Heimspiel

Nimm meinen Trost: Nicht du bist heimatlos,
das sind die andern, die des Lichts vergessen.
Ruf sie zurück! Des Vaters Haus ist groß.

<Ephides>

Heimspiel klingt im ersten Moment nach einem sportlichen Ereignis, das im Stadion eines örtlich ansässigen Vereins stattfinden soll. Dort kann man dann den Heimvorteil nutzen, denn für viele Anhänger, die einem begeistert zujubeln, siegt es sich leichter. Da schadet es auch nicht, wenn sich die Mannschaft aus Spielern verschiedener Nationalitäten zusammensetzt, die gewiss dort nicht zu Hause sind. Denen ist es ganz gleich, für welchen Verein sie spielen, wenn nur die Bezahlung stimmt. Daheim spielt man das meiste Geld in die Kassen – ganz unsentimental.

Der Geburtsort, der im Pass steht, macht noch kein Heimatgefühl. Ich denke, man ist dort daheim, wo man geliebt wird, wo Menschen sind, denen man vertrauen kann, von denen man angenommen wird. In familiären Kreisen sollte das so sein, doch oft herrscht dort genau das Gegenteil. Familie kann formend oder zerstörend sein; man findet dort entweder Zuwendung oder Ablehnung. Die Gene spielen dabei keine große Rolle. Man bleibt sich trotz der Blutsverwandtschaft ein Leben lang fremd. Heimat ist demnach nicht gleich Familie.

Es gibt Momente im Leben, da fühlt man sich wie ein Außerirdischer; besonders dann, wenn man nicht „dem Rudel“ folgt, sondern ganz eigene Wege geht. Nach vielen Erfahrungen kann man der weltlichen Be-geisterung irgendwann nicht mehr viel abgewinnen; dann erst wendet man sich nach innen. Die irdische ‚Schwerkraft‘ zieht so stark herunter, dass es Mühe macht, das Profane vom Heiligen zu unterscheiden. In solchen Lebenssituationen sehnt man sich eine ganz andere Heimat herbei, einen Garten Eden, ein reines, heiliges Haus…das Haus Gottes.

Die Stille ist die Heimat, aus der wir kommen, der Schoß der Mutter, in den wir zurückkehren möchten. Sie ist ein Kraft spendender Speicher, der uns die Tage leichter ertragen lässt. Wenn wir das Eins-sein mit Gott trotz der weltlichen Getrenntheit spüren, dann zieht es uns hin zur Stille. Dort können wir wieder heilen und vollkommen werden.

Aber da gab es noch einen anderen Heimatlosen, vor 2000 Jahren, der von sich sagte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“. Wie mag er sich gefühlt haben? Wie einsam muss er gewesen sein; weltverlassen und doch ganz und gar vom Göttlichen… von Heimat erfüllt!

Licht der Welt

Ary Scheffer 1795 – 1858

Du bist mir begegnet vor ewigen Zeiten,
manch endlose Nacht hab ich Deiner gedacht.
Dein Name wird mich in die Zukunft geleiten,
Du hast manchen Sturm mir im Herzen entfacht.
 
Gesät hast Du Liebe in vielerlei Worten,
gepflanzt wie die Rose – von Dornen befreit.
Geleuchtet hast Du mir an finstersten Orten,
warst Licht mir, hast Blüten auf Wege gestreut.
 
Durch brennende Welten hast Du mich getragen,
gekühlt von des Windes balsamischem Hauch.
Hast Dichterworte in Felsen geschlagen,
bist Sonne mir und Morgenstern auch.
 
Du sendest Worte mit Wahrheit zum Herzen,
versiegelst sie dort im göttlichen Innen,
erhellst die Schatten mit himmlischen Kerzen,
füllst dunkelste Nächte mit heiligem Schwingen.

Ich, Jesus Christus, Gottessohn und Knecht

Gustav Doré 1832-1883

Romanfragment von Gisela Seidel

Dieser Teil ist meine eigene Auffassung der biblischen Geschichte und dient gewissen Fragen zum besseren Verständnis. Der Roman wird nicht fortgeführt.

Joh 1,1:
Im Anfang war das Wort,
und das Wort war bei Gott,
und das Wort war Gott.
Dieses war im Anfang bei Gott.
Alle Dinge sind durch dasselbe geworden,
und ohne das Wort ist auch nicht eines geworden,
das geworden ist.
In ihm war Leben,
und das Leben war das Licht für die Menschen.
Und das Licht scheint in der Finsternis,
und die Finsternis hat es nicht angenommen.

PROLOG

Wie ein Windhauch kam ich in diese Welt, um einen Sturm zu entfachen. Es galt den Plan des Vaters auszuführen, ihm und euch Menschen zu dienen, die ihr unsere Schöpfung seid. Wir konnten alljene, die einst ihrem eigenen Maß und Willen folgend, ungehorsam geworden waren, nicht in der Finsternis belassen, weil sie ein Teil von uns gewesen sind. Durch ihr Dunkelsein blieb auch ein Teil von uns dunkel und das schon über viele tausend Jahre lang. So ist es noch immer. Die Finsternis wartet darauf, erlöst zu werden.

Aus unserem Geist erschaffen, hatten die Menschen in ihrer Bewusstlosigkeit ihre Gotteskindschaft völlig vergessen. Das war die geistige Finsternis, in der kein Licht zu ihnen dringen konnte.

Sie hatten ihre Lichtkörper verhärtet und dunkel gemacht. Ihr Geisteslicht war umgeben von harten Schalen, die immer fester und dichter wurden. Dem Eis glichen sie, das verhärtet und kalt nicht mehr das Fließen kennt und alle positiven Aspekte verloren hat. Befruchtend und lebendig seid ihr einst aus der göttlichen Quelle entsprungen. Die Kälte und Härte eures Wesens machte euch brüchig und brachte den Tod.

Wir müssen euch erinnern, dass in euch ein göttliches Licht schlummert, damit ihr die Schalen um euch zerbrecht. Das höhere Bewusstsein ist die Erinnerung an eure Urkraft, an den Ursprung, an das Zuhause, das ihr einst verlassen musstet, als ihr euch gegen mich stelltet.

Wenn diese Erinnerung nicht wäre, die Erinnerung an die göttliche Kraft in euch Menschen, auch wenn diese Macht noch gebunden ist und ihr unfähig seid, sie in eurer Körperlichkeit anzuwenden, wie könnte aus Eis je wieder Wasser werden?

Ihr alle tragt in eurer Erstarrung das Wissen und die Macht der Erlösung in euch. In eurem beengten Bewusstsein und der eingeschränkten Sichtweise, die ihr habt, seht ihr euch als begrenzte Wesen. Dann nämlich herrscht euer Körper über den Geist und wird Herr eurer Seele. Dadurch erschafft ihr eure Krankheiten und euer Unglück und werdet überwältigt von eurer Körperlichkeit, die an Stelle eures Geistes regiert. Es überwältigen euch der Zorn, der Hass, die Wut, die Angst – ihr seid dann „außer euch“ und Satan ist in euch. 

