Kirchenirrtümer

William Adolphe Bouguereau  1825-1905

Sehnsucht nach Hause brannte tief in unsren Herzen,
Erinnerungen an Lemuria, an ferne Welten.
Gedachten dem verlornen Paradies mit Schmerzen
und wussten doch, die Trennung wird nicht ewig gelten.
 
Sind seit Jahrtausenden mit dieser Welt verbunden,
wissend der Wurzeln längst vergangener Kulturen.
Des Mensch-Seins Höh’n und Tiefen haben wir empfunden,
die Weltgeschichte ist gefüllt mit unsren Spuren.
 
 Martyrium gehetzter Seelen, Qualen,
erlitten unter kirchlichem Geheiß, durch falsche Lehren.
Inquisition ließ uns mit Flammentod das Requiem bezahlen;
die Kirche war bemüht, die wahren Glaubenssätze umzukehren.
 
Inkarnationen ließen unsre alten Seelen reifen
und stets verbunden mit den fernen Himmelsmächten,
uns oftmals fragend an den Überlieferungen zweifeln.
Das Licht in uns begann das Kirchendogma anzufechten.
 
Mehr als vierhundert Jahre sind ins Land gegangen,
als Luthers Thesen päpstliche Erlässe reformierten,
doch blieb der Klerus stets im alten Netz gefangen,
auch wenn gelehrte Köpfe lautstark protestierten.
 
Nehmt Jesus endlich von den Kreuzen dieser Erde!
Mit seiner Himmelfahrt wollte er Zeugnis geben,
dass so vom Kreuz befreit das Leid zur Liebe werde,
Christ ist IN UNS die Auferstehung und das ewige Leben.

Der letzte Schritt

Jüngling und Tod – Jacopo Vignali 1592-1664

Mit jeder Freude geht die Trauer mit.
Gevatters Sense pflügt des Daseins Endung.
Es folgt der Todesengel uns mit jedem Schritt;
so liegt in jedem Leben auch Beendung.

Der Atem Gottes weht durch diese Welt.
In jedem Leben fließt der Liebe Geist.
So, wie die Ähren, Halm an Halm gestellt,
der Sturm des Lebens alle niederreißt,

und Mitleid reift heran in manchem Trieb.
Wenn andre hilflos beieinander liegen,
fällt Nächstenliebe durch ein hehres Sieb,
lässt zarte Keime lichtgesegnet siegen.

Am Lebensende bringt der Tod die Wendung.
Lasst gehen uns den letzten, schweren Schritt.
Leid steht am Ende jeder Lebenssendung,
doch jedes Opfer bringt den Segen mit.

Der Herbst

Hans Andersen Brendekilde (1857-1942)

Jetzt ist es Herbst,
Die Welt ward weit,
Die Berge öffnen ihre Arme
Und reichen dir Unendlichkeit.
Kein Wunsch, kein Wuchs ist mehr im Laub,
Die Bäume sehen in den Staub,
Sie lauschen auf den Schritt der Zeit.

Jetzt ist es Herbst,
das Herz ward weit.
Das Herz, das viel gewandert ist,
Das sich verjüngt mit Lust und List,
Das Herz muss gleich den Bäumen lauschen
Und Blicke mit dem Staube tauschen.
Es hat geküsst, ahnt seine Frist,
Das Laub fällt hin, das Herz vergisst.

Max Dauthendey
(1867 – 1918)

Grenzenlose Liebe

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William Adolphe Bouguereaut 1825-1905

So, wie der Wind die Vögel trägt,
so trag ich dich auf Händen,

wenn dich ein Seelensturm erregt,
ich will ihn von dir wenden;

will streicheln dich mit Sommerbrisen
und warm dich sanft umströmen,

will dich auf bunt gefärbten Wiesen
mit Sonnenlicht verwöhnen;

ich geb‘ dir Halt und Lebensmut,
solang‘ du bei mir bist,

das Böse um dich mach‘ ich gut,
die Dunkelheit zum Licht.

Ich führ‘ dich in ein Märchenland
der goldbekränzten Feen,

die, wie mit unsichtbarer Hand,
dir Himmelsblumen säen.

Ich bin mit dir und halt dich warm,
wenn du zu frieren drohst,

schläfst du erst sanft in meinem Arm,
wird Liebe grenzenlos.


