Herbststurm

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Es türmt der Sturm die Wolken auf,
und rüttelt an den Bäumen,
ein Regentag nimmt seinen Lauf,
der Mensch erwacht aus Träumen.

An Fensterscheiben, tropfenschwer,
rinnt früh der erste Schauer.
Die Welt scheint einsam, vogelleer,
und muss sich selbst bedauern.

Wo noch der Blüten letzte Pracht
bis in den Herbst geschoben,
kam nun der Wind, hat über Nacht
den bunten Flor zerstoben.

Bald eilt vorbei, was zwingend muss,
vom Rückenwind getrieben.
Die Straße scheint ein grauer Fluss,
das Wetter windbetrieben.

Regen

Rain – Gemälde von Morgan Weistling

Trüb ist der Morgen,
die Sonne verborgen,
stürmisch der Wind.

Steh wie ein Kind,
betrachte das Treiben
durch Fensterscheiben,
die von Feuchtigkeit blind.

Die Güsse, sie rauschen,
ein Bangen und Lauschen,
sie fallen auf Straßen,
die nass und verlassen.

Die staubigen Tropfen,
sie prasseln und klopfen,
ziehn in die Kanäle,
der schmutzigen Säle.

Bringt Kühle auf Wunden
der heißen Stunden,
fegt mit Wind und Regen,
auf irdischen Wegen.

Windgötter

Sandro Botticelli (1445-1510) – Die Geburt der Venus

In Windeseile hingerafft,
was Menschenhand mit Müh gemacht,
dem Dasein abgerungen;
er bläst mit wilden Zungen.

Die physikalisch dichten Kräfte,
entblößen wirbelnd ihre Mächte,
zerstören Weltengärten –
Äolus und Gefährten.

Was Energie zu Boden drückt,
macht aus dem sommergrünen Glück
verwelkte Endlichkeiten,
wie bald die Sommerzeiten.

Begrenztheit ist das Los der Welt,
der Wind, er weht, wie’s ihm gefällt,
wird niemals eingeengter,
ist ein von Gott Gelenkter.

Frühlingssturm

Der Sturm – Pierre Auguste Cot (1837 -1883

Jubelnd treibt ein Frühlingssturm
durch irdisch weiten Raum,
singt hoch sein Lied vom Wolkenturm,
hält Luftikus im Zaum.

Er treibt durch Länder, grenzenlos,
mit tausend Flügelpaaren,
sein aufgeblähtes Sein ist groß,
mit ihm himmlische Scharen.

Der Aufgeblühtes sprengt und trägt
mit sich das neue Leben,
der über Berg und Täler fegt,
dem Sonnenlicht entgegen.

In Windes Eile

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Hörst du den Klang der Welt vorüberziehen?

Der Wind trägt ihn auf kühlen Schwingen,
hebt hoch den Frohsinn und das Singen,

im Auf und Ab des Flügelschlags.
Trägt auch den Hilfeschrei des Tags,

und nachts des tausendfachen Sterbens!
Im Wind singt uns die Stimme des Verderbens,

die Angst vor Krankheit, Hunger, Armut auf den Flügeln.
Unbändig, rastlos lehrt er uns zu zügeln,

Begehrlichkeiten dieses Weltgeschehens.
Zeigt auf die bittren Quellen des Entstehens,

die auch die Quelle allen Leidens ist.
Frevel zu lindern, das ist Lebenspflicht!

Herbstwinde

Ich stehe am Fenster und schau in die Ferne,
seh’ durch die beschlagenen Scheiben hinaus.
Betrachte das herbstliche Treiben so gerne;
der Wind fegt mit heftigem Brausen ums Haus.
 
Bald werden sie kahl sein, die noch vollen Zweige.
Die Wiese, sie füllt sich allmählich mit Laub.
Es kommen die Stürme – das Jahr geht zur Neige.
Der Herbst bringt die Kälte und Dunkelheit auch.
 
Die Ernte liegt sicher in Scheunen und Hallen,
der Dank ist gesprochen, der Segen erteilt.
Wenn erst die schweren Frühnebel wallen,
dann macht sich das Jahr zum Sterben bereit.
 
