Notarztnummer 116117

Ende Mai wurde der Notruf ausgelagert an ein externes Callcenter.
Das habe ich in der vergangenen Woche gemerkt: Zeimal angerufen und beide Male landete ich in einer halbstündigen Warteschleife.

Ich bin erstaunt über die Aufmachung der Website. Außerdem frage ich mich,
wie ein älterer Mensch dort klar kommen soll. Welche Leistungen wollen die denn vervielfältigt haben? Was sind das für ernstzunehmende Werbegesichter?

Als ich 2018 den Schlaganfall hatte, wäre beinahe mein Schädel geöffnet worden. Der Arzt kam nach meinem Anruf bei o.g. Nummer gegen 7 Uhr morgens, hat den Schlaganfall nicht bemerkt, obwohl ich nicht mehr laufen konnte und bestellte den Krankenwagen dann gegen 12 Uhr mittags. Die Sanitäterinnen sahen zum Glück sofort, was los war.

Jetzt habe ich bereits eine Woche lang Fieber, mal mehr mal weniger hoch.

Im vergangenen Jahr habe ich nur dreimal das Haus verlassen, als ich zum Arzt fuhr. Meine Freundin schimpft mit mir, wenn ich von Corona anfange. Mit Corona Syptomen lässt mich mein Hausarzt nicht vor. Also leide ich weiter, habe 5 kg abgenommen, bin recht hinfällig.

Wichtig wäre wieder mal ein Traum, den ich vor einer Woche hatte. Ich rettete eine Katze (immer Krankheit) und trug sie in einem roten Backstein-Treppenhaus mal hoch, mal runter, um sie zu schützen. Dann wollte ich die Katze in mein Auto bringen. Da war der schwarze Scherenschnitt-Mann und sagte mir, dass ich kein Auto mehr hätte.

Dann änderte sich das Traumgeschehen: Plötzlich befand ich mich in einer Kneipe, wie sie früher einmal war. Seltsamerweise mit älteren Leuten, die rauchten und tranken und hatten Spaß. So endete mein Traum.

Ich wünsche Allen einen schönen Jahresbeginn, viel Glück und Gesundheit.

Die hohen Tannen atmen heiser

Bild von nitli auf Pixabay

Die hohen Tannen atmen heiser
im Winterschnee, und bauschiger
schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser.
Die weißen Wege werden leiser,
die trauten Stuben lauschiger.

Da singt die Uhr, die Kinder zittern:
Im grünen Ofen kracht ein Scheit
und stürzt in lichten Lohgewittern, –
und draußen wächst im Flockenflittern
der weiße Tag zur Ewigkeit.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Winterwelt

Barend Cornelis Koekkoek (1803 – 1862)

Natur, berauscht von Licht und Leben,
liegt ruhend in den Winterbetten.

Der kalte Wind, ein frostig Beben,
trägt Flocken auf die kargen Stätten.

Frisch trägt die Luft die kühlen Träume
bis in die fernsten Weltenecken.

Macht aus den Kanten Rüschensäume,
legt grünes Land in weiße Decken.

Die Bäume strecken kahl die Äste,
vom Schnee bedeckt, ein schweres Tragen,

begrüßen flatterhafte Gäste;
die träumen müd‘ von Frühlingstagen.

Die Winterzeit geht in die Stille,
hält mit der Welt den Atem an.

Wo die Natur, mit neuer Fülle,
das nächste Jahr beleben kann.

Weihnachtsstern

Planeten Konstellation am 21. Dezember 2020
Jupiter und Saturn, fast wie zu Zeiten von Christi Geburt.
Besuch der Sterndeuter aus dem Morgenland.

