Das Teuflische im Menschen

Albrecht Dürer 1471-1528 – Paradiesschlange

Es ist immer schwierig über Religionen zu reden, weil man niemandem zu nahe treten möchte. Mein Beitrag über Moses beinhaltete zwar einige Kritik, aber letztendlich gehört das Alte Testament zum Christentum. Die Bibel zeigt stets mehrfache Dimensionen. Man darf die Geschichten nicht nur als historische Ereignisse sehn, denn da wird man oft vergeblich Spuren suchen.

Es beginnt bei der Geschichte vom ‚Garten Eden‘. Tiere müssen immer noch nach den Naturgesetzen leben. Da der Mensch mit einem Verstand erschaffen wurde, mit dessen Hilfe er bewusst wird, kann er sein Leben nach seinem Willen einrichten und von seinen ‚gesunden‘ Instinkten abweichen, was sie verdirbt. Dieser ungesunde Selbstzweck bringt seinem Körper und seiner Seele Störungen und Krankheiten. Das ist die Macht der Ur-Schlange auf dem Baum der Erkenntnis des Gutem und Bösen im biblischen Paradies.

Das bedeutet, dass Satan den Menschen über seinen Verstand beherrscht und über sein Bewusstsein in ihn eindringt. Ohne den Verstand wäre Satan ein unbewusstes Naturgesetz.

Quelle: Wikipedia

Aus den vier Elementen wurde das Weltall aufgebaut. Satan gilt als Herrscher über alles Materielle, also über die heute sogenannten Aggregatzustände, d. h. Erscheinung und Zustandsform, in der die Welt existiert. Jesus warnte seine Jünger nach letzten Abendmahl: „Gehen wir, es nähert sich der Herr dieser Welt.“ Damit meinte er Satan. Er ist das Gesetz der Materie.

Die Wissenschaft hat auch die indische Vedanta-Philisophie durchleuchtet, die schon vor Jahrtausenden behauptete, dass der Mensch vor Urzeiten androgyn gewesen sei wie die Engel. Dieses Wesen trug beide Geschlechter in sich. Sie waren Mann und Frau in einer Person = ein Mensch.
1. M, 27: „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn; als Mann und Weib schuf er sie.“

Die Bibel sagt nichts anderes aus. Adam wird als Wesen dargestellt, das am Anfang beide Geschlechter in sich trug. Erst später wurde aus ihm heraus Eva von Gott entnommen‘. So ähnlich wird diese Entwicklung auch seitens der Wissenschaft bestätigt, wenn sich dieser Prozess wohl über Jahrmillionen hingezogen haben muss.

Der Herr der Materie, Satan, hat demnach die zwei Geschlechter voneinander getrennt und Mann und Frau zu zwei selbstständigen Wesen gemacht, die sich fortpflanzen und die Welt bevölkern konnten.

Was letztendlich blieb, ist die Sehnsucht nach dem Eins-Sein, welches nach der Trennung nur noch in einem geschlechtlichen Akt für kurze Zeit vollzogen werden kann. Die Sehnsucht nach dem auf Erden unerreichbaren einzigen Ich bleibt, damit sich die Körper vereinigen, ohne innere Identität im Geiste.

Irgendwann muss der Mensch einsehen, dass die sexuelle Kraft trügerisch ist. Befriedigung empfindet er auf Dauer nie, kein Glück und keine Erfüllung. Und was geschieht, wenn er alt ist? Da bleibt nichts, wenn es mit der körperlichen Liebe nicht mehr klappt. Hatte der Mensch nicht ein ganzes Leben lang nach seiner ‚besseren Hälfte‘ gesucht? Sie sollte seine Ergänzung sein. Was gibt es auf dieser Welt?: den unbewussten Willen, sich zu vereinigen und das, was man „Liebe“ nennt. Bedingungslose Liebe kann der Mensch hier nicht erreichen, weil Satan dazwischen steht, das Gesetz der Materie.

Eine nur körperliche Erfahrung kann nicht wirklich befriedigen und selig machen. Der Mensch erinnert sich an seinen Ur-Zustand des Eins-Seins und sehnt sich danach zurück. Als er in den materiellen Körper hineingeboren wurde, ist er ‚aus dem Paradies gefallen‘.

Den Drang nach Einheit und wahrer Liebe kann der Mensch hier nur im Geiste verwirklichen. Auf diesem Weg wird er den Ausweg aus der Versklavung finden und die Form zurückverwandeln als geistige Kraft. Wenn wir die sexuelle Kraft wieder auf eine höhere Ebene erheben, ins Erhabene steigern und veredeln können, dann haben wir Satan mit seiner eigenen Kraft besiegt. Der Animus und die Anima sind im Geiste eins.

„Von der Gewalt die alle Wesen bindet,
befreit der Mensch sich, der sich überwindet!“

Johann Wolfgang von Goethe

Nach Hause

Ich wandre durch die Welten,
fremd, kenn nicht den Weg.
Mit vielen Steinen ist er dicht belegt,
es freut und schmerzt zugleich,
ihn zu durchschreiten.
Niemand geht leichten Fußes,
ohne Leiden.

Nur eine Ahnung wacht,
ist tief in mir – der Glaube…
wird mit altem Wissen
meinen Weg mir weisen.

So gehn die Bibel-Geister mit auf Reisen,
die IN mir sind durch alle Zeitenflüsse,
wie Moses Volk einst auszog
aus dem Land der Pharaonen,
durch Sturmesfluten und durch
Wüstenschwere,
trägt nun auch mich
die Gott erfüllte Lehre.

Gefahren trotzend geht mein
Blick nach oben,
wo ich,
von himmelblauer Sonnenhand erhoben,
bestaun den Bogen,
bunt, wie ein Kristall.

Joseph Anton Koch 1768-1839 – Heroische Landschaft mit Regenbogen

Wann immer ich ihn sehe,
ist er Zeichen,
ist Kompass mir.
Mein Ziel will ich erreichen…
im Dort und Hier.

Im Paradies dort oben,
wo sich die guten Seelen finden,
jenseitig,
fern der Zeitenflüsse,
wo Gut und Böse sich
zur Harmonie verbinden,
ist mein Zuhause.
Will es wiederfinden!

Ich, Jesus Christus, Gottessohn und Knecht

Gustav Doré 1832-1883

Romanfragment von Gisela Seidel

Dieser Teil ist meine eigene Auffassung der biblischen Geschichte und dient gewissen Fragen zum besseren Verständnis. Der Roman wird nicht fortgeführt.

