Blick nach Ostpreußen

Flucht aus Ostpreußen 1914 – Gemälde von Claus Bergen

Der Süden hat mich nie gelockt,
wo Leichtes schwebt in sonnigen Gefilden,
blieb Sinn und Denken mir verstockt;
Verbundenheit ließ sich nicht bilden.

Der Osten trägt Melancholie,
umhüllt die längst verklärte Fährte.
Die ferne Zeit zeigt irgendwie
Natur, die so ersehnenswerte.

Die schwere Schlichtheit dieses Lebens,
so Gott gegeben, urvertraut,
ein fein Gespinst wie Leingewebe,
das kratzt und schmerzt auf bloßer Haut.

Blutig die Knie, die Hände rau,
erschuf man sich sein täglich Brot.
Brachte den Bauersleuten auch
die schwere Arbeit frühen Tod.

Entbehrung hieß die Einfachheit,
gesegnet war des Tages Lauf.
Die Sehnsucht kannte keine Zeit,
man sah getrost zum Himmel auf.

Morbides trieb die Politik,
nahm Mensch und Sprache mit sich fort.
So flüchtig war der Traum von Glück,
vergessen altes Land und Ort.

Was blieb ist die Melancholie,
die Traurigkeit der Ahnen.
Selbst wenn ich lache, spür ich es,
ihr gegenwärt’ges Mahnen.

November Tag

John Atkinson Grimshaw (1836-1893) – November Morgen

November-Tag, du dunkler Pantomime,
bist jemand, der nicht gehen will.
Treibst hinter Fenster und Gardine
Gebärdenspiele, schweigend still.

Wie die Ruinen ausgedienter Hallen,
ganz lichtlos, elend, grau erfüllt,
verlassen, melancholisch, halb verfallen,
bedrückend, scheint bizarr dein Bild.

Der Himmel hängt nicht voller Geigen,
er hat sich lichtlos eingehüllt.
Aus vielen Wolken tropft das Schweigen,
Der Tag, er steht mit Schwert und Schild.

Wird sich der Helligkeit erwehren,
verteidigt seine Dunkelheit.
Und weder Kampf, noch Aufbegehren
hilft abzuwenden diese Zeit.