Glorienglanz

Quelle: Pinterest
Alt verklärt sind all die Bücher,
wie mit einem Glorienglanze,
die, wie viele Andachts-Kerzen
flammend auf Altären tanzen.

Durch die hart bestuhlten Reihen
wallen Nebel, die sich lichten,
Weihrauch in den Kerzenflammen
sich in den Gemütern dichten.

Frische Sträuße, deren Blumen
auf den Opfertischen blühen,
und den Zauber des Vergehens
über die Gemüter sprühen.

Heiliger und reiner Schimmer,
der durch bleiverglaste Fenster,
Ros’ und Lilien in den Bildern,
frommen letzte Taggespenster.

Sanft gebückt kniet auf den Stufen,
ganz versenkt in tiefes Sinnen,
am Altar, wie Gott befohlen,
im Gewand aus weißem Linnen,

Gott geweiht durch Geist und Weihe,
jung, ein Mann. Er lauscht dem Singen,
aus den Kehlen eines Chores
die ihm sanft, wie Engel klingen.

Auf dem Antlitz war ein Feuer,
zart das Rot auf Stirn und Wangen,
so, als wäre die Erleuchtung
ihm im Herzen aufgegangen.

Und ein Strahl der Frühlingssonne
glitt hinein in das Geschehen,
ließ ums Haupt des jungen Priesters
einen Glorienglanz entstehen.


Autor: Gisela

Bitte auf meiner Seite "Über mich" nachlesen.

7 Kommentare zu „Glorienglanz“

  1. Mein Zögern ist wohl so zu sehen, daß es hier auf Erden unter den Menschen keine Eindeutigkeit gibt.
    Auf welche Seite man sich auch immer zustellen versucht, ist es nie das ganze ungeschminkte reine Wahrheit.
    Das voraussetzen, ist es wirklich mutig, es trotzdem zu wagen.

  2. Ich habe das Gedicht als solches auf mich wirken lassen, bin eingetaucht in diese Atmosphäre, als wäre ich selbst dabei….
    Was ich schrieb, war eher eine Art Selbstgespräch, um mir selbst darüber klar zu werden, ob ich hier verweilen oder mich befreien wollte.
    Das Bild von Wölfen, die gerade ein Lamm zerreißen, stellt ja – sicher bewußt – einen scharfen Kontrast dar zu der weihevollen Stimmung.
    Ich empfand darin den schreienden Gegensatz zwischen Frömmigkeit und Wahrheit, die nach Klarheit und Eindeutigkeit verlangt
    und auch dafür bereit ist zu kämpfen.

  3. Es geht ja nicht um den „Glorienglanz“ und um dies innere „Erhobenheitsgefühl“ – sondern um die lichte Wahrheit.
    Und die ist schlicht, so wie das unschuldige weiße Lamm JESUS, das sich mitten unter die Wölfe begab, um einige sonst verlorene Lämmer zu retten.
    Und Seine Jünger sandte ER aus: „Ich sende Euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe.

    1. Es steht Ihnen frei, gewisse Worte, wie hier den „Glorienglanz“ als unpassend zu bewerten. Ich denke, fast jeder werdende Priester hat ein Gefühl der Erhabenheit, denn er spürt sich in dem Moment der Weihe über den Dingen schweben. Was ist die lichte Wahrheit? Jeder Mensch hat doch eine eigene, und ich lasse sie mir nicht von einer anderen Person vorgaukeln. Jesus war auch nur ein Mensch, wenn er auch von vielen Bibelgläubigen zum Gott erklärt worden ist. Genauso kann ich fragen: Wer ist Gott? Ist er überhaupt ein Wer? Für mich stellt er den heiligen, großen Schöpfergeist dar. Dieser reine Geist kann mit sich selbst jede lebendige Seele verbinden, die durch ihn wachsen kann. Dazu bedarf es immer wieder vieler „weißer Lämmer“, die wie der Nazarener eines war. Es gibt viele Wölfe auf dieser Erde. Wir können uns nur selbst erlösen, indem wir unser Bewusstsein zum Guten ändern.

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