Sind die Frauen des Lebens nicht würdig?

Sklavenmarkt im Orient – Jean-Léon Gérôme 1824-1904

Thomasevangelium (114) Simon Petrus sprach zu ihnen (den Jüngern und Jesus): Maria soll aus unserer Mitte fortgehen, denn die Frauen sind des Lebens nicht würdig. Jesus sprach: Seht, ich werde sie ziehen, um sie männlich zu machen, damit auch sie ein lebendiger Geist werden, vergleichbar mit euch Männern. Denn jede Frau, die sich männlich macht, wird in das Himmelreich gelangen.

„Männlich machen“ ist also für Jesus gleichbedeutend mit „einen lebendigen Geist haben“. Wenn man historischen Überlieferungen Glauben schenken mag, muss man annehmen, dass Frauen zur biblischen Zeit von der Männerwelt nur geringgeschätzt wurden. Die meisten Frauen waren ungebildet und nicht gesellschaftsfähig. Sie hatten dem Manne und der Fortpflanzung zu dienen. Rechte hatten die Frauen kaum; sie waren abhängig und mussten sich fügen. Schon 12-jährige Mädchen wurden verheiratet, mit Männern, die die Familien oft von Geburt an bestimmt hatten. Genauso wird es heute noch in der islamischen Welt praktiziert. Die „Jungfrau“ ging in das Eigentum ihres Ehemannes über, wie auch deren Mitgift, der Hausrat und alles was sie in den Ehestand mitbrachte. Die Frauen wurden von ihren Männern benutzt, hatten zu dienen und zu gehorchen. Von einer Liebesheirat kann man in diesem Alter wohl nicht sprechen. Die Reinheit (Jungfräulichkeit) der Frau musste sich in der Hochzeitsnacht bestätigen. Ein „benutztes Gefäß“ war in den Augen der Männer nichts wert, die Frau eine lebensunwürdige Hure.

Die Frauen lebten meist zurückgezogen von der Öffentlichkeit. Auch für das Gebet im Tempel war ihnen, wie auch den Sklavinnen, nur bis zum Vorhof der Zutritt erlaubt. Daneben gab es aber noch die Tempeldienerinnen und die Buhlerinnen, die vor der Stiftshütte oder dem Tempel ihren Liebesdiensten nachgingen und den Priestern ihr sauer verdientes Honorar abtreten mussten. Es gab Jungfrauen, die vor dem Tempel den Samen der Männer mit dem Mund auffangen mussten, um ihn dann in einer Schale zu sammeln.

Die Männer des Alten Testamentes hatten es leicht. Wem die Ehefrau nicht mehr gefiel, der holte sich eine zweite hinzu; reiche Männer, wie zum Beispiel Salomon zählten viele Frauen zu ihrem Besitz. Den Frauen war eine Scheidung verboten; einen Scheidebrief durfte nur der Mann ausstellen. Ehebruch der Frau war ein schweres Vergehen, das mit dem Tod bestraft wurde.  

Die Wertstellung der Frauen wird besonders deutlich, wenn man in der Heiligen Schrift die Geschichte des Lot liest, der die Gastfreundschaft über alles andere stellt und den männlichen Gästen seine Töchter „zur Benutzung“ überlassen will:

1. Mo 19: Die zwei Engel kamen gen Sodom des Abends; Lot aber saß zu Sodom unter dem Tor. Und da er sie sah, stand er auf, ihnen entgegen, und bückte sich mit seinem Angesicht zur und sprach: Siehe, liebe Herren, kehrt doch ein zum Hause eures Knechtes und bleibt über Nacht; lasst eure Füße waschen, so steht ihr morgens früh auf und zieht eure Straße. Aber sie sprachen: Nein, sondern wir wollen über Nacht auf der Gasse bleiben. Da nötigte er sie sehr; und sie kehrten zu ihm ein und kamen in sein Haus. Und er machte ihnen ein Mahl und buk ungesäuerte Kuchen; und sie aßen. Aber ehe sie sich legten, kamen die Leute der Stadt Sodom und umgaben das ganze Haus, jung und alt, das ganze Volk aus allen Enden, und forderten Lot und sprachen zu ihm: Wo sind die Männer, die zu dir gekommen sind, diese Nacht? Führe sie heraus zu uns, dass wir sie erkennen. Lot ging heraus zu ihnen vor die Tür und schloss die Tür hinter sich zu und sprach: Ach, liebe Brüder, tut nicht so übel! Siehe, ich habe zwei Töchter, die haben noch keinen Mann erkannt[1], die will ich herausgeben unter euch, und tut mit ihnen, was euch gefällt; allein diesen Männern tut nichts, denn darum sind sie unter den Schatten meines Daches eingegangen.

Diese naiven Jungfrauen verführten jedoch wenig später ihren betrunkenen Vater und wurden zu Sperma-Diebinnen!? (So betrunken kann der Vater also gar nicht gewesen sein, wenn das noch funktionierte, oder?):

Und Lot zog aus Zoar und blieb auf dem Berge mit seinen beiden Töchtern; denn er fürchtete sich, zu Zoar zu bleiben; und blieb also in einer Höhle mit seinen beiden Töchtern. Da sprach die ältere zu der jüngeren: Unser Vater ist alt, und ist kein Mann mehr auf Erden der zu uns eingehen möge nach aller Welt Weise; so komm, lass uns unserm Vater Wein zu trinken geben und bei ihm schlafen, dass wir Samen von unserm Vater erhalten. Also gaben sie ihrem Vater Wein zu trinken in derselben Nacht. Und die erste ging hinein und legte sich zu ihrem Vater; und der ward’s nicht gewahr, da sie sich legte noch da sie aufstand. Des morgens sprach die ältere zu der jüngeren: Siehe, ich habe gestern bei meinem Vater gelegen. Lass uns ihm diese Nacht auch Wein zu trinken geben, dass du hineingehst und legst dich zu ihm, dass wir Samen von unserm Vater erhalten. Also gaben sie ihrem Vater die Nacht auch Wein zu trinken. Und die jüngere machte sich auf und legte sich zu ihm; und er ward’s nicht gewahr, da sie sich legte noch da sie aufstand. Also wurden beide Töchter Lots schwanger von ihrem Vater. Und die ältere gebar einen Sohn, den nannte sie Moab. Von dem kommen her die Moabiter bis auf den heutigen Tag.

Wieder waren die „gierigen“ Frauen Schuld an der männlichen Verfehlung, nicht der lüsterne Vater, der seine Hände nicht von den Töchtern lassen konnte!

Schwere Menschenrechtsverletzungen gegenüber Frauen durch falsche Lehren:

Die Frau wurde nicht nur für den Sündenfall im Paradies verantwortlich gemacht, sondern die Kirchen verbreiteten, dass mit der Erschaffung des Weibes die Sünde erst in die Welt gekommen sei. Hatte Adam keinen eigenen Willen, keine eigene Entscheidungskraft, als ihn Eva zur „Sünde“ verführte? In dem Augenblick scheint der „lebendige, männliche Geist“ auf der Strecke geblieben zu sein! Den naiven Überlegungen der Schreiber zufolge, soll die Frau (laut Bibel) aus der Rippe des Mannes abstammen, obwohl „Adam“ im Hebräischen einfach nur „Mensch“ bedeutet. Wenn man diese Überlegungen weiterspinnt, müssten die Frauen die schlechten Erbanlagen der Männer in sich tragen. Demnach sind die Männer für das sündige Potential der Frauen verantwortlich und nicht umgekehrt! (?)

Doch heißt es nicht unter 1. Moses 27-31: Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie, einen Mann und ein Weib. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht. Und Gott sprach: Seht da, ich habe euch gegeben allerlei Kraut, das sich besamt, auf der ganzen Erde und allerlei fruchtbare Bäume, die sich besamen, zu eurer Speise, und allem Getier auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das da lebt auf Erden, dass sie allerlei grünes Kraut essen. Und es geschah also. Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.  

Gott schuf einen Menschen…erst daraus entstanden Mann und Frau, und er sah alles an und befand es als sehr gut …und vermehren sollten sie sich auch.

Ist das etwa eine andere Schöpfungsgeschichte? Oder gibt es vielleicht zwei verschiedene, einmal die der geistigen Ebene und später erst die der Materie? Eine von Gott inspirierte und die andere von Männern gemacht, die Frauen hassten und verachteten? Es musste doch ein Schuldiger, bzw. eine Schuldige gefunden werden! Das „schwache“ Geschlecht, mit dem die Kirchendiener ohnehin nichts anzufangen wussten, musste herhalten und deren perfider und erniedrigender Machtausübung dienen. Das sündige Weib, das einst in der Bibel beschrieben worden war, sicherte dem Patriarchat Jahrtausende lang Macht und Herrschaft.   

Der Mann der Bibel sieht sich als göttliche Reflektion; die Frau der Bibel wird hingegen von ihm nur als dessen Schatten gesehen.

Die Kirche des 11. Jahrhunderts stellte sogar in Zweifel, dass eine Frau eine Seele besitzt. Selbst wenn sie eine besaß, konnte sie nur minderwertig und böse sein.

Frauen galten als teuflisch entartet und waren in den männlichen Hirnen des Mittelalters verhasste Wesen. Diese Verachtung ging schließlich soweit, dass die päpstliche Inquisition mehrere Millionen Frauen wegen fragwürdiger Verdachtsmomente folterte und mordete. Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden „Hexen“ verbrannt oder ertränkt, die letzte 1836 (!) in Danzig. Den Ur-Aufruf zu diesen Gräueltaten findet man im Alten Testament: 2. Moses 22,17: „Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen.“  

Auch zurzeit Martin Luthers hatten sich die Frauen den Männern unterzuordnen:

Was Luther selbst von Frauen hielt, davon zeugen seine derben, abwertenden Aussprüche:

„Das aber ist wahr, in häuslichen Sachen, was das Hausregiment anlanget, da sind die Weiber geschickter und beredter; aber im weltlichen politischen Regiment und Händeln taugen sie nichts, dazu sind die Männer geschaffen und geordnet von Gott, nicht die Weiber.“

„Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allemal, dass die Männer durch sie geboren werden.“ 

„Ob sie sich aber auch müde und zuletzt zu Tode tragen (Kinder austragen), das schadet nichts, lass sie nur zu Tode tragen, sie sind darum da.“

„Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes.“

„[..] wer mag alle leichtfertigen und abergläubischen Dinge erzählen, welche die Weiber treiben [..] es ist ihnen von der Mutter Eva angeboren, dass sie sich äffen (nachahmen, narren) und trügen lassen.“

„Will die Frau nicht, so komm die Magd.“

„Darum hat das Maidlein ihr Punzilein, dass es dem Mann ein Heilmittel bringe.“

„Ehe ist Arznei für Hurerei.“

Paulus: 1 Kor 11, 8-9: Denn der Mann ist nicht vom Weibe, sondern das Weib vom Manne. Und der Mann ist nicht geschaffen um des Weibes willen, sondern das Weib um des Mannes willen.

Der verstorbene Papst Johannes Paul II bezieht sich auf Paulus (1. Timotheusbrief 2, 11 ff) und erklärte im Jahre 1988: „Eine Frau soll still zuhören und sich ganz unterordnen. Ich gestatte es keiner Frau zu lehren und sich über den Mann zu erheben. Zuerst wurde ja P erschaffen und dann erst Eva. Doch nicht wurde Adam verführt, sondern Eva ließ sich verführen. Aber ihre Rettung besteht in der Erfüllung ihrer Mutterpflichten, wenn sie sie sorgsam im Glauben, Liebe und Gehorsam versieht.“

Im Islam müssen Frauen auch noch heutzutage ihr Haupthaar unter Tüchern verbergen, damit kein Mann sich daran erregen kann. Eine Frau MUSS sich verhüllen! Wenn sie es nicht tut und ein Mann sich an ihr erregt, ist nämlich die Frau Schuld an seiner Erektion. Sie ist dann die Teufelin, die den „armen, unschuldigen“ Mann verführt hat. 

Die Unterdrückung der Frauen ist tragisch, aber noch viel schlimmer ist es, dass es immer noch Frauen gibt, die sich dem Diktat der Männerwelt und den Lügen der frauenfeindlichen Kirchen unterordnen. Kann es Gottesgesetz sein, dass eine geschiedene Frau nicht mehr heiraten darf, weil sie dadurch Ehebruch begehen würde? Auch die Kirchen unterstützen diese Aussage, schränken sie aber insofern ein, dass sie Geschiedenen eine Wiederheirat erlauben, wenn diese vorher nicht kirchlich verheiratet waren.

Das sind Gesetze von Männern, die nur ihre eigenen Vorteile zu schützen such(t)en! Was kann man denn von einem „heiligen“ katholischen Kirchenlehrer Thomas von Aquin 1225-1274 erwarten, der die folgenden Thesen verbreitet hat?

