In der Nacht

von Emanuel von Bodman

Quelle: Pinterest
Wenn alle schlafen, sitz ich oft allein,
und willig leihe ich mein Ohr der Nacht.
Weisheiten rinnen da in mich hinein,
die ich nicht hören kann, wenn alles wacht.

Es ist, als zeigten mir die Dinge so
am grauen Tag nur ihre Oberfläche.
Nachts, wenn nicht mehr die vielen Blicke roh
auf ihnen ruhn, ihr Wesen zu mir spräche.

Wenn seltsam Lust und Schmerz in eins verklingt,
dunkel das große Lied des Weltalls rauscht,
mein Herz mit seiner wilden Gier versinkt,
nur meine unbewegte Seele lauscht.

Ich höre die geheimen Räder gehen:
Wie sie sich drehen, muss sich alles drehen.
Emanuel von Bodman (1874-1946)