Joh 1,1:
Im Anfang war das Wort,
und das Wort war bei Gott,
und das Wort war Gott.
Dieses war im Anfang bei Gott.
Alle Dinge sind durch dasselbe geworden,
und ohne das Wort ist auch nicht eines geworden,
das geworden ist.
In ihm war Leben,
und das Leben war das Licht für die Menschen.
Und das Licht scheint in der Finsternis,
und die Finsternis hat es nicht angenommen.

PROLOG

Wie ein Windhauch kam ich in diese Welt, um einen Sturm zu entfachen. Es galt den Plan des Vaters auszuführen, ihm und euch Menschen zu dienen, die ihr unsere Schöpfung seid. Wir konnten alljene, die einst ihrem eigenen Maß und Willen folgend, ungehorsam geworden waren, nicht in der Finsternis belassen, weil sie ein Teil von uns gewesen sind. Durch ihr Dunkelsein blieb auch ein Teil von uns dunkel und das schon über viele tausend Jahre lang. So ist es noch immer. Die Finsternis wartet darauf, erlöst zu werden.

Aus unserem Geist erschaffen, hatten die Menschen in ihrer Bewusstlosigkeit ihre Gotteskindschaft völlig vergessen. Das war die geistige Finsternis, in der kein Licht zu ihnen dringen konnte.

Sie hatten ihre Lichtkörper verhärtet und dunkel gemacht. Ihr Geisteslicht war umgeben von harten Schalen, die immer fester und dichter wurden. Dem Eis glichen sie, das verhärtet und kalt nicht mehr das Fließen kennt und alle positiven Aspekte verloren hat. Befruchtend und lebendig seid ihr einst aus der göttlichen Quelle entsprungen. Die Kälte und Härte eures Wesens machte euch brüchig und brachte den Tod.

Wir müssen euch erinnern, dass in euch ein göttliches Licht schlummert, damit ihr die Schalen um euch zerbrecht. Das höhere Bewusstsein ist die Erinnerung an eure Urkraft, an den Ursprung, an das Zuhause, das ihr einst verlassen musstet, als ihr euch gegen mich stelltet.

Wenn diese Erinnerung nicht wäre, die Erinnerung an die göttliche Kraft in euch Menschen, auch wenn diese Macht noch gebunden ist und ihr unfähig seid, sie in eurer Körperlichkeit anzuwenden, wie könnte aus Eis je wieder Wasser werden?

Ihr alle tragt in eurer Erstarrung das Wissen und die Macht der Erlösung in euch. In eurem beengten Bewusstsein und der eingeschränkten Sichtweise, die ihr habt, seht ihr euch als begrenzte Wesen. Dann nämlich herrscht euer Körper über den Geist und wird Herr eurer Seele. Dadurch erschafft ihr eure Krankheiten und euer Unglück und werdet überwältigt von eurer Körperlichkeit, die an Stelle eures Geistes regiert. Es überwältigen euch der Zorn, der Hass, die Wut, die Angst – ihr seid dann „außer euch“ und Satan ist in euch. 

Ihr müsst wieder ein fließender Strom des lebendigen Wassers werden, das auch in der Abgesondertheit und Beschränktheit und Erstarrung dennoch alle Macht und alles Wissen um diese Macht besitzt. Ihr selbst müsst das Eis zum Schmelzen bringen und die Macht des Winters und der Dunkelheit brechen. Indem ihr euch selbst aus der Starre erlöst, erlöst ihr auch die anderen.

So wie ihr, sind alle erschaffenen Wesen und Dinge in ihren vielen Formen nur vorübergehende Erscheinungen. Das Wiedererinnern wird all diese Formen zerbrechen und zu ihrem wahren Selbst zurückführen. Die Welt und alles, was darin zu finden ist, ist erstarrter Geist. Die Erstarrung wird sich lösen und vergehen. Das ist ein langwieriger Prozess.

Erkenntnis will ich euch bringen. Brücken schlagen zwischen den Bewusstseinswelten und euer Erinnern wecken. Dadurch findet ihr zurück und werdet aus der Welt der Materie das Erkennen eures göttlichen Selbst mitbringen, das sich an vielen Erfahrungen, Formen und Zuständen veredelt hat.

Aus den Elementen der Erde erschaffen, als ungeschliffene Edelsteine verhärtet, seid ihr in die Welt der Vielfalt gezogen, als glänzende Diamanten werdet ihr einst nach Hause zurückkehren.

Mose 1,26:
Und Gott sprach:
„Lasset uns Menschen machen,
nach unserem Bilde, uns ähnlich.“

Die Schöpfung der Welten, Geister und Menschen

Jenseits von Raum und Zeit entsprang die Quelle des Seins. Am Anfang war das Wort. Schon vor dem Wort war Gott. Gott hat keinen Anfang. Er WAR, IST und wird immer SEIN.
Lange bevor ich mit Namen Jehoshua (Jesus) in die materielle Welt geboren wurde, existierte ich bereits als Bild vom ewigen Menschen in meines Vaters Urgeist, der mich schuf und in sich trug seit Äonen von Ewigkeiten. Ich bin Teil des allmächtigen Gottes und erschaffe durch ihn. Mir, dem Gott gleichen Geist, unterstanden alle nach mir erschaffenen Geister und Kräfte. Alle dienten der Harmonie des reinen Ur-Geistes, der Vater und gleichzeitig Mutter aller Dinge ist. Dieses Prinzip vereint sich auch in mir.

