Wenn der Regen niederbraust, wenn der Sturm das Feld durchsaust, bleiben Mädchen oder Buben hübsch daheim in ihren Stuben. Robert aber dachte: Nein! Das muss draußen herrlich sein! Und im Felde patschet er mit dem Regenschirm umher.
Hui, wie pfeift der Sturm und keucht, dass der Baum sich niederbeugt! Seht! Den Schirm erfasst der Wind, und der Robert fliegt geschwind durch die Luft so hoch, so weit. Niemand hört ihn, wenn er schreit. An die Wolken stößt er schon, und der Hut fliegt auch davon.
Schirm und Robert fliegen dort durch die Wolken immerfort. Und der Hut fliegt weit voran, stößt zuletzt am Himmel an. Wo der Wind sie hingetragen, Ja, das weiß kein Mensch zu sagen.
Kinderbuch von:
Dr. Heinrich Hoffmann (1809-1894)
Obwohl das Kinderbuch heutzutage zur ’schwarzen‘ Pädagogik gehört, war es noch zu meiner Zeit ein Mittel der Erziehung. Bereits mit vier Jahren konnte ich es auswendig. Es war Angst machend und doch spannend zu gleich. Ich habe mich in vielen Geschichten wiedergefunden.
Ihr und die Dummheit zieht in Viererreihen In die Kasernen der Vergangenheit. Glaubt nicht, dass wir uns wundern, wenn ihr schreit. Denn was ihr denkt und tut, das ist zum Schreien.
Ihr kommt daher und lasst die Seele kochen. Die Seele kocht und die Vernunft erfriert. Ihr liebt das Leben erst, wenn ihr marschiert, Weil dann gesungen wird und nicht gesprochen.
Ihr liebt die Leute, die beim Töten sterben. Und Helden nennt ihr sie nach altem Brauch; denn ihr seid dumm und böse seid ihr auch. Wer dumm und böse ist, rennt ins Verderben.
Ihr liebt den Hass und wollt die Welt dran messen. Ihr werft dem Tier im Menschen Futter hin, Damit es wächst, das Tier tief in euch drin! Das Tier im Menschen soll den Menschen fressen.
Ihr möchtet auf den Trümmern Rüben bauen Und Kirchen und Kasernen wie noch nie. Ihr sehnt euch heim zur alten Dynastie Und möchtet Fideikommiss Brot kauen.
Ihr wollt die Uhrenzeiger rückwärts drehen Und glaubt, das ändere der Zeiten Lauf. Dreht an der Uhr! Die Zeit hält niemand auf! Nur eure Uhr wird nicht mehr richtig gehen.
Wie ihr’s euch träumt, wird Deutschland nicht erwachen. Denn ihr seid dumm und seid nicht auserwählt. Die Zeit wird kommen, da man sich erzählt: Mit diesen Leuten war kein Staat zu machen!
Heute geht es uns gut! Jeder erhält im Notfall Sozialleistungen und muss nicht verhungern. Viele jammern trotzdem und wählen aus Frust die ‚blaue‘ Partei. Das wäre ein Rückschritt in die Vergangenheit. Ich kann den Menschen immer nur vor Augen halten, wie es damals war. Die Fremdenfeindlichkeit ist leider geblieben, obwohl im Urlaub alles anders zu sein scheint.
Als Anschluss an meinen letzten Beitrag über die Weltwirtschaftskrisen
Jiddische Lieder – Zupfgeigenhansel
Text und Komposition: Mordechaj Gebirtig (1877-1942) Am 4. Juni 1942 wurde er bei einer Aussiedlungsaktion zusammen mit seinem Künstlerkollegen, dem Maler Abraham Neumann, im Krakauer Ghetto auf offener Straße von einem deutschen Besatzungssoldaten erschossen.
Ejns, Tswej, Draj, Fir, Arbetlose senen mir, (wir sind die Arbeitslosen) Nischt gehert chadoschim lang (seit Monaten haben wir nichts mehr gehört) In farbrik dem hammer-klang, (der Klang der Hämmer in der Fabrik) ‚S lign kejlim kalt, fargesn, (Werkzeuge liegen kalt und vergessen) ‚S nemt der sschawer sej schoj fresn (Am Ende wird der Rost sie auffressen) Gejen mir arum in gas, (Wir schlendern durch die Straßen) Wi di gewirim pust-un-pas, (wie wichtige Leute, die herumtrödeln.) Wi di gewirim pust-un-pas. (wie wichtige Leute, die herumlungern.)
