Kirchenirrtümer

William Adolphe Bouguereau  1825-1905

Sehnsucht nach Hause brannte tief in unsren Herzen,
Erinnerungen an Lemuria, an ferne Welten.
Gedachten dem verlornen Paradies mit Schmerzen
und wussten doch, die Trennung wird nicht ewig gelten.
 
Sind seit Jahrtausenden mit dieser Welt verbunden,
wissend der Wurzeln längst vergangener Kulturen.
Des Mensch-Seins Höh’n und Tiefen haben wir empfunden,
die Weltgeschichte ist gefüllt mit unsren Spuren.
 
 Martyrium gehetzter Seelen, Qualen,
erlitten unter kirchlichem Geheiß, durch falsche Lehren.
Inquisition ließ uns mit Flammentod das Requiem bezahlen;
die Kirche war bemüht, die wahren Glaubenssätze umzukehren.
 
Inkarnationen ließen unsre alten Seelen reifen
und stets verbunden mit den fernen Himmelsmächten,
uns oftmals fragend an den Überlieferungen zweifeln.
Das Licht in uns begann das Kirchendogma anzufechten.
 
Mehr als vierhundert Jahre sind ins Land gegangen,
als Luthers Thesen päpstliche Erlässe reformierten,
doch blieb der Klerus stets im alten Netz gefangen,
auch wenn gelehrte Köpfe lautstark protestierten.
 
Nehmt Jesus endlich von den Kreuzen dieser Erde!
Mit seiner Himmelfahrt wollte er Zeugnis geben,
dass so vom Kreuz befreit das Leid zur Liebe werde,
Christ ist IN UNS die Auferstehung und das ewige Leben.

Der Herbst

Hans Andersen Brendekilde (1857-1942)

Jetzt ist es Herbst,
Die Welt ward weit,
Die Berge öffnen ihre Arme
Und reichen dir Unendlichkeit.
Kein Wunsch, kein Wuchs ist mehr im Laub,
Die Bäume sehen in den Staub,
Sie lauschen auf den Schritt der Zeit.

Jetzt ist es Herbst,
das Herz ward weit.
Das Herz, das viel gewandert ist,
Das sich verjüngt mit Lust und List,
Das Herz muss gleich den Bäumen lauschen
Und Blicke mit dem Staube tauschen.
Es hat geküsst, ahnt seine Frist,
Das Laub fällt hin, das Herz vergisst.

Max Dauthendey
(1867 – 1918)

Grenzenlose Liebe

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William Adolphe Bouguereaut 1825-1905

So, wie der Wind die Vögel trägt,
so trag ich dich auf Händen,

wenn dich ein Seelensturm erregt,
ich will ihn von dir wenden;

will streicheln dich mit Sommerbrisen
und warm dich sanft umströmen,

will dich auf bunt gefärbten Wiesen
mit Sonnenlicht verwöhnen;

ich geb‘ dir Halt und Lebensmut,
solang‘ du bei mir bist,

das Böse um dich mach‘ ich gut,
die Dunkelheit zum Licht.

Ich führ‘ dich in ein Märchenland
der goldbekränzten Feen,

die, wie mit unsichtbarer Hand,
dir Himmelsblumen säen.

Ich bin mit dir und halt dich warm,
wenn du zu frieren drohst,

schläfst du erst sanft in meinem Arm,
wird Liebe grenzenlos.


Zum 1. Jahresgedenken

Patrick Seidel
18.11.1981 – 29.10.2019


„Hast du Angst vor dem Tod?“, fragte der kleine Prinz die Rose.
Darauf antwortete sie: „Aber nein. Ich habe doch gelebt, ich habe geblüht und meine Kräfte eingesetzt soviel ich konnte. Und Liebe, tausendfach verschenkt, kehrt wieder zurück zu dem, der sie gegeben. So will ich warten auf das neue Leben und ohne Angst und Verzagen verblühen.“

Antoine de Saint-Exupéry

Wir vermissen Dich!

David gegen Goliath

Maximilian Pirner (1854-1924) – Der Tod

So stark fühlt sich doch mancher Held,
dem Schicksal überlegen.
Er raubt den ander‘n Gut und Geld,
stemmt seine Macht dagegen.

Er meuchelt Mensch, schlachtet das Tier;
hat Blut an seinen Händen.
Er bläht sich auf, lügt dort und hier,
die Ich-Sucht will nicht enden.

Doch ist der Gegner winzig klein,
und schwerlich auszumachen,
bekämpft die Wissenschaft allein
die unsichtbaren Sachen.