Weiter Blick zum sternenklaren Himmel;
Mondfinsternis,
Planetenbegegnung lädt ein zur Feierstunde auf Erden.
Sternstunde der Menschheit;
Konstellation der Superlative,
flutet den Schatten irdischer Dualität mit Licht,
beleuchtet den Vorhang zwischen den Welten.
Suche nach der Wahrheit seit Äonen von Jahren,
Countdown zur Beendigung der Eiszeit;
Weihnachtsstern als Symbol für Frieden und Liebe,
bringt uns ein Stück himmlisches Zuhause in die Gegenwart.
Erinnerung an unsere Herkunft.
Vereinigung von Himmel und Erde im göttlichen Zeitplan.
Verankerung des Christus-Bewusstseins in unseren Herzen,
für eine paradiesische Zukunft auf Erden.

Heiliger Seelenschrein

Das Mädchen – Sulamith Wülfing (1901-1989)

Ich will euch künden, Kinder dieser Welt,
was euer ist,
was euer Seelenschrein verschlossen hält,
bis ihr es wisst,

bis ihr das Heiligtum in euch entdeckt,
bis ihr gleich mir
zum Künder werdet und die Andern weckt.
Sie leiden hier,

sie leiden euer Leid und wissen’s nicht,
denn traumbefangen
gehen sie dahin, und ihrer Seele Licht
ist leidverhangen.

Was sie erschaffen, wandelt sich zu Staub
in ihrer Hand.

Ihr nur dem Äußern zugewandtes Sein,
sie nennen’s Pflicht;
daß sie das Heiligtum entweihn,
sie wissen’s nicht.

Es führt sie kreuz und quer und
führt sie weit ihr Wissensdrang;
in sich zu gehn jedoch fehlt es an Zeit,
denn dieser Gang,

der nächste, kürzeste zum wahren Ich,
wird erst getan,
sieht man die Brücken brechen hinter sich
und seinem Wahn.

Die Antwort, die das Leben schuldig blieb,
hier hört man sie,
und Sehnsucht sänftigt sich und Leid und Lieb
zur Harmonie.

Und Gottes Odem löst,
in ihm erwacht,
leise und sacht,
was ihn gefesselt hielt in banger Nacht,
bis es vollbracht.

<Ephides>

Irrtümer

Banksy ist das Pseudonym eines britischen Streetart-Künstlers.

Versperrte Rettungsgassen,
dicht an dicht gedrängte Menschenmassen.

Gaffer und Pöbler filmen den Schrei der Entsetzten,
ergötzen sich am Leid und Tod der Verletzten.

In den Städten, Massenkäufe,
erste Klinik mit Triage-Verläufen.

Keine Zeit für Nächstenliebe.
Krankenhäuser Wirtschaftsbetriebe?!

Ökonomisch vertretbares Treiben?
Durch Kostendruck und Mangel auf der Strecke bleiben?!

Lukrative Indikationen?
Das Geschäft mit Kranken muss sich lohnen?

Nur, wer Gewinne erzielt kann sich halten.
Betriebswirte entscheiden und verwalten!

Der zum Helfen gedacht, geht sparsam voran.
Manch neuer Chefarzt setzt den Rotstift an.

Private Investoren – Geschäftemacher!
Wann wird diese Regierung wacher?

Das Gute fördern! Bei wohltätigen Dingen
kann nur Verstaatlichung Abhilfe bringen.

Fühle der Polizisten ohnmächtiges Treiben,
wenn unsre Gerichte „Bewährung“ entscheiden.

Das Übel der Welt wird es weiterhin tun.
Was soll dies ‚blinde‘ Gutmenschentum?

Wird sein, wie bei allen Geschäftemachern:
Die Masse wird blutend das Schlachtfeld verlassen!

Bewusst-sein

Das Gebet – Hans Georg Leiendecker

Es sind so viele Stufen auf der Leiter,
so viele Hürden, die wir übersteigen.

Und fallen wir oft tief, wir gehen weiter,
auch wenn wir Kränkung und Verlust erleiden.

Der Weg scheint weit, der Stolpersteine viele.
Es trägt der Mensch sein kleines Licht im Herzen.

