Trockenheit

Bild von Tumisu auf Pixabay
Vertrocknet bricht die Erde auf, wie raue Hände, 
die sich mit letzter Kraft gen Himmel richten.
Bittend, fast flehend, schieden sie hinauf,
die Seelen, die von Trockenheit vernichtet.

Die Wolken sind verschlossen, schon so lang.
Der Boden ist so hart, dass alle sterben;
so groß die Not, der Heimat-Welt wird’s bang,
die Vögel liegen tot in toten Gärten.

Wo keine Nahrung mehr auf ihren Fährten,
der Wurm im Boden nach Erlösung sucht,
ihm bringt die Sonne Tod und den Experten
ein regenloser Herbst den Klima-Fluch.

Oh, Erdenschauer fließt! War doch genug 
von Hitze, Glut und langem Sommerwetter.
Die Wende kommt, wenn ihre Stunde schlug;
der Herbst, er wird sich farbenfroh entblättern.

Die Regentropfen werden wieder rinnen,
und jedes Tröpfchen Nass, das fließt und fällt,
bringt Leben uns und stetes Neubeginnen, 
ermahnt uns an den Durst der ganzen Welt.  
Bild von Charles Nambasi auf Pixabay

Hochsommer

Edmund Blair Leighton 1852-1922
Es liegt die Glut des Sommers auf der Welt.
Die Wärme ist zum Greifen, Tag und Nacht.
Sie treibt die Dürrezeit schon früh durch Stadt und Feld.
Die Winde ruh’n und sammeln ihre Kraft.

Schon jetzt sah ich manch müdes, braune Blatt,
wie es mit letzter Kraft am Sommerzweige klebt
und schließlich herbstverloren, kraftlos, matt,
den Weg ‚Vergänglichkeit‘ zu gehen pflegt.

Die Nachtigall singt Abschiedsmelodien,
vertagt sind Frühjahrsträume bis ins nächste Jahr.
Wenn Vogelschwärme in den Süden ziehn,
dann ist der trübe Herbst zum Greifen nah.

Die Regensehnsucht schaut den Himmel an.
Kein Wölkchen hängt am tiefen Himmelblau,
und rinnt das Lebenswasser irgendwann,
entleert sich sanft das feuchte Wolkengrau.

Dann trinkt die Welt das langersehnte Nass,
füllt dürftig auf, was längst schon Staub geworden,
es grünt erneut das längst verdorrte Gras
und erste Winde kühlen unsren Morgen.