Blick nach Ostpreußen

Flucht aus Ostpreußen 1914 – Gemälde von Claus Bergen

Der Süden hat mich nie gelockt,
wo Leichtes schwebt in sonnigen Gefilden,
blieb Sinn und Denken mir verstockt;
Verbundenheit ließ sich nicht bilden.

Der Osten trägt Melancholie,
umhüllt die längst verklärte Fährte.
Die ferne Zeit zeigt irgendwie
Natur, die so ersehnenswerte.

Die schwere Schlichtheit dieses Lebens,
so Gott gegeben, urvertraut,
ein fein Gespinst wie Leingewebe,
das kratzt und schmerzt auf bloßer Haut.

Blutig die Knie, die Hände rau,
erschuf man sich sein täglich Brot.
Brachte den Bauersleuten auch
die schwere Arbeit frühen Tod.

Entbehrung hieß die Einfachheit,
gesegnet war des Tages Lauf.
Die Sehnsucht kannte keine Zeit,
man sah getrost zum Himmel auf.

Morbides trieb die Politik,
nahm Mensch und Sprache mit sich fort.
So flüchtig war der Traum von Glück,
vergessen altes Land und Ort.

Was blieb ist die Melancholie,
die Traurigkeit der Ahnen.
Selbst wenn ich lache, spür ich es,
ihr gegenwärt’ges Mahnen.

Autor: Gisela

Bitte auf meiner Seite "Über mich" nachlesen.

4 Gedanken zu „Blick nach Ostpreußen“

  1. Mein Großvater musste damals aus Ostpreußen flüchten. Der 2. Weltkrieg stand vor der Tür. In Norddeutschland fand er Zuflucht und begegnete in einer Kirche glücklicherweise meiner Oma. Er musste mit 17 Jahren sein Notabitur machen und wurde in den Krieg eingezogen. Über alles was er dort erlebt hat herrschte,- als er verwundet wiederkam, ein großes Schweigen. Für seine sechs Kinder war es nicht so leicht mit einem traumatisierten Vater zusammenzuleben. Er hat sich nie darüber beschwert nicht studiert haben zu können. Engagiert und optimistisch hat er sich eine Arbeit gesucht und jahrelang mit meiner Oma eine Jugendherberge geleitet. Finanziell haben sie ihren Kindern viel ermöglichen können, aber dieses Schweigen über die Flucht, den Krieg und das erlebte zieht sich bis heute noch durch meine Familie. Vielleicht bin ich selbst deswegen so wie ich bin uns rede offen und ehrlich ohne Scham über meine Gefühle. War mein Opa für seine eigenen Kinder eher unnahbar so hatten er und ich eine ganz besonders schöne Beziehung miteinander. Er starb im Alter von 65 Jahren, da war ich vierzehn Jahre. Erst viel später habe ich mich mit seiner alten Heimat Ostpreußen befasst und mir viele Bücher darüber auf diversen Flohmärkten gekauft. Ich wollte so gerne wissen wo er herkam und wie das Leben dort war.

    1. Liebe Steph, wenn Du den Geburtsort Deines Großvaters kennst, könntest Du womöglich etwas unter http://genwiki.genealogy.net/Familienforschung_Memelland in Erfahrung bringen. Dort habe ich meine Familienfotos veröffentlicht, damit sie nicht verloren gehen.
      Es geht Dir wie mir: Niemand hat jemals über die Kriegszeiten gesprochen. Alles wurde totgeschwiegen. Aber das Eiserne Kreuz meines Großvaters lag in der Schublade. Ich habe damals keine Fragen gestellt. Sie haben damals sicherlich viel Schreckliches sehen müssen.
      Mein Opa starb als ich 15 war, mit 66 Jahren. Er stammt von der Mosel, meine Oma aus Ostpreußen. Es ist spannend, zu forschen und fündig zu werden.

      Herzliche Grüße

    1. Die Möglichkeit darf man nicht ausschließen.
      Ein Teil meiner Verwandtschaft stammte aus Ostpreußen, was mir schon immer sehr nah war. Oma hatte Vorahnungen, genauso wie ich. Das habe ich gerne angenommen.

      Liebe Grüße

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