Ghosting

Fast 20 Jahre sind vergangen;
ein neuer Frühling zieht ins Land.
Es war vor langer Zeit, als er gegangen,
und mich die einsame Erinnerung band.

Ich hatte Hass, war wütend und in Qual,
noch Jahre später, als die Arbeit band;
doch jetzt verstehe ich mit einem Mal,
dass ich mein Schicksal im Alleinsein fand.

In Stille zog ich in mein Schneckenhaus,
in die Spirale meines Seeleninnern ein,
löschte die Lichter der Erwartung aus –
ein sehnsuchtsloser Platz für mich allein.

Bald werden viele Frühlingsregen fallen
und starke Winde durch die Straßen wehen;
ich werd‘ die Hand des Eremiten halten,
mit ihm durch Nebel in die Zukunft gehen.

Es war im September 2008, als ich von einem Eremiten ohne Gesicht träumte, der meine Hand fasste. Er trug eine dunkelbraune Mönchskutte aus grobem Sackleinen. Das machte mir Angst. Ich stand in der Küche und sah in den Flur, als der Mann, den ich liebte, in ein von Nebeln verhülltes Treppenhaus verschwand und nicht mehr wiederkehrte. Genauso kam es dann auch. Heute hat dieses Verhalten einen Namen: Ghosting.

Bruchstücke

Foto: privat – Rheinaue Duisburg-Friemersheim
Der Ort, geleert von Augenblicken,
die frühlingshaft das Jahr bescherte,
als hinter rosa Wolkenstücken
ein grauer Himmel aufbegehrte.

Der Abgang, Trauma bitterer Note,
geschmacklich heute noch im Mund.
Verwandelt ist der Liebesbote,
verschwundner Geist im Nebelgrund.

Es kühlte Regen heiß Geliebtes
und wusch es fort, als Unbekannten.
Erloschen ist sein Strahlen, trieb es
in die mentalen Alltagsschranken.

Versiegt ist längst die alte Quelle,
gespeist von einst geträumten Dingen;
verflossen sind die Sehnsuchtswellen.
Nur im Alleinsein liegt Gelingen!