Ich sprach von Dir als von dem sehr Verwandten, zu dem mein Leben hundert Wege weiß, ich nannte Dich, den alle Kinder kannten, für den ich dunkel bin und leis.
Ich nannte Dich den Nächsten meiner Nächte und meiner Abende Verschwiegenheit, und Du bist der, in dem ich nicht geirrt, den ich betrat wie ein gewohntes Haus. Jetzt geht Dein Wachsen über mich hinaus: Du bist der Werdenste, der wird.
Aus dem Worpsweder Tagebuch 4.10.1900
XIII. Sonett an Orpheus
Sei und wisse zugleich des Nicht-Seins Bedingung, den unendlichen Grund deiner innigen Schwingung, dass du sie völlig vollziehst dieses einzige Mal.
Die Träume, die in stillen Feierstunden, Die dunkler Schatten mir so oft verlieh, Die süße Ruh, die ich bei Dir gefunden, Mein Lieblingsbaum, o die vergeß‘ ich nie!
Oft sah ich neben Dir die Sonne untergehen, Entzückt von ihres Anblicks Majestät. Oft hat des Herbstes lindes, kühles Wehen Mit Deinem bunten Laub mich übersäet.
Vor meinen Blicken schwebten holde Bilder, Im lichten Glanz der Jugendfantasie, Da träumt ich mir des Schicksals Härte milder, Und jeder Mißton wurde Harmonie.
Und liebend grub ich einst in Deine Rinde Den Nahmenszug, der in mir brannte, ein; Auch darum wirst Du mir, Du stille Linde, Vor allen Bäumen ewig theuer seyn.
Wenn sich in Deinen blüthenvollen Zweigen Des Westes leiser Odem kaum bewegt, Fühlt mein Gemüth sich durch das tiefe Schweigen Der heiligen Natur so ernst erregt.
Dann denk‘ ich all‘ der Wünsche, die vergebens In meine Seele kamen, und entflohn, Und seufze: wär‘ der kurze Traum des Lebens Vorüber, wie so manche Hoffnung schon.
Und wäre einst nach meiner Tage Mühen, O Baum, den stets mein Herz mit Liebe nennt, Ein stilles Grab mir unter Dir verliehen, Du wärest dann mein liebstes Monument.
So komm, du wilder West, und sing geheimnisvoll und runenkundig in meinen Kiefern und Wacholderbüschen das uralt düstere Jahreslied des Todes! Und reiß aus meinem Herz des Sommers Freuden, reiß sie gleich müd gewordenen Blättern ab, auf daß mein Fuß sie raschelnd von sich stoße. So wie von jenem Ahorn taumelnd dort die schwarzgefleckten Blätter landwärts wirbeln, laß all des Sommers gaukelnde Gestalten zu krausen Scharen windgewiegt ins graue Land Vergessenheit hinflattern! Und dann, oh West, oh wilder West, saug aus des Weltmeers weitgeebbten Brüsten dir Sturmeskräfte hoch und schleudere mich hohnlachend jenen Spukgestalten nach und brause, laut aus vollen Lungen tobend, über das Sommerglück, das du zerstört!
Des Menschen Seele Gleicht dem Wasser: Vom Himmel kommt es, Zum Himmel steigt es, Und wieder nieder Zur Erde muß es, Ewig wechselnd.
Strömt von der hohen, Steilen Felswand Der reine Strahl, Dann stäubt er lieblich In Wolkenwellen Zum glatten Fels, Und leicht empfangen, Wallt er verschleiernd, Leisrauschend Zur Tiefe nieder.
Ragen Klippen Dem Sturz entgegen, Schäumt er unmutig Stufenweise Zum Abgrund.
Im flachen Bette Schleicht er das Wiesental hin, Und in dem glatten See Weiden ihr Antlitz Alle Gestirne.
Wind ist der Welle Lieblicher Buhler; Wind mischt vom Grund aus Schäumende Wogen.
Seele des Menschen, Wie gleichst du dem Wasser! Schicksal des Menschen, Wie gleichst du dem Wind!