„Ein männlicher Fötus wird nach 40 Tagen, ein weiblicher nach 80 Tagen ein Mensch. Mädchen entstehen durch schadhaften Samen oder feuchte Winde.“

„Das Weib verhält sich zum Mann wie das Unvollkommene und Defekte zum Vollkommenen.“

„Die Frau ist ein Missgriff der Natur.“ Er leitet aus ihrer biologischen „Verstümmelung“ und ihrem „Feuchtigkeitsüberschuss“ ihre geistige Minderwertigkeit ab.   

Oder der Ausspruch von Papst Pius II. 1405-1464: „Wenn du eine Frau siehst, denke, es sei der Teufel! Sie ist eine Art Hölle!“

Sexualität ist auch heute noch in kirchlichen Augen verpönt und dient der teuflischen Lust. Quintus Tertullion 160-225, Theologe und Kirchenschriftsteller, zweifelte sogar an der Reinheit der Ehe: „Auch sie (die Ehe) basiert auf demselben Akt wie die Hurerei. Darum ist es das Beste für den Menschen, kein Weib zu berühren.“

Vom Mittelalter in die Neuzeit:

Bischof Rudolf Graber zur Sexualkunde in Schulen im Jahre 1980: „Vielleicht wird uns hier klar, warum wir vorhin auf den engen Zusammenhang des Weibes mit dem Tier aufmerksam machten: Sexualität führt zur Bestialität.“

Mal ehrlich: Bei all den „weisen“ Aussprüchen dieser vernunftbegabten, scheinheiligen Machogemeinde kann einer Frau doch nur noch übel werden, oder!? 

Die Beschneidungsriten an beiden Geschlechtern sind ebenso zu verurteilen! Auch hier wird wieder „Gottes Wille“ vorgeschoben. Wenn Gott einen Mann ohne Vorhaut besser gefunden hätte und eine Frau ohne Klitoris, hätte er sie ohne diese Dinge erschaffen. Aber das tat er nicht! Wie viele unschuldige Kinder müssen für diesen Schwachsinn heute noch bluten und leiden!?  

Mann und Frau sind gleichwertig! Gott schuf die Menschen aus einer ursprünglichen Einheit heraus. Er teilte diese (ganze Seele) in zwei Teile: in eine weibliche und eine männliche. Trotzdem behielt die weibliche Seele ihre männliche Ur-Information und umgekehrt, die männliche ihre weibliche. Unterscheidungsaspekte sind, dass das Männliche die Schöpferkraft auf körperlicher Ebene darstellt, und das Weibliche dem Erschaffenen Seele gibt. Diese braucht die körperliche Ebene (das Männliche) um sich mitzuteilen und um wahrgenommen zu werden. Körper und Seele verleiht dem Menschen Persönlichkeit. Der Geist aber, ist die Kraft der Seele. Alles zusammen ist eine Einheit, die der Mensch nicht trennen kann. Was getrennt war, wird nach kosmischer Ordnung immer wieder zusammengeführt werden.

Luk 20, 34-36: Jesus zur Auferstehung: [..]Die Kinder dieser Welt freien und lassen sich freien; welche aber würdig sein werden, jene Welt zu erlangen und die Auferstehung von den Toten, die werden weder freien noch sich freien lassen. Denn sie können hinfort nicht sterben; denn sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder, dieweil sie Kinder sind der Auferstehung.

Jesus bestätigt, dass es in den himmlischen Sphären keine geschlechtliche Trennung mehr geben wird. „…sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder…“  Alle sind gleich!

Die Gruselmärchen und Geschichten des Alten Testamentes sind überliefertes Menschenwerk. Die Bibel ist an einigen Stellen schlimmer als mancher Krimi. Enthält die Schrift von Gott inspirierte Wahrheiten, die für die heutige Zeit wichtig sind? Von mir ein klares „Ja!“, aber es braucht lange, um sie zu finden. Jeder sollte das, was er mit dem Verstand gelesen hat, anschließend mit dem Herzen ansehen.

Das Alte Testament ist nichts für Kinder und schwache Gemüter, die sich einbilden, danach „buchstabengetreu“ leben zu müssen. Das könnte schnell zu neurotischen Angstzuständen führen. Das Buch ist voller Hass, Gräueltaten und Unrecht…wie im heutigen Leben. Zwischen den Seiten quillt das Blut ganzer Völker hervor. Der alt-jüdische Gott war anscheinend genau das Gegenteil von dem, den ihn empfinde, denn Gott ist liebend, sanftmütig und gerecht.

Natürlich muss der Mensch Gott zugestehen, dass nur ER Leben nehmen darf, weil ER es uns einst gegeben hat. Würde das Leben mit dem Tod enden, wären wir nicht seine geliebten Kinder, sondern sein Schlachtvieh und einer schrecklichen Willkür ausgesetzt. 

Der Mensch neigt dazu, seine Hände in Unschuld zu waschen und vor den Sünden an Natur und Mitmenschen die Augen zu verschließen. Wenn es hart auf hart kommt, wird „Gottes Wille“ als Auslöser für Katastrophen, Krankheiten und Kriege vorgeschoben. Ich denke, das war besonders zu biblischen Zeiten so. Alles, was man damals nicht erklären konnte, wurde als Gottes Wille dargestellt. Dieser musste als Rechtfertigung für Kriege, Landraub, Mord, Frauenfeindlichkeit und brutale Gesetzgebung herhalten.

Ich muss gestehen: Der in der Bibel dargestellte Gott drängt die Menschen hin zum Unglauben. Die Kirchen sind an dieser Entwicklung nicht unschuldig. Trotzdem sollte man das Buch lesen, um selbst zu der tiefen Erkenntnis zu kommen, wie Gott wirklich ist und wie er auf keinen Fall sein kann.  


[1] Die Töchter waren noch Jungfrauen und unberührt.

Die heilige Sprache

Turmbau zu Babel – Pieter Brügel 1525-1569

Ist jeder Mensch, der früher einmal gelebt hat, wirklich ganz verschwunden, oder lebt er weiter, von Welt zu Welt, von einer Zeit zur anderen, von Ewigkeit zu Ewigkeit?

Trotz aller Umstürze und Umbrüche bleibt ‚das Wort‘ bestehen. Von Generation zu Generation wird es schriftlich oder mündlich weitergereicht. Es ist uns Menschen die Tewa, die Arche Noah. Dort wird alles mitgenommen, in die neue Welt hinübergetragen. Dort entsteht Leben unter anderen Verhältnissen. So erzählen die Göttersagen vom Leben in früheren Welten und tragen so das Entstehen vom Uranfang mit sich durch alle weltlichen Zeitalter hindurch.

‚Das Wort‘ überlebte so manchen Weltuntergang. Angefangen von der Geschichte des Menschen im Paradies und vom Untergang des Paradieses für den Menschen. Wir lesen von Kains Vertreibung und vom Weltuntergang im Geschlecht Enosch, dem 3. Sohn Adam und Evas. Damals begann man den Namen Gottes, JHWH, anzurufen.

Weiter erfahren wir vom Untergang durch die Sintflut (diese Geschichte wird bereits im Gilgamesch-Epos beschrieben ca. 1800 v. Chr.) und der Zerstörung von Sodom und Gomorrha. Es gibt viele Weltveränderungen und Hungersnöte. Mythen erzählen von einer Distanzierung zwischen Himmel und Erde; der Abstand hätte sich 10 mal verändert. Auch hätte der Mensch des Altertums eine andere Luftzusammensetzung geatmet. Die Welt ist schon mehrfach aus den Fugen geraten und hat sich selbst erneuert. Geschöpfe, wie Dinosaurier, sind ausgestorben, angeblich durch einen Meteoriten Einschlag, dann die Eiszeit…neues, anderes Leben.

Die Bibel zeigt Bilder von Verwüstungen, durch die die Welt augenblicklich ihr Gesicht änderte. Nach dem Untergang Babels bekam die Menschheit ein anderes Bewusstsein.

Wenn Tewa, die Arche Noah des Wortes ist, was bietet sie den Menschen, wenn sich Worte wieder tiefgründig erschließen lassen und nicht, wie heutzutage nur oberflächlich ausgesprochen werden? Die Gesellschaft befasst sich im Moment größtenteils mit gedankenlos hingeworfenen Sprachfetzen – siehe Facebook und Co. Man redet davon, die Handschrift abschaffen zu wollen. Dabei hat jedes Wort einen tieferen Inhalt, jede Handschrift zeigt den individuellen Charakter des Schreibers.

Manchmal er-innern wir uns an die Gedanken in uns und nehmen sie wahr durch unsere Wahr-nehmung.

Im ‚Wort‘ wird das Bild einer besonderen Spaltung der Menschheit dargestellt, wenn nämlich beim Turmbau zu Babel eine Wortverwirrung über die Menschen kommt, weil diese durch die Errungenschaften ihres diesseitigen Denken und Handels glauben, den Sinn des Lebens zu erfahren.

So ist das auch bei den vielen Religionen: Das Wort verliert seine Einheit, gerät aus den Fugen. Jeder versteht unter den gleichen Worten etwas anderes. Damals entwickelte sich die Menschheit zurück und heute?

Die Menschheit lebt auf wissenschaftlich gestützter Basis, läuft aber jedem Wahn hinterher, seien es Mode, Schönheit oder Sport. In Demonstrationen wird der Mensch zum Messer- oder Stein schwingenden, brüllenden Primitiven, der seine Begehrlichkeiten durchsetzen will. Die vielen Gaffer, die sich am Elend anderer weiden und gar nicht wissen, was sie da tun. Die Geldgier kennt keine Grenzen, denn es gilt nicht das Wohl der Allgemeinheit, sondern lediglich das eigene. Reisen ohne Grenzen, um die primitive Kultur in die Welt zu tragen, Kinder schänden, mit Unterstützung der frommen Kirchenleute; überall Blut, Krieg und Spiele. Weltweit hungernde Menschen und andererseits maßloses Schlachten und Essen von allem was sich bewegt.

So ist die Welt minderwertig geworden. Das Wort bildet den Charakter des Menschen. In den ‚Sozialen Netzwerken‘ haben manche Menschen schon längst ihren Charakter verloren. So wird auch der Sinn der Sprache zerstört. Aber auch der fehlgeleitete Mensch ist im Wesen Mensch im Bilde Gottes.  Es braucht viel Geduld, um den edlen Kern unter dessen Hoffnungslosigkeit und Bösartigkeit zu finden.

Einerseits ist so mancher Mensch an geistiger Größe gewachsen, andererseits erscheint mancher  hier auf dieser Welt leichtsinnig und beschränkt. Deshalb braucht der Mensch hier Grenzen durch irdische Gesetze.

Mit dem Verlust des Wortes in den Sprachen geht auch die Erinnerung verloren. Mit dem Wort wird das Leben durch die Zeit getragen. Bei verstümmelten Worten und Geschichten kann Verwirrung nicht ausbleiben. Naht ein neuer Weltuntergang?

Das ganze Leben hier ist Gebet. Jeder Gedanke, jedes Wort, jede Tat sind Teil des Gespräches.

Gehen wir bedacht damit um!

Ich, Jesus Christus, Gottessohn und Knecht

Gustav Doré 1832-1883

Romanfragment von Gisela Seidel

Dieser Teil ist meine eigene Auffassung der biblischen Geschichte und dient gewissen Fragen zum besseren Verständnis. Der Roman wird nicht fortgeführt.

Joh 1,1:
Im Anfang war das Wort,
und das Wort war bei Gott,
und das Wort war Gott.
Dieses war im Anfang bei Gott.
Alle Dinge sind durch dasselbe geworden,
und ohne das Wort ist auch nicht eines geworden,
das geworden ist.
In ihm war Leben,
und das Leben war das Licht für die Menschen.
Und das Licht scheint in der Finsternis,
und die Finsternis hat es nicht angenommen.

PROLOG

Wie ein Windhauch kam ich in diese Welt, um einen Sturm zu entfachen. Es galt den Plan des Vaters auszuführen, ihm und euch Menschen zu dienen, die ihr unsere Schöpfung seid. Wir konnten alljene, die einst ihrem eigenen Maß und Willen folgend, ungehorsam geworden waren, nicht in der Finsternis belassen, weil sie ein Teil von uns gewesen sind. Durch ihr Dunkelsein blieb auch ein Teil von uns dunkel und das schon über viele tausend Jahre lang. So ist es noch immer. Die Finsternis wartet darauf, erlöst zu werden.

Aus unserem Geist erschaffen, hatten die Menschen in ihrer Bewusstlosigkeit ihre Gotteskindschaft völlig vergessen. Das war die geistige Finsternis, in der kein Licht zu ihnen dringen konnte.