So war ich als Christus der Erste vor allen anderen und besitze dies Erstrecht in allem, als Gottes einzig erschaffener Sohn. Der Vater und ich sind EINS, wir zusammen sind vereint im Heiligen Geist des reinsten Bewusstseins. Die reinen Energien, die wir schufen, dienen uns und euch zur Freude und dem Universum zur Ordnung. So vermehrten sich, in für Menschen unvorstellbar langen Zeiträumen, Engelwesen, die, gleichzeitig männlich und weiblich, die himmlischen Familien, Völkerschaften und Hierarchien – Chöre genannt – bildeten.
Hinzu kamen die „himmlischen Heerscharen“, die in den Schriften erwähnt sind. Euch Menschen begegnen sie als elementare Kräfte, in Wasser, Luft und Licht, aber auch in der Materie walten sie nach unserem Willen.
Das alles entstand durch mich, denn ich wirke durch meinen Vater. Jedes Geschöpf hat ewiges Leben, durch den Lichtfunken, den allein der Vater geben kann.
Der erste und höchste von mir erschaffene Geist war Luzifer, der „Lichtträger“. Er war der schönste und größte Engel im Himmel. Er zählte zu den Engelfürsten, die nach und nach durch mich ins Dasein traten. Insgesamt waren es sechs.
Als die Zahl der Engel ins Unermessliche wuchs, gab Gottvater mir die Führung über die Geister und salbte mich, den Messias, als den Herrscher über die Welten und König in Ewigkeit, den alle Geistwesen gehorsam dienen und anerkennen sollten.
Äonen von Jahre hindurch blieb die Harmonie der himmlischen Sphären erhalten, bis erste Misstöne durch Luzifer die Klänge verdarben, die sich mir in Form von Neid und Missgunst entgegenstellten. Er trachtete nach meinem Herrscherthron, wollte auch Schöpfer sein und begann mit vielen Engeln gegen mich zu handeln. Er wollte mir, dem geistigen Menschen, Adam Kadmon, nicht mehr dienen.
Wo wir zuvor nahezu im Gleichklang miteinander waren, wurde nun die Disharmonie lauter und lauter und drang durch alle Sphären, bis schließlich ein Großteil der Geisterwelt der Aufforderung Luzifers folgte und sich ihm anschloss, als er gegen mich rebellierte.
Gott blieb nichts anderes übrig, als Luzifer und sein Gefolge abzuspalten, weil er die Harmonie und die Liebe zerstört hätte, die im himmlischen Paradies Glückseligkeiten schafft. Der einst „strahlende Morgenstern“ verlor seinen Glanz und wurde mitsamt seiner Gefolgschaft in die Sphären der Finsternis verbannt, wo sie in ärgster Bedrängnis weiter existieren mussten.
Luzifer hatte viele Milliarden Lichtwesen mit sich in den Abgrund gezogen, und nachdem sein Aufstand niedergeschmettert worden war, blieben die guten Geister bestürzt zurück. Himmlische Gemeinschaften waren zerstört, die geistigen Familien getrennt. Auf den ursprünglichen Plätzen der Verbannten lagen dunkle Schatten.

Tiefgreifend hatte sich der Himmel verändert. Alle waren voller Trauer und hatten Mitleid mit den Gestürzten, doch der grauenhafte Kampf, der mit Flammenschwertern und geistigem Feuer gewonnen war, blieb allen ein Trauma. Ich selbst sah Luzifer, mein Geschöpf, wie einen Blitz vom Himmel fallen. Er riss alle mit sich in die Tiefe, Legionen und Fürsten, die ihm gefolgt waren, Millionen und Abermillionen von Wesen.
Michael, einer der treuen, führenden Erzengel, der meinem Wesen sehr ähnlich ist, geleitete die Gestürzten in die von Gott entfernteste aller Welten, in der tiefste Finsternis herrscht. Die Geistwesen verloren ihre Lichtkörper und verdunkelten sich. Ihr Wesen veränderte sich und die Disharmonie zu Gott verwandelte auch ihre Erscheinung in Hässlichkeit. Doch das Schlimmste war die geistige Dunkelheit, die sie erfüllte, die den göttlichen Funken, der in ihnen ist, schließlich ganz verfinsterte.
In dieser düsteren Stätte, fernab von den himmlischen Herrlichkeiten, herrschte Wut, Hass, Angst und Geschrei. Die Gestürzten zürnten Gottvater und mir, weil wir die Entwicklung nicht verhindert hatten, doch genauso verfluchten sie Luzifer, der nun seine Macht an denen ausließ, die ihm geblieben waren.
Es ist nicht unser Ansinnen, in einen laufenden Prozess einzugreifen oder ihn gar zu verhindern. Wir lassen allem die völlige Freiheit. Jedoch versuchen wir das Resultat zum Guten zu wenden und das Geschehene durch Führung zu erlösen.
Nach und nach verloren die Gefallenen ihr göttliches Bewusstsein und wurden zu geistig Toten. Ihre Lichtkörper waren dunkel und verhärteten sich. Sie verloren all ihre feinstoffliche Schönheit und spiegelten auch äußerlich das Missklingende ihrer Wesen wider. Je tiefer der Sturz, umso dunkler war nun der geistige Leib. Alle guten Eigenschaften, die ein Lichtwesen zuvor ausgemacht hatte, gingen verloren: Herzenswärme, Freundlichkeit, Frohsinn, Freude, Glücksempfinden, Harmonie und die Liebe. Sie wandelten sich ins Gegenteil. Ihr geistiges Licht war nahezu erloschen. Sie verloren das Gedächtnis und wussten nichts mehr von der Herrlichkeit, in der sie früher gelebt hatten. Sie existierten zwar weiter, aber als geistig Tote und waren für unsere himmlische Welt verloren.

Dennoch unterlag der Scheol der göttlichen Ordnung. Engel wachten darüber und grenzten Luzifers Machtbefugnisse ein.
Das Totenreich wurde in unterschiedliche Stufen unterteilt, die Schuldigen gerichtet und nach ihren Verschuldungen den entsprechenden Stufen zugewiesen. Dort gab es ein ewig langes Verweilen in Unseligkeit, Leiden und Verzweiflung, denn die Gottesferne ist wie ein brennendes Feuer. Je dunkler der Geistleib, desto schmerzlicher brennt der Lichtfunken, der niemals erlischt. Je nach Einsicht der Wesen bestand jedoch die Möglichkeit, innerhalb der Hölle in Besserungsstufen aufzusteigen.
Unter den Gefallenen waren Mitläufer und Anführer, Aktive und Passive. Gottvater wollte in seiner Liebe und Güte für die Reuefähigen eine Möglichkeit schaffen, zurück in die himmlischen Sphären zu gelangen. Doch ihr Bewusstsein war nicht mehr rein und musste eine lange Phase der Reinigung durchlaufen. Dafür sollte eine entsprechende Welt erschaffen werden. Diese vorübergehende Heimat sollte eine Stätte sein, die unseren Weisungen unterstand. Ein Schulungsort sollte entstehen, der dem himmlischen Paradies glich, jedoch mit festen Grenzen, die die Engel bewachten. Die Rückkehr von diesem Ort in die himmlischen Sphären sollte stufenweise erfolgen und war lediglich an eine einzige Bedingung geknüpft: Gehorsam gegenüber Gott, was auch bedeutete, dass die Geistwesen mich als ihren Herrn anerkennen mussten.

