Unter Trümmern

Caspar David Friedrich (1774-1840)
Unter Trümmern liegt die Welt begraben,
deren Last erdrückend wiegt und schwer.
Hohe Zeiten waren leicht zu tragen,
drunten liegt der Tod im Häusermeer.

In den Grüften selbsterbauter Stätten,
liegen sie, die Toten unsrer Zeit.
Die noch bleiben, um sie umzubetten,
machen sie zur Abschiedsfahrt bereit.

Lautes Stöhnen, dringt durchs Weltenbeben,
Erde tat sich auf und schließt den Kreis,
und sie weint und die, die überleben,
sind dem Nächsten helfend angereist.

Vor den Resten stummer Einsturzbauten,
ragen deren Münder, wie ein Schrei.
Vom Erleben, dem sie einst vertrauten,
wich aus letzter Hoffnung ein Vorbei.

Der Kalender hat ein Blatt beschrieben,
statt des Frühlings kam die Trauerzeit.
Fassungslosigkeit allein ist hiergeblieben,
und der Mensch erhofft sich Trost im Trauerkleid.

Erhabenheit des Glücks

Quelle: Pinterest
Erhabenheit des Glücks – ein kurzer Augenblick;
der Geist erkennt sich selbst und ist entflammt.

Nicht mehr gefangen in sich selbst, frei sein ein Stück,
nur ein Moment, dann ist die Dunkelheit verbannt.

Das Reich des Lichtes öffnet für Sekunden,
geblendet folgen wir der strahlend schönen Kraft,

bewusste Liebe hat das Herz gefunden,
sie schafft den Funken, der uns Feuer macht. 
Quelle: Pinterest
Dann stürzen ein, die alten, morschen Mauern,
die wir um unser Kerkerdasein türmten,

und die vertane Zeit lässt in uns trauern,
weil wir vergaßen, was uns einst berührte. 

Das Pentagramm an unsren Kerkertüren,
verwehrte uns den rechten Blick zu heben,

die Schwingung unsrer Daseinskälte spüren,
ist Mittelpunkt in unsrem kurzen Leben.

Befreiung ist alleine das Erkennen,
vom Licht beschienen, alle Wege gehen.

Erneuert und verwandelt Wahrheit nennen,
und nach dem Winter, Licht und Frühling sehen. 

Schicksal

Vladimir Kush (1965*)- „Birth of love“
Ins irdische Geschehen geboren,
mit einem Bild, das längst umrissen,
musst ernten, was moralverloren,
du einst gesät im Ungewissen.

Fügst ersten unbeholfnen Schritten 
in Freiheit Licht und Schatten ein;
dem schicksalhaften Weg entglitten,
wird zwingend eine Wandlung sein. 

So ist die Freiheit deines Weges
ein Akt, der einen Ausgleich sucht.
Aus Geisteswelt hast du’s errungen,
weil dich ein neues Leben ruft. 

Trittst durch das dunkle Tor der Stille,
geboren, blind und ahnungslos.
Aufwachen, Träumer! Es ist eigner Wille.
Ändern des Schicksals - dein Erdenlos.  


See der Erinnerungen

Eugen Taube (1860-1913)
Was wir als ‚überstanden‘ wähnen,
treibt noch im tiefen See „Erinnerung“,
wir stehn am Ufer, fassungslos und stumm,
füllen das Nass mit neuen Tränen.

Ein Teil von uns liegt auf dem Grund,
Vergangenheit beschwert, wie Stein,
bald gleiten wir, zu unbekannter Stund‘,
ganz tief in seine Fluten ein.

Vergesslich ist der Mensch im schnellen Schritt,
die Zeit wirft Schatten, malt ein dunkles Bild.
Wir fühlen das, was einst hinunterglitt,
Gedanken voll mit Hoffnung, Schmerz erfüllt. 

Wir gehn den Kreuzweg der Natur, allein;
die Tiefen, in uns selbst bezwungen,
zurückgerufen werden wir einst sein -
in neue Höhen ist der Geist gedrungen.

Erinnerung - ein stilles Lebensgrab.
Der See liegt ruhig im mondenmilden Schein;
sein silbrig‘ Band schmückt Ort und Wanderstab,
zeigt, was es heißt, Träne im See zu sein.

Aktion und Reaktion

Quelle: Pinterest
Wie die Wasser sich im Fluss ergießen,
nährt die Ausgeglichenheit den Klang der Resonanz.

Wo ein Meer ist, werden Ströme fließen,
beide sind der Ursprung der Substanz.

Jedem Tun folgt die Bilanz der Taten,
deren Wirkung gleicht dem Mittelpunkt.

Seele liebt den schlichten Lebensgarten,
stille Wasser ruhn auf tiefem Grund;
 
Echo ist der Widerhall der Töne,
gleich sind Reaktion und Handlungsakt;

Wandrer sieht trotz hartem Weg das Schöne,
denn er nutzt des fernen Klanges Kraft. 