Ihr müsst wieder ein fließender Strom des lebendigen Wassers werden, das auch in der Abgesondertheit und Beschränktheit und Erstarrung dennoch alle Macht und alles Wissen um diese Macht besitzt. Ihr selbst müsst das Eis zum Schmelzen bringen und die Macht des Winters und der Dunkelheit brechen. Indem ihr euch selbst aus der Starre erlöst, erlöst ihr auch die anderen.

So wie ihr, sind alle erschaffenen Wesen und Dinge in ihren vielen Formen nur vorübergehende Erscheinungen. Das Wiedererinnern wird all diese Formen zerbrechen und zu ihrem wahren Selbst zurückführen. Die Welt und alles, was darin zu finden ist, ist erstarrter Geist. Die Erstarrung wird sich lösen und vergehen. Das ist ein langwieriger Prozess.

Erkenntnis will ich euch bringen. Brücken schlagen zwischen den Bewusstseinswelten und euer Erinnern wecken. Dadurch findet ihr zurück und werdet aus der Welt der Materie das Erkennen eures göttlichen Selbst mitbringen, das sich an vielen Erfahrungen, Formen und Zuständen veredelt hat.

Aus den Elementen der Erde erschaffen, als ungeschliffene Edelsteine verhärtet, seid ihr in die Welt der Vielfalt gezogen, als glänzende Diamanten werdet ihr einst nach Hause zurückkehren.

Mose 1,26:
Und Gott sprach:
„Lasset uns Menschen machen,
nach unserem Bilde, uns ähnlich.“

Die Schöpfung der Welten, Geister und Menschen

Jenseits von Raum und Zeit entsprang die Quelle des Seins. Am Anfang war das Wort. Schon vor dem Wort war Gott. Gott hat keinen Anfang. Er WAR, IST und wird immer SEIN.
Lange bevor ich mit Namen Jehoshua (Jesus) in die materielle Welt geboren wurde, existierte ich bereits als Bild vom ewigen Menschen in meines Vaters Urgeist, der mich schuf und in sich trug seit Äonen von Ewigkeiten. Ich bin Teil des allmächtigen Gottes und erschaffe durch ihn. Mir, dem Gott gleichen Geist, unterstanden alle nach mir erschaffenen Geister und Kräfte. Alle dienten der Harmonie des reinen Ur-Geistes, der Vater und gleichzeitig Mutter aller Dinge ist. Dieses Prinzip vereint sich auch in mir.

So war ich als Christus der Erste vor allen anderen und besitze dies Erstrecht in allem, als Gottes einzig erschaffener Sohn. Der Vater und ich sind EINS, wir zusammen sind vereint im Heiligen Geist des reinsten Bewusstseins. Die reinen Energien, die wir schufen, dienen uns und euch zur Freude und dem Universum zur Ordnung. So vermehrten sich, in für Menschen unvorstellbar langen Zeiträumen, Engelwesen, die, gleichzeitig männlich und weiblich, die himmlischen Familien, Völkerschaften und Hierarchien – Chöre genannt – bildeten.
Hinzu kamen die „himmlischen Heerscharen“, die in den Schriften erwähnt sind. Euch Menschen begegnen sie als elementare Kräfte, in Wasser, Luft und Licht, aber auch in der Materie walten sie nach unserem Willen.
Das alles entstand durch mich, denn ich wirke durch meinen Vater. Jedes Geschöpf hat ewiges Leben, durch den Lichtfunken, den allein der Vater geben kann.
Der erste und höchste von mir erschaffene Geist war Luzifer, der „Lichtträger“. Er war der schönste und größte Engel im Himmel. Er zählte zu den Engelfürsten, die nach und nach durch mich ins Dasein traten. Insgesamt waren es sechs.
Als die Zahl der Engel ins Unermessliche wuchs, gab Gottvater mir die Führung über die Geister und salbte mich, den Messias, als den Herrscher über die Welten und König in Ewigkeit, den alle Geistwesen gehorsam dienen und anerkennen sollten.
Äonen von Jahre hindurch blieb die Harmonie der himmlischen Sphären erhalten, bis erste Misstöne durch Luzifer die Klänge verdarben, die sich mir in Form von Neid und Missgunst entgegenstellten. Er trachtete nach meinem Herrscherthron, wollte auch Schöpfer sein und begann mit vielen Engeln gegen mich zu handeln. Er wollte mir, dem geistigen Menschen, Adam Kadmon, nicht mehr dienen.
Wo wir zuvor nahezu im Gleichklang miteinander waren, wurde nun die Disharmonie lauter und lauter und drang durch alle Sphären, bis schließlich ein Großteil der Geisterwelt der Aufforderung Luzifers folgte und sich ihm anschloss, als er gegen mich rebellierte.
Gott blieb nichts anderes übrig, als Luzifer und sein Gefolge abzuspalten, weil er die Harmonie und die Liebe zerstört hätte, die im himmlischen Paradies Glückseligkeiten schafft. Der einst „strahlende Morgenstern“ verlor seinen Glanz und wurde mitsamt seiner Gefolgschaft in die Sphären der Finsternis verbannt, wo sie in ärgster Bedrängnis weiter existieren mussten.
Luzifer hatte viele Milliarden Lichtwesen mit sich in den Abgrund gezogen, und nachdem sein Aufstand niedergeschmettert worden war, blieben die guten Geister bestürzt zurück. Himmlische Gemeinschaften waren zerstört, die geistigen Familien getrennt. Auf den ursprünglichen Plätzen der Verbannten lagen dunkle Schatten.