Das Paradies im göttlichen Bereich, war die Ebene der Wahrheit Gottes, die EINS ist. Auf dieser Ebene gibt es weder Gegensätze noch Raum und Zeit. Alles schwingt in völliger Klanggleichheit. Auf der Erde hingegen, wie wir die neue, materielle Stätte nannten, herrscht die ZWEI-Teilung, in der sich die Einheit Gottes im Zeitlichen manifestieren kann.

Und Gott, der Urgeist, sprach und aus dem Klang seiner zehn Schöpfungsworte formte er durch die „himmlischen Heerscharen“, Licht/Feuer, Wasser, Luft und Erde, das Universum. Gleichzeitig lag in jeder der einzelnen Schöpfungstaten die ZWEIheit. Das bestimmende Prinzip dieses Dualismus war männlich und weiblich, Licht und Wasser, hatte eine rechte und linke Seite, eine aktive und eine passive.
So wurde inmitten dieses unendlichen Raumes der Planet „Erde“ erschaffen, darauf der „Garten Eden“, über dem der göttliche Geist schwebte und die natürlichen und kosmischen Gesetze in Gang setzte, die eine fortwährende Entwicklung innerhalb ihrer Grenzen ermöglichten. Doch die Polarität war als Schatten des Abfalls geblieben und trennte die Welten in Diesseits und Jenseits, mit dem „Baum des Lebens“ darin, als Symbol für das Sein und Werden. Das Werden aber, das sich vom Sein abgetrennt hat, wurde Symbol für den „Baum der Erkenntnis“.

Nur wer die Einheit des Eins-Seins und des Eins-Werdens erkennen kann, kann auch die gemeinsamen Wurzeln dieser Bäume erkennen.

Mahnend ließ Gott diese in den Garten Eden pflanzen, die davor warnen sollten, dem Geist, der stets verneint, zu folgen. Ich war Luzifer gegensätzlich, wie das Sein dem Werden. Satan glaubte, nur durch seine eigenen Schöpfungen Sinnvolles schaffen zu können und hinderte die ihm folgenden Geister daran, sich an Gott und die Glückseligkeiten des ewigen Lebens zu erinnern. Jeder, der den Weg des Werdens, der Entwicklung, geht, nimmt die Frucht vom Baum der Erkenntnis. Gott gab den Menschen dazu die Willensfreiheit, doch er beschwor sie eindringlich, nicht von der Frucht zu nehmen, denn dann wäre der paradiesische Zustand dahin und das würde den Tod mit sich bringen, als das Gegenteil des Lebens und die Zweiheit würde auch hier Einkehr halten.
Der Geistmensch, der ursprünglich mit Gott und mit allem Geistlichen in Beziehung steht, über die Hellsicht verfügt und Gewalt über physikalische Vorgänge hat, würde dies alles verlieren, sobald er der Polarität unterworfen ist. Ihm, der geistig einst das ganze Weltall in Zeit und Raum erfüllte, würde alles fremd, feindlich und als für ihn verschlossen empfinden. Das einstige Lichtwesen würde den Schlüssel zum Zugang zu seiner Ur-Quelle verlieren, welchen er im Sinne der Erfüllung seines Daseins grundlegend besitzt, wenn es als Mensch den Weg der Entwicklung betritt.

Von nun an gab es die ZWEIseitigkeit der Schöpfung, als männlich und weiblich, als Verborgenheit und Erscheinung, als unfassbar und fassbar, kausal und a-kausal, als Sein und Werden.

Der Geist eines einstigen Himmelsfürsten aus der obersten Stufe des Totenreiches war ausgesucht. Er inkarnierte im Garten Eden in den ersten erschaffenen Menschenleib. Um in der Erd-Atmosphäre leben zu können, musste er einen materiellen Körper erhalten, der alle Bestandteile der vier Elemente in sich trug. Fortan wurde er Adam „ich gleiche“ genannt, weil er mir, dem geistigen Menschen „Adam Kadmon“ glich.

Er erhielt nicht nur einen Körper, aus Erde geformt, sondern eine Seele aus dem Geist Gottes, vom Geist bewirktes Talent, Charakter, Wille und einen instinktiven Lebenstrieb. So sind die Instinkte dem Körperlichen verbunden, wobei die Seele aus dem Geist Gottes mit der Göttlichen verbunden ist.

Von Engeln wurde Adam in die paradiesische Ebene hineingeführt. Sie zeigten ihm die Grenzen des Reiches und hielten ihn an, die göttlichen Weisungen einzuhalten und alle Tiere und Vögel mit Namen zu versehen. Gott machte die mögliche Rückkehr der Gefallenen allein von Adams Gehorsam abhängig. So war er zum Prüfstein geworden.

Gott allein hatte den Überblick über den ganzen Garten, der in einer riesigen Fläche zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris lag. Wo zu Beginn der Schöpfung das Licht im Vordergrund gestanden hatte, war der irdische Charakter nun vom Wasser bestimmt.

Auf geistiger Ebene stand Adam anfangs noch in ständiger Verbindung mit Gott, der von nun an sein HERR war. Die heiligen Geister, die ihn unterwiesen und vor Luzifer warnten, der mit Geistesmacht versuchte, in diese Sphäre einzudringen, waren stets zugegen.

Die Engel Gottes mahnten Adam zur Vorsicht, denn Luzifer und seine Helfer würden auch in ihn einzudringen versuchen, um ihn zu beeinflussen und fehlzuleiten. Er müsse sich entscheiden, ob er Gottes Stimme oder der von Luzifer folgen wollte. Das war die Prüfung: Er sollte dem göttlichen Willen folgen und die Harmonie der Welten wiederherstellen.
Nach einer langen Zeit des Alleinseins in der Abgeschiedenheit, die Adam zusammen mit den Tieren verlebte, wurde er betrübt, denn er vermisste eine andere Seele, die ihm ähnlich war. Da kein Mensch allein sein sollte, wurde aus dem Urgeist Adams, dem noch das männliche und weibliche Prinzip innewohnte, schon vor der Erschaffung der materiellen Ebene der größte Teil des Weiblichen abgespalten und dafür ein passender Körper erschaffen. In Adam blieb allein der Großteil des Männlichen zurück.

