Kind sein

Zug aus Streichholzschachteln. Quelle: Pinterest

Schon wieder Tag!
Die kurze Nacht hängt noch in meinen Knochen.

Kind möcht‘ ich sein,
das freudig aus dem Bett gekrochen,
das voller Neugier auf die Mutter blickte,
ein süßes Brötchen in den Händchen drückte.

Das draußen eine Wunderwelt beschaute,
aus Streichholzdosen bunte Züge baute.
Mit ausgedienten Schachteln spielte,
darin das Fallobst aus dem Garten füllte.

Das jedes Kärtchen, jedes Blatt verwahrte,
sich in die Hüte des Rhabarberblatts vernarrte,
und Kirschen, als die schönsten Ohrgehänge,
im Sommer zeigte in der Menge.

Kind möcht‘ ich sein,
mit Baumel-Beinchen auf der Bank,
Rhabarberstangen in der kleinen Hand,
genüsslich in den Zucker tauchen;
zufrieden in den Himmel schauen.

Die ‚alte Schachtel‘ bin ich selbst geworden.
Schon wieder Tag! Es kommt ein neuer Morgen.
Ich sehe traurig ein, nach all den Jahren:
Mein Zug ist doch längst abgefahren.

Autor: Gisela

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9 Gedanken zu „Kind sein“

    1. Damals hatte ich das. Dafür wurde vor allem die Pappe aus den Hemden meines Vaters gesammelt. Im Moment kann ich mich dazu nicht durchringen. Alles hat seine Zeit!
      Liebe Grüße

  1. Freuden Heinrich Andreas Zimmermann

    Vergang’ne Freuden
    vergang’ner Leben
    vergang’ne Leiden
    vergang’ner Leben
    formen heut‘
    mein Hier und Jetzt –
    Bin ich erfreut?
    Bin ich entsetzt?

    Solch Fragen
    und solch Fühlen sich zu stellen
    ist heute nicht mein Ziel.
    Denn nun,
    nach viel‘ Jahrzehnten
    Jahrhunderten wohl gar
    es lautet ein Gebot
    es lautet ein Gebet
    der Versöhnung,
    des einen Wortes „ Ja“
    zum Wege meiner Seele
    zurück zum Vaterhaus.
    So will ich still annehmen
    mein Können, Wollen, Tun,
    mein Armut, Schwachheit
    und mein Ruh’n.

    Denn Gottes große Liebe
    sie trägt auch mich
    den kleinen Geist
    in jenes Licht
    das ew’ge Freude mir verheisst!

    12.2.2020

    1. Liebe Gisela, das Gedicht und vor allem der Adventskalender mit den Streichholzschachteln rührt mich an. Und ich denke: Unser Zug muss nicht abgefahren sein, wie alt wir auch sind! Das Kind , das wir mal waren , kann immernoch lebendig sein in uns. Und wir können uns im Geiste das schenken, wonach wir und früher sehnten und was wir heute für unser inneres Kind schön finden. Ich bastele zum Beispiel immer noch gerne Adventskalender. Und einen mit 24 bunten Briefumschlägen, die ich mit Texten und einer kleinen Süßigkeit fülle, bereite ich mir im Oktober oder November immer für mich selbst im Dezember vor. Hi hi.
      Alles Gute für dich und dein inneres Kind
      wünscht euch
      Miriam

      1. Liebe Miriam, ich bewundere Deine Tatkraft und Zuversicht.
        Das fehlt mir im Moment noch. Aber ich weiß, ich muss sie wiederfinden. Es ist schön, dass Du Dich selbst beschenken kannst.
        Ich bin noch auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung, die mir Freude machen würde. Vielleicht finde ich sie noch.

        Im Moment freue ich mich über Deinen Kommentar. Danke für Deine lieben Worte.

        Alles Liebe und herzliche Grüße 💕

    1. Früher gab es gewiss mehr Streichholzschachteln. Früher war es ein Notspielzeug. Man hatte ja nichts.
      Ich weiß nicht, ob die Kinder so etwas noch kennen. Das ist schade! In der Einfachheit liegt etwas Schönes.

      Liebe Grüße

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