Tiefgreifend hatte sich der Himmel verändert. Alle waren voller Trauer und hatten Mitleid mit den Gestürzten, doch der grauenhafte Kampf, der mit Flammenschwertern und geistigem Feuer gewonnen war, blieb allen ein Trauma. Ich selbst sah Luzifer, mein Geschöpf, wie einen Blitz vom Himmel fallen. Er riss alle mit sich in die Tiefe, Legionen und Fürsten, die ihm gefolgt waren, Millionen und Abermillionen von Wesen.
Michael, einer der treuen, führenden Erzengel, der meinem Wesen sehr ähnlich ist, geleitete die Gestürzten in die von Gott entfernteste aller Welten, in der tiefste Finsternis herrscht. Die Geistwesen verloren ihre Lichtkörper und verdunkelten sich. Ihr Wesen veränderte sich und die Disharmonie zu Gott verwandelte auch ihre Erscheinung in Hässlichkeit. Doch das Schlimmste war die geistige Dunkelheit, die sie erfüllte, die den göttlichen Funken, der in ihnen ist, schließlich ganz verfinsterte.
In dieser düsteren Stätte, fernab von den himmlischen Herrlichkeiten, herrschte Wut, Hass, Angst und Geschrei. Die Gestürzten zürnten Gottvater und mir, weil wir die Entwicklung nicht verhindert hatten, doch genauso verfluchten sie Luzifer, der nun seine Macht an denen ausließ, die ihm geblieben waren.
Es ist nicht unser Ansinnen, in einen laufenden Prozess einzugreifen oder ihn gar zu verhindern. Wir lassen allem die völlige Freiheit. Jedoch versuchen wir das Resultat zum Guten zu wenden und das Geschehene durch Führung zu erlösen.
Nach und nach verloren die Gefallenen ihr göttliches Bewusstsein und wurden zu geistig Toten. Ihre Lichtkörper waren dunkel und verhärteten sich. Sie verloren all ihre feinstoffliche Schönheit und spiegelten auch äußerlich das Missklingende ihrer Wesen wider. Je tiefer der Sturz, umso dunkler war nun der geistige Leib. Alle guten Eigenschaften, die ein Lichtwesen zuvor ausgemacht hatte, gingen verloren: Herzenswärme, Freundlichkeit, Frohsinn, Freude, Glücksempfinden, Harmonie und die Liebe. Sie wandelten sich ins Gegenteil. Ihr geistiges Licht war nahezu erloschen. Sie verloren das Gedächtnis und wussten nichts mehr von der Herrlichkeit, in der sie früher gelebt hatten. Sie existierten zwar weiter, aber als geistig Tote und waren für unsere himmlische Welt verloren.

Dennoch unterlag der Scheol der göttlichen Ordnung. Engel wachten darüber und grenzten Luzifers Machtbefugnisse ein.
Das Totenreich wurde in unterschiedliche Stufen unterteilt, die Schuldigen gerichtet und nach ihren Verschuldungen den entsprechenden Stufen zugewiesen. Dort gab es ein ewig langes Verweilen in Unseligkeit, Leiden und Verzweiflung, denn die Gottesferne ist wie ein brennendes Feuer. Je dunkler der Geistleib, desto schmerzlicher brennt der Lichtfunken, der niemals erlischt. Je nach Einsicht der Wesen bestand jedoch die Möglichkeit, innerhalb der Hölle in Besserungsstufen aufzusteigen.
Unter den Gefallenen waren Mitläufer und Anführer, Aktive und Passive. Gottvater wollte in seiner Liebe und Güte für die Reuefähigen eine Möglichkeit schaffen, zurück in die himmlischen Sphären zu gelangen. Doch ihr Bewusstsein war nicht mehr rein und musste eine lange Phase der Reinigung durchlaufen. Dafür sollte eine entsprechende Welt erschaffen werden. Diese vorübergehende Heimat sollte eine Stätte sein, die unseren Weisungen unterstand. Ein Schulungsort sollte entstehen, der dem himmlischen Paradies glich, jedoch mit festen Grenzen, die die Engel bewachten. Die Rückkehr von diesem Ort in die himmlischen Sphären sollte stufenweise erfolgen und war lediglich an eine einzige Bedingung geknüpft: Gehorsam gegenüber Gott, was auch bedeutete, dass die Geistwesen mich als ihren Herrn anerkennen mussten.

Das Paradies im göttlichen Bereich, war die Ebene der Wahrheit Gottes, die EINS ist. Auf dieser Ebene gibt es weder Gegensätze noch Raum und Zeit. Alles schwingt in völliger Klanggleichheit. Auf der Erde hingegen, wie wir die neue, materielle Stätte nannten, herrscht die ZWEI-Teilung, in der sich die Einheit Gottes im Zeitlichen manifestieren kann.

Und Gott, der Urgeist, sprach und aus dem Klang seiner zehn Schöpfungsworte formte er durch die „himmlischen Heerscharen“, Licht/Feuer, Wasser, Luft und Erde, das Universum. Gleichzeitig lag in jeder der einzelnen Schöpfungstaten die ZWEIheit. Das bestimmende Prinzip dieses Dualismus war männlich und weiblich, Licht und Wasser, hatte eine rechte und linke Seite, eine aktive und eine passive.
So wurde inmitten dieses unendlichen Raumes der Planet „Erde“ erschaffen, darauf der „Garten Eden“, über dem der göttliche Geist schwebte und die natürlichen und kosmischen Gesetze in Gang setzte, die eine fortwährende Entwicklung innerhalb ihrer Grenzen ermöglichten. Doch die Polarität war als Schatten des Abfalls geblieben und trennte die Welten in Diesseits und Jenseits, mit dem „Baum des Lebens“ darin, als Symbol für das Sein und Werden. Das Werden aber, das sich vom Sein abgetrennt hat, wurde Symbol für den „Baum der Erkenntnis“.

Nur wer die Einheit des Eins-Seins und des Eins-Werdens erkennen kann, kann auch die gemeinsamen Wurzeln dieser Bäume erkennen.

Mahnend ließ Gott diese in den Garten Eden pflanzen, die davor warnen sollten, dem Geist, der stets verneint, zu folgen. Ich war Luzifer gegensätzlich, wie das Sein dem Werden. Satan glaubte, nur durch seine eigenen Schöpfungen Sinnvolles schaffen zu können und hinderte die ihm folgenden Geister daran, sich an Gott und die Glückseligkeiten des ewigen Lebens zu erinnern. Jeder, der den Weg des Werdens, der Entwicklung, geht, nimmt die Frucht vom Baum der Erkenntnis. Gott gab den Menschen dazu die Willensfreiheit, doch er beschwor sie eindringlich, nicht von der Frucht zu nehmen, denn dann wäre der paradiesische Zustand dahin und das würde den Tod mit sich bringen, als das Gegenteil des Lebens und die Zweiheit würde auch hier Einkehr halten.
Der Geistmensch, der ursprünglich mit Gott und mit allem Geistlichen in Beziehung steht, über die Hellsicht verfügt und Gewalt über physikalische Vorgänge hat, würde dies alles verlieren, sobald er der Polarität unterworfen ist. Ihm, der geistig einst das ganze Weltall in Zeit und Raum erfüllte, würde alles fremd, feindlich und als für ihn verschlossen empfinden. Das einstige Lichtwesen würde den Schlüssel zum Zugang zu seiner Ur-Quelle verlieren, welchen er im Sinne der Erfüllung seines Daseins grundlegend besitzt, wenn es als Mensch den Weg der Entwicklung betritt.

Von nun an gab es die ZWEIseitigkeit der Schöpfung, als männlich und weiblich, als Verborgenheit und Erscheinung, als unfassbar und fassbar, kausal und a-kausal, als Sein und Werden.