„Die Männin“, war fortan die Gefährtin an Adams Seite und sie fühlten sich einander verbunden, als seien sie ein Leib und eine Seele und ein gemeinsamer Geist. Sie durchstreiften zusammen den Garten, und solange sie mit Gott und somit auch mit sich selbst in Einklang waren und sich an dessen Weisungen hielten, waren Liebe, Harmonie und Frieden mit ihnen. Es wurde ihnen zur Aufgabe gemacht, den Garten zu behüten und zu bebauen und das Wesen der ZWEIheit nicht in sich aufzunehmen, sondern die Harmonie aus der Zeit vor der ZWEImachung wiederherzustellen.

Die Kraft des Erkennens von Gut und Böse, welches im Bild des Baumes der Erkenntnis vermittelt worden ist, sollte nur Gott vorbehalten bleiben, weil nur er die globale Sicht über alle Dinge hat, wie sie der Mensch nicht haben kann. Gott wollte mittels dieser Kraft das Leben der Vielfalt erhalten. Diese Kraft trotzdem zu verwenden, würde den Sinn der Erschaffung des Menschen zunichte machen, weil das menschliche Ego dem negativen Einfluss der luziferischen Kraft folgen würde, genau wie vor dem Engelsturz. Durch den Einfluss dieser Mächte würden den Menschen die Sinne für die äußere Welt geöffnet und zugleich ihre sinnlichen Begierden geweckt.

Hier auf Erden besteht die EINS aus einer Doppelgestalt, die in sich selbst ruht und im Gleichgewicht ist. Dieses EINSsein – die Harmonie, der Gleichklang – kann hier jedoch nur bestehen, wenn es sich spiegeln kann – die Welt der EINheit in der Welt der ZWEIheit. Nur so kann der höchstmögliche Glückszustand gebildet werden – eine Erinnerung an die Glückseligkeit der himmlischen Sphären.

1. Mose 3,22:
Und Gott der Herr sprach:
„Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner,
dass er weiß, was gut und böse ist.
Nun aber, dass er nur nicht seine Hand ausstrecke
und auch von dem Baume des Lebens breche
und ewig lebe!“

Der Sündenfall

Gott erschuf die Welt, weil er das Leid der Gefallenen mildern wollte. Er dachte, dieses Geschenk würde die Menschen erinnern und beglücken. Das ist der Sinn der ganzen Schöpfung. Aber die Menschen nahmen dieses Geschenk nicht an.
Wir schufen dieses Universum und die Erde aus Liebe und gaben den gefallenen Geistern die Möglichkeit, aus Liebe zu Gott zurückzukehren. Der Mensch wurde geschaffen nach Gottes Bild und Gleichnis, mit dem Lichtfunken und den Ur-Eigenschaften der EINheit in sich, Mann und Frau als ein Wesen.

Die ersten Menschen konnten den Sinn ihres Daseins nicht erkennen. Ihre Erinnerung war nahezu ausgelöscht. Sie kannten auch das Leid der Verlassenheit in der Welt der Fülle noch nicht, die erlöst und zum Ursprung zurückgebracht werden will. Der Mensch sollte selbst das Verlangen zur Aufhebung der Trennung und der Dualität entwickeln. Erst in dieser Situation würde er begreifen, wie sehr wir, die wir selbst die Trennung entstehen ließen, und die Welt erschufen, das Ende des Prozesses der Wiedervereinigung mit den abgespalteten Sphären herbeisehnten.

Als der Mensch in männlich und weiblich geteilt wurde, sollte seine Sehnsucht nach dem EINS-werden erwachen und dieses Sehnen sollte sich auf alle Stufen, bis hin zu Gott, ausweiten.

Mit der Zeit kannte das erste Menschenpaar jeden Winkel des Paradieses, und sie ließen sich in der Nähe des Euphrats nieder, der einer der vier Flussarme des Stromes war, der den Garten bewässerte.

Adam, der als Geistgeschöpf in der alltäglichen Wahrnehmung die Zeit bisher nicht empfunden hatte, trug nun schwer an der Eigenschaft der Wasser-Seite des Weltlichen, an ihrer Trägheit, die die irdische Zeitdauer beherrscht, gemessen an der überirdischen Geschwindigkeit des Lichts.

Zum ersten Mal fühlte Adam seine Halbheit und das Verlangen nach Vereinigung mit seiner anderen, weiblichen Hälfte. Beide suchen die Verbindung, doch bald schon mussten sie einsehen, dass diese nur noch im Körperlichen stattfinden kann. Die Seele kann keine stabile Brücke mehr bauen und mit dem Körper eine dauerhaft harmonische Einheit bilden. Sie merkten, dass der Körper eigene Wege geht. So fühlten sie zum ersten Mal das Leid der Trennung.
Adam wurde sich nun seines Versagens bewusst. Schon auf der Ebene der EINS hatte er nicht verstanden, dass er das, was getrennt ist, auf der Ebene der Polarität nicht zum Ursprung zurückführen konnte.

So suchte Adam, als männlicher Teil der einstigen Einheit des geistigen Menschen, auch weiterhin nach einer Möglichkeit, das Wesentliche, Göttliche, anzustreben. Die Frau aber bildete mit ihrem Wahrnehmungsvermögen den mehr auf den Körper ausgerichteten sinnlichen Teil.

Beide trugen die naturbedingte Anlage zur Fortpflanzung in sich, was das tierische, instinktive Verhalten erweckte. Diese neue Eigenschaft war ihrem geistigen Ursprung völlig wesensfremd. Diese Kraft, sich weiter fortzupflanzen, war ihnen gegeben, um den gefallenen Geistern, durch das Eingeboren werden ins Fleisch, die Möglichkeit zu geben, sich auf Erden weiter zu entfalten, um geläutert die Stufen des Totenreiches aufzusteigen und später nach Hause zurückzukehren.
Dieser Fortpflanzungswille trug jedoch die Kraft der Entwicklung in sich, welche sich unentwegt ausbreiten will, ohne stillzustehen. In dieser Fülle verbirgt sich die Kraft der ZWEIheit. Hier kann das Tierische zur größten Entfaltung kommen.
Das wusste auch Luzifer. Für ihn steht das Symbol der listigen Schlange, die, zunächst lautlos über die Erde gleitend, urplötzlich zustößt und dem Menschen eine Entscheidung zwischen gut und böse abverlangt. Die Schlange ist das Tier, das der Materie am Nächsten ist, weil es durch den Staub des Erdbodens kriecht.

Luzifer, der mir im himmlischen Bereich nach meinem Thron getrachtet hatte, nahm nun die Gelegenheit wahr, diesen Messias-Thron auf Erden zu besetzen. Er bot den Menschen und den ihm untergebenen Dämonen ein Königreich auf dieser Welt, das Reich der nicht endenden Fülle und Entwicklung. Und dies machte er den ersten Menschen zum Angebot.

