Tugendhaft

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„Freiheit“ heißt die schöne Stimmung,
ein Gefühl, das zeigt Vergnügen,
im Verzicht auf eignen Willen
fremdem Willen sich zu fügen.

Was ist Recht? Der bloße Wille,
der da wuchs in anderen Köpfen?
Recht, gebogen und gebeugt,
aufpoliert mit alten Zöpfen.

Wie die kampfbereiten Hähne
sich zerhacken, stehn Parteien;
geifern nach des anderen Schaden,
während sie selbst Bruch erleiden.

Sind gerupft, die Schadenfrohen,
arg zerzaust ist ihr Gefieder.
Federn fliegen immer noch,
liegen längst zu Boden nieder.

Einer ist des anderen Büttel,
als Vollstrecker eines Richters.
Tugendhaft in scharfer Handlung,
zeigt sich Arglist des Vernichters.

Überlastet ist die Güte,
nächstenliebend, gegenseitig.
Morgen machen sie, die Guten,
euch das Recht zu atmen streitig.

Tief gesunken ist die Sonne,
bläulichschwarz die Wolkenfetzen;
brennt noch immer ab, die Mauer,
die sich türmt im tiefen Westen.

Vaterland? Die dümmste Liebe
ist, ein Vaterland zu lieben;
wurden viele doch verzweifelt
aus dem ‚Vaterland‘ vertrieben.

Suchten Neues und sie zogen
dorthin, wo der Wohlstand lockte
und die Freiheit, das Versprechen,
wo sie nicht die Willkür schockte.

In den Hirnen liegt die Einfalt,
in den Herzen liegt das Grauen;
doch dem Leid der arg Gequälten,
darf man nicht ins Auge schauen.

Waren’s manche der Verwiesenen,
die sich gegen Gott empörten
und mit lauter Stimme mahnten,
unsre Freiheit zu zerstören.

Fiebertraum – was für ein Ringen!
Kommt denn niemals die Erlösung?
Sterben soll kein Mensch, nicht einer.
Sehn‘ mich nach der Welt Genesung.

Wo sind die, in Weitsicht richtend –
wie Sankt Michael erglühend,
hochgewaltig, kraftvoll, nah,
gottgerecht und freudesprühend?