Auf der Heide blüh’n die letzten Rosen; braune Blätter fallen müd vom Baum,
und der Herbstwind küsst die Herbstzeitlosen; mit dem Sommer flieht manch Jugendtraum.
Möcht einmal noch wie damals kosen, möcht‘ vom Frühling träumen und vom Glück.
Auf der Heide blüh’n die letzten Rosen, doch die Jugendzeit kehrt nie zurück.
Versunken ist die Frühlingszeit, kein Vogel singt im Lindenhain; die Welt verliert ihr Blütenkleid und bald wird Winter sein. Verlassen ist der Holderstrauch, an dem ich einst geküsst. Es blieb ein Duft, der wie ein Hauch, aus fernen Tagen ist.
Auf der Heide blüh’n die letzten Rosen, braune Blätter fallen müd vom Baum,
und der Herbstwind küsst die Herbstzeitlosen; mit dem Sommer flieht manch Jugendtraum.
Möcht einmal noch wie damals kosen, möcht‘ vom Frühling träumen und vom Glück.
Auf der Heide blüh’n die letzten Rosen – ach, die Jugendzeit kehrt nie zurück. Holde Jugend, holde Jugend – kämst du einmal doch zu mir zurück.
Feinslieb, nun ist es Blätterbraun Schon wieder in den Spitzen Wann wir unterm Kastanienbaum Am Abend fröstelnd sitzen Das Jahr geht fort mit schwerer Fracht Es bindet sich die Schuh‘ Ich bin so traurig heute Nacht – Und du, du lachst dazu!
Feinslieb, die schwarze Jacke hängt Die Schultern ab mir wieder Wann schon so früh das Dunkel fängt Uns und die Kält‘ die Glieder In deinen Augen glimmt noch leis‘ Der Sommer voller Ruh‘ Ich wein‘, weil ich nicht weiter weiß – Und du, du lachst dazu!
Feinslieb, das war es also schon Der Sommer ist vertrieben Die Vögel sind auf und davon Und wir sind hier geblieben Fremd zieh‘ ich ein, fremd zieh‘ ich aus Ich weiß nicht, was ich tu‘! Heut‘ Nacht, verwelkt ist mein Zuhaus‘ – Und du, du lachst dazu!
Feinslieb, komm stirb mit mir ein Stück Sieh, müd‘ die Blätter schunkeln Wir dreh’n das Jahr doch nicht zurück Und seh’n uns nicht im Dunkeln! Lass in dem Kommen, Bleiben, Geh’n Zertanzen uns die Schuh‘ Ich will noch soviel Himmel seh’n – Und du, du lachst dazu!
Ich mag die beiden gern am Dahlienbeet, in ihrem Garten, im herbstlichen Nachmittagslicht die Blumen hegen seh’n. Wie sie bedächtig arbeitend die Dämmerung erwarten, die Schürze überm Arm, wenn’s kühl wird, in die Stube geh’n. Bald dringt ein Lichtschein durch die Zweige, die im Herbstwind schwanken, so friedlich, wie ein Erntefeuer, in der Nacht hinaus. Ich ahn‘ sie beieinander sitzen, seh‘ sie in Gedanken, die beiden alten Leute in dem stillen Haus.
Die Jahreszeiten eines Lebens haben die zwei vorübergehen seh’n, die Zeit zu säen, die Zeit zu ernten, ohne die Zeit, sich auch nur einmal umzudreh’n.
Die Zeit hat ihre Schritte nun langsamer werden lassen, und ihre Gesten zögernd, beinah‘ unsicher und schwach. Wenn sie einander stützen und sich helfend unterfassen; ihr Gang mag müd‘ geworden sein, ihr Blick ist doch hellwach und immer voller Zärtlichkeit für einander geblieben, und mehr denn je ein Weg, einander wortlos zu versteh’n. Ich glaub‘, die Zeit lässt Menschen, die einander so lang‘ lieben, so ähnlich fühlen, dass sie sich einander ähnlich seh’n.
Die Jahreszeiten eines Lebens haben die beiden zusammen erlebt; so haben sich längst die Schicksalsfäden der beiden zu einem einzigen Band verwebt.