Die Frau geht, aufgrund ihrer Wahrnehmung und Sinnlichkeit, zuerst darauf ein. Der körperliche Messias hat viel zu bieten! Er zeigt ihr den Weg der Selbstständigkeit, den Weg der Sinnbefriedigung und des Genusses, auch auf materiellem und verstandesmäßigem Gebiet. Die Frau ergriff die Initiative; Adam folgte bereitwillig nach. So war die Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen genommen.

Das geteilte Ebenbild Gottes konnte als Mann und Frau körperlich eigene Wege gehen. Für die Seele war dies ein Verirren, eine Abwendung von Gott. Über die Seele erkrankte der Körper, weil täglich ein Balanceakt zu vollziehen war, um sich nicht gänzlich in dieser Vielfalt zu verlieren, aus der es kein Zurück geben kann, nur ein stetiges Wachsen und Weitergehen.

Doch diese Möglichkeit der Umkehr, zurück zur EINheit, hatten wir, die Entwicklung voraussehend, schon bedacht, damit der Mensch nicht ganz verloren geht. Das würde er nämlich auf dem Weg „der Schlange“, denn der führt unweigerlich in den Untergang.

Der „Herr dieser Welt“ bietet den Menschen an, selbst zu erschaffen. Satan will die Welt von Gott befreien und verspricht die Erlösung nach weltlichen Maßstäben. Dies steht im Gegensatz zur Rückkehr in die höheren, geistigen Welten, was reinstes, höheres Bewusstsein voraussetzt. Erst, wenn der Mensch sich die Existenz dieser höheren, anderen Welt wie-der bewusst gemacht hat, wird er einsehen können, dass der Weg der Schlange nicht der richtige sein kann. Denn alles, was die Welt der Materie zu bieten hat, ist vergänglich. Nichts davon hat Bestand, nichts wird die Zeiten überdauern, genauso wenig der Mensch.
Satan will verhindern, dass sich die Menschen an Gott und mich, als den wahren Messias erinnern. Dadurch werden sie nach ihrem Tod immer wieder in sein Reich zurückkehren müssen, aus der es damals noch kein Entrinnen geben konnte. Deshalb glaubten die Menschen an einen fernen Tag der Wiederauferstehung und erlebten die Zwischenzeiten in der Jenseitswelt teilweise in völliger Bewusstlosigkeit. Erst langsam bildete sich ein Seelenkörper, der sie diese Zeit bewusst erleben ließ und der alle Persönlichkeiten der früheren Erdenleben in sich barg.

Als die ersten Menschen die Früchte des Baumes der Erkenntnis aßen, war dies ein Sinnbild dafür, dass sie sich die ganze Welt verinnerlichen sollten. Sie sollte ein Teil von ihnen werden. Das Wesen des Guten und Bösen hingegen, sollten sie nicht in sich aufnehmen. Adam sollte die Gefallenen durch die von Gott gegebene Schöpfung zum Ursprung zurückführen. Der Mensch sollte allen Dingen auf den Grund gehen, das Wesentliche betrachten und nicht nur nach dem Äußeren urteilen. Dazu war er nicht fähig, sondern nur Gott.

Gott wollte den Menschen das höchste Glück schenken. Er schuf sie nicht, um sie zu bestrafen oder durch eine nicht zu erfüllende Weisung zu Fall zu bringen.
Der Garten Eden war ein Ort, an dem Adam und Eva leben konnten, solange sie die Kraft der ZWEIheit nicht in sich aufgenommen hatten. Sie wählten für sich den Weg der scheinbaren Freiheit, den Weg der Entwicklung, der auf den Gegensätzen basierte. Dieser brachte dem Leben den Tod. So zeigte es das Bild der ZWEIheit. Etwas anderes konnten die Menschen nicht mehr wahrnehmen. Mit ihrer Wahl kam das moralische Übel in die Welt.
Hätte der Mensch die ZWEIheit nicht in sich aufgenommen, würde er zwischen Leben und Tod keinen Unterschied sehen. Leben wäre für ihn das Erscheinen in der materiellen Welt, das jedoch im Ursprung wurzelt. Alles, was ihm im Leben widerfährt, würde er damit verbinden. Der Tod wäre dann nur ein Fortgehen aus der Welt der Erscheinung und eine Rückkehr zum Ursprung, nach Hause.
Die paradiesischen Zustände gingen für Adam und Eva mit dem Essen der Frucht und der Annahme der ZWEIheit verloren. Ihre Gier vertrieb sie aus dem Garten.
Es inkarnierten nun viele der gefallenen Geister in menschliche Körper, überall auf der Welt, in unterschiedlichen Rassen, die von den ehemaligen Himmelsfürsten bestimmt waren.
Die Menschen hatten ihre körperlichen Augen für die Dinge der Welt geöffnet und verschlossen ihre inneren Augen für die geistigen Dinge. Adam und Eva wollten sich verbergen vor Gott, sich lösen von ihm und bemerkten gleichzeitig die Nacktheit, die Verwundbarkeit Ihrer Körper, die sich unbeherrscht gaben und ihren eigenen Weg gehen wollten.
Der Weg des Menschen stand von nun an im Widerspruch zum Sinn seines Erscheinens in der Welt. Der Weg zurück war ihm versperrt. Er fand sich in einer fühlbar anderen Welt wieder und musste gezwungenermaßen alle negativen Dinge des Lebens und der Körperlichkeit kennenlernen.
Von nun an musste er den Weg durch die Zeit gehen, und erst, wenn er diesen, für ihn scheinbar unendlich langen Weg gegangen ist, wird er ins himmlische Paradies zurückkehren können.

Das Erscheinen in der Welt

Es war eine dunkle Zeit, in die ich hineingeboren wurde. Eine Welt voller Grausamkeiten, in der das jüdische Hohepriestertum neben dem römischen Imperium regierte, lange nachdem Ägypten endgültig seine Unabhängigkeit in der antiken Welt verloren hatte.

Kurz vor meiner Geburt erhielt der römische Kaiser Augustus den Titel Pater patriae, was bedeutet „Vater des Vaterlandes“. Augustus, von dem man sagte, dass er stets als Sohn seines vergöttlichten Vaters Cäsar auftrat, ging damals neue Wege. Der Kaiser, der sich als Herrscher über die Ostprovinzen üblicherweise in religiöser Verehrung anbeten ließ, verbot sämtliche Kulthandlungen, die sich rein auf ihn als Person bezogen.

