Flüchtiges Lauschen

Edward Robert Hughes (1851-1914)
Ich folg’ des Wanderers Blicken,
mit Tannengrün am Hute,
der tastend seine Schritte
führt längs der Wanderroute.

Das Bächlein, wie es flüstert,
es plätschert vor sich hin;
sein mondbeglänzter Schimmer
geht mir nicht aus dem Sinn.

Als würden die Gedanken
wie Glitzersteine prahlen,
und mir statt grauer Steine
ein Bild aus Märchen malen.

Erweckt in meiner Seele
sind fast vergessene Lieder.
Hätt’ ich der Amsel Kehle,
kläng’ der Gesang hernieder.

Die Nebel, wie sie steigen,
aus moosbegrünten Wegen,
und wenn der Morgen graut,
sich auf die Wiesen legen.
Zeichnung Ludwig Richter
Der Menschheit dunkle Tage – 
hör wispernd ferne Stimmen,
sind durch den Wald geschritten,
seh' ihre Feuer glimmen.

Hör‘ ihre Füße stampfen,
wenn die Legion marschierte,
wie sie die Bäume brachen,
und jeden Weg markierten.

„Sie lebten und sie litten“,
flüstert das Blätterrauschen;
der Lindenbaum erzählt es,
der Eiche konnt’ ich lauschen.

Noch mit den alten Göttern,
sind sie hindurchgegangen,
brandschatzten und zerstörten -
das war ihr Unterfangen.

Es grünt des Waldes Garten;
im stillen Heiligtume,
versteckt und unerkannt,
da träumt die blaue Blume.

Hör' Nachtigallen singen,
wie jubeln sie und klagen,
bis kein Lenz mehr auf Erden
wird blühen und Herzen schlagen.

Zauberwald

Im Zauberwald, tief, dort im Buchenhain,
da tanzen Elfen mit duftigen Schleiern.
Sie teilen mit Trollen Nektar und Wein,
verweilen an Bächen und Weihern.
 
Auf einem grünen Bett aus weichem Moose,
da träumt die Elfenkönigin.
Umkränzt von Akelei und Herbstzeitlosen,
verborgen schön – seit Welten Anbeginn.
 
Märchenwesen an verwunschenen Orten,
verzaubern mit Lichtern und wispernden Klängen,
bewachen der Wälder finstere Pforten,
verwirren den Wandrer mit ihren Gesängen.
 
Dort wo das Einhorn steht am Waldesrand
und Zwerge Hüter sind der Märchenschätze,
wo Trugbilder verschleiern den Verstand,
da herrschen die alten Gesetze.
 
Tief unten auf dunklem Baches Grund,
des alten Wassermanns Revier,
da tummeln sich singende Sommerfeen und
färben mit ihren Flügeln bunt, die Wiesenblumen hier.
 
Wenn einmal die Sonne nicht scheinen mag
und Regenwolken ihr Leuchten verhüllen,
dann beginnen die Elfen mit Liebe den Tag
und mit Regenbogenlicht die Wiesen zu füllen.