O wunderbares, tiefes Schweigen,
Wie einsam ist's noch auf der Welt!
Die Wälder nur sich leise neigen,
Als ging' der Herr durchs stille Feld.
Ich fühl mich recht wie neu geschaffen,
Wo ist die Sorge nun und Not?
Was mich noch gestern wollt erschlaffen,
Ich schäm mich des im Morgenrot.
Die Welt mit ihrem Gram und Glücke
Will ich, ein Pilger, frohbereit
Betreten nur wie eine Brücke
Zu dir, Herr, übern Strom der Zeit.
Und buhlt mein Lied, auf Weltgunst lauernd,
Um schnöden Sold der Eitelkeit:
Zerschlag mein Saitenspiel, und schauernd
Schweig ich vor dir in Ewigkeit.
Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff (1788 – 1857)
Kinderbuch „Der Struwwelpeter“ Schriftsteller Dr. Heinrich Hoffmann erschienen bei: Esslinger Verlag Schreiber ISBN: 3-480-20253-5 Altersempfehlung: ab 5 Jahren
Paulinchen war allein zu Haus, Die Eltern waren beide aus. Als sie nun durch das Zimmer sprang Mit leichtem Mut und Sing und Sang, Da sah sie plötzlich vor sich stehn Ein Feuerzeug, nett anzusehn. „Ei,“ sprach sie, „ei, wie schön und fein ! Das muß ein trefflich Spielzeug sein. Ich zünde mir ein Hölzlein an, wie’s oft die Mutter hat getan.“
Und Minz und Maunz, die Katzen, Erheben ihre Tatzen. Sie drohen mit den Pfoten: „Der Vater hat’s verboten!“ Miau! Mio! Miau! Mio! Laß stehn! Sonst brennst Du lichterloh!“
Paulinchen hört die Katzen nicht! Das Hölzchen brennt gar lustig hell und licht, Das flackert lustig, knistert laut, Grad wie ihr’s auf dem Bilde schaut. Paulinchen aber freut sich sehr Und sprang im Zimmer hin und her.
Doch Minz und Maunz, die Katzen, Erheben ihre Tatzen. Sie drohen mit den Pfoten: „Die Mutter hat’s verboten ! Miau! Mio! Miau! Mio! Wirf’s weg! Sonst brennst Du lichterloh
Doch weh ! Die Flamme faßt das Kleid, Die Schürze brennt; es leuchtet weit. Es brennt die Hand, es brennt das Haar, Es brennt das ganze Kind sogar.
Und Minz und Maunz, die schreien Gar jämmerlich zu zweien : „Herbei ! Herbei ! Wer hilft geschwind ? Im Feuer steht das ganze Kind ! Miau! Mio! Miau! Mio! Zu Hilf‘! Das Kind brennt lichterloh !“
Verbrannt ist alles ganz und gar, Das arme Kind mit Haut und Haar; Ein Häuflein Asche bleibt allein Und beide Schuh‘, so hübsch und fein.
Und Minz und Maunz, die kleinen, die sitzen da und weinen : „Miau ! Mio ! Miau ! Mio ! Wo sind die armen Eltern ? Wo ?“ Und ihre Tränen fließen Wie’s Bächlein auf den Wiesen.
Die Grabstätte der mit 16 Jahren verstorbenen Pauline Schmidt (27.12.1840 – 18.06.1856) gibt es tatsächlich. Sie liegt auf dem Frankfurter Friedhof „Im Gewann“ mit der Grabnummer 148. Dieser Ort ist Ziel von vielen Besuchern. Pauline Schmidt war die Tochter einer in Frankfurt lebenden Arztfamilie. Wie Historiker feststellten, ist sie nicht an ihrem Spiel mit dem Feuer gestorben, sondern an Typhus oder Lungenschwindsucht.
Bereits 1820 erschien in London das Kinderbuch „The Lily“, ein Mädchen, das mit Zündhölzern spielte. Hier handelte es sich womöglich um die Vorläuferin Paulinchens im „Struwwelpeter“.
