Alte Liebe

Aquarell von Sulamith Wülfing 1901-1989

Nur unsre Seele weiß,
dass wir zusammen waren,
in den von Gott erschaffnen Jahren,
als uns in fernem Land
die tiefe Liebe band,
und wir uns sehnten
nach der Einheit des Anderen.

So manches Leben, das wir durchwanderten.
Hier warst du fern,
doch tief im Herzen
blieben wir verbunden,
und funkelt in der Einsamkeit
des Alls ein Stern,
so seh‘ ich dich in
flücht’gen Traumsekunden.

Wenn du nicht wärst,
der mir mit Geisteskräften spendet,
bis dass des Aufstiegs Mühe endet.
Oh, Seliger in andrer Dimension,
so ist dein Leuchten Gott zum Lohn,
damit ich dich am Ende wiederfinde,
und ich mit dir die Ewigkeit ergründe.

Mensch

Bild: Karin M.

Einst reiner Geist,
im Reich der Glückseligkeit.
 
Frei war dein Wille,
ummantelt vom Willen des Schöpfers.
 
Du strebtest nach gänzlicher Freiheit
und Schöpfung im eigenen Reich.
 
Dein Hochmut
zahlt Tribut an den Tod,
denn dein Körper ist sterblich.
 
Ewig dein Sehnen
nach deiner geistigen Heimat.
 
Liebe ist Leitstrahl
zurück zum Hause des Vaters.
 
Steinig und leidvoll der Weg
durch die Dualität.

Leitet Verstand und Gefühl
zu göttlicher Harmonie.
 

Weltenwanderer Mensch

Du ringst und rufst nach Glück!
Kaum zeigt es sich,
so lässt es dich
in Einsamkeit zurück.
Denn es ist eine Sprosse nur auf unsrer Leiter,
komm weiter!
 
Das Leid, wie es dich schreckt!
Schon hat’s den Arm gestreckt,
dich zu erfassen –
und muss dich lassen!
Es ist ja eine Sprosse nur auf unsrer Leiter,
komm weiter!
 
Das Werk, das du erstrebtest,
dem du, dich opfernd, lebtest –
kaum hast du es getan,
gehört es andern an.
Ach, es ist eine Sprosse nur auf unsrer Leiter,
komm weiter!
 
So läuft der Erde Zeit.
Erst scheint der Tod dir weit,
dann ist er nah,
auf einmal ist er da!
Doch er ist eine Sprosse nur auf unsrer Leiter,
komm weiter!
 
Und neuer Fähigkeiten frische Kraft
in andern Leben neue Werte schafft,
und ein Erkennen löst das andre ab;
Erfahrung wird des früh’ren Wissens Grab.
Auch Wissen ist nur eine Sprosse auf der Leiter,
komm weiter!
 
Auch wir im Geistessonnenlicht,
auch wir im andern Land erschauen nicht
das Ende unsrer Leiter,
komm weiter!
 
<Ephides>

Sinfonie des Lichts

William Adolphe Bouguereau  1825-1905

Längst verhallter Urknall –
aus Trümmern geborene Welt;
geballte Materie in kosmischer Ordnung.
 Mensch sein –
schmaler Grad zwischen Urzeit und Wandel,
Brücke zur Neuzeit.
Darwin oder Gott?
Evolution oder Schöpfung?
 Zeitreise durch die Irrtümer.
 Teil eines harmonischen Ganzen,
universale Unendlichkeit –
seit Anbeginn der Zeit und ewig während.
 Geschenk an die Menschheit,
aus Träumen geboren,
schwebend zwischen den Welten.
 Spielplatz der Engel,
 unendlich tanzend
zur Sinfonie des Lichts.