Herr, gib uns helle Augen Die Schönheit der Welt zu sehn! Herr, gib uns feine Ohren, Dein Rufen zu verstehn. Und weiche, linde Hände Für unserer Brüder Leid Und klingende Glockenworte Für unsre wirre Zeit! Herr, gib uns rasche Füße Nach unserer Arbeitsstatt – Und eine stille Seele, Die deinen Frieden hat!
Frieda Jung(1865-1929) Ostpreußische Heimatdichterin geboren im Landkreis Gumbinnen
Empfang der Salzburger Emigranten von König Friedrich Wilhelm I. – Gemälde von Prof. Otto Heichert (1868-1946)
Der Osten ist ein umgepflügtes Feld, mal ist der Mutterboden unten und mal oben, durch viele Herrschaftszeiten bunt verwoben, wo er die Fruchtbarkeit des Ursprungs hält.
Vertrieben wurden die, die anders glaubten, mit Einsicht, Päpsten abgewandt. Die Habsburger, die ihre Heimat raubten, schoben sie ab ins ferne Preußenland.
Die ‚falschen Denker‘ wurden ausgewiesen, die sich der Herrscherin des Landes widersetzten. Der Klerus wurde von ihr hochgepriesen; Katholizismus war es, der das Volk verletzte.
Ungeistlich sei das Wesen der Bekenntnis, das sich im lutherischen Glauben präsentierte; Emigration zeigt hier des Staates Unverständnis, den Bruch des Reichsrechts, was ins Abseits führte.
Fürsterzbistum Salzburg - Salzburger Land, aus dem wohl 15.000 Menschen emigrierten, die einst des Großen Kurfürst Gnade und Verstand zur Siedlung und zum Leben in die neue Heimat führte.
Aus Österreich rann still das Blut der Vielen, die sich von ihrem Ursprung weinend trennten, weil die katholisch Definierten selbst Gott spielten, als Herrscher, die sich religiös „von Gott Bestimmte“, nennen.
Was ist geblieben von den einst Vertriebenen? - Nachfahren sind im Krieg geflohen, schicksalhaft. In Osten ist kein Stein auf dem andern geblieben, die Preußen wurden dem Erdboden gleich gemacht.
Im Namen der vielen Menschen, die nach Vertreibung aus Österreich dort Heimat fanden und im letzten Jahrhundert wieder das Land verlassen mussten, habe ich dies Gedicht auch im Andenken an Immanuel Kant im Jahre 2004 verfasst. Obwohl ich nie dort gewesen bin, habe ich mich aufgrund der Erzählungen meiner Oma immer verbunden gefühlt. Geschichten mysteriöser Vorkommnisse einer kinderreichen Bauernfamilie, mit einem Hauch Melancholie behaftet, der immer noch durch meine Tage schwebt.
Ostpreußen
Östlicher Geist lässt mich nicht ruhn, verwurzelt tief in mir, erfüllt mein Herz, und als entfernte sich von dort mein Tun, trieb all’ mein Denken dennoch heimatwärts.
Konnte nicht lassen von den alten Plätzen, rief doch die Heimat tief in meiner Brust. Melancholie spricht hier aus diesen Sätzen, und weckt in mir die alte Sinneslust.
Du fernes Land, vertraut war mir dein Duft, in großer Weite bis zum Horizont der Blick, herb war dein Klima, rau die Küstenluft, gern denke ich an Königsberg zurück.
Wo dunkle Wälder sich in lichten Breiten erstrecken bis zum Memel Strand, wo Störche stolz durch weite Sümpfe schreiten, dort treibt der kalte Wind durchs flache Land.
Du, meines Wirkens Stätte, ach, so fern, längst wächst das Gras über die alten Mauern, wird die vergang’ne Zeit in meiner Seele Kern doch alle Ewigkeiten überdauern.
Annchen von Tharau ist, die mir gefällt; Sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld.
Annchen von Tharau hat wieder ihr Herz Auf mich gerichtet in Lieb’ und in Schmerz.
Annchen von Tharau, mein Reichthum, mein Gut, Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut!
Käm’ alles Wetter gleich auf uns zu schlahn, Wir sind gesinnet bei einander zu stahn.
Krankheit, Verfolgung, Betrübniß und Pein Soll unsrer Liebe Verknotigung seyn.
Statuette Ännchen von Tharau – unbekannter Künstler
Recht als ein Palmenbaum über sich steigt, Je mehr ihn Hagel und Regen anficht;
So wird die Lieb’ in uns mächtig und groß Durch Kreuz, durch Leiden, durch allerlei Noth.
Würdest du gleich einmal von mir getrennt, Lebtest, da wo man die Sonne kaum kennt;
Ich will dir folgen durch Wälder, durch Meer, Durch Eis, durch Eisen, durch feindliches Heer.
Annchen von Tharau, mein Licht, meine Sonn, Mein Leben schließ’ ich um deines herum.
Was ich gebiete, wird von dir gethan, Was ich verbiete, das läst du mir stahn.
Was hat die Liebe doch für ein Bestand, Wo nicht Ein Herz ist, Ein Mund, Eine Hand?
Wo man sich peiniget, zanket und schlägt, Und gleich den Hunden und Kazen beträgt?
Annchen von Tharau, das woll’n wir nicht thun; Du bist mein Täubchen, mein Schäfchen, mein Huhn.
Was ich begehre, ist lieb dir und gut; Ich laß den Rock dir, du läßt mir den Hut!
Dies ist uns Annchen die süsseste Ruh, Ein Leib und Seele wird aus Ich und Du.
Dies macht das Leben zum himmlischen Reich, Durch Zanken wird es der Hölle gleich.
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