Arzt und Autor des weltbekannten Buches „Der Struwwelpeter“ war der Psychiater Dr. Heinrich Hoffmann (1809-1894), der tagtäglich mit Krankheiten seiner jungen Patienten umgehen musste.
Die Wirkung des Buches verängstigte die kleinen Leser und galt als Warnung, nicht das Gleiche zu tun. Durch die Augen eines Kindes gesehen, waren alle Geschichten wahr und sehr einprägend. Die Bilder bewirkten mehr, als der erhobene Zeigefinger der Eltern.
Dieses Buch konnte ich bereits mit 5 Jahren auswendig. Alle Geschichten haben mich fasziniert und geängstigt zugleich. Heutzutage nennt man das ‚Schwarze Pädagogik‘, die manipuliert und verborgen Macht ausübt. Besser ein Kind schaut sich das Bild eines brennenden Mädchens an, als sich unachtsam selbst zu verbrennen.
Bei aller Vorsicht vergisst man leider, dass heute jedes Kind der Manipulation und verborgenen Macht durch Medien und sonstigen Alltäglichkeiten ausgesetzt ist.
Die Geschichten des Bilderbuches haben ihren festen Platz in meinem Kopf und sind ein Teil meiner fernen Vergangenheit.
Das bin ich, 4. Jahre alt, mit meiner „Schatzkiste“ voller Mickey Mouse Hefte und dem Struwwelpeter
Englischsprachiges geistliches Lied, das zu den beliebtesten Kirchenliedern der Welt zählt.
Text: John Newton (1725-1807).
John Newton war der Kapitän eines Sklavenschiffs. Nachdem er am 10. Mai 1748 in schwere Seenot geraten und nach Anrufung des Erbarmens Gottes gerettet worden war, behandelte er zunächst die Sklaven menschlicher. Nach einigen Jahren gab er seinen Beruf sogar ganz auf, wurde stattdessen Geistlicher und trat gemeinsam mit William Wilberforce für die Bekämpfung der Sklaverei ein. (Quelle: Wikipedia.org)
Amazing grace! How sweet the sound
That saved a wretch like me!
I once was lost, but now am found;
Was blind, but now I see.
’Twas grace that taught my heart to fear,
And grace my fears relieved;
How precious did that grace appear
The hour I first believed.
Through many dangers, toils and snares,
I have already come;
’Tis grace hath brought me safe thus far,
And grace will lead me home.
The Lord has promised good to me,
His Word my hope secures;
He will my Shield and Portion be,
As long as life endures.
Yea, when this flesh and heart shall fail,
And mortal life shall cease,
I shall possess, within the veil,
A life of joy and peace.
The earth shall soon dissolve like snow,
The sun forbear to shine;
But God, who called me here below,
Will be forever mine.
When we’ve been there ten thousand years,
Bright shining as the sun,
We’ve no less days to sing God’s praise
Than when we’d first begun.
Übersetzung:
Erstaunliche Gnade! Wie süß der Klang,
die einen Unglücklichen wie mich rettete!
Einst war ich verloren, doch nun bin ich gefunden;
war blind, doch nun sehe ich.
Gnade war's, die mein Herz das Fürchten lehrte,
und die Gnade hat meine Ängste gelindert;
wie kostbar erschien diese Gnade
in der Stunde, da ich zum ersten Mal glaubte.
Durch viele Gefahren, Mühen und Fallstricke,
bin ich schon gekommen;
die Gnade hat mich sicher bis hierher gebracht,
und die Gnade wird mich heimführen.
Der Herr hat mir Gutes verheißen,
sein Wort sichert meine Hoffnung;
Er wird mein Schutz und meine Zuflucht sein,
solange das Leben währt.
Ja, wenn dieses Fleisch und Herz versagen,
und das sterbliche Leben vergeht,
werde ich im Innern des Schleiers
ein Leben in Freude und Frieden besitzen.
