Ich kenn’ die Stadt, in der die Mauern flüstern; hier wuchs ich auf, die Straßen ungeteert. Koksrauch ließ manche Häuserfront verdüstern, wie ein zerschlissenes Kleid, von Ärmlichkeit beschwert.
Und jede Pfütze glitzerte im Regen - wir Kinder stapften fröhlich durch die Lachen, auf bordsteinlosen, dunklen Wegen, wo Regenwürmer durch die Erde brachen.
Die alten Straßen trugen meine Schritte, aus jedem Haus sprach die Vergangenheit; verhallt ist jeder meiner Kindheitstritte, mir eilt voran der Gang der Lebenszeit.
Das Alte ist längst fort und abgehandelt; das Schicksal schlägt im Buch die Seite um. Was hat der Mensch belassen, was gewandelt? Die Münder meiner Ahnen bleiben stumm!
Als ihre Herzen pochten und die Quellen flossen, aus denen sich des Standpunkts Klarheit nährt, wie zuversichtlich wirkten sie entschlossen auf falschen Wegen, die das Glück verwehrt.
Das Leben ist des Lichtes reiner Segen, bewahre ihn, der selbst dich ‚reif‘ gemacht. Des Vaters Glanz liegt wie ein Blühn auf Wegen, senk demutsvoll davor dein Haupt herab.
Die Woche beginnen mit sanften Klängen,
die, wie Blumenwiesen auf grünen Hängen,
die duftigen Bilder und Töne uns zeigen,
die, wie wallende Nebel aus den Mooren steigen,
Mit freudiger Achtung den Tag beginnen,
ihn heilig machen, wie ein himmlisches Schwingen.
Und liebend empfangen die Sonne am Morgen,
die Stunden betrachten in Glück oder Sorgen.
Die Bläue des Himmels als Geschenk erachten;
auch im Alter den Körper als solches betrachten.
Mit goldener Flamme einst himmelan fliegen,
um schweigend in den Armen des Schöpfers zu liegen.
Voll Sorge saß ich lang,
als Regentropfen unaufhaltsam
gegen meine Scheiben klopften.
Mein Herz wurd’ bang.
Ich schloss das Fenster, weil es stürmte.
Die Straßen waren leer, das Leben fort;
am Horizont sich schwarze Wolkenmassen türmten,
bedrohlich war die Stille hier am Ort.
Ich schaute, wie der Sturm die Bäume knickte,
wich einen Schritt zurück in Sicherheit,
und als ich wieder auf die Straße blickte,
war keine Seele dort zu sehen, weit und breit.
Der Regen kam in sintflutart’gen Bächen,
die sich vom Dach ergossen, wie ein Wasserfall.
Es war, als müssten alle Dämme brechen
und die Natur ertrinken, überall.
Der Sturmwind heulte um die Dächer,
nahm Ziegel sich als Opfergabe
und in der Ferne zwischen Wolkenfächern,
durchzuckten Blitze, grell, mit Imponiergehabe.
Weltuntergang – die Luft ist stickig schwer,
nachtschwarzer Tag, gefärbt in gelbes Licht.
Nur Donnergrollen ist zu hören ringsumher,
die Erde zeigt ihr zorniges Gesicht.
Es ist, als würden alle Englein Trauer halten,
beweinen heut’ der Menschheit missliches Geschick,
ermahnen sie durch die Naturgewalten,
zur Umkehr und zur Demut – einen Augenblick.
„Wir damals“, höre ich die Alten sagen, „wir lösten sie besser, die Ausländer-Fragen! Wer hier nicht hingehört, durfte nicht bleiben. ‚Die Guten ins Töpfchen‘, die andern vertreiben, und die hier fremd im Außen und Innen, einen Blumentopf können die hier nicht gewinnen! ‚Die Schlechten ins Kröpfchen‘, wir siebten sie aus.“
Heut‘ ziehn wir im Urlaub zu ihnen hinaus, wie selbstverständlich, die Länder besuchen, die unsre Ahnen als „entartet“ verfluchten. Wenn ‚Gutmenschen‘ sie heute auch anders nennen, die Minderwertigkeit kann man in den Köpfen nicht trennen.
Vielfältig sind die Menschenwesen, die ein ewiges Ziel im geistigen Bild erstreben, Ihm opfernd Namen geben und Mauern bauen, die Verschiedenheiten durch Religion untermauern.
Hat Gott „Entartete“ erschaffen? Ist Nächstenliebe nicht die stärkste aller Waffen? Nur Gott kann Irrtümer aus den Herzen nehmen! Er kennt allein das Ziel, das wir alle ersehnen. Sehend werden Seelen einst in Ihm finden, den ‚fremden‘ Bruder und sich demütig mit ihm verbinden.
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