Der Geist eines einstigen Himmelsfürsten aus der obersten Stufe des Totenreiches war ausgesucht. Er inkarnierte im Garten Eden in den ersten erschaffenen Menschenleib. Um in der Erd-Atmosphäre leben zu können, musste er einen materiellen Körper erhalten, der alle Bestandteile der vier Elemente in sich trug. Fortan wurde er Adam „ich gleiche“ genannt, weil er mir, dem geistigen Menschen „Adam Kadmon“ glich.

Er erhielt nicht nur einen Körper, aus Erde geformt, sondern eine Seele aus dem Geist Gottes, vom Geist bewirktes Talent, Charakter, Wille und einen instinktiven Lebenstrieb. So sind die Instinkte dem Körperlichen verbunden, wobei die Seele aus dem Geist Gottes mit der Göttlichen verbunden ist.

Von Engeln wurde Adam in die paradiesische Ebene hineingeführt. Sie zeigten ihm die Grenzen des Reiches und hielten ihn an, die göttlichen Weisungen einzuhalten und alle Tiere und Vögel mit Namen zu versehen. Gott machte die mögliche Rückkehr der Gefallenen allein von Adams Gehorsam abhängig. So war er zum Prüfstein geworden.

Gott allein hatte den Überblick über den ganzen Garten, der in einer riesigen Fläche zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris lag. Wo zu Beginn der Schöpfung das Licht im Vordergrund gestanden hatte, war der irdische Charakter nun vom Wasser bestimmt.

Auf geistiger Ebene stand Adam anfangs noch in ständiger Verbindung mit Gott, der von nun an sein HERR war. Die heiligen Geister, die ihn unterwiesen und vor Luzifer warnten, der mit Geistesmacht versuchte, in diese Sphäre einzudringen, waren stets zugegen.

Die Engel Gottes mahnten Adam zur Vorsicht, denn Luzifer und seine Helfer würden auch in ihn einzudringen versuchen, um ihn zu beeinflussen und fehlzuleiten. Er müsse sich entscheiden, ob er Gottes Stimme oder der von Luzifer folgen wollte. Das war die Prüfung: Er sollte dem göttlichen Willen folgen und die Harmonie der Welten wiederherstellen.
Nach einer langen Zeit des Alleinseins in der Abgeschiedenheit, die Adam zusammen mit den Tieren verlebte, wurde er betrübt, denn er vermisste eine andere Seele, die ihm ähnlich war. Da kein Mensch allein sein sollte, wurde aus dem Urgeist Adams, dem noch das männliche und weibliche Prinzip innewohnte, schon vor der Erschaffung der materiellen Ebene der größte Teil des Weiblichen abgespalten und dafür ein passender Körper erschaffen. In Adam blieb allein der Großteil des Männlichen zurück.

„Die Männin“, war fortan die Gefährtin an Adams Seite und sie fühlten sich einander verbunden, als seien sie ein Leib und eine Seele und ein gemeinsamer Geist. Sie durchstreiften zusammen den Garten, und solange sie mit Gott und somit auch mit sich selbst in Einklang waren und sich an dessen Weisungen hielten, waren Liebe, Harmonie und Frieden mit ihnen. Es wurde ihnen zur Aufgabe gemacht, den Garten zu behüten und zu bebauen und das Wesen der ZWEIheit nicht in sich aufzunehmen, sondern die Harmonie aus der Zeit vor der ZWEImachung wiederherzustellen.

Die Kraft des Erkennens von Gut und Böse, welches im Bild des Baumes der Erkenntnis vermittelt worden ist, sollte nur Gott vorbehalten bleiben, weil nur er die globale Sicht über alle Dinge hat, wie sie der Mensch nicht haben kann. Gott wollte mittels dieser Kraft das Leben der Vielfalt erhalten. Diese Kraft trotzdem zu verwenden, würde den Sinn der Erschaffung des Menschen zunichte machen, weil das menschliche Ego dem negativen Einfluss der luziferischen Kraft folgen würde, genau wie vor dem Engelsturz. Durch den Einfluss dieser Mächte würden den Menschen die Sinne für die äußere Welt geöffnet und zugleich ihre sinnlichen Begierden geweckt.

Hier auf Erden besteht die EINS aus einer Doppelgestalt, die in sich selbst ruht und im Gleichgewicht ist. Dieses EINSsein – die Harmonie, der Gleichklang – kann hier jedoch nur bestehen, wenn es sich spiegeln kann – die Welt der EINheit in der Welt der ZWEIheit. Nur so kann der höchstmögliche Glückszustand gebildet werden – eine Erinnerung an die Glückseligkeit der himmlischen Sphären.

1. Mose 3,22:
Und Gott der Herr sprach:
„Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner,
dass er weiß, was gut und böse ist.
Nun aber, dass er nur nicht seine Hand ausstrecke
und auch von dem Baume des Lebens breche
und ewig lebe!“

Der Sündenfall

Gott erschuf die Welt, weil er das Leid der Gefallenen mildern wollte. Er dachte, dieses Geschenk würde die Menschen erinnern und beglücken. Das ist der Sinn der ganzen Schöpfung. Aber die Menschen nahmen dieses Geschenk nicht an.
Wir schufen dieses Universum und die Erde aus Liebe und gaben den gefallenen Geistern die Möglichkeit, aus Liebe zu Gott zurückzukehren. Der Mensch wurde geschaffen nach Gottes Bild und Gleichnis, mit dem Lichtfunken und den Ur-Eigenschaften der EINheit in sich, Mann und Frau als ein Wesen.

Die ersten Menschen konnten den Sinn ihres Daseins nicht erkennen. Ihre Erinnerung war nahezu ausgelöscht. Sie kannten auch das Leid der Verlassenheit in der Welt der Fülle noch nicht, die erlöst und zum Ursprung zurückgebracht werden will. Der Mensch sollte selbst das Verlangen zur Aufhebung der Trennung und der Dualität entwickeln. Erst in dieser Situation würde er begreifen, wie sehr wir, die wir selbst die Trennung entstehen ließen, und die Welt erschufen, das Ende des Prozesses der Wiedervereinigung mit den abgespalteten Sphären herbeisehnten.

Als der Mensch in männlich und weiblich geteilt wurde, sollte seine Sehnsucht nach dem EINS-werden erwachen und dieses Sehnen sollte sich auf alle Stufen, bis hin zu Gott, ausweiten.

Mit der Zeit kannte das erste Menschenpaar jeden Winkel des Paradieses, und sie ließen sich in der Nähe des Euphrats nieder, der einer der vier Flussarme des Stromes war, der den Garten bewässerte.

