Ghosting

Fast 20 Jahre sind vergangen;
ein neuer Frühling zieht ins Land.
Es war vor langer Zeit, als er gegangen,
und mich die einsame Erinnerung band.

Ich hatte Hass, war wütend und in Qual,
noch Jahre später, als die Arbeit band;
doch jetzt verstehe ich mit einem Mal,
dass ich mein Schicksal im Alleinsein fand.

In Stille zog ich in mein Schneckenhaus,
in die Spirale meines Seeleninnern ein,
löschte die Lichter der Erwartung aus –
ein sehnsuchtsloser Platz für mich allein.

Bald werden viele Frühlingsregen fallen
und starke Winde durch die Straßen wehen;
ich werd‘ die Hand des Eremiten halten,
mit ihm durch Nebel in die Zukunft gehen.

Es war im September 2008, als ich von einem Eremiten ohne Gesicht träumte, der meine Hand fasste. Er trug eine dunkelbraune Mönchskutte aus grobem Sackleinen. Das machte mir Angst. Ich stand in der Küche und sah in den Flur, als der Mann, den ich liebte, in ein von Nebeln verhülltes Treppenhaus verschwand und nicht mehr wiederkehrte. Genauso kam es dann auch. Heute hat dieses Verhalten einen Namen: Ghosting.

Autor: Gisela

Bitte auf meiner Seite "Über mich" nachlesen.

4 Gedanken zu „Ghosting“

  1. Verstehen kann ich dich, weil ich irgendwie auch ein wenig so bin. Ich halte für mich dagegen und suche ein rechtes Maß, zwischen allein sein und Gesellschaft.

    Guten Morgen, liebe Gisela.

    1. Guten Morgen, lieber Reiner. Alleinesein und -bleiben hört sich zunächst sehr schlimm an, besonders, wenn man ein Leben lang nach einem Partner gesucht hat. Erst später habe ich gelernt, dass mich kein Mensch auf Dauer glücklich machen kann. Das war nicht nur in Liebesbeziehungen so. Ich mag überhaupt keine oberflächlichen Gespräche oder große Gesellschaften. Menschenmengen machen mir Druck. Bloß nicht aus der Rolle fallen, die mir die Gesellschaft auferlegt hat. Den Ballast habe ich abgeworfen und fühle mich frei von alledem. Ich will nicht mehr anderen Menschen gefallen, sondern mir selbst und dem Geist, der in mir wohnt.
      Liebe Grüße, Gisela 💚

  2. Ich frage mich, wo die Ursache dafür sein könnte.
    Jedenfalls wünsche ich jedem Menschen, von solchem „Heimsuchungen“ oder „Besetzungen“ frei zu bleiben oder zu werden.🙏💛⛅🕊️

    1. Die Ursache für das damalige Ghosting war teils Überforderung (Versetzung im Betrieb) und Feigheit (Mann weicht gerne aus und zieht sich in seine Höhle zurück). Das war weder eine Heimsuchung noch eine Besetzung. Der Traum war wie viele meiner Träume eine Warnung, denn er zeigte mir, was kommen musste.

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