Er wollte das Finanzwesen reformieren, was ihn veranlasste, die Provinzen des römischen Herrschaftsgebietes einer gründlichen Steuerprüfung zu unterziehen. Dies geschah, als Quintilius Varus Proconsul in Syrien war. Für die jüdische Bevölkerung war der ihnen auferlegte Zensus ein Gräuel, weil die Abgabe ihre Freiheiten beschnitt und die römische Staatskasse füllte. So nahm der damals im Dienste des Varus stehende Quirinus die 1. Zählung in Syrien und Palästina vor. Eine 2. folgte zehn Jahre nach dem Tod des Herodes, nachdem dessen Sohn Archelaus verbannt worden war. Quirinus übernahm als Nachfolger des Varus die Stadthalterei Syriens und musste nun Judäa in eine Provinz des römischen Reiches umwandeln. Das Volk, das bereits lange unter dem Druck der Herodes Herrschaft gelitten hatte, der sich die römische Oberherrschaft in der Provinz zu Nutzen machte, sah sich nunmehr einer noch viel stärkeren Macht und Willkür ausgesetzt. Das römische Joch wurde rücksichtslos auf die Bevölkerung gelegt, um es zu erniedrigen und Befehlsgewalt auszuüben.

Das Judentum erwartete sehnsüchtig den in den alten Schriften angekündigten Messias, der sie aus dieser Unterdrückung befreien sollte. Der Heiland, den sich die Hohenpriester erhofften, war ein weltlicher Messias, der ihnen ein Leben in Fülle erstreiten sollte. Sie merkten gar nicht, wie sehr sie sich durch ihr Begehren dem „Herrn der Welt“ geöffnet und ihre Seelen dem Geistlichen verschlossen hatten.

Gott lenkt das Geschick der Menschheit, auch wenn es im Weltlichen wie ein zufälliges Ereignis aussehen mag. So waren Ort und Zeitpunkt meiner Geburt lange vorherbestimmt. Die alten Propheten schrieben davon. Im Buch Jesaja war ich als Gottesknecht angekündigt, der viele Völker in Erstaunen versetzen und die Könige dieser Welt zum Schweigen bringen sollte. Denn wie Regen und Schnee vom Himmel herabkommen und nicht in der gleichen Form wieder zurückkehren, sondern zuvor die Erde tränken und nähren, dass sie fruchtbar wird, so sollte in den Menschen durch mich eine Saat gelegt werden, die sich zu Korn und schließlich in Brot verwandeln sollte. Denn die Menschen lebten vom Brot des Himmels, doch es war ihnen nicht mehr bewusst. Ich hatte eine Entwicklung in Gang zu setzen, die langzeitig wirkt und einen Wandel in den Köpfen und Herzen der Menschen herbeiführt.

Die Welt drohte unter dem Einfluss des Bösen zu verderben. Mich zürnte die menschliche Habgier und Schuld dieser Lügenbrut, die nur Machtdenken und Hass in sich hatte. Sie lästerten Gott und dienten ihren Götzen wie damals vor der Sintflut. Ihre Sinne waren für das Göttliche verschlossen, ihre Gebete Lippenbekenntnisse, denn sie sahen nur das Äußere und hielten es für gut. Wenn die Pharisäer und Schriftgelehrten mit erhabenem Gang und Faltenwurf im Gewand mit aufgesetzter Frömmigkeit prahlten, beugte sich das Volk ehrfürchtig und ängstlich. Wie gesäuertes Brot blähten die Priester sich auf und machten sich wichtig durch falsche Lehren und nahmen den Menschen die Wahrheit, dass Gott das Wort ist und nicht sie.

Als ich Mose vor Urzeiten zum Berg Sinai geleitete, ging ich selbst ihm als Engel voran. Nun sollte ein anderer Engel meine Ankunft verkündigen. Mit meiner Geburt sollte das Ewige dem Vergänglichen begegnen. In Johannes war der Engel geboren, der diesen Bund betreuen sollte. Er sollte meiner Geburt und mir vorausgehen. Dem Zacharias und seiner Frau Elisabeth, die von ihrem Alter her keine Kinder mehr bekommen konnte, wurde die himmlische Gnade einer Schwangerschaft zuteil, welche der Engel Gabriel angekündigt hatte. Ihr Sohn trug bereits im Mutterleib das Erkennen dieser Gnade in sich, denn er kam in Gott gereift zur Welt, in ihm Elias Geist.

Ein halbes Jahr später wurde Maria (hebräisch Mirjam) aus Nazareth in Galiläa dieselbe Gnade zuteil. Meine Mutter war damals eine junge Frau von 12 Jahren, die verlobt war mit Joseph, einem Zimmermann und Baumeister. Der Engel Gabriel offenbarte auch ihr in einer Vision eine Schwangerschaft und kündigte an, dass ihr etwas noch nie Dagewesenes widerfahren würde.
„Begnadete, der Herr sei mit dir. Du hast Gnade gefunden bei Gott!“, wurde Maria von Gabriel begrüßt, als er seine Botschaft überbrachte.
Kein Mann würde ihr beiwohnen, sondern der Heilige Geist würde ihr ein Kind in den Schoß legen, einen Sohn.

Nichts Berechenbares, sondern etwas Außergewöhnliches war ihr als Geschenk überreicht worden. Das im weltlichen Sinne Unmögliche sollte an ihr geschehen. Der „Sohn Gottes“ wollte im menschlichen Fleisch geboren werden, um die Menschheit und die im Totenreich Gefangenen zu erlösen. Im Zeichen der Jungfrau sollte der neue Mensch und die neue Welt entstehen. Die Welt sollte nicht schwanger sein durch die Materie, sondern allein durch die Zeugung des Heiligen Geistes. Das sollte die Menschen zu ihrer Bestimmung zurückführen, und das aus dieser Zeugung Entstehende sollte ewig sein.

Ohne Erbarmen und Gnade konnte die Erlösung nicht stattfinden. Mirjams Name trug dies als Zeichen in sich. Er machte deutlich, dass sie nur durch dies Erbarmen imstande sein würde, allen Schmerz und alle Bitterkeit ihres Schicksals zu ertragen.

Die Prophezeiungen der alten Schriften erfüllten sich. Der Messias sollte aus einem Sohn des Stammes David hervorgehen. Zu diesen Nachfahren des israelitischen Königs David gehörte Joseph, der im bereits betagten Alter mit Maria verlobt war.