Ejns, Tswej, Draj, Fir, Arbetlos senen mir, (wir sind die Arbeitslosen) On a beged, on a hejm, (ohne Kleidung, ohne ein Zuhause) Undser bet is erd un lejm, (unser Bett ist Erde und Schlamm) Hat noch wer wos tsu genisn (Wenn jemand noch was zu essen hat) Tajt men sich mit jedn bisn, (wir teilen jeden Bissen davon) Waser wi di g’wirim wajn (Wasser, wie die reichen Leute mit Wein) Gisn mir in sich arajn, (wir gießen in uns hinein) Gisn mir in sich arajn. (wir gießen in uns ein)
Ejns, Tswej, Draj, Tanne, Arbetlose senen mir, (wir sind die Arbeitslosen) Jorn lang gearbet, schwer, (Wir haben jahrelang hart gearbeitet) Un geschaft alts mer un mer, (immer mehr und mehr bauen) Hajser, schleser schtet un lender (Häuser, Paläste, Städte und Länder) Far a hojfele farschwebder. (für einen Haufen verlorener Kinder) Unser lojn derfar is woa? (was ist unser Lohn dafür?) Hunger, nojt un arbetlos, (Hunger, Bedürftige und Arbeitslose!) Hunger, nojt un arbetlos. (Hunger, Bedürftige und Arbeitslose!)
Ejns, Tswej, Draj, Fir, Ot asoj marschirn mir, (und darum marschieren wir) Arbetlose, trit noch trit, (Arbeitslose, Schritt für Schritt) Un mir singe sich a lid (und wir singen uns ein Lied) Fun a Land, a weit a naje, (von einem neuen Land, einer neuen Welt, einer neuen) Wu es lebn mentschn fraje, (wo freie Menschen leben) Arbetlos is kejn schum hant, (Niemand ist mehr arbeitslos) In dem najen fajen land, (im neuen freien Land) In dem najen fajen land. (in dem neuen freien Land)
Die Trauer kommt und geht ganz ohne Grund. Und man ist angefüllt mit nichts als Leere. Man ist nicht krank. Und ist auch nicht gesund. Es ist, also ob die Seele unwohl wäre.
Vielleicht hat man sich das Gemüt verrenkt? Die Sterne ähneln plötzlich Sommersprossen. Man ist nicht krank. Man fühlt sich nur gekränkt. Und hält, was es auch sei, für ausgeschlossen.
Man weiß, die Trauer ist sehr bald behoben. Sie schwand noch jedes Mal, so oft sie kam. Mal ist man unten, und mal ist man oben. Die Seelen werden immer wieder zahm.
Ade, zur guten Nacht! Jetzt wird der Schluß gemacht, daß ich muß scheiden;. Im Sommer da wächst der Klee, Im Winter, da schneit´s den Schnee, da komm ich wieder.
Es trauern Berg und Tal, wo ich viel tausendmal bin drüber gegangen; das hat deine Schönheit gemacht, die hat mich zum Lieben gebracht mit großem Verlangen.
Das Brünnlein rinnt und rauscht wohl dort am Holderstrauch, wo wir gesessen. Wie manchen Glockenschlag, da Herz bei Herzen lag, das hast du vergessen!
Die Mädchen in der Welt sind falscher als das Geld mit ihrem Lieben. Ade, zur guten Nacht, jetzt wird der Schluß gemacht, daß ich muß scheiden.
Einsam bist du sehr alleine. Aus der Wanduhr tropft die Zeit. Stehst am Fenster. Starrst auf Steine. Träumst von Liebe. Glaubst an keine. Kennst das Leben. Weißt Bescheid. Einsam bist du sehr alleine – und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.
Wünsche gehen auf die Freite. Glück ist ein verhexter Ort. Kommt dir nahe. Weicht zur Seite. Sucht vor Suchenden das Weite.
Ist nie hier. Ist immer dort. Stehst am Fenster. Starrst auf Steine. Sehnsucht krallt sich in dein Kleid. Einsam bist du sehr alleine – und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.
Schenkst dich hin. Mit Haut und Haaren. Magst nicht bleiben, wer du bist. Liebe treibt die Welt zu Paaren. Wirst getrieben. Musst erfahren, dass es nicht die Liebe ist … Bist sogar im Kuss alleine. Aus der Wanduhr tropft die Zeit. Gehst ans Fenster. Starrst auf Steine. Brauchtest Liebe. Findest keine. Träumst vom Glück. Und lebst im Leid. Einsam bist du sehr alleine – und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit (1947)
Erich Kästner (1899-1974)
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