Es sind die Sorgen und die Freuden vergangener Jahre. Geschichten, die man in ihren Gesichtern lesen kann. Manch‘ Kummer und manch‘ Ärger sorgten für die weißen Haare, und ganz gewiss hatten wir Kinder unsren Teil daran. Die Kinder sind nun auch schon lange aus dem Haus gegangen, haben mit ihren Kindern alle Hände voll zu tun. Die beiden steh’n allein, so hat es einmal angefangen. Hier hat ihr Leben sich erfüllt, hier schließt der Kreis sich nun.
Die Jahreszeiten eines Lebens sah’n manchen Wunsch in Erfüllung geh’n Nun bleibt der sehnlichste von allen: Die Zeit des Rauhreifs miteinander noch zu seh’n.
Die Flower-Power Zeit ging vorbei, jedoch sind mir einige alte Hippie-Songs unvergesslich geblieben. So auch das Musical „Hair“ mit dem wohl bekanntesten Hit– „Aquarius/Let the Sunshine In“ von The 5th Dimension.
Kaum zu glauben, auch ich war damals jung und naiv, gerade mal 23 Jahre alt.
Foto privat 1976
Life gesungen von Esther Ofarim (1969), die ich damals sehr verehrt habe. Der einzige Songtext, den ich heute noch laut mitsingen kann:
Originaltext:
I met a boy called Frank Mills On September twelfth right here In front of the Waverly* but unfortunately I lost his address
He was last seen with his friend A drummer, he resembles George Harrison of the Beatles But he wears his hair Tied in a small bow at the back
I love him but it embarrasses me To walk down the street with him He lives in Brooklyn somewhere And wears this white crash helmet
He has golden chains on his leather jacket And on the back are written the names ‚Mary and Mom And Hell’s Angels‘
I would gratefully appreciate it If you see him, tell him I’m in the park with my girlfriend And please
Tell him Angela and I Don’t want the two dollars back Just him
Übersetzung:
Ich traf einen Jungen namens Frank Mills Am zwölften September genau hier Vor dem Waverly*, aber leider habe ich seine Adresse verloren
Er wurde zuletzt mit seinem Freund gesehen Ein Schlagzeuger, er ähnelt George Harrison von den Beatles Aber er trägt sein Haar hinten zu einer kleinen Schleife gebunden.
Ich liebe ihn, aber es ist mir peinlich Mit ihm die Straße entlang zu gehen Er lebt irgendwo in Brooklyn Und trägt diesen weißen Sturzhelm
Er hat goldene Ketten an seiner Lederjacke Und auf dem Rücken sind die Namen geschrieben ‚Mary und Mom Und Hell’s Angels‘
Ich wäre sehr dankbar dafür Wenn Sie ihn sehen, sagen Sie ihm ich bin im Park mit meiner Freundin Und bitte
Sag ihm, Angela und ich Wollen die zwei Dollar nicht zurück Nur ihn
*Waverly Inn, Restaurant im West Village, New York
Diese Website verwendet Cookies, um Ihre Erfahrung zu verbessern. Wir gehen davon aus, dass Sie damit einverstanden sind, aber Sie können sich abmelden, wenn Sie dies wünschen.Cookie settingsACCEPT
Privacy & Cookies Policy
Privacy Overview
This website uses cookies to improve your experience while you navigate through the website. Out of these cookies, the cookies that are categorized as necessary are stored on your browser as they are essential for the working of basic functionalities of the website. We also use third-party cookies that help us analyze and understand how you use this website. These cookies will be stored in your browser only with your consent. You also have the option to opt-out of these cookies. But opting out of some of these cookies may have an effect on your browsing experience.
Necessary cookies are absolutely essential for the website to function properly. This category only includes cookies that ensures basic functionalities and security features of the website. These cookies do not store any personal information.
Any cookies that may not be particularly necessary for the website to function and is used specifically to collect user personal data via analytics, ads, other embedded contents are termed as non-necessary cookies. It is mandatory to procure user consent prior to running these cookies on your website.