Sie hatten ihre Lichtkörper verhärtet und dunkel gemacht. Ihr Geisteslicht war umgeben von harten Schalen, die immer fester und dichter wurden. Dem Eis glichen sie, das verhärtet und kalt nicht mehr das Fließen kennt und alle positiven Aspekte verloren hat. Befruchtend und lebendig seid ihr einst aus der göttlichen Quelle entsprungen. Die Kälte und Härte eures Wesens machte euch brüchig und brachte den Tod.

Wir müssen euch erinnern, dass in euch ein göttliches Licht schlummert, damit ihr die Schalen um euch zerbrecht. Das höhere Bewusstsein ist die Erinnerung an eure Urkraft, an den Ursprung, an das Zuhause, das ihr einst verlassen musstet, als ihr euch gegen mich stelltet.

Wenn diese Erinnerung nicht wäre, die Erinnerung an die göttliche Kraft in euch Menschen, auch wenn diese Macht noch gebunden ist und ihr unfähig seid, sie in eurer Körperlichkeit anzuwenden, wie könnte aus Eis je wieder Wasser werden?

Ihr alle tragt in eurer Erstarrung das Wissen und die Macht der Erlösung in euch. In eurem beengten Bewusstsein und der eingeschränkten Sichtweise, die ihr habt, seht ihr euch als begrenzte Wesen. Dann nämlich herrscht euer Körper über den Geist und wird Herr eurer Seele. Dadurch erschafft ihr eure Krankheiten und euer Unglück und werdet überwältigt von eurer Körperlichkeit, die an Stelle eures Geistes regiert. Es überwältigen euch der Zorn, der Hass, die Wut, die Angst – ihr seid dann „außer euch“ und Satan ist in euch. 

Ihr müsst wieder ein fließender Strom des lebendigen Wassers werden, das auch in der Abgesondertheit und Beschränktheit und Erstarrung dennoch alle Macht und alles Wissen um diese Macht besitzt. Ihr selbst müsst das Eis zum Schmelzen bringen und die Macht des Winters und der Dunkelheit brechen. Indem ihr euch selbst aus der Starre erlöst, erlöst ihr auch die anderen.

So wie ihr, sind alle erschaffenen Wesen und Dinge in ihren vielen Formen nur vorübergehende Erscheinungen. Das Wiedererinnern wird all diese Formen zerbrechen und zu ihrem wahren Selbst zurückführen. Die Welt und alles, was darin zu finden ist, ist erstarrter Geist. Die Erstarrung wird sich lösen und vergehen. Das ist ein langwieriger Prozess.

Erkenntnis will ich euch bringen. Brücken schlagen zwischen den Bewusstseinswelten und euer Erinnern wecken. Dadurch findet ihr zurück und werdet aus der Welt der Materie das Erkennen eures göttlichen Selbst mitbringen, das sich an vielen Erfahrungen, Formen und Zuständen veredelt hat.

Aus den Elementen der Erde erschaffen, als ungeschliffene Edelsteine verhärtet, seid ihr in die Welt der Vielfalt gezogen, als glänzende Diamanten werdet ihr einst nach Hause zurückkehren.

Mose 1,26:
Und Gott sprach:
„Lasset uns Menschen machen,
nach unserem Bilde, uns ähnlich.“

Die Schöpfung der Welten, Geister und Menschen

Jenseits von Raum und Zeit entsprang die Quelle des Seins. Am Anfang war das Wort. Schon vor dem Wort war Gott. Gott hat keinen Anfang. Er WAR, IST und wird immer SEIN.
Lange bevor ich mit Namen Jehoshua (Jesus) in die materielle Welt geboren wurde, existierte ich bereits als Bild vom ewigen Menschen in meines Vaters Urgeist, der mich schuf und in sich trug seit Äonen von Ewigkeiten. Ich bin Teil des allmächtigen Gottes und erschaffe durch ihn. Mir, dem Gott gleichen Geist, unterstanden alle nach mir erschaffenen Geister und Kräfte. Alle dienten der Harmonie des reinen Ur-Geistes, der Vater und gleichzeitig Mutter aller Dinge ist. Dieses Prinzip vereint sich auch in mir.

So war ich als Christus der Erste vor allen anderen und besitze dies Erstrecht in allem, als Gottes einzig erschaffener Sohn. Der Vater und ich sind EINS, wir zusammen sind vereint im Heiligen Geist des reinsten Bewusstseins. Die reinen Energien, die wir schufen, dienen uns und euch zur Freude und dem Universum zur Ordnung. So vermehrten sich, in für Menschen unvorstellbar langen Zeiträumen, Engelwesen, die, gleichzeitig männlich und weiblich, die himmlischen Familien, Völkerschaften und Hierarchien – Chöre genannt – bildeten.
Hinzu kamen die „himmlischen Heerscharen“, die in den Schriften erwähnt sind. Euch Menschen begegnen sie als elementare Kräfte, in Wasser, Luft und Licht, aber auch in der Materie walten sie nach unserem Willen.
Das alles entstand durch mich, denn ich wirke durch meinen Vater. Jedes Geschöpf hat ewiges Leben, durch den Lichtfunken, den allein der Vater geben kann.
Der erste und höchste von mir erschaffene Geist war Luzifer, der „Lichtträger“. Er war der schönste und größte Engel im Himmel. Er zählte zu den Engelfürsten, die nach und nach durch mich ins Dasein traten. Insgesamt waren es sechs.
Als die Zahl der Engel ins Unermessliche wuchs, gab Gottvater mir die Führung über die Geister und salbte mich, den Messias, als den Herrscher über die Welten und König in Ewigkeit, den alle Geistwesen gehorsam dienen und anerkennen sollten.
Äonen von Jahre hindurch blieb die Harmonie der himmlischen Sphären erhalten, bis erste Misstöne durch Luzifer die Klänge verdarben, die sich mir in Form von Neid und Missgunst entgegenstellten. Er trachtete nach meinem Herrscherthron, wollte auch Schöpfer sein und begann mit vielen Engeln gegen mich zu handeln. Er wollte mir, dem geistigen Menschen, Adam Kadmon, nicht mehr dienen.
Wo wir zuvor nahezu im Gleichklang miteinander waren, wurde nun die Disharmonie lauter und lauter und drang durch alle Sphären, bis schließlich ein Großteil der Geisterwelt der Aufforderung Luzifers folgte und sich ihm anschloss, als er gegen mich rebellierte.
Gott blieb nichts anderes übrig, als Luzifer und sein Gefolge abzuspalten, weil er die Harmonie und die Liebe zerstört hätte, die im himmlischen Paradies Glückseligkeiten schafft. Der einst „strahlende Morgenstern“ verlor seinen Glanz und wurde mitsamt seiner Gefolgschaft in die Sphären der Finsternis verbannt, wo sie in ärgster Bedrängnis weiter existieren mussten.
Luzifer hatte viele Milliarden Lichtwesen mit sich in den Abgrund gezogen, und nachdem sein Aufstand niedergeschmettert worden war, blieben die guten Geister bestürzt zurück. Himmlische Gemeinschaften waren zerstört, die geistigen Familien getrennt. Auf den ursprünglichen Plätzen der Verbannten lagen dunkle Schatten.

Tiefgreifend hatte sich der Himmel verändert. Alle waren voller Trauer und hatten Mitleid mit den Gestürzten, doch der grauenhafte Kampf, der mit Flammenschwertern und geistigem Feuer gewonnen war, blieb allen ein Trauma. Ich selbst sah Luzifer, mein Geschöpf, wie einen Blitz vom Himmel fallen. Er riss alle mit sich in die Tiefe, Legionen und Fürsten, die ihm gefolgt waren, Millionen und Abermillionen von Wesen.
Michael, einer der treuen, führenden Erzengel, der meinem Wesen sehr ähnlich ist, geleitete die Gestürzten in die von Gott entfernteste aller Welten, in der tiefste Finsternis herrscht. Die Geistwesen verloren ihre Lichtkörper und verdunkelten sich. Ihr Wesen veränderte sich und die Disharmonie zu Gott verwandelte auch ihre Erscheinung in Hässlichkeit. Doch das Schlimmste war die geistige Dunkelheit, die sie erfüllte, die den göttlichen Funken, der in ihnen ist, schließlich ganz verfinsterte.
In dieser düsteren Stätte, fernab von den himmlischen Herrlichkeiten, herrschte Wut, Hass, Angst und Geschrei. Die Gestürzten zürnten Gottvater und mir, weil wir die Entwicklung nicht verhindert hatten, doch genauso verfluchten sie Luzifer, der nun seine Macht an denen ausließ, die ihm geblieben waren.
Es ist nicht unser Ansinnen, in einen laufenden Prozess einzugreifen oder ihn gar zu verhindern. Wir lassen allem die völlige Freiheit. Jedoch versuchen wir das Resultat zum Guten zu wenden und das Geschehene durch Führung zu erlösen.
Nach und nach verloren die Gefallenen ihr göttliches Bewusstsein und wurden zu geistig Toten. Ihre Lichtkörper waren dunkel und verhärteten sich. Sie verloren all ihre feinstoffliche Schönheit und spiegelten auch äußerlich das Missklingende ihrer Wesen wider. Je tiefer der Sturz, umso dunkler war nun der geistige Leib. Alle guten Eigenschaften, die ein Lichtwesen zuvor ausgemacht hatte, gingen verloren: Herzenswärme, Freundlichkeit, Frohsinn, Freude, Glücksempfinden, Harmonie und die Liebe. Sie wandelten sich ins Gegenteil. Ihr geistiges Licht war nahezu erloschen. Sie verloren das Gedächtnis und wussten nichts mehr von der Herrlichkeit, in der sie früher gelebt hatten. Sie existierten zwar weiter, aber als geistig Tote und waren für unsere himmlische Welt verloren.

Dennoch unterlag der Scheol der göttlichen Ordnung. Engel wachten darüber und grenzten Luzifers Machtbefugnisse ein.
Das Totenreich wurde in unterschiedliche Stufen unterteilt, die Schuldigen gerichtet und nach ihren Verschuldungen den entsprechenden Stufen zugewiesen. Dort gab es ein ewig langes Verweilen in Unseligkeit, Leiden und Verzweiflung, denn die Gottesferne ist wie ein brennendes Feuer. Je dunkler der Geistleib, desto schmerzlicher brennt der Lichtfunken, der niemals erlischt. Je nach Einsicht der Wesen bestand jedoch die Möglichkeit, innerhalb der Hölle in Besserungsstufen aufzusteigen.
Unter den Gefallenen waren Mitläufer und Anführer, Aktive und Passive. Gottvater wollte in seiner Liebe und Güte für die Reuefähigen eine Möglichkeit schaffen, zurück in die himmlischen Sphären zu gelangen. Doch ihr Bewusstsein war nicht mehr rein und musste eine lange Phase der Reinigung durchlaufen. Dafür sollte eine entsprechende Welt erschaffen werden. Diese vorübergehende Heimat sollte eine Stätte sein, die unseren Weisungen unterstand. Ein Schulungsort sollte entstehen, der dem himmlischen Paradies glich, jedoch mit festen Grenzen, die die Engel bewachten. Die Rückkehr von diesem Ort in die himmlischen Sphären sollte stufenweise erfolgen und war lediglich an eine einzige Bedingung geknüpft: Gehorsam gegenüber Gott, was auch bedeutete, dass die Geistwesen mich als ihren Herrn anerkennen mussten.

Das Paradies im göttlichen Bereich, war die Ebene der Wahrheit Gottes, die EINS ist. Auf dieser Ebene gibt es weder Gegensätze noch Raum und Zeit. Alles schwingt in völliger Klanggleichheit. Auf der Erde hingegen, wie wir die neue, materielle Stätte nannten, herrscht die ZWEI-Teilung, in der sich die Einheit Gottes im Zeitlichen manifestieren kann.

Und Gott, der Urgeist, sprach und aus dem Klang seiner zehn Schöpfungsworte formte er durch die „himmlischen Heerscharen“, Licht/Feuer, Wasser, Luft und Erde, das Universum. Gleichzeitig lag in jeder der einzelnen Schöpfungstaten die ZWEIheit. Das bestimmende Prinzip dieses Dualismus war männlich und weiblich, Licht und Wasser, hatte eine rechte und linke Seite, eine aktive und eine passive.
So wurde inmitten dieses unendlichen Raumes der Planet „Erde“ erschaffen, darauf der „Garten Eden“, über dem der göttliche Geist schwebte und die natürlichen und kosmischen Gesetze in Gang setzte, die eine fortwährende Entwicklung innerhalb ihrer Grenzen ermöglichten. Doch die Polarität war als Schatten des Abfalls geblieben und trennte die Welten in Diesseits und Jenseits, mit dem „Baum des Lebens“ darin, als Symbol für das Sein und Werden. Das Werden aber, das sich vom Sein abgetrennt hat, wurde Symbol für den „Baum der Erkenntnis“.