Die Erde wird sich bald auflösen wie Schnee,
und die Sonne wird nicht mehr scheinen;
doch Gott, der mich hierher gerufen hat,
wird für immer mein sein.
Wenn wir zehntausend Jahre dort gewesen sind,
hell leuchtend wie die Sonne,
haben wir nicht weniger Tage, um Gottes Lob zu singen
als zu Beginn unserer Reise.
Ich werde für einige Zeit pausieren und wünsche allen Besuchern meiner Seite ein sonniges Pfingstfest und angenehme Tage.
Ein Pfingstgedichtchen will heraus
ins Freie, ins Kühne.
So treibt es mich aus meinem Haus
ins Neue, ins Grüne.
Wenn sich der Himmel grau bezieht,
mich stört's nicht im geringsten.
Wer meine weiße Hose sieht,
der merkt doch: Es ist Pfingsten.
Nun hab ich ein Gedicht gedrückt,
wie Hühner Eier legen,
und gehe festlich und geschmückt -
Pfingstochse meinetwegen -
dem Honorar entgegen.
O schaurig ist's übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt! –
O schaurig ist's übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!
Fest hält die Fibel das zitternde Kind
Und rennt, als ob man es jage;
Hohl über die Fläche sauset der Wind –
Was raschelt drüben am Hage?
Das ist der gespenstische Gräberknecht,
Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!
Hinducket das Knäblein zage.
Vom Ufer starret Gestumpf hervor,
Unheimlich nicket die Föhre,
Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
Durch Riesenhalme wie Speere;
Und wie es rieselt und knittert darin!
Das ist die unselige Spinnerin,
Das ist die gebannte Spinnenlenor',
Die den Haspel dreht im Geröhre!
Voran, voran! Nur immer im Lauf,
Voran, als woll es ihn holen!
Vor seinem Fuße brodelt es auf,
Es pfeift ihm unter den Sohlen,
Wie eine gespenstige Melodei;
Das ist der Geigemann ungetreu,
Das ist der diebische Fiedler Knauf,
Der den Hochzeitheller gestohlen!
Da birst das Moor, ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:
„Ho, ho, meine arme Seele!“
Der Knabe springt wie ein wundes Reh;
Wär nicht Schutzengel in seiner Näh,
Seine bleichenden Knöchelchen fände spät
Ein Gräber im Moorgeschwele.
Da mählich gründet der Boden sich,
Und drüben, neben der Weide,
Die Lampe flimmert so heimatlich,
Der Knabe steht an der Scheide.
Tief atmet er auf, zum Moor zurück
Noch immer wirft er den scheuen Blick:
Ja, im Geröhre war's fürchterlich,
O schaurig war's in der Heide.
Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) – Gemälde von Johann Josef Sprick
Altes Volkslied dessen Text von Karl Ströse (1853-1918) erstmals veröffentlicht wurde; vertonte Fassung von Gustav Weber 1886
Peder Mørk Mønsted (1859-1941) – Im Garten
Kinder- und Jugendchor Erfurt
Nun will der Lenz uns grüßen,
von Mittag weht es lau;
aus allen Ecken sprießen
die Blumen rot und blau.
Draus wob die braune Heide
sich ein Gewand gar fein
und lädt im Festtagskleide
zum Maientanze ein.
Waldvöglein Lieder singen,
wie ihr sie nur begehrt,
drum auf zum frohen Springen,
die Reis’ ist Goldes wert!
Hei, unter grünen Linden,
da leuchten weiße Kleid!
Hei ja, nun hat uns Kinden
ein End’ all’ Wintersleid.
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu jeder Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen.
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegensenden,
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde.
Hermann Hesse (1877-1962) Gemälde von Ernst Würtenberger 1905
Edmund Blair Leighton (1852-1922) – The Unknown Land
Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen
sich tiefer und tiefer ins Herz hinein,
und während Tage und Jahre verstreichen,
werden sie Stein.
Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre,
sie scheinen zerronnen wie Schaum.
Doch du spürst ihre lastende Schwere
bis in den Traum.
Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle,
da blüht nichts mehr.
Stars were falling deep in the darkness as prayers rose softly, petals at dawn And as I listened, your voice seemed so clear so calmly you were calling your god
Somewhere the sun rose, o’er dunes in the desert such as the stillness, I ne’er felt before Was this the question, pulling, pulling, pulling you in your heart, in your soul, did you find rest there?
Elsewhere a snowfall, the first in the winter covered the ground as the bells filled the air You in your robes sang, calling, calling, calling him in your heart, in your soul, did you find peace there?
Songwriter: ALEXIS ESTEVEZ, ELIO LUIS, GEORGE (DP) BIZET, KILIAN FORSTER, TIM HAHN, TOBIAS FORSTER
Die Sterne fielen tief in die Dunkelheit, als Gebete leise aufstiegen, wie Blütenblätter in der Morgendämmerung, und als ich lauschte, schien deine Stimme so klar so ruhig hast du deinen Gott angerufen.
Irgendwo ging die Sonne auf, über den Dünen der Wüste, wie die Stille, die ich nie zuvor fühlte. War das die Frage, die dich zieht, zieht, zieht – in deinem Herzen, in deiner Seele? Hast du dort Ruhe gefunden?
Anderswo fiel Schnee, der erste des Winters, bedeckte den Boden, während die Glocken die Luft erfüllten. Du in deinem Gewand sangst, riefst, riefst, riefst Ihn in dein Herz, in deine Seele. Hast du dort Frieden gefunden?
Im ernsten Beinhaus wars, wo ich beschaute,
wie Schädel Schädeln angeordnet paßten;
Die alte Zeit gedacht ich, die ergraute.
Sie stehn in Reih geklemmt, die sonst sich haßten,
und derbe Knochen, die sich tödlich schlugen,
sie liegen kreuzweis, zahm allhier zu rasten.
Entrenkte Schulterblätter! was sie trugen,
fragt niemand mehr, und zierlich tätge Glieder,
die Hand, der Fuß, zerstreut aus Lebensfugen.
Ihr Müden also lagt vergebens nieder,
nicht Ruh im Grabe ließ man euch, vertrieben
seid ihr herauf zum lichten Tage wieder,
Und niemand kann die dürre Schale lieben,
welch herrlich edlen Kern sie auch bewahrte,
doch mir Adepten war die Schrift geschrieben,
die heilgen Sinn nicht jedem offenbarte,
als ich inmitten solcher starren Menge
unschätzbar herrlich ein Gebild gewahrte,
daß in des Raumes Moderkält und Enge
ich frei und wärmefühlend mich erquickte,
als ob ein Lebensquell dem Tod entspränge,
wie mich geheimnisvoll die Form entzückte!
Die gottgedachte Spur, die sich erhalten!
Ein Blick, der mich an jenes Meer entrückte,
das flutend strömt gesteigerte Gestalten.
Geheim Gefäß! Orakelsprüche spendend,
wie bin ich wert, dich in der Hand zu halten?
Dich höchsten Schatz aus Moder fromm entwendend
und in die freie Luft, zu freiem Sinnen,
zum Sonnenlicht andächtig hin mich wendend.
Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen,
Als daß sich Gott-Natur ihm offenbare?
Wie sie das Feste läßt zu Geist verrinnen,
wie sie das Geisterzeugte fest bewahre.
Möglicherweise war es nicht Schillers Schädel, den Goethe betrachtete… oder doch? Wurde Schillers Kopf bereits vor der Bestattung durch die Ärzte entfernt? Weshalb hat noch niemand bemerkt, dass Schillers Gebiss bis auf einen einzigen Zahn fast vollständig gewesen ist? In seinem Schriftverkehr berichtete er ausführlich über seine Zahnschmerzen. Bei den gefundenen Schädeln waren jedoch mehrere zahnlose Stellen vorhanden.
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