Leuchtet den Andern, Aller Weg, zum Ziele.
Verschwendet Licht, wie sanfter Glanz von Kerzen.

Bewusstsein bringend soll das Leben sein.
Den Engeln gleichend sollen wir erstrahlen.

Es wird auf Erden heller Seelen-Schein
uns Hoffnung in die dunklen Herzen malen.

Des armen Knaben Christbaum

Was für ein fröhlich Tun und Treiben
Am Weihnachtsmarkt bis in die Nacht,
Wie funkelt durch erhellte Scheiben
Der schönen Waren bunte Pracht!
Wer kaufen will, muss heut noch laufen.
Dass er den Christbaum schmücken mag,
Wer feil hat, will noch heut verkaufen,
Denn morgen ist Bescherungstag.

Doch sieh, wie mit betrübten Mienen
Dort an der Ecke, frosterstarrt,
Vom nahen Gaslicht hell beschienen,
Ein Knabe noch des Käufers harrt;
Er hat den Christbaum selbst geschnitten
Mit saurer Müh im Tannenwald,
Sein schüchtern Auge scheint zu bitten:
„O kauft mir ab, die Nacht ist kalt!“

„Kauft ab, ihr könnt so lustig lachen,
Ihr habt das Glück, und ich die Not;
Was soll ich mit dem Christbaum machen?
Die Mutter krank, der Vater tot!“
Doch Niemand, der des bleichen Kleinen
Und seines Baums gewahren mag,
Vorbei rennt jeder mit dem Seinen, —
Und heut ist schon der letzte Tag!

Doch schau, da kommt mit muntrem Schritte
In Sammetpelz und Federhut –
Die schöne Mutter in der Mitte –
Ein Kinderpärchen wohlgemut;
Den Korb gefüllt mit Weihnachtsgaben,
Trabt hinterher des Hauses Knecht –
„O Mutter, sieh den Baum des Knaben,
Der ist für uns noch eben recht!“

Die schöne Mutter zahlt in Eile
Dem Knaben sein Viergroschenstück,
Er dankt – und schaut noch eine Weile
Den Frohen nach mit trübem Blick:
Wir wird sein Christbaum morgen funkeln
Im fremdem Haus, im Kerzenschein,
Und ach! im Kämmerlein, im dunkeln,
Wie still wird seine Weihnacht sein!

Drum Kinder, wenn, bekränzt mit Gaben,
Euch euer Christbaum fröhlich brennt,
Denkt, ob ihr nicht den bleichen Knaben
Und seine kranke Mutter kennt?
Und geht und trocknet ihm die Wangen
Und lernet von dem heilgen Christ.
Dass zwar vergnüglich das Empfangen,
Doch seliger das Geben ist!

Karl Friedrich von Gerok (1815-1890)

In Acht und Bann

Labyrinth in der Cathédrale Notre-Dame de Chartres

Wo sonst Motoren dröhnen, war es still.
Gespenstisch ging die Ruhe durch die Nacht.

Der Nachtwind rauschte, ein Gefühl
von beinah ausgestorben, dichtgemacht.

Fast war es so, wie früher, autolos.
Das Fenster war gekippt, die Katze schlief.

Der dunkle Himmel spannte sternenlos
über dem Traumgeschehen, flüchtig, tief.

Es schien, als hält die Welt den Atem an,
als Zeichen für die schicksalhafte Zeit.

Ein Unsichtbarer legt in Acht und Bann,
was vormals Kirche tat, mit großem Leid.

Einst Strafe, höchster Reichserlass,
für vogelfrei erklärte Kreatur.

Was man nicht sehen kann, wird nicht gefasst!
Wir hemmen nur ein wenig seine Spur.

Ob es uns findet? Groß das Labyrinth.
Ich danke Gott und meiner Zuversicht:

Es wird kein Ende sein, Neues beginnt!
In jedem Chaos brennt ein Hoffnungslicht.