Adam, der als Geistgeschöpf in der alltäglichen Wahrnehmung die Zeit bisher nicht empfunden hatte, trug nun schwer an der Eigenschaft der Wasser-Seite des Weltlichen, an ihrer Trägheit, die die irdische Zeitdauer beherrscht, gemessen an der überirdischen Geschwindigkeit des Lichts.

Zum ersten Mal fühlte Adam seine Halbheit und das Verlangen nach Vereinigung mit seiner anderen, weiblichen Hälfte. Beide suchen die Verbindung, doch bald schon mussten sie einsehen, dass diese nur noch im Körperlichen stattfinden kann. Die Seele kann keine stabile Brücke mehr bauen und mit dem Körper eine dauerhaft harmonische Einheit bilden. Sie merkten, dass der Körper eigene Wege geht. So fühlten sie zum ersten Mal das Leid der Trennung.
Adam wurde sich nun seines Versagens bewusst. Schon auf der Ebene der EINS hatte er nicht verstanden, dass er das, was getrennt ist, auf der Ebene der Polarität nicht zum Ursprung zurückführen konnte.

So suchte Adam, als männlicher Teil der einstigen Einheit des geistigen Menschen, auch weiterhin nach einer Möglichkeit, das Wesentliche, Göttliche, anzustreben. Die Frau aber bildete mit ihrem Wahrnehmungsvermögen den mehr auf den Körper ausgerichteten sinnlichen Teil.

Beide trugen die naturbedingte Anlage zur Fortpflanzung in sich, was das tierische, instinktive Verhalten erweckte. Diese neue Eigenschaft war ihrem geistigen Ursprung völlig wesensfremd. Diese Kraft, sich weiter fortzupflanzen, war ihnen gegeben, um den gefallenen Geistern, durch das Eingeboren werden ins Fleisch, die Möglichkeit zu geben, sich auf Erden weiter zu entfalten, um geläutert die Stufen des Totenreiches aufzusteigen und später nach Hause zurückzukehren.
Dieser Fortpflanzungswille trug jedoch die Kraft der Entwicklung in sich, welche sich unentwegt ausbreiten will, ohne stillzustehen. In dieser Fülle verbirgt sich die Kraft der ZWEIheit. Hier kann das Tierische zur größten Entfaltung kommen.
Das wusste auch Luzifer. Für ihn steht das Symbol der listigen Schlange, die, zunächst lautlos über die Erde gleitend, urplötzlich zustößt und dem Menschen eine Entscheidung zwischen gut und böse abverlangt. Die Schlange ist das Tier, das der Materie am Nächsten ist, weil es durch den Staub des Erdbodens kriecht.

Luzifer, der mir im himmlischen Bereich nach meinem Thron getrachtet hatte, nahm nun die Gelegenheit wahr, diesen Messias-Thron auf Erden zu besetzen. Er bot den Menschen und den ihm untergebenen Dämonen ein Königreich auf dieser Welt, das Reich der nicht endenden Fülle und Entwicklung. Und dies machte er den ersten Menschen zum Angebot.

Die Frau geht, aufgrund ihrer Wahrnehmung und Sinnlichkeit, zuerst darauf ein. Der körperliche Messias hat viel zu bieten! Er zeigt ihr den Weg der Selbstständigkeit, den Weg der Sinnbefriedigung und des Genusses, auch auf materiellem und verstandesmäßigem Gebiet. Die Frau ergriff die Initiative; Adam folgte bereitwillig nach. So war die Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen genommen.

Das geteilte Ebenbild Gottes konnte als Mann und Frau körperlich eigene Wege gehen. Für die Seele war dies ein Verirren, eine Abwendung von Gott. Über die Seele erkrankte der Körper, weil täglich ein Balanceakt zu vollziehen war, um sich nicht gänzlich in dieser Vielfalt zu verlieren, aus der es kein Zurück geben kann, nur ein stetiges Wachsen und Weitergehen.

Doch diese Möglichkeit der Umkehr, zurück zur EINheit, hatten wir, die Entwicklung voraussehend, schon bedacht, damit der Mensch nicht ganz verloren geht. Das würde er nämlich auf dem Weg „der Schlange“, denn der führt unweigerlich in den Untergang.

Der „Herr dieser Welt“ bietet den Menschen an, selbst zu erschaffen. Satan will die Welt von Gott befreien und verspricht die Erlösung nach weltlichen Maßstäben. Dies steht im Gegensatz zur Rückkehr in die höheren, geistigen Welten, was reinstes, höheres Bewusstsein voraussetzt. Erst, wenn der Mensch sich die Existenz dieser höheren, anderen Welt wie-der bewusst gemacht hat, wird er einsehen können, dass der Weg der Schlange nicht der richtige sein kann. Denn alles, was die Welt der Materie zu bieten hat, ist vergänglich. Nichts davon hat Bestand, nichts wird die Zeiten überdauern, genauso wenig der Mensch.
Satan will verhindern, dass sich die Menschen an Gott und mich, als den wahren Messias erinnern. Dadurch werden sie nach ihrem Tod immer wieder in sein Reich zurückkehren müssen, aus der es damals noch kein Entrinnen geben konnte. Deshalb glaubten die Menschen an einen fernen Tag der Wiederauferstehung und erlebten die Zwischenzeiten in der Jenseitswelt teilweise in völliger Bewusstlosigkeit. Erst langsam bildete sich ein Seelenkörper, der sie diese Zeit bewusst erleben ließ und der alle Persönlichkeiten der früheren Erdenleben in sich barg.

Als die ersten Menschen die Früchte des Baumes der Erkenntnis aßen, war dies ein Sinnbild dafür, dass sie sich die ganze Welt verinnerlichen sollten. Sie sollte ein Teil von ihnen werden. Das Wesen des Guten und Bösen hingegen, sollten sie nicht in sich aufnehmen. Adam sollte die Gefallenen durch die von Gott gegebene Schöpfung zum Ursprung zurückführen. Der Mensch sollte allen Dingen auf den Grund gehen, das Wesentliche betrachten und nicht nur nach dem Äußeren urteilen. Dazu war er nicht fähig, sondern nur Gott.

