Katzen im Warntraum und die dunkle Ebene

Bild: Karin M.

Den Jahreswechsel 20/21 verbrachte ich notfallmäßig in einem Krankenhaus. Fast wäre ich an einer Blutvergiftung gestorben, weil ein Nierenstein meine Harnröhre blockierte. In letzter Minute wurde ich davor bewahrt. Eine ehemalige Kollegin schickte mich zum Corona-Test, nachdem ich ihr am Telefon von meinem andauernden Fieber berichtet hatte. Die mir unbekannte Ärztin, über die ich einen PCR-Test gemacht habe, weil ich nicht mehr ein noch aus wusste, überreichte mir einen Urinbecher. Der Inhalt hat uns wohl beide aufgeschreckt, denn sie rief mich an, nachdem ich ihr den Becher per Taxi bringen ließ. Sofort in die Notaufnahme! Wie ein Fingerzeig von oben.

Ein paar Wochen zuvor hatte ich einen Traum vom Hochhaussturz.
Meine Katze balancierte auf der äußeren Fensterband und fiel dort vom 20. Stock. Nach dem Aufprall, den ich miterlebte, hätte sie tot sein müssen, stand dann jedoch wieder auf und lief zum Eingang. Da mir ein Katzentraum meistens eine Krankheit beschert oder andere Unannehmlichkeiten, war ich damals beunruhigt. Doch dann habe ich die Warnung beiseitegeschoben und nicht mehr daran gedacht, bis zur Noteinweisung.

Auf jeden Fall ging es mir im Krankenhaus nicht gut. Wegen Corona gab es Besuchsverbot, aber ich habe weder Familie, noch sonst jemanden, der hätte kommen können. Mein Sohn war vor ca. 2 Jahren mit 37 gestorben. Er fehlt mir sehr! Mein Lieblingsmensch, mein Vertrauter, hatte mir 2018 während meines Schlaganfalls täglich zur Seite gestanden.

Kurz nach dem Jahreswechsel, da träumte ich in der Klinik einen sonderbaren Traum: Ich war plötzlich auf einer anderen Ebene. Sie war ganz und gar dunkel. Die Straßen, Häuser, Bäume, ja sogar der Horizont waren es, jedoch heller umrissen, ähnlich wie bei einem Negativ. Ich lief bis zu einem großen, offenen Torbogen. Dahinter befand sich mein Sohn. Er war ganz in schwarzes Leder gekleidet: schwarze Hose und Hemd und ein langer schwarzer Mantel, wie im Film „Matrix“.

Mein Sohn spielte mit einem schwarzen Panther. Als er noch lebte, träumte er immer davon, mit einem solchen Tier spielen zu können. Er liebte Tiere und besonders Katzen. In meinem Traum lagen viele davon um ein Feuer herum. Dort saß er. Überall schwirrten Blumen, mit Gesichtern, die sich öffneten und wieder verschwanden.

Dann sah ich Felder, wie auf einem Brettspiel aus Karton. Eines zeigte ein filmähnliches Geschehen: Da war eine Frau, die Ordnung machte und irgendwelche Unterlagen sortierte. Diese Bilder waren farbig. Ich fragte mich, ob ich diese Frau gewesen bin? Dann wurde das Spielfeld gelöscht, wie eine Episode, die abgehandelt war. Mein Sohn hatte bei dieser Frau Ordnung lernen sollen. Falls ich dort dargestellt worden war: es hatte nicht geklappt. Mit einem Mal verstand ich, warum das so war. In seiner Welt brauchte er nur die Natur! Im Leben hier, war er immer genügsam gewesen und bestach durch seine Gelassenheit, die wiederum ein Schutz für ihn war.

Hier gab es die erzwungene Ordnung, da die zwanglose Idylle…wie Freiheit.

Im Traum habe ich mir alles staunend angeschaut. Mein Sohn stand plötzlich am Tor und lehnte an einem der Pfosten. Ich lief dorthin und wusste, dass ich gehen muss. Wir umarmten uns lange und verabschiedeten uns mit einem Kuss. Ich wusste, dass es ihm gut geht und das beruhigte mich. Sein Erscheinen im Traum war wie ein Besuch im Krankenzimmer. Ich war nicht alleine! Noch heute denke ich oft an dieses Traumbild. Es hilft mir weiterzumachen. Jedes Mal, wenn ich traurig bin, denke ich daran und sehe meinen Sohn glücklich, mit seinen Tieren.

Wer mehr darüber erfahren möchte:
https://www.gottes-bilderbuch.de/ueber-mich/zum-gedenken

Die Sense

Krankes Kind – Christian Krogh (1852-1925)

Die Hunde schlugen an um Mitternacht,
bis über ihrem Bellen wild erschrocken
des Gutsherrn jüngstes Kind vom Schlaf erwacht,
es strich sich aus der Stirn die langen Locken.

Zitternd vor Furcht und Frost hob’s die Gardinen,
um nach dem späten Wanderer zu spähn,
doch einsam lag der Garten, mondbeschienen,
und keine Spur war auf dem Schnee zu sehn.

Die Hunde aber bellten immer noch,
und ihre Ketten klirrten. An der Hecke
duckte der Tod sich, der vorüberkroch,
damit sein Schatten nicht das Kind erschrecke.

Aus seinem weiten weißen Schafspelz stach
der Sense Stahl und blitzte aus dem Graben.
Das sah die Kleine, die verschlafen sprach:
„Da liegt ein Mond im Schnee, den möcht‘ ich haben!“

Agnes Miegel (1869-1964) – Ostpreußische Dichterin

Neues Jahr – Lebenszeichen

Gestern wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Schwere Blutvergiftung, ausgelöst durch einen Nierenstein. Ich bin zwar noch schlapp, habe aber Hoffnung auf Besserung, denn der Stein wurde beseitigt. Mit ihm weitere 12 kg. Seit Anfang Dezember hatte ich mit Schüttelfrost und Fieber herumgelegen. Erst dachte ich, es sei Corona. Es war ein Wink des Himmels, dass eine mir unbekannte Ärztin nicht nur den Test machte, sondern mir einen Urinbecher mitgab. Dann hieß es Noteinweisung. Eine falsche Bewegung und ich hätte tot umfallen können.
Hiermit melde ich mich zurück, in der Hoffnung, dass es allen gut geht. Bei mir wird es noch eine Weile dauern, aber dann ist hoffentlich Frühling in Sicht.

Im Geheimen – Sulamith Wülfing

Das reine, nicht gelebte,
das, wie ein Buch,
mit leeren Seiten,
vom Leben selbst geschrieben,
mit Wahrheit, Hoffnung,
Krieg und Frieden,
mit Gutem und mit Bösem,
auf hellen oder dunklen Seiten,
zur Lebensfreude
oder gar zum Leid,
hält jeden neuen Tag
dir als Geschenk entgegen.
Wie du die Stunden füllen wirst,
mit Leben oder Tod,
mit Liebe, Abschied,
liegt in deiner Hand…
ist Gottes Plan.
Das alte Jahr verging;
Schicksale, die es trug,
sie knüpfen an und werfen Schatten
auf das unbefleckte, neue.
Im Buch des Lebens
schlägt Gott die nächste Seite um.
Fülle mit deinem Licht die Tage
deiner Jahre. Beleuchte alles Dunkle,
löse auf die Schatten, zu neuer Hoffnung,
in ewigem Kreislauf!