Der Sonne entgegen

Hans Andersen Brendekilde (1857-1942)

Dem Dunkel entfliehen,
der Sonne entgegen.
Von luftiger Wärme
und Frühling umgeben.

Die gurrenden Tauben
im Nachbarbaum schauen,
wie lebenslang liebend
sie Nester erbauen.

In den Himmel blicken,
die Wolken zählen,
gestreichelt einnickend,
den Lieblingsplatz wählen.

Als Schmetterlingskinder
die Sonne empfangen.
Nach langem Winter
Wachstum erlangen.

Ein Schwirren und Summen
an luftigen Stellen,
ein Sammeln von Nektar
an blumigen Quellen.

Ein Traum von gestern,
das Treiben ist fort.
Nur leere Nester;
kein Brüten vor Ort.

Planierte Gärten,
versiegeltes Grün.
Oasen, die sterben,
die Menschheit mit ihnen.

Frühlingssehnsucht

Eichen im Schnee – Eugen Bracht 1842-1921

Schneeluft bläst mir entgegen,
als ich die Türe öffne.
Schnee liegt auf allen Wegen,
leer sind der Vögel Kröpfe.
 
Ihr Zwitschern ist verklungen –
Schneestille fließt so weiß –
noch gestern wurd’ gesungen
von Frühlingssehnsucht leis’.

Foto: Gisela Seidel

Es wird noch lange dauern,
bis die Natur erwacht
und vor den tristen Mauern
 die helle Sonne lacht.
 
Doch einmal wird er kommen,
der Lenz nach langer Nacht,
bringt das Gefühl der Wonnen,
das uns so glücklich macht.