Gott wollte den Menschen das höchste Glück schenken. Er schuf sie nicht, um sie zu bestrafen oder durch eine nicht zu erfüllende Weisung zu Fall zu bringen.
Der Garten Eden war ein Ort, an dem Adam und Eva leben konnten, solange sie die Kraft der ZWEIheit nicht in sich aufgenommen hatten. Sie wählten für sich den Weg der scheinbaren Freiheit, den Weg der Entwicklung, der auf den Gegensätzen basierte. Dieser brachte dem Leben den Tod. So zeigte es das Bild der ZWEIheit. Etwas anderes konnten die Menschen nicht mehr wahrnehmen. Mit ihrer Wahl kam das moralische Übel in die Welt.
Hätte der Mensch die ZWEIheit nicht in sich aufgenommen, würde er zwischen Leben und Tod keinen Unterschied sehen. Leben wäre für ihn das Erscheinen in der materiellen Welt, das jedoch im Ursprung wurzelt. Alles, was ihm im Leben widerfährt, würde er damit verbinden. Der Tod wäre dann nur ein Fortgehen aus der Welt der Erscheinung und eine Rückkehr zum Ursprung, nach Hause.
Die paradiesischen Zustände gingen für Adam und Eva mit dem Essen der Frucht und der Annahme der ZWEIheit verloren. Ihre Gier vertrieb sie aus dem Garten.
Es inkarnierten nun viele der gefallenen Geister in menschliche Körper, überall auf der Welt, in unterschiedlichen Rassen, die von den ehemaligen Himmelsfürsten bestimmt waren.
Die Menschen hatten ihre körperlichen Augen für die Dinge der Welt geöffnet und verschlossen ihre inneren Augen für die geistigen Dinge. Adam und Eva wollten sich verbergen vor Gott, sich lösen von ihm und bemerkten gleichzeitig die Nacktheit, die Verwundbarkeit Ihrer Körper, die sich unbeherrscht gaben und ihren eigenen Weg gehen wollten.
Der Weg des Menschen stand von nun an im Widerspruch zum Sinn seines Erscheinens in der Welt. Der Weg zurück war ihm versperrt. Er fand sich in einer fühlbar anderen Welt wieder und musste gezwungenermaßen alle negativen Dinge des Lebens und der Körperlichkeit kennenlernen.
Von nun an musste er den Weg durch die Zeit gehen, und erst, wenn er diesen, für ihn scheinbar unendlich langen Weg gegangen ist, wird er ins himmlische Paradies zurückkehren können.

Das Erscheinen in der Welt

Es war eine dunkle Zeit, in die ich hineingeboren wurde. Eine Welt voller Grausamkeiten, in der das jüdische Hohepriestertum neben dem römischen Imperium regierte, lange nachdem Ägypten endgültig seine Unabhängigkeit in der antiken Welt verloren hatte.

Kurz vor meiner Geburt erhielt der römische Kaiser Augustus den Titel Pater patriae, was bedeutet „Vater des Vaterlandes“. Augustus, von dem man sagte, dass er stets als Sohn seines vergöttlichten Vaters Cäsar auftrat, ging damals neue Wege. Der Kaiser, der sich als Herrscher über die Ostprovinzen üblicherweise in religiöser Verehrung anbeten ließ, verbot sämtliche Kulthandlungen, die sich rein auf ihn als Person bezogen.

Er wollte das Finanzwesen reformieren, was ihn veranlasste, die Provinzen des römischen Herrschaftsgebietes einer gründlichen Steuerprüfung zu unterziehen. Dies geschah, als Quintilius Varus Proconsul in Syrien war. Für die jüdische Bevölkerung war der ihnen auferlegte Zensus ein Gräuel, weil die Abgabe ihre Freiheiten beschnitt und die römische Staatskasse füllte. So nahm der damals im Dienste des Varus stehende Quirinus die 1. Zählung in Syrien und Palästina vor. Eine 2. folgte zehn Jahre nach dem Tod des Herodes, nachdem dessen Sohn Archelaus verbannt worden war. Quirinus übernahm als Nachfolger des Varus die Stadthalterei Syriens und musste nun Judäa in eine Provinz des römischen Reiches umwandeln. Das Volk, das bereits lange unter dem Druck der Herodes Herrschaft gelitten hatte, der sich die römische Oberherrschaft in der Provinz zu Nutzen machte, sah sich nunmehr einer noch viel stärkeren Macht und Willkür ausgesetzt. Das römische Joch wurde rücksichtslos auf die Bevölkerung gelegt, um es zu erniedrigen und Befehlsgewalt auszuüben.

Das Judentum erwartete sehnsüchtig den in den alten Schriften angekündigten Messias, der sie aus dieser Unterdrückung befreien sollte. Der Heiland, den sich die Hohenpriester erhofften, war ein weltlicher Messias, der ihnen ein Leben in Fülle erstreiten sollte. Sie merkten gar nicht, wie sehr sie sich durch ihr Begehren dem „Herrn der Welt“ geöffnet und ihre Seelen dem Geistlichen verschlossen hatten.

Gott lenkt das Geschick der Menschheit, auch wenn es im Weltlichen wie ein zufälliges Ereignis aussehen mag. So waren Ort und Zeitpunkt meiner Geburt lange vorherbestimmt. Die alten Propheten schrieben davon. Im Buch Jesaja war ich als Gottesknecht angekündigt, der viele Völker in Erstaunen versetzen und die Könige dieser Welt zum Schweigen bringen sollte. Denn wie Regen und Schnee vom Himmel herabkommen und nicht in der gleichen Form wieder zurückkehren, sondern zuvor die Erde tränken und nähren, dass sie fruchtbar wird, so sollte in den Menschen durch mich eine Saat gelegt werden, die sich zu Korn und schließlich in Brot verwandeln sollte. Denn die Menschen lebten vom Brot des Himmels, doch es war ihnen nicht mehr bewusst. Ich hatte eine Entwicklung in Gang zu setzen, die langzeitig wirkt und einen Wandel in den Köpfen und Herzen der Menschen herbeiführt.

Die Welt drohte unter dem Einfluss des Bösen zu verderben. Mich zürnte die menschliche Habgier und Schuld dieser Lügenbrut, die nur Machtdenken und Hass in sich hatte. Sie lästerten Gott und dienten ihren Götzen wie damals vor der Sintflut. Ihre Sinne waren für das Göttliche verschlossen, ihre Gebete Lippenbekenntnisse, denn sie sahen nur das Äußere und hielten es für gut. Wenn die Pharisäer und Schriftgelehrten mit erhabenem Gang und Faltenwurf im Gewand mit aufgesetzter Frömmigkeit prahlten, beugte sich das Volk ehrfürchtig und ängstlich. Wie gesäuertes Brot blähten die Priester sich auf und machten sich wichtig durch falsche Lehren und nahmen den Menschen die Wahrheit, dass Gott das Wort ist und nicht sie.

Als ich Mose vor Urzeiten zum Berg Sinai geleitete, ging ich selbst ihm als Engel voran. Nun sollte ein anderer Engel meine Ankunft verkündigen. Mit meiner Geburt sollte das Ewige dem Vergänglichen begegnen. In Johannes war der Engel geboren, der diesen Bund betreuen sollte. Er sollte meiner Geburt und mir vorausgehen. Dem Zacharias und seiner Frau Elisabeth, die von ihrem Alter her keine Kinder mehr bekommen konnte, wurde die himmlische Gnade einer Schwangerschaft zuteil, welche der Engel Gabriel angekündigt hatte. Ihr Sohn trug bereits im Mutterleib das Erkennen dieser Gnade in sich, denn er kam in Gott gereift zur Welt, in ihm Elias Geist.

