Die Kinder von Izieu

Erinnern heißt: HANDELN GEGEN RECHTS!!!!!!!!!!!!
Dokumentation

Sie war'n voller Neugier, sie war'n voller Leben,
die Kinder, und sie waren vierundvierzig an der Zahl.
Sie war'n genau wie ihr, sie war'n wie alle Kinder eben
im Haus in Izieu hoch überm Rhonetal.

Auf der Flucht vor den Deutschen zusammengetrieben,
und hinter jedem Namen steht ein bitteres Leid,
alle sind ganz allein auf der Welt geblieben,
aneinandergelehnt in dieser Mörderzeit.

Im Jahr vierundvierzig, der Zeit der fleiß'gen Schergen,
der Spitzel und Häscher zur Menschenjagd bestellt.
Hier wird sie keiner suchen, hier oben in den Bergen,
die Kinder von Izieu, hier am Ende der Welt.

Joseph, der kann malen: Landschaften mit Pferden,
Theodore, der den Hühnern und Küh'n das Futter bringt,
Liliane, die so schön schreibt, sie soll einmal Dichterin werden,
der kleine Raoul, der den lieben langen Tag über singt.

Und Elie, Sami, Max und Sarah, wie sie alle heißen:
jedes hat sein Talent, seine Gabe, seinen Part.
Jedes ist ein Geschenk, und keines wird man denen entreißen,
die sie hüten und lieben, ein jedes auf seine Art.

Doch es schwebt über jedem Spiel längst eine böse Ahnung,
die Angst vor Entdeckung über jedem neuen Tag,
und hinter jedem Lachen klingt schon die dunkle Mahnung,
dass jedes Auto, das kommt, das Verhängnis bringen mag.

Am Morgen des Gründonnerstag sind sie gekommen.
Soldaten in langen Mänteln mit Männern in Zivil.
Ein Sonnentag - sie haben alle, alle mitgenommen,
auf Lastwagen gestoßen und sie nannten kein Ziel.

Manche fingen in ihrer Verzweiflung an zu singen,
manche haben gebetet, wieder andre blieben stumm.
Manche haben geweint und alle, alle gingen
den gleichen Weg in ihr Martyrium.

Die Chronik zeigt genau die Listen der Namen,
die Nummer des Waggons und an welchem Zug er hing,
die Nummer des Transports mit dem sie ins Lager kamen;
die Chronik zeigt, dass keines den Mördern entging.

Heute hör' ich, wir soll'n das in die Geschichte einreihen,
und es muss doch auch mal Schluss sein, endlich, nach all den Jahr'n.
Ich rede und ich singe, und wenn es sein muss, werd' ich schreien,
damit unsre Kinder erfahren, wer sie war'n.

Der Älteste war siebzehn, der Jüngste grad vier Jahre.
Von der Rampe in Birkenau in die Gaskammern geführt.
Ich werd' sie mein Leben lang sehn und bewahre
ihre Namen in meiner Seele eingraviert.

Sie war'n voller Neugier, sie war'n voller Leben,
die Kinder, und sie waren vierundvierzig an der Zahl.
Sie war'n genau wie ihr, sie war'n wie alle Kinder eben
im Haus in Izieu hoch überm Rhonetal.

Das Wort Hoffnung

Erinnerungen verblassen
und des Tages Ruhm vergeht.
Die Spuren, die wir heute zieh’n
sind morgen schon verweht.
Doch in uns ist die Sehnsucht,
dass etwas von uns bleibt,
ein Fußabdruck am Ufer,
eh‘ der Strom uns weitertreibt.

Nur ein Graffiti, das sich von der grauen Wand abhebt,
so wie ein Schrei, der sagen will:
Schaut her, ich hab gelebt!
So nehm ich, was an Mut mir bleibt,
und in der Dunkelheit
sprühe ich das Wort „Hoffnung“ auf die Mauern meiner Zeit.

Die Herzen sind verschlossen,
die Blicke leer und kalt,
Brüderlichkeit kapituliert
vor Zwietracht und Gewalt,
und da ist so viel Not und Elend
gleich vor uns’rer Tür,
und wenn wir ein Kind lächeln seh’n,
so weinen zehn dafür.