Die sind viel stärker als gedacht,
schlagen die Weltverbände.
Die Weltbeherrscher, die gelacht,
sind ahnungslos am Ende.

Es beugt sich Mensch, im Demutsgang,
so sonderbar verbunden;
Reichtum und Macht sind hier vertan,
gelähmt die Wirtschaftsstunden.

Der Untergang der Welt scheint nah;
die Lügner stehn und schreien.
Die Gräber sind schon offenbar –
wer kann sich das verzeihen?!

Es stirbt doch nur das alte Volk,
seht nur, der Tod, er wartet.
Er fordert Leben, seinen Sold
und pflügt den Wohlstandsgarten.

Niemand kann fliehen, dem entgehen,
keiner ist auserkoren.
Wen hat das Schicksal vorgesehen?
Der Held hat längst verloren!

Kleine Stadt am Sonntagmorgen

Bild von Peggy Choucair auf Pixabay

Das Wetter ist recht gut geraten.
Der Kirchturm träumt vom lieben Gott.
Die Stadt riecht ganz und gar nach Braten
und auch ein bisschen nach Kompott.

Am Sonntag darf man lange schlafen.
Die Gassen sind so gut wie leer.
Zwei alte Tanten, die sich trafen,
bestreiten rüstig den Verkehr.

Sie führen wieder mal die alten
Gespräche, denn das hält gesund.
Die Fenster gähnen sanft und halten
sich die Gardinen vor den Mund.

Der neue Herr Provisor lauert
auf sein gestärktes Oberhemd.
Er flucht, weil es so lange dauert.
Man merkt daran: Er ist hier fremd.

Er will den Gottesdienst besuchen,
denn das erheischt die Tradition.
Die Stadt ist klein. Man soll nicht fluchen,
Pauline bringt das Hemd ja schon!

Die Stunden machen kleine Schritte
und heben ihre Füße kaum.
Die Langeweile macht Visite.
Die Tanten flüstern über Dritte.
Und drüben, auf des Marktes Mitte,
schnarcht leise der Kastanienbaum.

Erich Kästner (1899-1974)

Einfaches Lebensglück

Unser Zeitgeist ist hochtechnisiert. Das hat eine gute und eine weniger gute Seite. Es gilt Althergebrachtes zu erhalten und zu bewahren.

Maschinen übernehmen die Arbeit aus Jahrhunderten und der Mensch hat sich in eine große Abhängigkeit begeben. Die nächsten Generationen verlieren nicht nur altes Wissen, sondern auch alte Fähigkeiten. Würde die Technik ausfallen, ginge alles verloren und die Menschheit müsste bei Null beginnen.

„Alexa“ kann nichts mehr sagen, wenn man ihr den Stecker zieht.

Lebensweg

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Sulamith Wülfing (1901-1989)

Wenn du mich rufst, dann komme ich
durch finst’re Nacht zu dir.
 
Wenn du mich suchst, dann brennt ein Licht
ganz hell an meiner Tür.
 
Du findest mich im Überall,
siehst mich in deinen Träumen;
 
bin schneller bei dir als der Schall,
wie Wind in allen Bäumen.
 
Den Plan für deine weit’ren Wege,
halt ich in meiner Hand;
 
du wirst sie sicher finden,
darauf hast du mein Pfand!
 
Ließ ich doch mein Vertrauen
und meine Liebe dir,
 
so lass’ mich durch dich schauen,
des Lebens Wunder hier.
 
Dann fließen alle Fragen
und alle Zweifel fort,
 
nie soll dein Herz verzagen,
an einem falschen Wort.

Trugschluss

John William Waterhouse  1849-1917

Manche Träume, die träumt man allein,
des Abends bei flackernden Kerzen,
manch eine Treue ist leider nur Schein,
die Wahrheit erkennt man mit Schmerzen.
 
Manch einen Wandel durchlebet die Zeit,
was gestern geglänzt, steht durchrostet.
Schnell friert die Liebe im eisigen Kleid,
Wärme von einst ist durchfrostet.
 
Vermeintliches Gold wird zum wertlosen Tand,
blättert ab von brillanter Attrappe.
Nimmt dem Edlen das Feine, die entblößende Hand,
wird das Hartgold zur biegsamen Pappe!
 
Manch eine Liebe ist Alltag und Pflicht,
manch eine bringt Wachstum und Segen.
Gefühl und Vertrauen, wenn beides bricht,
sinkt die Sonne im Schatten des Regens.