Ein halbes Jahr später wurde Maria (hebräisch Mirjam) aus Nazareth in Galiläa dieselbe Gnade zuteil. Meine Mutter war damals eine junge Frau von 12 Jahren, die verlobt war mit Joseph, einem Zimmermann und Baumeister. Der Engel Gabriel offenbarte auch ihr in einer Vision eine Schwangerschaft und kündigte an, dass ihr etwas noch nie Dagewesenes widerfahren würde.
„Begnadete, der Herr sei mit dir. Du hast Gnade gefunden bei Gott!“, wurde Maria von Gabriel begrüßt, als er seine Botschaft überbrachte.
Kein Mann würde ihr beiwohnen, sondern der Heilige Geist würde ihr ein Kind in den Schoß legen, einen Sohn.

Nichts Berechenbares, sondern etwas Außergewöhnliches war ihr als Geschenk überreicht worden. Das im weltlichen Sinne Unmögliche sollte an ihr geschehen. Der „Sohn Gottes“ wollte im menschlichen Fleisch geboren werden, um die Menschheit und die im Totenreich Gefangenen zu erlösen. Im Zeichen der Jungfrau sollte der neue Mensch und die neue Welt entstehen. Die Welt sollte nicht schwanger sein durch die Materie, sondern allein durch die Zeugung des Heiligen Geistes. Das sollte die Menschen zu ihrer Bestimmung zurückführen, und das aus dieser Zeugung Entstehende sollte ewig sein.

Ohne Erbarmen und Gnade konnte die Erlösung nicht stattfinden. Mirjams Name trug dies als Zeichen in sich. Er machte deutlich, dass sie nur durch dies Erbarmen imstande sein würde, allen Schmerz und alle Bitterkeit ihres Schicksals zu ertragen.

Die Prophezeiungen der alten Schriften erfüllten sich. Der Messias sollte aus einem Sohn des Stammes David hervorgehen. Zu diesen Nachfahren des israelitischen Königs David gehörte Joseph, der im bereits betagten Alter mit Maria verlobt war.

Als nun die Zeit anbrach, in der Maria gebären sollte, begann ihr 13. Lebensjahr. Nun war die Zeit reif für die Geburt des Erlösers, denn alles Übernatürliche, Geheimnisvolle, aus der göttlichen EINheit stammende, trägt im Hebräischen die Zahlen 5, 8 und 13 als Zeichen.

JHWH

 יהוה (JHWH)

Man denkt, dass der Gott „Jahwe“ im 14. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung ein Gott der Viehhirten des Vorderen Orients gewesen sei. Als Schutzgott eines kleinen Nomadenvolkes sei er dann zum Nationalgott der Hebräer aufgestiegen und dann ein Universalgott aller Völker geworden. Dann wäre er aber der blutrünstige Opfergott zu Moses Zeiten gewesen, der zu seinem Wohlgefallen Kinder opfern und verbrennen ließ.

JHWH ist der eigentlich unaussprechliche Name Gottes Israels im Tanach, der Hebräischen Bibel. Gott hat viele Namen, obwohl er nur Einer ist und deshalb gar keines Namens bedarf. 

Die genaue Aussprache ist nicht bekannt. Ob „Jahwe“ oder „Jehova“ richtig ist, vermag niemand zu sagen.

Die Kreuzigung Jesus steht parallel zum Passahfest, das das Ende der Welt von Ägypten symbolisiert. Es steht gleichzeitig als Symbol dafür, dass unsere materielle Welt vergänglich ist und eine neue, unvergängliche, entstehen soll.

Jesus Kreuzigung fand auf Golgatha statt, was Schädelhöhe von aramäisch gûlgaltâ bedeutet. Der  Wortteil „gal“, Welle, Wasser, Strömung,  deutet auf eine Wandlung in der Zeit hin (nach Weinreb).

Das Leben endet nicht im Grab…in der Grube, in der kein Wasser ist. Sacharja 9-12 prophezeite bereits 500 Jahre vor Jesus Geburt, dass alles so kommen musste. Jesus hat uns durch seine Auferstehung das Verborgene sichtbar gemacht. Der Tod ist nur eine Wandlung, eine Transformation.

Die Überlieferung von Jesus Auferstehung erscheint manchen Menschen unsinnig. Das Verborgene im Menschen existiert im ewigen Sein, deshalb muss man das biblische Geschehen als ein von der Zeit losgelöstes, ewiges sehen.

Sollten wir nicht nachdenklich werden, wenn wir das Bild der Kreuzigung betrachten?!

  Jeshua Hanozri Wemelech Hajehudim
Was bedeutet: Jesus der Nazarener und König der Juden.

(Joh 19:18-20/Matth 27, 31-37) …und führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen. Und als sie hinausgingen, fanden sie einen Menschen aus Kyrene mit Namen Simon; den zwangen sie, dass er ihm sein Kreuz trug. Und als sie an die Stätte kamen mit Namen Golgatha, das heißt Schädelstätte, …und als sie ihn gekreuzigt hatten, …setzten sie eine Aufschrift über sein Haupt mit der Ursache seines Todes:

Die Überlieferung sagt, dass am Kreuz folgende Inschrift neben lateinischer und griechischer Sprache auch in Hebräisch angebracht war:

Formt man daraus das Akronym, wie im Lateinischen INRI, so stand am Kreuz der unaussprechbare, heiligste Name Gottes: JHWH, der allein von Hohepriestern im Allerheiligsten ausgesprochen werden durfte. Zufall oder Zeichen?

Der hebräische Buchstabe Shin wurde laut Kabbala von Gott als König über das Element Feuer gestellt. Er verkörpert demnach das Feuer des Geistes, des schöpferischen Prinzips, des Logos. Dieser Buchstabe ist Eckstein des gesamten Alphabeths.

Moses erblickte Gott in einem brennenden Dornbusch. Er konnte sehen, dass sich Gott, das Leben, in der materiellen Welt als Feuer offenbart. Der Geist des Feuers ist Gott selbst – das Leben selbst! Christus sagte in den Überlieferungen: “…ich taufe euch mit Feuer.” Und er selbst sagte auch: “Ich bin das Leben.”