Als nun die Zeit anbrach, in der Maria gebären sollte, begann ihr 13. Lebensjahr. Nun war die Zeit reif für die Geburt des Erlösers, denn alles Übernatürliche, Geheimnisvolle, aus der göttlichen EINheit stammende, trägt im Hebräischen die Zahlen 5, 8 und 13 als Zeichen.

Biblisches Wort

„Ist die Bibel journalistisch wahr?
Dann müsste man sie als Geschichtsbuch alter Zeiten ansehen.
Und dann wäre sie zum Großteil unwahr, unglaubwürdig.
Brauchbar wären dann nur gewisse Verse und Stellen, die einem gerade passen. Und die Wissenschaft spezialisiert, differenziert so gerne.
Der Teufel liebt den Scherbenhaufen, die Dämonen hausen gerne in Ruinen.” 


– Friedrich Weinreb –

Was das biblische Wort betrifft…

so muss man Gottes Wort und das der Menschen immer gut voneinander trennen. Die biblischen Geschichten sind voll von Beispielen, wie der Mensch Gott erfahren kann. Und darüber kann der Leser eine Art und Weise lernen, wie er diese Erfahrungen in sich selber machen kann. Darum geht es ja eigentlich in der Mystik: Die Gotteserfahrung im eigenen Innern zu machen. Die  institutionalisierten Religionen stehen da oft im Weg, weil sie einem die Erfahrung abnehmen wollen und behaupten, es „besser“ zu wissen. Deshalb bin ich gegenüber der Kirche sehr kritisch. Ich meine aber, dass die Bibel schon viele Möglichkeiten bietet, sich in die Gotteserfahrung einzuüben.

Ich persönlich brauche die Freiheit auch in Glaubensdingen. Insofern bin ich kirchlich-dogmatisch gar nicht festgelegt – aber ich bin in diese Tradition hineingeboren worden, und das wird auch einen Sinn haben, so dass ich sie nicht einfach ablegen kann. Trotzdem bin ich offen für alle Erfahrungen. Insbesondere meine ich, dass der Dialog die besten Voraussetzungen bietet, sich seiner selbst bewusst zu werden.

Das Thema „Zeit“ ist ein ganz entscheidendes. Ich halte nichts davon, den „Jüngsten Tag“ auf ein materielles und fernes Geschehen zu beziehen. Das „Gericht“ findet heute (ist das nicht immer der „Jüngste“ Tag?) und stets in einem selber statt. Es ist auch vom Grund her ein seelisches Ereignis, kein körperliches. Deshalb stehe ich Erfahrungen der Reinkarnation ganz offen gegenüber. Dafür sind die Begriffe „Diesseits“ und „Jenseits“ ganz wichtig. „Hier“ ist Zeit und Raum, „dort“ ist Geist und Ewigkeit. Und Diesseits und Jenseits haben eine gemeinsame Wurzel wie die beiden Bäume im Paradies. In der jüdischen Tradition spielt die Reinkarnation (Seelenwanderung, Gilgul) auch eine wichtige Rolle. Man kann sich als Christ durchaus in dieses Gedankengut hineinfinden, wenn man aufgibt, alles nur zeitlich-materiell eng zu führen.

Ich sehe die Verbindung der Gegensätze als eigentliche Aufgabe der Menschen. Die biblische Erzählung vom Paradies weiß das bereits, wenn sie davon redet, dass es zwei Bäume im Garten Eden gibt (Gen 2,9): Den Baum der Erkenntnis (der die Entwicklung repräsentiert – also die Zeit) und den Baum des Lebens (der für die Ewigkeit steht, also das Sein). Die jüdische Tradition sagt, dass diese beiden Bäume eine gemeinsame Wurzel haben. In der gleichen Weise teilt sich der eine Fluss im Paradies in vier Arme, die die Dimensionen der Welt repräsentieren. Die „Vier“ sind eigentlich „Eins“. Das nennt die Alchemie die „Quintessenz“. Und das liegt tatsächlich auf der Hand (…der Daumen ist wie die 1 gegenüber der 4 – und nur so können wir be-greifen…). Solche Assoziationen und Verbindungen sind doch das Wesentliche für den Menschen und nicht die Abspaltung in Konfessionen oder Parteien.

Die historisch-kritische Exegese ist ein fruchtloser Weg, der nichts bringt, außer Rechthaberei und Selbstgefälligkeit. Die Bibel ist fürS mich eine spirituell strukturierte Quelle von Gottes- und Welterkenntnis. Fundamentalismus ist hier fehl am Platze. Die Fundamentalisten nehmen die Bibel nämlich wörtlich – und zwar völlig geistlos. Wenn man das tut, kommt man im Fall der Jungfrauengeburt zu medizinischen Wundern oder im Fall der Schöpfung zum Kreationismus oder bei der Stadt Jerusalem zu Mord und Totschlag. Es wäre jedenfalls eine unendliche Spirale der Gewalt. Kurz: Die geistlose Lektüre der Bibel führt geradewegs in vielfältige Katastrophen.   
 
Jeder Mensch wird seine eigenen Weisheits- und Erlösungsquellen haben. Wer intensiv sucht, wird sie bestimmt überall finden. Nur der leichte, breite, weltlich orientierte Weg wird bestimmt nicht dorthin führen.

Deshalb wünsche ich uns allen die Erfahrung des „schmalen“ Weges, der ohne Umwege eine schnelle Rückkehr nach Hause möglich macht!
 


Erlösung kommt von innen, nicht von außen
und wird erworben nur und nicht geschenkt.
Sie ist die Kraft des Innern, die von draußen
rückstrahlend deines Schicksals Ströme lenkt.
Was fürchtest du? Es kann dir nur begegnen,
was dir gemäß und was dir dienlich ist.
Ich weiß den Tag, da du dein Leid wirst segnen,
das dich gelehrt zu werden, was du bist.

<Ephides>

Verlorenes Paradies

Es geht ein Hoffen um die Welt,
 ein altes Sehnen,
 
ein Streben, frei vom Drang nach Geld,
befreit von Tränen,
 
es ist die Suche nach dem Glück,
für ewig gar,
 
bringt uns das Paradies zurück,
wie’s damals war,
 
in dem nur dornenlose Rosen stehen
und alle Lebensräder rückwärts drehen;
 
in dem es keine Sünde gibt,
nur einen Gott, der uns unendlich liebt.