Nur wer die Einheit des Eins-Seins und des Eins-Werdens erkennen kann, kann auch die gemeinsamen Wurzeln dieser Bäume erkennen.

Mahnend ließ Gott diese in den Garten Eden pflanzen, die davor warnen sollten, dem Geist, der stets verneint, zu folgen. Ich war Luzifer gegensätzlich, wie das Sein dem Werden. Satan glaubte, nur durch seine eigenen Schöpfungen Sinnvolles schaffen zu können und hinderte die ihm folgenden Geister daran, sich an Gott und die Glückseligkeiten des ewigen Lebens zu erinnern. Jeder, der den Weg des Werdens, der Entwicklung, geht, nimmt die Frucht vom Baum der Erkenntnis. Gott gab den Menschen dazu die Willensfreiheit, doch er beschwor sie eindringlich, nicht von der Frucht zu nehmen, denn dann wäre der paradiesische Zustand dahin und das würde den Tod mit sich bringen, als das Gegenteil des Lebens und die Zweiheit würde auch hier Einkehr halten.
Der Geistmensch, der ursprünglich mit Gott und mit allem Geistlichen in Beziehung steht, über die Hellsicht verfügt und Gewalt über physikalische Vorgänge hat, würde dies alles verlieren, sobald er der Polarität unterworfen ist. Ihm, der geistig einst das ganze Weltall in Zeit und Raum erfüllte, würde alles fremd, feindlich und als für ihn verschlossen empfinden. Das einstige Lichtwesen würde den Schlüssel zum Zugang zu seiner Ur-Quelle verlieren, welchen er im Sinne der Erfüllung seines Daseins grundlegend besitzt, wenn es als Mensch den Weg der Entwicklung betritt.

Von nun an gab es die ZWEIseitigkeit der Schöpfung, als männlich und weiblich, als Verborgenheit und Erscheinung, als unfassbar und fassbar, kausal und a-kausal, als Sein und Werden.

Der Geist eines einstigen Himmelsfürsten aus der obersten Stufe des Totenreiches war ausgesucht. Er inkarnierte im Garten Eden in den ersten erschaffenen Menschenleib. Um in der Erd-Atmosphäre leben zu können, musste er einen materiellen Körper erhalten, der alle Bestandteile der vier Elemente in sich trug. Fortan wurde er Adam „ich gleiche“ genannt, weil er mir, dem geistigen Menschen „Adam Kadmon“ glich.

Er erhielt nicht nur einen Körper, aus Erde geformt, sondern eine Seele aus dem Geist Gottes, vom Geist bewirktes Talent, Charakter, Wille und einen instinktiven Lebenstrieb. So sind die Instinkte dem Körperlichen verbunden, wobei die Seele aus dem Geist Gottes mit der Göttlichen verbunden ist.

Von Engeln wurde Adam in die paradiesische Ebene hineingeführt. Sie zeigten ihm die Grenzen des Reiches und hielten ihn an, die göttlichen Weisungen einzuhalten und alle Tiere und Vögel mit Namen zu versehen. Gott machte die mögliche Rückkehr der Gefallenen allein von Adams Gehorsam abhängig. So war er zum Prüfstein geworden.

Gott allein hatte den Überblick über den ganzen Garten, der in einer riesigen Fläche zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris lag. Wo zu Beginn der Schöpfung das Licht im Vordergrund gestanden hatte, war der irdische Charakter nun vom Wasser bestimmt.

Auf geistiger Ebene stand Adam anfangs noch in ständiger Verbindung mit Gott, der von nun an sein HERR war. Die heiligen Geister, die ihn unterwiesen und vor Luzifer warnten, der mit Geistesmacht versuchte, in diese Sphäre einzudringen, waren stets zugegen.

Die Engel Gottes mahnten Adam zur Vorsicht, denn Luzifer und seine Helfer würden auch in ihn einzudringen versuchen, um ihn zu beeinflussen und fehlzuleiten. Er müsse sich entscheiden, ob er Gottes Stimme oder der von Luzifer folgen wollte. Das war die Prüfung: Er sollte dem göttlichen Willen folgen und die Harmonie der Welten wiederherstellen.
Nach einer langen Zeit des Alleinseins in der Abgeschiedenheit, die Adam zusammen mit den Tieren verlebte, wurde er betrübt, denn er vermisste eine andere Seele, die ihm ähnlich war. Da kein Mensch allein sein sollte, wurde aus dem Urgeist Adams, dem noch das männliche und weibliche Prinzip innewohnte, schon vor der Erschaffung der materiellen Ebene der größte Teil des Weiblichen abgespalten und dafür ein passender Körper erschaffen. In Adam blieb allein der Großteil des Männlichen zurück.

„Die Männin“, war fortan die Gefährtin an Adams Seite und sie fühlten sich einander verbunden, als seien sie ein Leib und eine Seele und ein gemeinsamer Geist. Sie durchstreiften zusammen den Garten, und solange sie mit Gott und somit auch mit sich selbst in Einklang waren und sich an dessen Weisungen hielten, waren Liebe, Harmonie und Frieden mit ihnen. Es wurde ihnen zur Aufgabe gemacht, den Garten zu behüten und zu bebauen und das Wesen der ZWEIheit nicht in sich aufzunehmen, sondern die Harmonie aus der Zeit vor der ZWEImachung wiederherzustellen.

Die Kraft des Erkennens von Gut und Böse, welches im Bild des Baumes der Erkenntnis vermittelt worden ist, sollte nur Gott vorbehalten bleiben, weil nur er die globale Sicht über alle Dinge hat, wie sie der Mensch nicht haben kann. Gott wollte mittels dieser Kraft das Leben der Vielfalt erhalten. Diese Kraft trotzdem zu verwenden, würde den Sinn der Erschaffung des Menschen zunichte machen, weil das menschliche Ego dem negativen Einfluss der luziferischen Kraft folgen würde, genau wie vor dem Engelsturz. Durch den Einfluss dieser Mächte würden den Menschen die Sinne für die äußere Welt geöffnet und zugleich ihre sinnlichen Begierden geweckt.

Hier auf Erden besteht die EINS aus einer Doppelgestalt, die in sich selbst ruht und im Gleichgewicht ist. Dieses EINSsein – die Harmonie, der Gleichklang – kann hier jedoch nur bestehen, wenn es sich spiegeln kann – die Welt der EINheit in der Welt der ZWEIheit. Nur so kann der höchstmögliche Glückszustand gebildet werden – eine Erinnerung an die Glückseligkeit der himmlischen Sphären.

1. Mose 3,22:
Und Gott der Herr sprach:
„Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner,
dass er weiß, was gut und böse ist.
Nun aber, dass er nur nicht seine Hand ausstrecke
und auch von dem Baume des Lebens breche
und ewig lebe!“

Der Sündenfall

Gott erschuf die Welt, weil er das Leid der Gefallenen mildern wollte. Er dachte, dieses Geschenk würde die Menschen erinnern und beglücken. Das ist der Sinn der ganzen Schöpfung. Aber die Menschen nahmen dieses Geschenk nicht an.
Wir schufen dieses Universum und die Erde aus Liebe und gaben den gefallenen Geistern die Möglichkeit, aus Liebe zu Gott zurückzukehren. Der Mensch wurde geschaffen nach Gottes Bild und Gleichnis, mit dem Lichtfunken und den Ur-Eigenschaften der EINheit in sich, Mann und Frau als ein Wesen.

Die ersten Menschen konnten den Sinn ihres Daseins nicht erkennen. Ihre Erinnerung war nahezu ausgelöscht. Sie kannten auch das Leid der Verlassenheit in der Welt der Fülle noch nicht, die erlöst und zum Ursprung zurückgebracht werden will. Der Mensch sollte selbst das Verlangen zur Aufhebung der Trennung und der Dualität entwickeln. Erst in dieser Situation würde er begreifen, wie sehr wir, die wir selbst die Trennung entstehen ließen, und die Welt erschufen, das Ende des Prozesses der Wiedervereinigung mit den abgespalteten Sphären herbeisehnten.

Als der Mensch in männlich und weiblich geteilt wurde, sollte seine Sehnsucht nach dem EINS-werden erwachen und dieses Sehnen sollte sich auf alle Stufen, bis hin zu Gott, ausweiten.

Mit der Zeit kannte das erste Menschenpaar jeden Winkel des Paradieses, und sie ließen sich in der Nähe des Euphrats nieder, der einer der vier Flussarme des Stromes war, der den Garten bewässerte.

Adam, der als Geistgeschöpf in der alltäglichen Wahrnehmung die Zeit bisher nicht empfunden hatte, trug nun schwer an der Eigenschaft der Wasser-Seite des Weltlichen, an ihrer Trägheit, die die irdische Zeitdauer beherrscht, gemessen an der überirdischen Geschwindigkeit des Lichts.

Zum ersten Mal fühlte Adam seine Halbheit und das Verlangen nach Vereinigung mit seiner anderen, weiblichen Hälfte. Beide suchen die Verbindung, doch bald schon mussten sie einsehen, dass diese nur noch im Körperlichen stattfinden kann. Die Seele kann keine stabile Brücke mehr bauen und mit dem Körper eine dauerhaft harmonische Einheit bilden. Sie merkten, dass der Körper eigene Wege geht. So fühlten sie zum ersten Mal das Leid der Trennung.
Adam wurde sich nun seines Versagens bewusst. Schon auf der Ebene der EINS hatte er nicht verstanden, dass er das, was getrennt ist, auf der Ebene der Polarität nicht zum Ursprung zurückführen konnte.

So suchte Adam, als männlicher Teil der einstigen Einheit des geistigen Menschen, auch weiterhin nach einer Möglichkeit, das Wesentliche, Göttliche, anzustreben. Die Frau aber bildete mit ihrem Wahrnehmungsvermögen den mehr auf den Körper ausgerichteten sinnlichen Teil.

Beide trugen die naturbedingte Anlage zur Fortpflanzung in sich, was das tierische, instinktive Verhalten erweckte. Diese neue Eigenschaft war ihrem geistigen Ursprung völlig wesensfremd. Diese Kraft, sich weiter fortzupflanzen, war ihnen gegeben, um den gefallenen Geistern, durch das Eingeboren werden ins Fleisch, die Möglichkeit zu geben, sich auf Erden weiter zu entfalten, um geläutert die Stufen des Totenreiches aufzusteigen und später nach Hause zurückzukehren.
Dieser Fortpflanzungswille trug jedoch die Kraft der Entwicklung in sich, welche sich unentwegt ausbreiten will, ohne stillzustehen. In dieser Fülle verbirgt sich die Kraft der ZWEIheit. Hier kann das Tierische zur größten Entfaltung kommen.
Das wusste auch Luzifer. Für ihn steht das Symbol der listigen Schlange, die, zunächst lautlos über die Erde gleitend, urplötzlich zustößt und dem Menschen eine Entscheidung zwischen gut und böse abverlangt. Die Schlange ist das Tier, das der Materie am Nächsten ist, weil es durch den Staub des Erdbodens kriecht.

Luzifer, der mir im himmlischen Bereich nach meinem Thron getrachtet hatte, nahm nun die Gelegenheit wahr, diesen Messias-Thron auf Erden zu besetzen. Er bot den Menschen und den ihm untergebenen Dämonen ein Königreich auf dieser Welt, das Reich der nicht endenden Fülle und Entwicklung. Und dies machte er den ersten Menschen zum Angebot.

Die Frau geht, aufgrund ihrer Wahrnehmung und Sinnlichkeit, zuerst darauf ein. Der körperliche Messias hat viel zu bieten! Er zeigt ihr den Weg der Selbstständigkeit, den Weg der Sinnbefriedigung und des Genusses, auch auf materiellem und verstandesmäßigem Gebiet. Die Frau ergriff die Initiative; Adam folgte bereitwillig nach. So war die Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen genommen.

Das geteilte Ebenbild Gottes konnte als Mann und Frau körperlich eigene Wege gehen. Für die Seele war dies ein Verirren, eine Abwendung von Gott. Über die Seele erkrankte der Körper, weil täglich ein Balanceakt zu vollziehen war, um sich nicht gänzlich in dieser Vielfalt zu verlieren, aus der es kein Zurück geben kann, nur ein stetiges Wachsen und Weitergehen.

Doch diese Möglichkeit der Umkehr, zurück zur EINheit, hatten wir, die Entwicklung voraussehend, schon bedacht, damit der Mensch nicht ganz verloren geht. Das würde er nämlich auf dem Weg „der Schlange“, denn der führt unweigerlich in den Untergang.