Der Himmel hat sich abgewandt,
die Zuversicht versiegt.
Manchmal ist’s, als ob alle Last auf meinen Schultern liegt.
Doch tief aus meiner Ohnmacht
und meiner Traurigkeit
sprühe ich das Wort „Hoffnung“ auf die Mauern meiner Zeit.

Um uns regiert der Wahnsinn
und um uns steigt die Flut.
Die Welt geht aus den Fugen,
und ich rede noch von Mut.
Wir irren in der Finsternis
und doch ist da ein Licht,
ein Widerschein von Menschlichkeit –
ich überseh‘ ihn nicht.

Und wenn auf meinem Stein sich vielleicht das Unkraut wiegt im Wind,
die Worte „Ewig unvergessen“ überwuchert sind,
bleibt zwischen den Parolen von Hass und Bitterkeit
vielleicht auch das Wort „Hoffnung“ auf den Mauern jener Zeit,
bleibt zwischen den Parolen von Haß und Bitterkeit
vielleicht auch das Wort „Hoffnung“ auf den Mauern jener Zeit.

Quelle: Musixmatch
Songwriter: Reinhard Mey

Englische Übersetzung:

Memories fade
and the glory of the day fades.
The traces we leave today
Are tomorrow already blown away.
But in us is the longing,
that something of us remains,
A footprint on the shore
before the current carries us on.

Just a graffiti that stands out against the gray wall,
like a scream that wants to say:
Look, I lived!
So I take what courage I have left,
and in the darkness
I spray the word „hope“ on the walls of my time.

The hearts are closed,
gazes empty and cold,
brotherhood capitulates
before discord and violence,
and there is so much need and misery
just outside our door,
and when we see one child smile,
ten weep for it.

Heaven has turned away,
And all hope is gone.
Sometimes it’s as if all the weight is on my shoulders.
But deep from my helplessness
and my sadness
I spray the word „hope“ on the walls of my time.

Madness reigns around us
and around us the tide is rising.
The world is coming apart at the seams,
and I still speak of courage.
We wander in the darkness
and yet there is a light,
a reflection of humanity –
I do not overlook it.

And if on my stone perhaps the weeds sway in the wind,
the words „Eternally unforgotten“ are overgrown,
among the slogans of hatred and bitterness
perhaps the word „Hope“ also remains on the walls of that time,
between the slogans of hatred and bitterness
perhaps also the word „hope“ remains on the walls of that time.

Zeit zu leben

Ein Haus und Sicherheit
Ein Ring in Ewigkeit
Ein Mensch, der immer bleibt
Vernunft für allezeit
Wovor haben wir nur so viel Angst

Ein Lächeln, das nicht stimmt
Ein Blick, der nichts beginnt
Die Hand, die nur noch nimmt
Und Zeit, die schnell verrinnt
Wovor haben wir nur so viel Angst

Und der Wind fegt all die Blätter fort
Und der Tod, ist mehr als nur ein Wort
Denn nichts bleibt, nichts bleibt, nichts bleibt
Kein Ring, kein Gold, kein Leid
Nichts bleibt, nichts bleibt, nichts bleibt

Es wird Zeit zu leben
Endlich Zeit
Zeit zu leben

Mein Paß sagt mir, ich bin
Das Konto sagt, ich hab

Die Fotos und das Kind
Zeigen, ich war immer da

Alles was ich habe gehört mir

Nichts als Schmerz, sagt die Angst
Nichts als Angst, sagt der Schmerz
Halt es fest, sagt der Kopf
Laß es los, sagt das Herz

Und die Liebe sagt leis… jetzt und hier
Und der Wind fegt all die Blätter fort
Und der Tod, ist mehr als nur ein Wort
Denn nichts bleibt, nichts bleibt, nichts bleibt
Kein Ring, kein Gold, kein Leid
Nichts bleibt, nichts bleibt, nichts bleibt

Es wird Zeit zu leben
Endlich Zeit
Zeit zu leben
Endlich Zeit
Zeit zu leben
Endlich Zeit
Zeit zu leben
Endlich Zeit

Quelle: Musixmatch
Songwriter: Klaus Dieter Hoffmann

Ich glaube nicht

Friedrich von Schiller: „Das Universum ist ein Gedanke Gottes. …
Möglich, daß das ganze Gerüste meiner Schlüsse ein bestandloses Traumbild gewesen. Aber eine Wahrheit ist es, die gleich einer festen Achse, durch alle Religionen und alle Systeme geht! – Nähert Euch dem Gott, den ihr meinet!“

Hin und wieder geißl‘ ich mich und geh‘ hart mit mir ins Gericht
und befrag‘ mich hochnotpeinlich, ob ich glaube oder nicht.
Nur ein bißchen Folter und schon erpress‘ ich mir den Beweis,
dass ich erstens gar nichts glaube und zweitens gar nichts weiß.

