Mond

Verweile lautlos am Zenit der Ewigkeit,
begleitet nur vom Widerschein der Sterne,
versunken tief im Meer der großen Einsamkeit,
getrennt von Zeit und Raum, den Welten ferne.

Anfang- und endlos dreh’ ich meine Kreise,
erhelle sanft die Nacht mit fahlem Licht;
Mondengel leiten meine stumme Reise
solange bis der nächste Tag anbricht.

Sternenreise

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Im Weltall ist es stille,
kein Ton dringt durch die Zeit,
in der Materien-Fülle –
Unendlichkeiten weit.
 
Gedankenweit getragen,
bis an den fernsten Punkt,
vorbei an Götterwagen,
wo Weltliches verstummt.
 
Lichtjahre weiter treiben,
von Stern zu Stern sich schwingen,
in fremden Sphären weilen
und mit den Winden singen.
 
So ganz und gar verloren
im stillen Sog des Gleitens;
im Strudel neu geboren,
in allen Ewigkeiten.
 

Vergänglichkeit des Augenblicks

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Zukunft wird gegenwärtig und vergeht.
Flüchtiger Augenblick des Jetzt,
ein Lidschlag macht aus dir Vergangenheit.
Nichts kann dich halten,
nichts zurückholen.
Du wirst durchlebt und bist sogleich verloren,
und die Erinnerungen, die du trägst, sind folgenschwer.
Die Dimension der Zeit – ein trügerisches Bild.
Verbirgt sie doch die Polarität des Lebens vor unseren Herzen.
Aus Glück wird Unglück,
aus Liebe – Hass,
aus Leben – Tod.
Oft trennt uns nur ein Augenblick von diesem Wandel.
Wie ein winziges Atom ein Teil des Ganzen,
so ist der Moment des Seins der Schlüssel zur Ewigkeit.

Blick auf das Meer

Jules Breton 1827-1906, The Cliff

Bewegung der Wellen,
ruhelose Urkraft
mit elementarem Tiefgang.
 
Sinnbild für kosmische Weiten,
ohne Anfang und Ende.
 
Sonnenuntergang –
horizontales Eintauchen.
 
Silbrige Wogen des Meeres
spiegeln die Farben des Lichts
wie orangerotes Feuer;
 
gekühlte Flammen in feuchter Unendlichkeit,
bringen himmlische Gute-Nacht-Wünsche
und Hoffnung auf einen neuen Morgen.

Felix Meier starb

Caspar David Friedrich 1774-1840 – Der Friedhof

Felix Meier starb,
da weinten sieben Frauen,
die dem Toten einmal viel zu viel gewesen.
Sieben Frauen scheuten keine Spesen,
um sein Grab mit Blümlein zu bebauen.
Sieben Frauen schlichen stumm
um Herrn Meiers Katafalk herum.

Felix Meier bat,
dass Ruhe werd‘,
diese Sieben wegzubringen von der Erd‘.
Und der Tod ging wie befohlen,
um alle diese Sieben fortzuholen.
Sieben Seelen hetzen seit der Zeit
eine achte Seele durch die Ewigkeit.