Schein-Freundschaften

Fotograf unbekannt

Freundschaften, die gar keine sind,
entlarvt man in Krisenzeiten.
Plötzliche Klarheit! Man ist nicht mehr blind,
wenn sie uns nicht mehr begleiten.

Was sich verband mit dem täglichen Tun
war wie ein ‚Gebrauchsgegenstand‘.
Jetzt, wo nicht mehr blieb, als lästiges Ruhen,
hat man sich still abgewandt.

Das Telefon klingelt längst nicht mehr,
die vertrauten Stimmen – verstummt.
Meine Anrufliste gelöscht und leer;
da ist auch kein Handy, das summt.

So einsam kann überhaupt niemand sein,
denkt man und gibt sich die Schuld.
Es geht sicher schlimmer, bin nur allein;
mich drückt inn’re Ungeduld.

Das Sprechen verlernt man in ‚Einzelhaft‘,
man IST nur noch über Gedanken.
Erinnerungen, in denen keiner lacht;
mein Leben geriet ins Wanken.

Da ist keine Hand, die mich sicher hält.
Sie sind schon alle gegangen!
Wo sind die Freunde in meiner Welt?
Unlösbar mein Unterfangen.

Verlassen hat man schon lange den Bund,
hat bessere Freunde gefunden.
Mein blinder Fleck auf dem Erdenrund?!
Freundschaft für Jahre, für Stunden?

„Freundschaften wachsen, wenn man sie pflegt.“
Hab ich ‚zu wenig gegossen‘?
Traurig ‚Verbundenheit‘ abgelegt,
das Schicksal hat’s so beschlossen.

Autor: Gisela

Bitte auf meiner Seite "Über mich" nachlesen.

7 Gedanken zu „Schein-Freundschaften“

  1. Das liest sich traurig. Wie vielen Menschen mag es auch so ergehen? Morgen hat unser Nachbar, ( er wohnt über uns) Geburtstag. Er wird 81 Jahre und ist seit dem Tod seiner Frau oft alleine. Früher war viel Verwandschaft bei ihm, aber seit ca 2 Jahren kommt da niemand mehr. Wir laden ihn jedes Jahr zum Weihnachtsfest ein und auch wenn er nicht kommt, bekommt er einen bunten Teller geschenkt.
    Heute habe ich einen Kuchen besorgt. Wir gehen morgen zu ihm hoch und bringen ihm den Kuchen mit Kerze vorbei. Unter Einhaltung der Abstandsregeln werden wir bei ihm klingeln, ein Lied singen ( mit Maske) und ihm den Kuchen überreichen. Er soll einfach wissen, dass er nicht alleine ist.
    Liebe Grüße an dich liebe Gisela. Steph

    1. Das ist wirklich eine großartige Aktion, liebe Steph. Da wird sich Dein Nachbar sicherlich freuen. Ich wohne hier mit zwei weiteren Parteien. Junge Männer, die oftmals einen Gruß nicht über die Lippen bringen. Man kennt sich nur vom Sehen und Hören, lebt wie auf einer Insel. Schade eigentlich! Da gefällt mir Deine nachbarschaftliche Aktion natürlich besonders gut. Viel Freude damit!

      Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag und sende ganz herzliche Grüße.

  2. Liebe Gisela,
    zwar kennen wir uns überhaupt nicht, aber dennoch verstehe ich Deine Worte im Herzen.
    Derzeit ergeht es so vielen Menschen genau wie Dir, – mich nicht ausgenommen.
    Es ist eine harte Zeit, die uns nun ereilt hat, ohne dass wir persönlich daran schuldig wären.
    Eines aber WEISS ich ganz sicher:
    Äußerlich können wir alleine sein, sogar entsetzlich einsam wie noch nie.
    Und trotz alledem sind und bleiben wir immer verbunden mit der wahren Welt, die unsere Augen zur Zeit lediglich nicht sehen können, die aber so real ist!

    Ich halte es mit dem Liedtext von Dietrich Bonhoeffer, der ebenso in äusserlich vollkommener Einsamkeit diesen Text schrieb, und ich nehme an, Du wirst ihn kennen:

    „Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben, und mit euch gehen in ein neues Jahr.

    Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.
    Gott ist mit uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

    1. Lieber Heinrich Andreas, vielen Dank für Deine berührenden Worte. Die Zeilen von Dietrich Bonhoeffer sind mir bekannt, dennoch immer wieder tröstlich. Sicherlich sind wir von guten Mächten umgeben, die uns Tag und Nacht begleiten.
      Hoffen wir auf den neuen Tag. Leider erwarten wir manchmal zu viel von anderen Menschen und sind dann enttäuscht.

      Ich wünsche Dir eine gute Zeit und bleib gesund.

      Liebe Grüße von Gisela

  3. Welch wahre Worte.
    Ich hatte auch einmal Freunde… leider keine „wahren“ Freunde. Und was ist übrig geblieben? Die Erkenntnis, dass man auch zu zweit sehr einsam sein kann…
    LG

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