Zum Jahresgedenken

Patrick Seidel
18.11.1981 – 29.10.2019


„Hast du Angst vor dem Tod?“, fragte der kleine Prinz die Rose.
Darauf antwortete sie: „Aber nein. Ich habe doch gelebt, ich habe geblüht und meine Kräfte eingesetzt soviel ich konnte. Und Liebe, tausendfach verschenkt, kehrt wieder zurück zu dem, der sie gegeben. So will ich warten auf das neue Leben und ohne Angst und Verzagen verblühen.“

Antoine de Saint-Exupéry

Wir vermissen Dich!

Gott allein hat sie gezählet…

Ich habe meine Seele gerettet – Vladimir Kush

Wolkenberge treiben am Himmelsblau.
Erhellen den grauen Horizont,
rosig, wie in Sommernächten.
Ewiges Werden und Vergehen.
Treiben lautlos zerfließend,
in zahllosen Formen.
Entschwinden,
wie hehre Luftgestalten
mit weißen Gewändern,
schweigenden Gesichtern
und Tiergestalten.
Atmen die Sphäre des Himmels
in die Schwere des Lebens,
Wolkenwanderer,
immer wiederkehrend
in neuer Schöpfung.
Leuchtend in vielen Nuancen.
Inspiration für Tagträumer.

Schneeflocke

Der Wind trägt dich aus fernen Weiten,
lässt dich aus grauen Himmeln gleiten,
glitzernd wie ein kristallner Stern.
 
Bist so vergänglich, winzig klein,
doch wirst du in Gesellschaft vieler Flocken
bald wie ein weißer Riese sein.
 
Ein kühler Hauch bist du, bedenkt,
aus Wasser nur – auch wenn man’s halten kann,
doch rinnt aus deinem Schmelz alsdann
wieder ein flüchtig’ Element.
 

David gegen Goliath

Maximilian Pirner (1854-1924) – Der Tod

So stark fühlt sich doch mancher Held,
dem Schicksal überlegen.
Er raubt den ander‘n Gut und Geld,
stemmt seine Macht dagegen.

Er meuchelt Mensch, schlachtet das Tier;
hat Blut an seinen Händen.
Er bläht sich auf, lügt dort und hier,
die Ich-Sucht will nicht enden.

Doch ist der Gegner winzig klein,
und schwerlich auszumachen,
bekämpft die Wissenschaft allein
die unsichtbaren Sachen.

Die sind viel stärker als gedacht,
schlagen die Weltverbände.
Die Weltbeherrscher, die gelacht,
sind ahnungslos am Ende.

Es beugt sich Mensch, im Demutsgang,
so sonderbar verbunden;
Reichtum und Macht sind hier vertan,
gelähmt die Wirtschaftsstunden.

Der Untergang der Welt scheint nah;
die Lügner stehn und schreien.
Die Gräber sind schon offenbar –
wer kann sich das verzeihen?!

Es stirbt doch nur das alte Volk,
seht nur, der Tod, er wartet.
Er fordert Leben, seinen Sold
und pflügt den Wohlstandsgarten.

Niemand kann fliehen, dem entgehen,
keiner ist auserkoren.
Wen hat das Schicksal vorgesehen?
Der Held hat längst verloren!

Alter Fluss

Es liegt ein silbergraues Gleiten,
ein altes Fließen trüber Kraft,
über des Wassers flussbegrenzte Weiten,
der fernen Ozeane Lebenskraft;
als wollt’ er hundert Meere füllen,
wälzt er durch tiefes Bett die Fluten,
nichts Irdisches kann seine Kräfte stillen,
so wird er stets den Weg zu neuen Ufern suchen.

Winter will es werden

Carl-Ludwig Fahrbach (1835-1902)

Dunkel wird’s schon frühe,
Sonne dringt mit Mühe,
durch den grauen Dunst.
 
Nebel wallen wieder,
Kälte lähmt die Glieder.
Schleierhafte Kunst!
 
Kalt ist es geworden,
und vom hohen Norden
ziehn die Winde ein.
 
Tanzen durch die Straßen,
singen in den Gassen,
säubern Feld und Stein.
 
Fegen durch die Schächte,
einsam sind die Nächte;
Seelen wachen müd.
 
Winter will es werden,
und der Herbst auf Erden,
singt sein Abschiedslied.