Wenn der Name des über allem stehenden Gottes aus den Vokalen und dem Buchstaben H besteht, als Symbol dafür, dass Gott das Leben, das Selbst in den Menschen hineinhaucht, dann erhalten wir den Namen Gottes: JEHOVA (Jod He Wav He). Fügen wir nun das Shin, das Feuer des Lebens bedeutet, in die Mitte des Namens des unpersönlichen Gottes ein, erhalten wir das Wort JEHOSHUA (hebräischer Name für Jesus), den Namen des persönlichen Gottes, des Mensch gewordenen Gottes. Christus, das höhere Selbst, tauft uns mit Feuer, um uns in das Leben einzuweihen.

aus Die Sendung Moses von Friedrich Schiller:

Unter einer alten Bildsäule der Isis las man die Worte: »Ich bin, was da ist«, und auf einer Pyramide zu Sais fand man die uralte merkwürdige Inschrift: »Ich bin alles, was ist, was war und was sein wird, kein sterblicher Mensch hat meinen Schleier aufgehoben.« Keiner durfte den Tempel des Serapis betreten, der nicht den Namen Jao – oder J-ha-ho, ein Name, der mit dem hebräischen Jehovah fast gleichlautend, auch vermutlich von dem nämlichen Inhalt ist – an der Brust oder Stirn trug; und kein Name wurde in Ägypten mit mehr Ehrfurcht ausgesprochen als dieser Name Jao…

 Halleluja –  הַלְּלוּיָהּ (hallelu-Jáh) Jah, die Kurzform für JHWH.
Wörtliche Übersetzung: „Lobt Jah!“  (Wikipedia)

Der jüdische Gelehrte Friedrich Weinreb erklärte den Namen JHWH folgendermaßen aus der Kabbala. Der Name hat etwas mit den hebräischen Schriftzeichen und den 26 Geschlechtern zu tun. Da der Mensch durch Unwissenheit diesen Heiligen Namen aussprach, wo er nicht angebracht war, hat man Adonaj = Kyrios = Herr daraus gemacht.

Die 26 Geschlechter:
1. Adam
2. Scheth
3. Enoch
4. Kenn
5. Mahalalel
6. Jeter
7. Chance
8. Metuschelach
9. Lamech
10 Noah

Das ist der 1. Teil. Die Zahl 10 hat den hebräischen Buchstabenwert „Jod“.

1. Schema
2. Arpachschad
3. Schlacht
4. Ebert
5. Peleg

Das ist der 2. Teil. Die Zahl 5 hat den Buchstabenwert „He“.

1. Reu
2. Serug
3. Nachor
4. Terach
5. Abraham
6. Isaak

Das ist der 3. Teil. Die Zahl 6 hat den Buchstabenwert „Waw“.

1. Jakob
2. Levi
3. Kehat
4. Amram
5. Mose

Das ist der 4. Teil. Die Zahl 5 hat den Buchstabenwert „He“.

Aus allen Teilen, den 26 Geschlechtern, ergibt sich der Name „JHWH“.


Gott hat viele Namen,
nenn Ihn, wie du magst –
wenn du nur mit Inbrunst
aussprichst, was du sagst.

Hört nicht auch die Mutter
ihres Kindes Ruf,
ehe noch sein Seelchen
sich ein Wortbild schuf?

Gott spricht alle Sprachen. –
Doch wer schweigen kann,
steigt als goldne Flamme
selber himmelan…

<Ephides>

Die Taufe

Die Taufe – Hans-Georg Leiendecker

Über die Taufe

Uralt ist die Taufe als Weihung zu höheren Stufen der Erkenntnis, d. h. zur Erweiterung des Bewusstseins. Sie hat ihren Ursprung im ägyptischen Altertum und wurde von dort an die Semiten und Hellenen weitergegeben und von ihnen fortgeführt. Dort wurde die Taufe lange vor Christi Geburt praktiziert und diente als erforderliche Reinwaschung zur Läuterung und Erhöhung.

Sie wurde auch in Kreisen Jesus an Erwachsenen vollzogen. Jesus ließ sich erst als Mann taufen (Mat 3,13), bei Antritt seines Lehramtes. Er verordnete auch im gleichen Sinn, dass seine Jünger die Täuflinge vor der Taufe belehren sollten. (Mat 28,19) Diese Tatsache schließt die Kindertaufe unbedingt aus.

Erst viele Jahrhunderte nach Jesus Tod, als man die Bekehrung beschleunigte und die Zahl der Christen schnellstens steigern wollte, taufte man die Säuglinge direkt nach der Geburt, lange bevor sie den Glaubensinhalt kennen konnten.

Auch machte die kath. Kirche die Kindstaufe zu einem Schutzmittel gegen den Teufel, dem vom Ursprung her jeder Mensch verfallen sei.

Die im Christentum gebräuchliche Kindertaufe steht demnach im Widerspruch zur Lehre Jesu, welche jeder Christ höher schätzen sollte, als die Meinungen der Priester.

Bei Jesus und im Urchristentum gab es keine Mitgliedschaft, geschweige denn eine Heilsnotwendigkeit einer Wassertaufe. Auch Jesus lehrte sie nicht. Wenn Jesus von Taufe sprach, meinte er die Taufe mit dem Heiligen Geist.

Dementgegen taufen hier alle Kirchen auf einen angeblich ‚dreieinigen‘ Gott, der von der katholischen Kirche auf dem Konzil von Nizäa im Jahr 325 zum Dogma erhoben wurde. Damit hatte Jesus nichts zu tun.

Jesus von Nazareth nennt Gott ‚Seinen Vater‘ oder ‚Unseren Vater‘, der größer ist als alles (Joh 10,29), auch größer als Er, Jesus selbst (Joh 14,28). Dies ist von Bedeutung. Jesus, der Christus wies sogar die Anrede ‚großer Meister‘ zurück. Er sagte auch: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut, als Gott alleine.“ (Luk 18,19) Und Er, Jesus, sei von diesem Vater ‚ausgegangen‘. (Joh 16,28). Auch, wenn Er aussagte, Er sei ‚eins‘ mit dem Vater, dann bedeutet das nicht, dass Er im Sinne des Kirchendogmas eine zweite Gottes-Person einer angeblichen ‚Dreieinigkeit‘ ist.

Jesus, der Christus spricht hier als Kind, der in Verbindung und Einheit mit seinem ‚himmlischen Vater‘ lebt.

Das Neue Testament beschreibt in der Überlieferung Jesus von Nazareth als Gottes- und Menschensohn, der in Seinem Inneren mit Gott geeint ist. In ihm, dem Menschen Jesus, ist das Geistwesen Christus inkarniert, in der geistigen Welt, dem Reich Gottes, tatsächlich der Sohn des Schöpfergottes.

Offene Türen

Der Erdball groß und wunderbar,
ein Spielplatz für die Engel gar.
Die Himmel liegen weit.
 
Vom All hinab, der Cherub Tanz.
Die Welt hüllt sich in Lichterglanz,
und stille steht die Zeit.
 
In jedem Herzen brennt ein Licht,
doch unsre Augen seh’n es nicht.
Die Liebe leuchtet hell.
 
Öffne dem Nächsten deine Tür,
dann spürst Du: Jesus öffnet Dir
die seine, weit und schnell.