Frühling

Wenn Räder, bunt, im Winde drehen,
wenn unsre Lebenslust erwacht,
wenn sanft die milden Lüfte gehen,
Natur sich streckt nach langer Nacht;
 
wenn sich die Erdenporen weiten,
erwartungsvoll im Morgenlicht,
und durch der tiefen Nebel Breiten,
die Sonne durch die Wolken bricht;
 
wenn aus den harten Erdenritzen,
die Pflanzenwelten aufwärts streben,
und bunte Frühlingsblumen-Spitzen
die Erde auseinander heben;
 
wenn Vögel wieder Nester bauen
und in der Morgenfrühe singen,
wenn tausend Augen Wunder schauen,
dann wird die Frühlingszeit beginnen.

Der Baum

streckt weit zum Himmel seine Äste,
als wolle er das Wolkentreiben spüren,
um der Natur, gleich einer Ballerinen-Geste,
den Tanz auf Zehenspitzen vorzuführen.
 
Er neigt sich, wiegt sich,
folgt dem Takt des Windes,
verankert mit den wurzelfesten Streben,
wild, mit dem ungestümen Geist des Kindes,
erfasst von Böen und Sturm,
Zeit seines Lebens.
 
Noch hält er Stand
und trotzt der Witterungen Launen,
als Sieger steht er triumphierend, stolz;
noch sehn die Menschen zu ihm auf und staunen,
doch fällt er,
wenn erst alt und morsch sein Holz.

Lichtgestalt

Bild: Karin M.

Aus dem Dunkel geboren.
 
Funkelst in leuchtenden Farben.
Trügerische Illusion.
Benutzt das Abbild des Lichts,
dir zum Glanze.
 
Prahlst mit äußerem Strahlen
und Glühen,
doch dein Innen ist leer.
 
Wie ein Wunder erscheinst du den Menschen,
Verführung ist dein Vorsatz,
dein Wille Chaos und Trug,
 
Begeisterung dein Mittel
zum Zweck der Gewöhnung,
Manipulation deine Stärke.
 
Verblendung
treibst du in die suchenden Seelen.
 
Beschattest die Wege der Liebe
zurück zur Wahrheit.