Der „Herr dieser Welt“ bietet den Menschen an, selbst zu erschaffen. Satan will die Welt von Gott befreien und verspricht die Erlösung nach weltlichen Maßstäben. Dies steht im Gegensatz zur Rückkehr in die höheren, geistigen Welten, was reinstes, höheres Bewusstsein voraussetzt. Erst, wenn der Mensch sich die Existenz dieser höheren, anderen Welt wie-der bewusst gemacht hat, wird er einsehen können, dass der Weg der Schlange nicht der richtige sein kann. Denn alles, was die Welt der Materie zu bieten hat, ist vergänglich. Nichts davon hat Bestand, nichts wird die Zeiten überdauern, genauso wenig der Mensch.
Satan will verhindern, dass sich die Menschen an Gott und mich, als den wahren Messias erinnern. Dadurch werden sie nach ihrem Tod immer wieder in sein Reich zurückkehren müssen, aus der es damals noch kein Entrinnen geben konnte. Deshalb glaubten die Menschen an einen fernen Tag der Wiederauferstehung und erlebten die Zwischenzeiten in der Jenseitswelt teilweise in völliger Bewusstlosigkeit. Erst langsam bildete sich ein Seelenkörper, der sie diese Zeit bewusst erleben ließ und der alle Persönlichkeiten der früheren Erdenleben in sich barg.

Als die ersten Menschen die Früchte des Baumes der Erkenntnis aßen, war dies ein Sinnbild dafür, dass sie sich die ganze Welt verinnerlichen sollten. Sie sollte ein Teil von ihnen werden. Das Wesen des Guten und Bösen hingegen, sollten sie nicht in sich aufnehmen. Adam sollte die Gefallenen durch die von Gott gegebene Schöpfung zum Ursprung zurückführen. Der Mensch sollte allen Dingen auf den Grund gehen, das Wesentliche betrachten und nicht nur nach dem Äußeren urteilen. Dazu war er nicht fähig, sondern nur Gott.

Gott wollte den Menschen das höchste Glück schenken. Er schuf sie nicht, um sie zu bestrafen oder durch eine nicht zu erfüllende Weisung zu Fall zu bringen.
Der Garten Eden war ein Ort, an dem Adam und Eva leben konnten, solange sie die Kraft der ZWEIheit nicht in sich aufgenommen hatten. Sie wählten für sich den Weg der scheinbaren Freiheit, den Weg der Entwicklung, der auf den Gegensätzen basierte. Dieser brachte dem Leben den Tod. So zeigte es das Bild der ZWEIheit. Etwas anderes konnten die Menschen nicht mehr wahrnehmen. Mit ihrer Wahl kam das moralische Übel in die Welt.
Hätte der Mensch die ZWEIheit nicht in sich aufgenommen, würde er zwischen Leben und Tod keinen Unterschied sehen. Leben wäre für ihn das Erscheinen in der materiellen Welt, das jedoch im Ursprung wurzelt. Alles, was ihm im Leben widerfährt, würde er damit verbinden. Der Tod wäre dann nur ein Fortgehen aus der Welt der Erscheinung und eine Rückkehr zum Ursprung, nach Hause.
Die paradiesischen Zustände gingen für Adam und Eva mit dem Essen der Frucht und der Annahme der ZWEIheit verloren. Ihre Gier vertrieb sie aus dem Garten.
Es inkarnierten nun viele der gefallenen Geister in menschliche Körper, überall auf der Welt, in unterschiedlichen Rassen, die von den ehemaligen Himmelsfürsten bestimmt waren.
Die Menschen hatten ihre körperlichen Augen für die Dinge der Welt geöffnet und verschlossen ihre inneren Augen für die geistigen Dinge. Adam und Eva wollten sich verbergen vor Gott, sich lösen von ihm und bemerkten gleichzeitig die Nacktheit, die Verwundbarkeit Ihrer Körper, die sich unbeherrscht gaben und ihren eigenen Weg gehen wollten.
Der Weg des Menschen stand von nun an im Widerspruch zum Sinn seines Erscheinens in der Welt. Der Weg zurück war ihm versperrt. Er fand sich in einer fühlbar anderen Welt wieder und musste gezwungenermaßen alle negativen Dinge des Lebens und der Körperlichkeit kennenlernen.
Von nun an musste er den Weg durch die Zeit gehen, und erst, wenn er diesen, für ihn scheinbar unendlich langen Weg gegangen ist, wird er ins himmlische Paradies zurückkehren können.

Das Erscheinen in der Welt

Es war eine dunkle Zeit, in die ich hineingeboren wurde. Eine Welt voller Grausamkeiten, in der das jüdische Hohepriestertum neben dem römischen Imperium regierte, lange nachdem Ägypten endgültig seine Unabhängigkeit in der antiken Welt verloren hatte.

Kurz vor meiner Geburt erhielt der römische Kaiser Augustus den Titel Pater patriae, was bedeutet „Vater des Vaterlandes“. Augustus, von dem man sagte, dass er stets als Sohn seines vergöttlichten Vaters Cäsar auftrat, ging damals neue Wege. Der Kaiser, der sich als Herrscher über die Ostprovinzen üblicherweise in religiöser Verehrung anbeten ließ, verbot sämtliche Kulthandlungen, die sich rein auf ihn als Person bezogen.

Er wollte das Finanzwesen reformieren, was ihn veranlasste, die Provinzen des römischen Herrschaftsgebietes einer gründlichen Steuerprüfung zu unterziehen. Dies geschah, als Quintilius Varus Proconsul in Syrien war. Für die jüdische Bevölkerung war der ihnen auferlegte Zensus ein Gräuel, weil die Abgabe ihre Freiheiten beschnitt und die römische Staatskasse füllte. So nahm der damals im Dienste des Varus stehende Quirinus die 1. Zählung in Syrien und Palästina vor. Eine 2. folgte zehn Jahre nach dem Tod des Herodes, nachdem dessen Sohn Archelaus verbannt worden war. Quirinus übernahm als Nachfolger des Varus die Stadthalterei Syriens und musste nun Judäa in eine Provinz des römischen Reiches umwandeln. Das Volk, das bereits lange unter dem Druck der Herodes Herrschaft gelitten hatte, der sich die römische Oberherrschaft in der Provinz zu Nutzen machte, sah sich nunmehr einer noch viel stärkeren Macht und Willkür ausgesetzt. Das römische Joch wurde rücksichtslos auf die Bevölkerung gelegt, um es zu erniedrigen und Befehlsgewalt auszuüben.

Das Judentum erwartete sehnsüchtig den in den alten Schriften angekündigten Messias, der sie aus dieser Unterdrückung befreien sollte. Der Heiland, den sich die Hohenpriester erhofften, war ein weltlicher Messias, der ihnen ein Leben in Fülle erstreiten sollte. Sie merkten gar nicht, wie sehr sie sich durch ihr Begehren dem „Herrn der Welt“ geöffnet und ihre Seelen dem Geistlichen verschlossen hatten.

Gott lenkt das Geschick der Menschheit, auch wenn es im Weltlichen wie ein zufälliges Ereignis aussehen mag. So waren Ort und Zeitpunkt meiner Geburt lange vorherbestimmt. Die alten Propheten schrieben davon. Im Buch Jesaja war ich als Gottesknecht angekündigt, der viele Völker in Erstaunen versetzen und die Könige dieser Welt zum Schweigen bringen sollte. Denn wie Regen und Schnee vom Himmel herabkommen und nicht in der gleichen Form wieder zurückkehren, sondern zuvor die Erde tränken und nähren, dass sie fruchtbar wird, so sollte in den Menschen durch mich eine Saat gelegt werden, die sich zu Korn und schließlich in Brot verwandeln sollte. Denn die Menschen lebten vom Brot des Himmels, doch es war ihnen nicht mehr bewusst. Ich hatte eine Entwicklung in Gang zu setzen, die langzeitig wirkt und einen Wandel in den Köpfen und Herzen der Menschen herbeiführt.

Die Welt drohte unter dem Einfluss des Bösen zu verderben. Mich zürnte die menschliche Habgier und Schuld dieser Lügenbrut, die nur Machtdenken und Hass in sich hatte. Sie lästerten Gott und dienten ihren Götzen wie damals vor der Sintflut. Ihre Sinne waren für das Göttliche verschlossen, ihre Gebete Lippenbekenntnisse, denn sie sahen nur das Äußere und hielten es für gut. Wenn die Pharisäer und Schriftgelehrten mit erhabenem Gang und Faltenwurf im Gewand mit aufgesetzter Frömmigkeit prahlten, beugte sich das Volk ehrfürchtig und ängstlich. Wie gesäuertes Brot blähten die Priester sich auf und machten sich wichtig durch falsche Lehren und nahmen den Menschen die Wahrheit, dass Gott das Wort ist und nicht sie.

Als ich Mose vor Urzeiten zum Berg Sinai geleitete, ging ich selbst ihm als Engel voran. Nun sollte ein anderer Engel meine Ankunft verkündigen. Mit meiner Geburt sollte das Ewige dem Vergänglichen begegnen. In Johannes war der Engel geboren, der diesen Bund betreuen sollte. Er sollte meiner Geburt und mir vorausgehen. Dem Zacharias und seiner Frau Elisabeth, die von ihrem Alter her keine Kinder mehr bekommen konnte, wurde die himmlische Gnade einer Schwangerschaft zuteil, welche der Engel Gabriel angekündigt hatte. Ihr Sohn trug bereits im Mutterleib das Erkennen dieser Gnade in sich, denn er kam in Gott gereift zur Welt, in ihm Elias Geist.

Ein halbes Jahr später wurde Maria (hebräisch Mirjam) aus Nazareth in Galiläa dieselbe Gnade zuteil. Meine Mutter war damals eine junge Frau von 12 Jahren, die verlobt war mit Joseph, einem Zimmermann und Baumeister. Der Engel Gabriel offenbarte auch ihr in einer Vision eine Schwangerschaft und kündigte an, dass ihr etwas noch nie Dagewesenes widerfahren würde.
„Begnadete, der Herr sei mit dir. Du hast Gnade gefunden bei Gott!“, wurde Maria von Gabriel begrüßt, als er seine Botschaft überbrachte.
Kein Mann würde ihr beiwohnen, sondern der Heilige Geist würde ihr ein Kind in den Schoß legen, einen Sohn.

Nichts Berechenbares, sondern etwas Außergewöhnliches war ihr als Geschenk überreicht worden. Das im weltlichen Sinne Unmögliche sollte an ihr geschehen. Der „Sohn Gottes“ wollte im menschlichen Fleisch geboren werden, um die Menschheit und die im Totenreich Gefangenen zu erlösen. Im Zeichen der Jungfrau sollte der neue Mensch und die neue Welt entstehen. Die Welt sollte nicht schwanger sein durch die Materie, sondern allein durch die Zeugung des Heiligen Geistes. Das sollte die Menschen zu ihrer Bestimmung zurückführen, und das aus dieser Zeugung Entstehende sollte ewig sein.

Ohne Erbarmen und Gnade konnte die Erlösung nicht stattfinden. Mirjams Name trug dies als Zeichen in sich. Er machte deutlich, dass sie nur durch dies Erbarmen imstande sein würde, allen Schmerz und alle Bitterkeit ihres Schicksals zu ertragen.

Die Prophezeiungen der alten Schriften erfüllten sich. Der Messias sollte aus einem Sohn des Stammes David hervorgehen. Zu diesen Nachfahren des israelitischen Königs David gehörte Joseph, der im bereits betagten Alter mit Maria verlobt war.

Als nun die Zeit anbrach, in der Maria gebären sollte, begann ihr 13. Lebensjahr. Nun war die Zeit reif für die Geburt des Erlösers, denn alles Übernatürliche, Geheimnisvolle, aus der göttlichen EINheit stammende, trägt im Hebräischen die Zahlen 5, 8 und 13 als Zeichen.

Weihnachtsgeschichte

Vom Töten der Kinder

Heutzutage ist es leider nicht verwunderlich, wenn Menschen die Weihnachtsgeschichte um die Geburt Jesus nicht mehr kennen. Oder sie wollen von diesen Überlieferungen nichts wissen, weil der Zeitpunkt der Historie gar nicht stimmen kann. Es sind immer „nur“ Bilder, die uns die Heiligen Schriften zeigen wollen. Man muss ein paar Schritte zurücktreten, um diese Bilder genauer betrachten zu können.

Die frohe Botschaft von Jesus Geburt wird überschattet von einer schrecklichen Geschichte: Herodes ließ alle bis zwei Jahre alten Knaben töten, aus Angst, seine weltliche Macht zu verlieren. Joseph, wurde im Traum vom „Engel des Herrn“ aufgefordert, mit Maria und dem neu geborenen Kind nach Ägypten zu fliehen und dort zu bleiben, bis Herodes gestorben sei.

Diese schreckliche Geschichte der Bibel zeigt ein grausames Bild, das Historiker bislang nicht bestätigen konnten. Wie denn auch? Es sind nur Bilder, in denen sich eine ähnliche Geschichte des Alten Testamentes wiederholt!