Ich glaub‘ nur, dass, wenn es ihn tatsächlich geben sollte,
Er, was hier in seinem Namen abgeht, gar nicht wollte.
Erstmal glaub‘ ich, dass die Weihwasserbeckenfrösche ihn stören
und die viel zu großen Häuser, die angeblich ihm gehören.
Glaubt ihr denn, er ist auf Lakaien und Grundbesitz erpicht?
Ja-Sager und Immobilien?
Ich glaube nicht!

Ich glaub‘ nicht, wenn es ihn wirklich gibt, dass er’s überaus liebt,
dass sich jemand hartnäckig als sein Stellvertreter ausgibt
und sich für unfehlbar hält.
Ich glaub nicht, dass es ihm gefällt,
dass man ihm krause Ansichten als ’sein Wille‘ unterstellt.

Ich verwette mein Gesäß: Brimborium und Geplänkel
Mummenschanz und Rumgeprotze gehn ihm auf den Senkel.
Dieses Ringeküssen, diese selbstgefäll’gen Frömmigkeiten,
dies in seinem Namen Eselei’n und Torheiten verbreiten.
Glaubt ihr, dass er will, dass irgendwer an seiner Stelle spricht?
Irgend so ein kleines Licht?
Ich glaube nicht!

Ich glaub‘ nicht, dass er in seiner Weisheit, seinem ew’gen Rat
sowas Abartiges ausgeheckt hat, wie den Zöllibat.
Denn sonst hätt‘ er sich zum Arterhalt was andres ausgedacht
und uns nicht so fabelhafte Vorrichtungen angebracht.
Welch ein Frevel, daran rumzupfuschen, zu beschneiden,
zu verstümmeln! Statt sich dran zu erfreu’n, dran zu leiden.

Und wenn Pillermann und Muschi nicht in den Masterplan passen,
glaubt ihr nicht, er hätt‘ sie schlicht und einfach weggelassen?
Glaubst du Mensch, armsel’ger Stümper, du überheblicher Wicht,
dass du daran rumschnippeln darfst?
Ich glaube nicht!

Ich glaub‘ nicht, dass ihm der Höllenlärm etwas bedeutet,
wenn man in die göttliche Ruhe hinein die Glocken läutet.
Ich bin sicher, dass er es als schlimme Lästerung betrachtet,
wenn man, um ihn zu bestechen, kleine Lämmerchen abschlachtet.
Und er muss sich sofort übergeben, denkt er nur ans Schächten,
oder an die schleim’gen Heuchler, an diese gottlosen Schlechten,
die scheinheilig die Kinderlein zu sich kommen lassen
und ihnen in die Hose fassen.

Ich glaub‘ nicht, dass er in euren pompösen Palästen thront.
Ich glaub‘ eher, dass er beim geringsten meiner Brüder wohnt.
Eher bei den Junkies, bei den Trebern im Park als in Rom,
eher in den Slums, den Schlachthöfen, den Ghettos als im Dom.
Im Parterre bei Oma Krause, in der Aldi-Filiale,
eher auf dem Straßenstrich als in der Kathedrale,
Wo Schiefköpfige, Händeknetende Schuldgefühle schüren,
Eitel, selbstgerecht, als würden sie ihn an der Leine führen.
Eher als in eurer düstren, modrig-lustfeindlichen Gruft,
Sitzt er unter freiem Himmel in der lauen, klaren Luft,
neben mir auf der Bank vor der Gartenlaube,
bei einer Flasche Deidesheimer Herrgottsacker.
Ja, ich glaube!
Ja, ich glaube!

Quelle: Musixmatch
Songwriter: Reinhard Mey