Der Geist dieses Ortes

aus: Werthers Leiden von Johann Wolfgang von Goethe,
Zeichnung von Friedrich Bold

Genius huius loci – in Weimar

Es gibt einen Ort, dessen Schwingung,
erstrahlt mir so rein wie Kristall.
In seinen Facetten, da spiegelt
sich dein Geist noch ein letztes Mal.

Spür’ noch deinen Arm, deine Blicke,
die heller erstrahlten als Licht.
Warst mir der Schönste zum Glücke,
erhaben, dein Geist, dein Gesicht.

Als leise im Frühlingserwachen
dein Mund mich zärtlich berührt,
da hab ich auf heißen Wangen
den Hauch deiner Liebe gespürt.

In unseren Herzen lag Frieden,
Glückseligkeit gab uns Geleit,
doch blühten die Herbstzeitlosen
schon lange uns vor der Zeit.

Das Schicksal, es streute uns Rosen,
doch der Geist unsrer Liebe trieb fort.
Vorbei ist das Streicheln und Kosen,
die Blüten, zertreten, verdorrt.

Das Leben hat alles genommen;
dein Geist ist so fern mir, so weit.
Nun ist der Winter gekommen –
du hast dich von mir befreit!

Autor: Gisela

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4 Gedanken zu „Der Geist dieses Ortes“

  1. Ich erlaube mir zu behaupten, dass es trotz allen Umständen Liebe gewesen sein muss.
    Denn nur der Begierde ,entstammen nicht solch zauberhafte, romantische, liebende,
    hingebungsvolleWorte. Denke ich.
    … von Herz zu Herz … Segen!
    M.M.

    1. Danke, liebe Monika-Maria,
      es war mehr aus nur Begierde…für mich war es das jedenfalls.
      Wir haben ca. 4.000 Briefe geschrieben, oft länger als DIN A4. Niemand schreibt derartige Briefe, wenn ihm am Anderen nichts liegt.
      Liebe vergeht niemals.

      Herzliche Grüße
      Gisela

  2. Das Schicksal, es streute uns Rosen,
    doch der Geist unsrer Liebe trieb fort.
    —————–
    Wie passierte das? frage ich mich.
    Ist es Übermut? Ist es Langeweile?
    Was käme noch infrage?
    Wenn das Schicksal Rosen streut, dann heisst es doch, dass es ihnen gut ging.
    Wieso treibt der Geist der Liebe dann fort?
    Oder gibt es sie gar nicht „DIE LIEBE“?
    Ist alles nur Einbildung und Wunschdenken, dass Strohfeuer gebiert, das natürlich irgendwann erlischt?

    1. Es gibt Verbindungen, die gar nicht sein dürfen, weil er bereits Familie hat. In denen man liebt und weiß, es wird niemals von Dauer sein.
      In einem damaligen Traum sah ich eine große, gelbe Riesenschlange auf der Straße. Plötzlich kam eine Kutsche und fuhr darüber. Deutung: Die Schlange, die sich im Staub windet, ist dem Materiellen am Nächsten. Obwohl sie wunderschön aussah (wie die Liebe sich anfühlte), blieb sie nur die weltliche Liebe, die wieder zerbrechen würde. Und so war es dann auch.
      Wichtig ist die ewige Liebe, die man nur von Gott erhält.

      Liebe Grüße
      Gisela

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