Wenn Kinder neu geboren werden, sind sie noch sehr mit dem Jenseitigen verbunden, mit der Sphäre, die uns der „gesunde Menschenverstand“ im Laufe des Lebens immer wieder auszureden versucht. Kleine Kinder „sehen“ aus dieser jenseitigen Verbindung heraus oft viel mehr, als Erwachsene es wahrhaben wollen.

Biologisch stammt der Mensch von seinen Eltern ab, aber seine Seele stammt von Gott ab, vom Jenseits. Das Weltliche, Materielle, wird in der Bibel immer als ein Bild von Ägypten gezeigt. Nach der Geburt geht die Seele quasi in die Verbannung – nach Ägypten – solange, bis sie gar nichts anderes mehr kennt.

Das, was wir als Seele bezeichnen, ist der Bereich des Kindes, ganz gleich wie alt der Mensch auch sein mag. Dieses Kindsein bildet die Verbindung zwischen dem Diesseits und dem Jenseits.

Auch heute noch tötet König Herodes die Kinder zur Zeit der Geburt des Erlösers im übertragenen Sinn. Dazu geht er in jedes Haus! Das bedeutet, ganz gleich, ob der Mensch 100 Jahre alt ist oder nur 20 oder 50 – das Kind in ihm wird getötet und von der jenseitigen Sphäre getrennt. Fortan kann der Mensch nicht mehr verstehen, weshalb die Welt so gegensätzlich ist. Es macht alles keinen Sinn mehr. Gott scheint dann fern und fremd zu sein. Die Welt des Materiellen (Herodes) tötet das Kind (die Seele) in uns! 

Jesus muss als KIND geboren werden, weil er den Eintritt von Jenseits ins Diesseits miterleben muss. Er bleibt jedoch vom Herodes-Mord verschont, weil ihn das Weltliche nicht bezwingen kann!

„Der Weg nach Ägypten, im Hebräischen: „nach unten“, ist demnach der Weg eines jeden Menschen, und die Erlösung fängt eigentlich dort an. Gott schenkt uns die Erlösung aus Ägypten, indem er selbst den Weg nach unten geht. Er geht, um sich selbst zu opfern, damit wir ihm wieder Näherkommen können. Himmel und Erde verbinden… das Erkennen dieser Einheit ist das Glück des Lebens und dessen Sinn. „

– Gedanken von Friedrich Weinreb aus seinem Buch „Innenwelt des Wortes im Neuen Testament“

Volkszählung in Syrien

Kaiser Augustus 63 v. Chr. – 14 n. Chr.

Von der Weihnachtsgeschichte

Ich möchte noch ein wenig über die Weihnachtsgeschichte schreiben. Gerade sie ist so manchem Verstandesmenschen der Anlass zum Glaubensabfall. Es steht geschrieben (Züricher Bibel):
  „Es begab sich aber in jenen Tagen, dass vom Kaiser Augustus ein Befehl erging, dass der ganze Erdkreis sich einschätzen lassen sollte…“ Luk 2,1

Da gibt es Gelehrte, die das in der Bibel Erzählte in den Bereich historischer Realität zwingen wollen. Alles zeitlich Fixierte muss wissenschaftlich nachweisbar sein. Jesus wird lediglich als Prophet eingestuft; man will sich der Einmaligkeit seines Wesens entledigen. Hierin liegt das Böse, das seinen Machtanspruch im Zeitlichen erhebt.  

So wird behauptet, dass die Volkszählung zu einem viel späteren Zeitpunkt stattgefunden hätte, als zu Jesus Geburt. Das stimmt nicht! Ich habe nachgeforscht: 

Es war eine dunkle Zeit, in die Jesus hineingeboren wurde. Eine Welt voller Grausamkeiten, in der das jüdische Hohenpriestertum neben dem römischen Imperium regierte, lange nachdem Ägypten endgültig seine Unabhängigkeit in der antiken Welt verloren hatte.


Kurz vor Jesus Geburt erhielt der römische Kaiser Augustus den Titel Pater patriae, was bedeutet „Vater des Vaterlandes“. Augustus, von dem man sagte, dass er stets als Sohn seines vergöttlichten Vaters Cäsar auftrat, ging damals neue Wege. Der Kaiser, der sich als Herrscher über die Ostprovinzen üblicherweise in religiöser Verehrung anbeten ließ, verbot sämtliche Kulthandlungen, die sich rein auf ihn als Person bezogen.

Er wollte das Finanzwesen reformieren, was ihn veranlasste, die Provinzen des römischen Herrschaftsgebietes einer gründlichen Steuerprüfung zu unterziehen. Dies geschah, als Quintilius Varus Proconsul in Syrien war.

Für die jüdische Bevölkerung war der ihnen auferlegte Zensus ein Gräuel, weil die Abgabe ihre Freiheiten beschnitt und die römische Staatskasse füllte. So nahm der damals im Dienste des Varus stehende Quirinus die 1. Zählung in Syrien und Palästina vor. Eine 2. folgte zehn Jahre nach dem Tod des Herodes, nachdem dessen Sohn Archelaus verbannt worden war. Quirinus übernahm als Nachfolger des Varus die Stadthalterei Syriens und musste nun Judäa in eine Provinz des römischen Reiches umwandeln. Das Volk, das bereits lange unter dem Druck der Herodes Herrschaft gelitten hatte, der sich die römische Oberherrschaft in der Provinz zu Nutzen machte, sah sich nunmehr einer noch viel stärkeren Macht und Willkür ausgesetzt. Das römische Joch wurde rücksichtslos auf die Bevölkerung gelegt, um es zu erniedrigen und Befehlsgewalt auszuüben.

Das Judentum erwartete sehnsüchtig den in den alten Schriften angekündigten Messias, der sie aus dieser Unterdrückung befreien sollte. Der Heiland, den sich die Hohenpriester erhofften, war ein weltlicher Messias, der ihnen ein Leben in Fülle erstreiten sollte. Sie merkten gar nicht, wie sehr sie sich durch ihr Begehren dem „Herrn der Welt“ geöffnet und ihre Seelen dem Geistlichen verschlossen hatten.

Ostern und Pfingsten

Pfingsten – Ausgießung des Heiligen Geistes – Rabbula-Evangeliar 586

Was machen die Menschen aus Gott? Für mich ist es bedauerlich und abscheulich, Gott für all das Böse auf der Welt verantwortlich zu machen, obwohl es immer ‚nur‘ die Menschen waren/sind, die sich oft auf bestialische Art und Weise an anderen Völkern vergehen und vergingen.

Hier ein einfaches Beispiel, obwohl es das Osterfest betrifft: So sagten die Juden: Gott befahl einen Widder zu schlachten, weil die Ägypter diesen verehrte. Die Christen hingegen bezeugen einmütig, das Opferlamm sei ein Vorbild des Opfers Christi gewesen.

Woher stammen die Überlieferungen von Jesus Kreuzigung, die aussagen, ihm seien die Beine nicht gebrochen worden? Joh 19,36: Dies ist nämlich geschehen, damit das Schriftwort erfüllt würde (Ps 34,21): »Es soll kein Knochen an ihm zerbrochen werden.«

Allgemein war es üblich, dass die römischen Soldaten die Beine der Leidenden brachen, damit diese schneller sterben konnten.

So machen auch die Verse 4. Moses 9,12 und 2. Moses 12,46 einsichtig, dass beim Pessach (Frühlingsfest/Ostern) die Knochen des Opfers unzerbrochen bleiben sollten.

Die Tatsachen wurden auf üble Art und Weise verdreht und zu Kirchenzwecken verwendet, wahrscheinlich auch zur Schaffung des ‚Neuen Testamentes‘.  

So behaupteten die ägyptischen Priester, dass ihre heiligen Schriften von Thot (dem Gott der Weisheit) herstammten, der durch das Wort erschafft.

Thot – Gott der Weisheit wird zum Schöpfer durch die Macht der Worte. Auftraggeber dazu ist Re.
Thot bleibt ihm aber untergeordnet.

Joh 1: „ Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott…“

Die Hellenen nahmen ihn als Logos in ihren Glauben auf ; die Christen verbanden ihn mit dem Heiligen Geist, welcher die Menschen zum Weissagen befähigte und zur Verrichtung von Wundern.

So verfestigte sich diese Vorstellung bei den katholischen Priestern, die damit den Heiligendienst ausbildeten und den Einklang zur Offenbarung sahen. Diese Annahmen wurden dann auch von der Evangelischen Kirche vertreten, um die Glaubwürdigkeit der neuen Religion zu unterstreichen.

Vom Ursprung des Pfingstfestes

„Und sie (die Menschen) erstaunten über seine (Jesus) Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.“ – Mar 1,22

Deren vorentworfenen Reden sind tot in sich selbst und beleben keine Seele.

Jesus (Gott) hingegen hat das Feuer in den Zuhörern entfacht und ihren Geist (ihr Bewusstsein) geöffnet, damit sie seine Botschaften verstehen konnten. So ging ihnen ein Licht auf!

In Apostelgeschichte 2 folgt dann ein Zitat aus dem Propheten Joel 2,28:

„Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch.“

Die katholische Kirche hat in den ersten Jahrhunderten heidnische Feste umgewandelt und als christliche eingeführt. Darunter fällt auch das Pfingstfest. Das ursprüngliche, alt-ägyptische chamsin bedeutet Fünfzig, nämlich die 50tägige Dauer des heißen Wüstenwindes, dessen Anfang von den Juden als pessach (Ostern) und dessen Ende als Wochenfest gefeiert wurde.

Priester und Opfer! Die Opfer für dieses Fest waren von den Priestern vorgeschrieben: Ein 7jähriges Lamm, 2 Brote und 2 Schafe als Brandopfer. Außerdem wurden noch ein Bock für die Sünden des Volkes und 2 weitere für das Wohlergehen des Volkes geopfert.

Das brachte Geld in die Kasse, gestern und heute. Die Einfältigkeit des Volkes wurde stets ausgenutzt. Für jedes Orakel gab es Geld. Weissagungen Dritter wurde deshalb mit dem Tod bestraft. Um an der Macht zu bleiben, mussten die Priester dem Volk Angst machen.

Schon zu Moses Zeiten wurden Tausende aus dem eigenen Volk geopfert, durch verbrennen, nieder metzeln, aufhängen oder kreuzigen, lebendig begraben oder in den Abgrund stoßen. Moses als Prophet benannte sein Opfer durch ein Orakel und vollzog dieses Todesurteil in der Überzeugung, dass es für das Gemeinwohl notwendig sei.

Die biblischen Gestalten konnten die Verhältnisse des Weltgeschehens nicht deuten. Immer war Glück und Unglück Wirkung unsichtbarer Wesen, deren Wille man sich erdienen musste.

Die Bibel bleibt für jeden denkenden Menschen ein wichtiges Dokument alter Zeit, auch wenn die mit Fälschungen behaftete Theologie, welche von den Päpsten und Kaisern beauftragt waren, längst aufgedeckt ist.

Die Schriften sind ein vortreffliches Menschenwerk, den damaligen Bildungsstand widerspiegelnd, erhaben aber fehlerhaft. Auf keinen Fall sind sie Gottes Wort!

Menschliches Wohlergehen liegt nicht in der Täuschung, sondern in der Erkenntnis.

Das Böse

Das Böse und die Erlösung

„Dieser Abfall des Menschen vom Instinkte, der das moralische Übel zwar
in die Schöpfung brachte, aber nur um das moralisch Gute darin möglich
zu machen, ist ohne Widerspruch die glücklichste und größte
Begebenheit in der Menschheitsgeschichte; von diesem Augenblick her
beschreibt sich seine Freiheit….“

Friedrich von Schiller

Caspar David Friedrich 1774-1840

Gott hat uns das weltliche Reich der Fülle geschenkt, damit wir Freude daran haben. In unser Menschsein hatte er, nachdem wir die Phase des Triebhaften überschritten hatten, den freien Willen gelegt. Es liegt nun an uns, aus der Welt ein Paradies oder eine Hölle zu machen.

Damit wir immer wieder den Weg zu Gott zurück finden können, musste der biblische „Baum der Erkenntnis“ Früchte des Guten und Bösen tragen. Das bedeutet: Gott, der aus seiner Einheit heraus die Welt der Gegensätze schuf, gab uns zur Unterscheidung zwischen Gut und Böse das Werkzeug „Leid“ mit auf den Weg durch die Dualität. Tiefstes Erleben hilft uns dann, in höheres Bewusstsein einzutreten.

In dieser unendlichen Vielheit der Welt der Materie liegen die Samen des Guten und Bösen begraben. Welche Pflanze davon durch uns zum Wachsen gebracht wird und schließlich zur Blüte gelangt, liegt in unserer Hand. Oft sind es äußere Impulse, die auf uns einwirken. Wir fühlen uns zu Handlungen animiert, etwas zu tun, was uns selbst und unseren Mitmenschen schadet. Manchmal werden wir selbst zum Versucher, durch unüberlegte Taten und Worte.
 
