Unsichtbarer Wanderer


Steht die höchste Sonnenscheibe
über jedem Menschenbilde,
das da harrt nach kühler Bleibe.
Hitze, werd‘ doch wieder milde!

Schau den Feldstein dort am Wege,
wie er lastet auf der Erde,
doch darunter ist es rege,
Wurzeln sinnen ein „Ich werde!“.

Wachse in verborgenen Gründen,
in des Reifens Einsamkeit.
Nur ein Seher wird dich finden,
dich, in deinem lila Kleid.

Veilchen, du wirst einst erblühen,
wenn es schauernd regnet nieder,
und die Hoffnung wird sich mühen,
findet Halm und Blüte wieder.

Wind, du unsichtbares Wesen,
eilst im Flüchtigen dahin,
an dir wird die Welt genesen.
Sei der kühlen Zeit Beginn!

Autor: Gisela

Bitte auf meiner Seite "Über mich" nachlesen.

2 Kommentare zu „Unsichtbarer Wanderer“

  1. Liebe Gisela, dein Gedicht hat mir sehr gefallen, weil es den Blick nicht auf das richtet, was gerade sichtbar ist, sondern auf das, was sich im Verborgenen vorbereitet. Besonders das Bild der Wurzeln unter dem schweren Feldstein hat etwas Tröstliches. Während oben scheinbar Stillstand herrscht, arbeitet das Leben längst an seinem nächsten Kapitel.

    Vielleicht vergessen wir in heißen, schwierigen Zeiten allzu leicht, dass Wachstum selten unter Applaus geschieht. Meist beginnt es dort, wo niemand hinsieht – und gerade deshalb überrascht es uns später mit seiner Kraft. Und den Wind hast du wunderbar beschrieben. Er gehört zu den wenigen Künstlern, die niemals eine Signatur hinterlassen und dennoch jede Landschaft ein wenig verändern. 😉

    Herzliche Grüße…von Rosie

    1. Liebe Rosie, hab lieben Dank für Deinen feinen Kommentar. Die Natur strebt immer zum Ideal. Ja, meist geschieht es unbemerkt. 💚liche Grüße von mir und ein schönes Wochenende, Gisela

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