Wer mit den Wölfen heult

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Sinnend in des Mondes Schimmer,
als er ihm den Schlaf verwehrte,
klang in ihm die treue Stimme,
die gar plötzlich aufbegehrte.

War’s ein Traum? Die stille Stunde
wandelt in ihm, was gewesen.
Alle sind im Kampf gefallen,
und nicht einer ist genesen.

Wüst und öde ist die Erde
und der Boden voller Leichen,
die in jedem Kriegsgetümmel
schauderhafte Zahl erreichen.

Von den Kämpfern fielen viele,
die ihr Leben ausgehaucht;
Angst getränkt sind alle Felder,
Böden sind in Blut getaucht.

Stärker war'n die Überstarken,
doch es naht schon bald die Sühne;
auch der Turm, gebaut zu Babel,
wurde mahnende Ruine.

Sein Geschlecht ist sein Verderben!
Wolf war er, als er zerfleischte
voller Mordlust andere Leben;
Rudel-Führers Gunst erheischte,

doch sein Sinnen war vergebens.
Wer das Blut des Bruders schändet,
sprach von Wolfszeit einst die Wala, (* + **)
wird mit Wolfsgeheul verenden.

*Die Wolfszeit bezeichnet eine Epoche des moralischen Verfalls, des Chaos und des Krieges, die unmittelbar vor dem Weltuntergang (Ragnarök) eintritt.

**Eine Wala ist eine mächtige Seherin, Prophetin und Zauberin in der germanisch-nordischen Kultur. In alten Versen wird sie vom Obergott Odin beschworen, um ihm die Entstehung der Welt, die Geheimnisse der Götter und schließlich das bittere Ende der Welt vorherzusagen. Sie gilt als unparteiische Hüterin des uralten Wissens und blickt über die Zeit hinaus.

Gewitterahnung

Vor dem Gewitter – Ignaz Raffalt (1800–1857)

Alle Fenster weit geöffnet,
nur ein kleiner Luftzug strömt
in den schwefelgelben Morgen.
Horch nur, wie’s vom Kirchturm tönt!

Und die Vögel singen leise,
spüren, was da kommen mag,
drosseln ihre frühen Kreise;
Federn sind ihr Seismograf.

Dunkle Himmel, zugezogen,
ein Verbinden grauer Schwaden,
die auf blauen Sommerspuren
ihren Glanz verloren haben.

Alle Menschen atmen Schwüle,
jeder Schritt wird eine Last.
Glücklich schätzen wir die Kühle,
die im Winter uns verhasst.

Stimmungsvoll ist aufgeladen,
was die Stadt in Atem hält.
Zwielicht tilgt die frühen Farben,
grau und tot scheint unsre Welt.

Ahnung zerrt an Augenblicken,
es verstummt die Gegenwart.
Blitze gehn auf Himmelsbrücken,
fern noch klingt der Donnerschlag.

Ruhe vor dem Sturm! Beizeiten!
Wird die Welt nun untergehen?
In mir klingt’s wie Ewigkeiten:
Reingewaschen wird sie gehen.