Brandmauer

Aus „Wallensteins Tod“ von Friedrich von Schiller:

Nicht was lebendig, kraftvoll sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare.

Das ganz Gemeine ist’s, das ewig Gestrige, was immer war und immer wiederkehrt, und morgen gilt, weil’s heute hat gegolten! Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht, und die Gewohnheit nennt er seine Amme.

Nur zwischen Glauben und Vertrauen ist Friede!

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Mauern sind längst neu errichtet,
um zu trennen, die, die glaubten,
Milch und Honig würden fließen
und sich an den Staat verkauften.

Grenzen öffneten die Tore.
Freude war von kurzer Dauer;
jubelnd wurd‘ der Dank gerufen,
als man oben auf der Mauer.

Doch ein hartes Schicksal folgte,
federlassend war‘s Gemenge;
Staat nahm Planwirtschaft und Arbeit,
planlos im West-/Ost-Gedränge.

Viele Jahre sind im Außen
die Fassaden neu gestrichen,
doch aus ihren Herzensgruben
ist die Sehnsucht nie gewichen.

Nur des Jägers schwaches Denken
zerrt den Adler aus dem Neste,
um ihn dann daheim im Käfig
einzusperren, ihm zum Besten.

Gitterstäbe sollen weichen,
denn der Aar sehnt nach dem Horste.
Fliegen will er, aufwärts schwingen,
überschauen seine Forste.

Wer war’n die gemeinen Brenner,
die die Mauer hochgezogen?
Einst versprach man Land in Blüte,
doch man hatte sie belogen.

Wogt der Stein in Rauch und Feuer,
stürzen ein die Gitterwände.
Weh dem Leben nach der Lohe!
Unschuld wusch Pilatus’ Hände?