In der Nacht

von Emanuel von Bodman

Quelle: Pinterest
Wenn alle schlafen, sitz ich oft allein,
und willig leihe ich mein Ohr der Nacht.
Weisheiten rinnen da in mich hinein,
die ich nicht hören kann, wenn alles wacht.

Es ist, als zeigten mir die Dinge so
am grauen Tag nur ihre Oberfläche.
Nachts, wenn nicht mehr die vielen Blicke roh
auf ihnen ruhn, ihr Wesen zu mir spräche.

Wenn seltsam Lust und Schmerz in eins verklingt,
dunkel das große Lied des Weltalls rauscht,
mein Herz mit seiner wilden Gier versinkt,
nur meine unbewegte Seele lauscht.

Ich höre die geheimen Räder gehen:
Wie sie sich drehen, muss sich alles drehen.
Emanuel von Bodman (1874-1946)



Autor: Gisela

Bitte auf meiner Seite "Über mich" nachlesen.

2 Gedanken zu „In der Nacht“

  1. A beautiful poem! The poet manages to transform the solitude of the night into a moment of wisdom and perception, almost mystical. The fusion of pleasure and pain, the great roar of the universe, the heart that gets lost, but the soul that listens… all creates a feeling of infinite contemplation. Thank you for sharing it with us! 🙂🙏🏻✨📖✍🏻🧚🏻‍♀️

    1. Fico feliz que este poema selecionado de Emanuel von Bodman tenha sido tão bem recebido por si. Muito obrigado por ler e pelas suas palavras amáveis. 😊🙏🏻

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