Wir Menschen sind es, die dem Bösen ein Eigenleben ermöglichen, indem wir den Energien Nahrung bieten, die uns immer wieder aufs Neue „versuchen“. Sind wir erst den Lockrufen des Bösen gefolgt, entwickeln diese ein Eigenleben, das wir kaum noch kontrollieren können. Es ist, als hätte man einen Stein ins Wasser geworfen, der beim In-die-Tiefe-sinken Wellen aufwirft, die kreisend immer größer und größer werden.

Mit den Reaktionen auf eine böse Tat ist es dann wie mit dem Kreis im Wasser: Niemand weiß um die Ausmaße. Welche bösen Reaktionen werden der Tat folgen? Deshalb tut jeder gut daran, „die andere Wange hinzuhalten“, sich durch nichts provozieren zu lassen, die Schuld für negative Reaktionen anderer zu allererst bei sich selbst zu suchen, und die Versuchung in sich zu bekämpfen. Es ist manchmal nicht leicht, den Kampf gegen Hass und Rachegedanken zu gewinnen; Gedanken, die vielleicht immer wieder aufkeimen und einen von innen zerfressen. Sobald ein böser Gedanke aufkeimt, sollte man ihm mit Liebe den Garaus machen. Jeder Mensch kennt diese dunklen Momente, in denen man die ganze Welt zum Teufel jagen möchte. Wenn man diesen Hass in sich zulässt, wird er uns solange herunterziehen, bis wir erst das störende Außen und dann uns selbst zerstört haben.

Ich versuche in einer solchen Situation zu denken: „Rachegedanken passen nicht zu mir!“ und schicke sie weg. Ich bitte Gott, das Falsche wegzunehmen – auch die falschen Gedanken, die in mir erwacht sind. Ein Gebet bringt sie zum Schweigen; Liebe stellt die Harmonie wieder her.

Darum geht es in unserem Leben: Die Dualitäten in Liebe zu verbinden, um die göttliche Harmonie und Gerechtigkeit wieder herzustellen. Dann werden wir Gottes Welt der allesumfassenden EINS, dem „Baum des Lebens“, näher kommen. Der „Baum der Erkenntnis“ (lt. Kabbala die 4) steht dem „Baum des Lebens“ (die 1) wie Leib und Seele des Menschen gegenüber. Der Mensch kann die Welt Gottes, die 5, nur erreichen, wenn er 1+4 zur Einheit verbindet. In unserer diesseitigen Welt ist es nicht anders möglich, die 5 zu erreichen. (nach F. Weinreb)  

Kirchenglaube und Bibelauslegung

In der Bibel heißt es: Jesaja 45, 6-7:
„Ich, der Herr und keiner sonst, der ich das Licht bilde und die Finsternis schaffe, der ich Heil wirke, ich bin’s, der Herr, der dies alles wirkt.“

Es gibt also keinen Raum, der nicht von Gott erfüllt ist.

Jesaja schreibt in der Bibel über die gefallene Stadt Babel. Der dortige Herrscher und selbsternannte Gott war Nebukadnezar, der auch ‚Morgenstern‘ genannt wurde. Luzifer ist der lateinische Name. Morgenstern = die Venus.

Später wurde dieser Name dem gefallenen Engel Luzifer zugesprochen, der in christlicher Überlieferung als Satan (Satan-el) bezeichnet wurde.
Die biblische Geschichte über Adam und Eva im Paradies zeigt Satan (die Schlange), als Verführer und Liebhaber Evas. Satan ist deshalb für die Kirche die Verkörperung des Bösen. Da sich die Schlange auf dem Erdboden fortbewegt, ist sie im übertragenen Sinn der Materie am Nächsten.

Beide sind an Gottes Seite: Christus positiv und Satan negativ, als Gegensätzlichkeit bei wesenhafter Zusammengehörigkeit. Der Herr der Materie, führte diese Spaltung (Polarität) ein. Satan ist demnach Herr über die vier Elemente, über die gesamte materielle Welt. Das ist die Erscheinung- und Zustandform, in der die Materie existiert.

Die Menschen verstanden es nicht anders, als dem Teufel ihre menschliche Denkweise überzustülpen. Er ist aber ein unbewusstes Gesetz. Sobald sich der Mensch im Innern dieses Gesetz bewusst macht und sich damit identifiziert,
wird daraus ein lebendiger Geist. Das durch das menschliche Tun lebendig gewordene Gesetz der Materie ist Satan. Er ist als Geist das genaue Gegenteil des göttlichen Geistes. Die Gesetze des Geistes und die Gesetze der Materie sind Spiegelbilder.
Satan hat keine eigene Existenz und kann nur durch den Menschen und dessen Tat lebendig werden. Wir Menschen tragen eine große Verantwortung, wenn wir unser Bewusstsein mit diesem satanischen Geist identifizieren.

Die göttliche Weitsicht hat in das menschliche Leben eine Automatik eingebaut, die alles was geschieht, regelt und lenkt, um den Ausgleich wieder herbeizuführen. Wenn wir durch falsche Handlungen unserem Nächsten oder uns selbst Schaden zugefügt haben, werden wir automatisch auf einen, für uns wenig angenehmen Weg gebracht, der das ausgleicht, was wir angerichtet haben. In der Offenbarung des Johannes steht geschrieben, dass das Böse gebunden wird, d. h. die 1 mit der 4. In der Welt der 5, in der göttlichen Sphäre, existieren das Böse nicht und auch nicht der Tod.
 
Wir sollten dem Bösen hier auf Erden keine Macht geben. Das fängt in unserem Alltag an. In breiter Vielfalt füllt das Böse beispielsweise das tägliche TV-Programm. Den Perversionen sind hier offenbar keine Grenzen gesetzt, da z. B. Serien wie „Dr. House“ und „CSI-Miami“ wahren Kultcharakter erreicht haben und Jugendliche die „Knochenjägerin“ nicht mal mehr gruselig finden, weil sie solche Geschichten und Bilder gar nicht mehr berühren. Sie bekommen gezeigt, dass so etwas „normal“ ist. Etwas, das zum Anschauen lohnt und lockt, immer schlimmer, blutiger und brutaler. Dadurch werden sie immunisiert, verhärtet, ganz langsam, wie durch eine Gehirnwäsche. Dasselbe geschieht im Bereich der Sexualität. Öffentliches Zurschaustellen ist peinlich und falsch verstandene Freiheit. Die Spaßgesellschaft tötet sich selbst, wenn nicht den Körper, dann doch Geist und Seele. DAS ist das Böse!

Wenn es Überhand nimmt, wird es sein Eigenleben entwickeln, wie im „Dritten Reich“. Wir dürfen ihm keine so große Bühne bieten, wie das in der Welt der Medien längst zur Normalität geworden ist. „Hauen und Stechen“ bringt Profit und größere Einschalt-/Verkaufsquoten! Gutes wird längst als lächerlich und langweilig empfunden.

Ob Glück oder Leid – wir müssen uns dem Fühlen öffnen und nicht in die Gefühlskälte abtauchen. Falsch empfundene Dinge sind besser, als gefühllos zu sein. Cool sein, ist heutzutage die Devise, auf die viele stolz sind. Das heißt nicht, dass es schlecht ist, mit einer gewissen Gelassenheit an die Dinge heranzugehen.

Wie weit sich diese Welt der Vielfalt bereits von der Einheit Gottes entfernt hat, ist erschreckend! Noch erschreckender ist es jedoch, wenn man feststellt, dass die meisten Menschen diese perfiden, sich einschleichenden Perversionen gar nicht bemerken, weil Chaos, Brutalität und Disharmonie längst zu ihrem Alltag gehören.

So ist es mit jeder Art von Begeisterung und Rausch: Profitgier, Erotik, Nikotin, Rauschgift, Machtgier, Studium, Wissenschaft, Sport etc.

In 3. Mose 10:9 heißt es, der Mensch kann die Wohnung Gottes nicht betreten, wenn er sich im Rausch befindet.

Darunter ist auch jede religiöse Handlung, die im Rausch betrieben wird, gemeint. Verblendung und Hass gegenüber Andersgläubigen kann im Rausch des Hasses enden. Wer sich in diesem Rausch Zutritt zum himmlischen Paradies erhofft, wird vor verschlossenen Türen stehen.

Gott weiß besser als der Mensch, was er braucht. Er wird uns führen. Es ist sinnlos dagegen anzugehen.

Jesus hat sein Blut für eine neue, friedvolle Welt vergossen. Es war sein Auftrag, und er wusste, dass diese neue Welt und der geistliche Mensch nur durch sein Opfer entstehen konnte. Der neue Bund lebt mit Jesus in den Verborgenheiten des Menschen. So, wie Jesus alle Konsequenzen auf sich nahm, um den Wandel zum guten, neuen Menschen einzuleiten, so sollten wir ihm nacheifern.  

Zitat aus „Innenwelt des Wortes im Neuen Testament“ von Friedrich Weinreb:

„Der Mensch, in dem Jesus lebt, wird auf seine Art das Leben auf diese Weise bestehen. Weil er das im Strom der Zeit erlebt, wird ihm das Erkennen der Liebe wohl eine unermessliche und ständige Freude bereiten. Denn er spürt im Fließen der Zeit das Strömen der Quelle, in der alles schon erfüllt ist. Er wartet mit einer tiefen Gewissheit auf das Kommen des Erlösers auch in der Zeit. Er weiß, dass die Wiederkunft von Christus ein Kommen einer neuen Welt auch hier im Zeitlichen bedeutet; dass dann alles klar und hell wird, dass Gott dann auch auf seine allesumfassende Weise die Gerechtigkeit zum Durchbruch gelangen lässt. Dann erfährt der Mensch, dass Liebe und Gerechtigkeit ein und dasselbe sind.“

Bedeutung der Zahl 666, die angeblich die Zahl des Teufels sein soll:

Lt. Bibel: Über die Johannes-Offenbarung 13,8 steht geschrieben, dass in der Zahl 666 tatsächlich der Name des Kaisers Nero enthalten ist, wenn man dafür das hebräische Alphabet zugrundelegt. 50+200+6+50 = Neron, dazu 100+60+200 = Kesar.

Friedrich Weinreb sieht „das Tier“ ebenfalls als Ausgeburt des Gesetzlichen, das die Dimension der Liebe verhindern will. In der Zahl 666 drückt sich die Vollkommenheit der Zahl „6“ aus. In allen drei Zeiten, in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist die „6“ anwesend.
Zitat: „Und die Erfüllung des sechsten Tages, wo sich alles aus diesem Tag mit allem verbindet, die Zahl 36 (6×6) also, kommt in ihrem vollen Wert, d. h. das Wachstum zur 36 ganz genommen, addiert von der 1 bis und mit der 36, gerade bis zur Grenze der 666.“ 
1+2+3+4+5+6+7+8+9+10+11+12+13+14+15+16+17+18+19+20+21+22+23+24+25+26+27+28+29+30+31+32+33+34+35+36 = 666.

Jakob Lorber:
Der Herr: „Ich will dir ein Maß geben, nach welchem du und ein jeder wissen mag, wie er mit der Eigenliebe stehen soll, wie mit der Liebe zum Nächsten und wie mit der Liebe zu Gott. Nimm die Zahl 666, die in guten und schlechten Verhältnissen entweder einen vollendeten Menschen oder einen vollendeten Teufel bezeichnet.

Teile du die Liebe im Menschen gerade in 666 Teile. Davon gib Gott 600, dem Nächsten 60 und dir selbst 6, so hast du das Verhältnis des vollendeten Menschen. Willst du aber ein vollendeter Teufel sein, dann gib Gott 6, dem Nächsten 60 und dir selbst 600!“

 

Frank Bernard Dicksee 1853-1928- The mirrow


Ihr würdet nicht so leichthin Böses denken,
erschautet ihr des Bösen Angesicht.
Ihr würdet euer Haupt betroffen senken
und schweigend ihm ein stummes Mitleid schenken,
das ferne ist von Rache und Gericht!

Ich sah des Bösen Augen einst im Spiegel.
Sein Antlitz, es war mein und es war dein
und trug noch auf der Stirne Gottes Siegel.
Es schlief, ich rief und löste so den Riegel
und ließ das Böse ins Bewusstsein ein.

Auch Luzifer ist einstens rein gewesen.
Verzweiflung ist des Bösen tiefster Grund.
Das Böse dürft ihr hassen, nicht den Bösen.
Ihn hassen bindet, Liebe nur kann lösen,
ein Wort der Güte spreche euer Mund.

Es ist das Böse unser aller Schatten.
Wir fliehn in Fernen und entfliehn ihm nicht.
Wir kämpfen lang vergeblich – und ermatten.
Dann wissen wir, was wir vergessen hatten,
und heben uns ins schattenlose Licht.