Ich lausche dem Wind, er pfeift durch die Schächte,
treibt Regen und Blattwerk, streut bunt seine Spur.
Nicht enden wollen die unruhigen Nächte,
die Wärme der Sonne verlässt die Natur.

Herbstzeit

Die letzten Blätter fallen von den Zweigen
und auf den Straßen liegt das nasse Laub.
Tief sich die Äste der Platanen neigen
und Regen mischt sich mit dem Straßenstaub.
 
Von Ferne naht die Nacht mit dunklen Schatten
und um die Häuserecke pfeift der Wind.
Ein braunes Blatt tanzt auf den Gehwegplatten,
die feuchte Luft macht Fensterscheiben blind.
 
Spinnweben glänzen nass in letzten Sonnenstrahlen;
ein Regenbogen spannt sich über Stadt und Land.
Mit voll bepackten Zweigen die Kastanien prahlen –
stehn majestätisch dort am Straßenrand.
 
Hör’ fern vom Kirchturm her der Abendglocke Ton.
Ihr Klang ist anders als an Sommertagen.
Die graue Stille ist des Herbstes Handwerkslohn –
es wird bald Winter, will das Läuten sagen.
 
Und oft in dieser finstren Totensonntags-Zeit,
lässt sich ein Lichtstrahl durch die kahlen Äste gleiten.
So wirst du Mensch – traf dich auch wehes Leid –
zu neuer Hoffnung über Gräber schreiten!
 

Der Wind

John William Waterhouse 1849-1917

Es ist der Wind, der durch die Bäume fegt,
der peitschend mein Gesicht zerschneidet,
 
der sich hoch zu den weißen Wolken hebt
und tief sich mit dem Boden dann vereinet;
 
der die Natur mit fester Hand stets voran treibt
und nächtelang um meine Hauswand heult,
 
der Räder drehend in den Sphären bleibt,
als Weltengärtner Samen um sich streut.
 
Er ist der rastlose Motor der Welt,
denn ohne ihn versiegt das Leben;
 
ob stürmisch oder milde eingestellt,
vereint er sich mit Sonne, Mond und Regen.
 

Herbstwelt

Albert Anker 1831-1910

Noch wiegt der Baum sein Blattgewand,
das herbstlich bunte, schöne.
Sein grünes Kleid ist braungebrannt –
in hell und dunkle Töne.
 
Der Regen schwert die müde Pracht,
lässt sie zu Boden gleiten.
Der Sturmwind treibt die fahle Fracht
hinab…hinauf, beizeiten.
 
Die Straßen sind des Laubes voll –
es raschelt auf den Wegen.
Ein Jeder bringt der Mühe Soll
dem Erntedank entgegen.
 
Die Sonne scheint verhalten, mild;
gar lang die Regenzeiten.
Die triste Dunkelheit verhüllt
das In-den-Winter-gleiten.
 
Die Lebensgeister sind verstummt,
nun herrscht ein dunkles Treiben.
Die Erde ruht. Die Herbstwelt summt
besinnlich, leise Weisen.

Herbstlich

Albert Anker 1831-1910

Die Blätter hüpfen auf dem Asphalt.
Sie tanzen im Wind ihren Reigen.
Am Himmel, wo sich ein Wirbel ballt,
will sich die Sonne nicht zeigen.
 
Der Sturm heult um die Häuser. Geschwind
bringt er uns den himmlischen Segen.
Die Vögel verstummen. Im Luftschacht ringt
ein einsames Blatt mit dem Regen.
 
Die Welt ist betrübt. An der Häuserwand
malen Schatten Bild-Serpentinen.
Die Menschen hetzen mit Schirm in der Hand
und verharren mit düsteren Mienen.
 
In Jacken verpackt, mit Pullis und Schal,
träumen sie sich der Sonne entgegen.
Die Nase läuft mit. Die triefende Qual
fällt nicht so auf bei dem Regen.
 
Die Gedanken sind grau wie der Wolkenzug.
Da hilft nur Tee mit Zitrone.
Es taumelt hernieder manch Blatt im Flug.
Geleert sind die meisten Balkone.
 
Die Gärten haben sich lila geschmückt,
mit Astern, Heide und Beeren.
Das Erntedankfest ist näher gerückt –
nun will es herbstlich werden.