die Bilder, doch bleib niemals stehen.

Hängst du an Ufern, wirst du bald zerschellen,
vertrau dem Strom dein Leben und Geschick.
Er trägt dich sicher hin auf seinen Wellen,
er trägt dich einst ins Vaterhaus zurück.

<Ephides>

Siegel der Poesie

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Ich fühle euch, ihr Seelen der Vergangenheit,
ihr schreibt aus mir, astral sind wir verbunden;
 
habt abgelebt vergang’ne Erdenzeit,
wie die Gefühle längst vergess’ner Stunden.
 
Ihr füllt mit eurem Geist den meinen,
mit fremden Worten, alt und nie gekannt.
 
Ihr seid das Siegel, das von unbekannten Orten
die Poesie mir in mein Herz gebrannt.
 
Werd’ ich euch einmal gegenüber stehn,
versenke ich in Demut meinen Blick.
 
Ich möcht’ euch danken,
für die tiefe Liebe, die mein Herz gesehn,
ein’ Teil davon geb ich an euch zurück.

An Dich

Franca – Alexandre Cabanel (1823-1889)

Mein Herz, es ruft nach Dir, ganz in der Stille,
bist mir mein Alles und mein fernes Nichts.
 
Du hinter Wolken liegende Idylle,
verborgene Unendlichkeit des Lichts.
 
Nur in Gedanken kann ich Dich erfassen,
in Träumen dir die Hände reichen;
 
will meinen Blick nicht von Dir lassen,
von meinem Weg will ich nicht weichen.
 
Wird sich der letzte Schleier heben
und  Dimensionen sich verbinden,
 
werd’ ich durch off’ne Himmel eilend,
den Weg zu Dir nach Hause finden.

Das O

Ein O war müd’,
denn seine Mitte
fühlte, eingezwängt vom Außen,
das bündig sich zum Kreise schließt,
nur Leere.
 
Es war betrübt
und hoffte sehr,
dass jeder Leser draußen,
sein eingeengtes Innen
sehen werde.
 
Kein kleiner Strich
erlöste es aus der
nicht enden wollenden Routine.
Das O blieb was es war: ein Kreis,
gebannt auf trister Endlosschiene.
 
Dem O war’s hohl,
drum suchte es im Außen Inhaltsfüller.
Es nahm ein zweites O,
das ihm gelegen kam
und wurde stiller.
 
Zur OO
vereint
genießen seit der Zeit die O 
Berührungspunkte.
Unendliche Verbundenheit zu zweit
macht ewig kreisend Runde.
 

An den, der leis mich rief


Schweben im Meer der
Lautlosigkeit.
Der Lärm der Welt verklingt,
und um mich her versinkt,
ganz schwerelos, die Zeit.

Sie trägt mich himmelan
und wirbelt mich im Tanz,
umhüllt und schließt mich ein
mit lichtem Strahlenglanz.

Erfüllt mich liebevoll
mit engelgleichem Traum;
glänzt wie ein kleines Licht
am großen Lichterbaum.

So frei, voll Harmonie,
in Quintenklangmusik,
geb’ ich mein Innen hin,
an den der leis’ mich rief.

Geistesblitze

Aus „Werthers Leiden“ von Johann Wolfgang von Goethe

Was soll ich schreiben,
frag’ ich mich so oft,
wenn ich das leere, weiße Blatt betrachte,
und kommen die Gedanken wie erhofft,
dann sind sie Ursprung dessen,
der sie brachte.

Sind wie ein Blitz in meinem Kopf,
spontan und voller Willkür –
fremde Worte,
als packte mich Vergangenes
beim Schopf,
vermittelt vom geheimen Musen-Orte.

Es füllen sich die Seiten, wie die Stunden,
mit Sätzen;
formen sich zu Reimen aufs Papier,
und in zig Tausenden von flüchtigen Sekunden,
verbinde ich mich still im Vers mit Dir.

Himmlische Worte

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Ich grüße Dich von ferne, edler Geist!
Es fehlt mir Deiner goldnen Worte Klang.
Du bist es, der mir groß den Himmel preist,
erschaffst aus kleinen Worten Lobgesang.
 
Ich lausche still vor Glück der Poesie,
sie klingt so filigran und Gold durchwoben,
dringt tief ins Herz, wie eine Liebesmelodie,
und meine Seele weiß, Du wartest oben.
 
Begleitest mich durch meine Lebensstunden,
so wie ein blumig’ Band, gekränzt im Haar.
Wir sind in der Unendlichkeit verbunden,
füllst meine tausend Leben immerdar.
 
Ich grüße Dich von ferne,  edler Geist
und werde morgen wieder an Dich denken,
wenn Du im Traum in meine Seele reist,
vereint uns Gott an allen Weltenenden.
 

Schwingungen

Hörst du es schwingen,
leise fließen,
sich unaufhörlich
in den Raum ergießen?
Vernimmst du auch
der Schwingung sanftes Hallen,
Töne in Dur mit kurzen Intervallen?
Ein glockenklarer Klang
breitet sich aus
und Seelenfrieden
fließt durchs ganze Haus.
Vermagst du auch das heil’ge Singen hören,
so, wie von wunderbaren Engelchören?
Dann schließe deine Augen fein
und atme tief die Liebe in dich ein.
Fühlst mit dem Himmel dich verbunden,
in gottesnahen Kuschelstunden.