Fernes Rufen

Teilansicht: Mariusz Lewandowski -(1960-)
In wechselnden Dingen erhebt sich mein Leben,
tief unten, noch atmend, die Ströme der Nacht;
begraben vom Alltag, vom endlosen Streben,
tief müde geschlafen, die Tage vollbracht. 

In unergründlichen Tiefen geschwommen,
verwurzelt gehört, den unendlichen Klang.
Von fernen Welten ein Rufen vernommen,
ein Erwachen des Geistes im Körper begann.  

Ich spürte die Liebe der Heimat mir sagen,
dass Leben ein Gipfel ist, den man besteigt,
ein endloser Weg, zwischen Hoffen und Wagen,
der von Gipfel zu Gipfel in Kreuzwege zweigt. 

Den geraden Weg mag ein jeder Mensch finden,
die Dornen zu räumen, ist Lebenspflicht;
zu gehn ohne Angst, zu höheren Gründen,
zu Welten aus Liebe, Gottvertrauen und Licht. 

Werte

Bild von David Mark auf Pixabay
Ein Ort, der sich in Tälern weitet,
in bunte Düfte legt das Land
und über Wiesen Zauber breitet,
mit Sonnenschein als zartes Band.

Ein Meer, das unergründlich tief,
trifft Schaum gekrönt das feste Land,
das mit dem Sturm die Wellen trieb,
an einen ihm bestimmten Strand.

Ein Heim, das Zuflucht ist und gut,
wie Feuer, wärmend im Kamin.
Ein Mensch, der gerne Gutes tut,
für Gotteslohn, ohne Gewinn. 

Ein Leben, wie die ranke Rose,
die unermüdlich aufwärts strebt.
Nicht, wie die schöne Herbstzeitlose,
die giftig auf der Erde steht.

Ein Kind, das Liebe und Vertrauen
mit auf den Weg ins Leben nimmt,
wer darauf lässt sein Dasein bauen,
bleibt auch im Alter noch ein Kind. 

Ein Mensch, der voller Seelennöte
den Ruf des Großen Geistes hört,
der im Geleit der Himmelsröte
ihn voll Vertrauen heimwärts führt. 

EIN Gott – ruf ihn mit einem Namen,
den du im tiefsten Herzen kennst;
und auch den andren geb‘ dein „Amen!“,
sie sind durch Ihn, wen du auch nennst. 

Das Lebensschiff

Claude Joseph Vernet (1714-1789)
Das Lebensschiff ist wie ein Nachen
im alt und morsch geword‘nen Holz.
Obwohl schon manche Masten brachen,
treibt es im angemessenen Zoll. 

Dem Wasser zugeneigt, dem Leben,
das unter ihm geheimnisvoll,
von Glut und Stürmen stets umgeben,
fährt es im vorbestimmten Soll. 

Nie weicht es ab von seinem Ziele,
sucht ruhige Wege für die Fahrt,
bewegt die Flut der Wellenspiele,
mal steht es still, kein Lüftchen naht. 

Langsam neigt sich die Fahrt dem Ende -
zieht die zerschliss‘nen Tücher ein.
Am jüngsten Tag der Zeitenwende,
wird es voll weißer Segel sein.

Abgeschrieben

1955

Ich war noch klein, ein unbeschrieb’nes Blatt,
das Leben bilanzierte Soll und Haben.
Was mir mein Dasein viel zu wenig gab,
liegt abgeschrieben unter Schmerz und Darben.

Ich wuchs heran in meinem Paradies -
geliebter Garten meiner Kinderzeit.
Im Haus, das mich einst einsam werden ließ -
die Eltern wussten nichts von meinem Leid.

Gehorchen musste ich der ‚schwarzen‘ Hetze, 
Erziehung wurde eingebläut und nicht erklärt,
Prügel gab es, wenn ich mich widersetzte;
Liebe in diesem Weltbild war verkehrt.
1961
Man schleppte mich zum Urologen -
war nur ein kleines Mädchen von fünf Jahren,
hab dort voll Scham gelegen, ausgezogen,
musste ertragen, wies Erwachsene haben.

Ich hatte mich entblößt, es ausgehalten,
weil ich als Bettnässer missraten war.
Wer kümmert sich um die Gestalten,
die Liebe brauchten? Es war niemand da!

Die Mutter hat das Holz zerbrochen,
als sie mich wieder mal verdrosch.
Ich hab mich vor der Welt verkrochen,
als das Vertrauenslicht erlosch.

Geistige Qualitäten

Quelle: Pinterest – donhosho
Der Mensch packt eine leichte Tasche,
stark voll Bewusstsein und Verstand,
sein Körper wird zu Staub, zur Asche,
nachdem er körperlich verschwand.

Sein Geist ist einzig, ihm zu eigen -
er ist ganz Geist auf Studienfahrt.
Ein physisch losgelöstes Treiben,
mit Eigenschaften seiner Art.

In ihm die Fähigkeit zu lieben
und zugeneigter Empathie;
sein Geist ist frei, im Sein geblieben,
zu neuer Lebensharmonie.