<Ephides>

Esoterik

Sulamit Wülfing 1901-1980

Esoterik, die Religion ohne Gott?

Esoterik bedeutet: Gott in sich selbst zu finden.

Jesus sagte: „Wer suchet, der findet.“ Wenn ein Mensch auf der Suche nach dem wahren Weg ist, wird er zunächst überall schauen wollen. Dabei wird er immer nur sehen können, was ihm sein eigener Bewusstseinsstand erlaubt. Und immer gilt: Was ich ausstrahle, das ziehe ich an! Oft wird er aus Unwissenheit und Neugierde von seinem ihm bestimmten Weg abweichen. Diese Irrwege bringen ihn meist durch schmerzhafte Erfahrungen wieder zu seiner Bestimmung zurück. Der Mensch muss sich darüber im Klaren sein, dass er jeden Schutz verliert, wenn er genau fühlt, dass es der falsche Weg ist, den er gehen will. Wenn er dann unsanft zurückgezogen wird, bedeutet das Schmerz oder Krankheit. Was wir im Leben finden, ist nicht immer gut. Manches Gefundene, das zunächst lichtvoll zu glänzen scheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als wertloses Talmigold.

Die Bibel warnt vor den selbsternannten Lichtgestalten und falschen Propheten, denn leider bedient sich der Satan gerne der Maske des Lichts, um die Menschen zu blenden und irrezuführen. Perfide benutzt „das Böse“ auch die großen Kirchen für seine Zwecke. Heiligenscheine verdecken oft genug die Scheinheiligkeit, die darunter versteckt ist.

Mit der New Age Bewegung aus Amerika schwappte die Esoterik-Welle über die europäische Welt und brachte nicht nur neues Gutes und lichtvolle Gedanken, sondern zog den Interessierten auch jede Menge Geld aus der Tasche. Wenn man genauer hinter die Maske schaut, wird einem klar, dass der Spruch „Licht und Liebe“ schnell zu einer Floskel verkommen ist. Als ganz schlimmes Übel an dieser New Age Strömung empfinde ich, dass den Menschen eingetrichtert wird, sie seien auch Gott. Sind sie etwa in der Lage Leben zu erschaffen? Das ist klare Selbstüberschätzung!

Woher stammt die Esoterik? Handelt es sich hierbei um uralte Geheimlehren, vielleicht  aus Ägypten oder dem sagenhaften Atlantis? Die Gnostiker übernahmen viele dieser Inhalte, die später von den illuminierten Freimaurern verbreitet wurden, um die Welt zu verbessern. Die zunächst edlen Absichten wandelten sich später in profitorientierte Machenschaften. Heutzutage sind diese angeblichen Isis-Mysterien vermengt mit asiatischen Elementen.  Wahrsagerei und Horoskope haben die Menschen schon vor Urzeiten magisch angezogen. Es liegt in der menschlichen Natur, an solche Dinge zu glauben.

Wer durch Deeksha und Reiki eine bessere Lebensenergie versprochen bekommt, sollte einmal genauer hinsehen. Damit macht man nur einige östliche Gurus und Heilsversprecher reich und immer reicher. Palmblattlesen soll Einblick in die eigene Zukunft geben; die Akasha-Welt-Chronik und ihre Gedankenkristalle sind Überbleibsel aus dem Bereich der Blavatsky-Theosophie; angebliche Geistheiler aus Brasilien oder Asien haben sich bereits als Scharlatane entpuppt. Überall wird gechannelt, ob es nun die Wesenheit Kryon oder Tobias ist, es ist stets darauf ausgelegt, die Kassen zu füllen und die gutgläubigen Menschen durch absolut „hohle“ Worte in den Bann zu ziehen. Ich war selbst bei einem Kryon-Event in Hamburg und habe mich mitziehen lassen. Bei allem, was ich darüber las, „sagte“ mir mein Bauchgefühl ein klares „Nein“. Ich denke, wenn Gott eine Botschaft für uns hätte, würde er diese allen Menschen zuteil werden lassen und nicht nur einer Minderheit, die dafür bezahlt. Aber der Mensch braucht den schönen Schein von Gemeinschaft, sonst gäbe es keine Kirchen. Pseudoreligionen, die durch “Licht und Liebe” blenden, bringen keine neuen Botschaften! Dass die Erde irgendwann vergeistigt werden wird, steht schon in der Bibel.     

Wir leben in einer Welt der Schwingungen. Wäre sie starr, würde sie zerbrechen.

Nach einer „Körper-Geist-Behandlung“ wie z. B. durch Reiki fühlt man sich erst einmal gut. Durch das Handauflegen werden besondere Schwingungen erzeugt, die man genauso gut durch ein einfaches Gebet selbst erzeugen kann. Ich glaube durchaus, dass Geistheilung funktioniert, nur kann man das kostenlos in Jesus Namen praktizieren. Alles andere fühlt sich für mich nicht mehr gut an. Ich habe es ausprobiert und weiß, wovon ich hier schreibe.

Sicher gibt es Menschen, die mehr sehen und fühlen dürfen als andere. Es ist nicht immer leicht, die Guten aus der Masse der Schlechten herauszufiltern. Hier hilft einzig und alleine das Bauchgefühl. Große Geldforderungen sind immer der erste Hinweis darauf, dass sich hier der „Herr der Welt“ die Taschen vollstopft. Oft merkt man gar nicht, dass man manipuliert wird. 

Besonders mit dem Begriff der so genannten „aufgestiegenen Meister“ habe ich gewaltige Probleme. Angeblich soll es sich um Menschen handeln, die sich im Leben so veredelt haben, dass sie nach dem Tod zu den höchsten Himmeln aufsteigen durften und von dort aus die Menschen führen und leiten. Es ist natürlich jederzeit möglich, dass Gott in seinem geistigen Reich eine Menschenseele erhöht. Trotzdem gibt es laut Bibel nur EINEN Meister: Mat 23, 10: Und ihr sollt euch nicht lassen Meister nennen, denn einer ist euer Meister, Christus!

Schon bei den Namen der “weißen Bruderschaft” dreht sich mein Magen herum: Lord Kuthumi, der angeblich einst Franz von Assisi gewesen sein soll, Maria heißt nun Lady Mary, ebenso Saint Germain, um nur wenige zu nennen. Ich frage mich, wer diesen Unsinn erfunden hat? Dahinter zeigt die “andere Seite” ihre grinsende Maske!

Wenn ich von Saint Germain lese oder höre, muss ich sofort an den Grafen Cagliostro denken, der zu Schillers Zeiten sein Unwesen trieb, und die damalige Welt zum Narren gehalten hat. Die Geschichte dieses Grafen hat man später benutzt, indem man ihn als Saint Germain unsterblich machte. Auch der „echte“ Saint Germain war ein Abenteurer und Alchemist.

Es gab immer schon edle, menschliche Naturen, die durch eigene Leistung und Liebe ihre irdischen Inkarnationen beenden durften und den anderen Menschen vorangegangen sind. Sie benötigen keine weltlichen Adelsbezeichnungen, um sich selbst zu erhöhen.

Sicher gibt es in den höheren Himmeln Engel, die die Menschheit immer schon begleitet haben und die aus Liebe zu ihnen und zu Gott wieder inkarnieren, um zu helfen. Aber darf man Verstorbene anbeten? Ob Maria oder beispielsweise Bruno Gröning – beide waren einfache Menschen!

Steht doch in der Bibel: Mat 4,10: Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir Satan! denn es steht geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn und ihm allein dienen!

Biblisches Wort

„Ist die Bibel journalistisch wahr?
Dann müsste man sie als Geschichtsbuch alter Zeiten ansehen.
Und dann wäre sie zum Großteil unwahr, unglaubwürdig.
Brauchbar wären dann nur gewisse Verse und Stellen, die einem gerade passen. Und die Wissenschaft spezialisiert, differenziert so gerne.
Der Teufel liebt den Scherbenhaufen, die Dämonen hausen gerne in Ruinen.” 


– Friedrich Weinreb –

Was das biblische Wort betrifft…

so muss man Gottes Wort und das der Menschen immer gut voneinander trennen. Die biblischen Geschichten sind voll von Beispielen, wie der Mensch Gott erfahren kann. Und darüber kann der Leser eine Art und Weise lernen, wie er diese Erfahrungen in sich selber machen kann. Darum geht es ja eigentlich in der Mystik: Die Gotteserfahrung im eigenen Innern zu machen. Die  institutionalisierten Religionen stehen da oft im Weg, weil sie einem die Erfahrung abnehmen wollen und behaupten, es „besser“ zu wissen. Deshalb bin ich gegenüber der Kirche sehr kritisch. Ich meine aber, dass die Bibel schon viele Möglichkeiten bietet, sich in die Gotteserfahrung einzuüben.

Ich persönlich brauche die Freiheit auch in Glaubensdingen. Insofern bin ich kirchlich-dogmatisch gar nicht festgelegt – aber ich bin in diese Tradition hineingeboren worden, und das wird auch einen Sinn haben, so dass ich sie nicht einfach ablegen kann. Trotzdem bin ich offen für alle Erfahrungen. Insbesondere meine ich, dass der Dialog die besten Voraussetzungen bietet, sich seiner selbst bewusst zu werden.

Das Thema „Zeit“ ist ein ganz entscheidendes. Ich halte nichts davon, den „Jüngsten Tag“ auf ein materielles und fernes Geschehen zu beziehen. Das „Gericht“ findet heute (ist das nicht immer der „Jüngste“ Tag?) und stets in einem selber statt. Es ist auch vom Grund her ein seelisches Ereignis, kein körperliches. Deshalb stehe ich Erfahrungen der Reinkarnation ganz offen gegenüber. Dafür sind die Begriffe „Diesseits“ und „Jenseits“ ganz wichtig. „Hier“ ist Zeit und Raum, „dort“ ist Geist und Ewigkeit. Und Diesseits und Jenseits haben eine gemeinsame Wurzel wie die beiden Bäume im Paradies. In der jüdischen Tradition spielt die Reinkarnation (Seelenwanderung, Gilgul) auch eine wichtige Rolle. Man kann sich als Christ durchaus in dieses Gedankengut hineinfinden, wenn man aufgibt, alles nur zeitlich-materiell eng zu führen.

Ich sehe die Verbindung der Gegensätze als eigentliche Aufgabe der Menschen. Die biblische Erzählung vom Paradies weiß das bereits, wenn sie davon redet, dass es zwei Bäume im Garten Eden gibt (Gen 2,9): Den Baum der Erkenntnis (der die Entwicklung repräsentiert – also die Zeit) und den Baum des Lebens (der für die Ewigkeit steht, also das Sein). Die jüdische Tradition sagt, dass diese beiden Bäume eine gemeinsame Wurzel haben. In der gleichen Weise teilt sich der eine Fluss im Paradies in vier Arme, die die Dimensionen der Welt repräsentieren. Die „Vier“ sind eigentlich „Eins“. Das nennt die Alchemie die „Quintessenz“. Und das liegt tatsächlich auf der Hand (…der Daumen ist wie die 1 gegenüber der 4 – und nur so können wir be-greifen…). Solche Assoziationen und Verbindungen sind doch das Wesentliche für den Menschen und nicht die Abspaltung in Konfessionen oder Parteien.

Die historisch-kritische Exegese ist ein fruchtloser Weg, der nichts bringt, außer Rechthaberei und Selbstgefälligkeit. Die Bibel ist fürS mich eine spirituell strukturierte Quelle von Gottes- und Welterkenntnis. Fundamentalismus ist hier fehl am Platze. Die Fundamentalisten nehmen die Bibel nämlich wörtlich – und zwar völlig geistlos. Wenn man das tut, kommt man im Fall der Jungfrauengeburt zu medizinischen Wundern oder im Fall der Schöpfung zum Kreationismus oder bei der Stadt Jerusalem zu Mord und Totschlag. Es wäre jedenfalls eine unendliche Spirale der Gewalt. Kurz: Die geistlose Lektüre der Bibel führt geradewegs in vielfältige Katastrophen.   
 
Jeder Mensch wird seine eigenen Weisheits- und Erlösungsquellen haben. Wer intensiv sucht, wird sie bestimmt überall finden. Nur der leichte, breite, weltlich orientierte Weg wird bestimmt nicht dorthin führen.

Deshalb wünsche ich uns allen die Erfahrung des „schmalen“ Weges, der ohne Umwege eine schnelle Rückkehr nach Hause möglich macht!
 


Erlösung kommt von innen, nicht von außen
und wird erworben nur und nicht geschenkt.
Sie ist die Kraft des Innern, die von draußen
rückstrahlend deines Schicksals Ströme lenkt.
Was fürchtest du? Es kann dir nur begegnen,
was dir gemäß und was dir dienlich ist.
Ich weiß den Tag, da du dein Leid wirst segnen,
das dich gelehrt zu werden, was du bist.

<Ephides>