Das verschleierte Bild zu Sais

Gedicht von Friedrich von Schiller (1759-1805)


Zum Geburtstag von Friedrich von Schiller am 10.11.1759:
Dies ist eines meiner Lieblingsgedichte. Die Wahrheit liegt auf dem Weg des Lebens, der ein fortwährendes Lernen ist. Nur dieses Lernen macht den Menschen erst empfänglich für die Wahrheit. Dazu zählt auch die Selbsterkenntnis. Das Gedicht zeigt, dass ein vorschnelles, verbotenes Handeln zu einem kummervollen Leben führen kann.

Ein Jüngling, den des Wissens heißer Durst
nach Sais in Ägypten trieb, der Priester
geheime Weisheit zu erlernen, hatte
schon manchen Grad mit schnellem Geist durcheilt,
stets riß ihn seine Forschbegierde weiter,
und kaum besänftigte der Hierophant
den ungeduldig Strebenden.
»Was hab ich, wenn ich nicht alles habe?« sprach der Jüngling.

»Gibts etwa hier ein Weniger und Mehr?
Ist deine Wahrheit wie der Sinne Glück
nur eine Summe, die man größer, kleiner
besitzen kann und immer doch besitzt?
Ist sie nicht eine einzge, ungeteilte?
Nimm einen Ton aus einer Harmonie,
nimm eine Farbe aus dem Regenbogen,
und alles, was dir bleibt, ist nichts, solang
das schöne All der Töne fehlt und Farben.«

Indem sie einst so sprachen, standen sie
in einer einsamen Rotonde still,
wo ein verschleiert Bild von Riesengröße
dem Jüngling in die Augen fiel. Verwundert
blickt er den Führer an und spricht: »Was ists,
das hinter diesem Schleier sich verbirgt?«
»Die Wahrheit«, ist die Antwort. – »Wie?« ruft jener,
»Nach Wahrheit streb ich ja allein, und diese
gerade ist es, die man mir verhüllt?«

»Das mache mit der Gottheit aus«, versetzt
der Hierophant. »Kein Sterblicher, sagt sie,
rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.
Und wer mit ungeweihter, schuldger Hand
den heiligen, verbotnen früher hebt,
der, spricht die Gottheit« – »Nun?« –
»Der sieht die Wahrheit.«

»Ein seltsamer Orakelspruch! Du selbst,
Du hättest also niemals ihn gehoben?«
»Ich? Wahrlich nicht! Und war auch nie dazu
versucht.« – »Das fass ich nicht. Wenn von der Wahrheit
nur diese dünne Scheidewand mich trennte –«
»Und ein Gesetz«, fällt ihm sein Führer ein.
»Gewichtiger, mein Sohn, als du es meinst,
Ist dieser dünne Flor – für deine Hand
zwar leicht, doch zentnerschwer für dein Gewissen.«

Der Jüngling ging gedankenvoll nach Hause.
Ihm raubt des Wissens brennende Begier
den Schlaf, er wälzt sich glühend auf dem Lager
und rafft sich auf um Mitternacht. Zum Tempel
führt unfreiwillig ihn der scheue Tritt.
Leicht ward es ihm, die Mauer zu ersteigen,
Und mitten in das Innre der Rotonde
trägt ein beherzter Sprung den Wagenden.

Hier steht er nun, und grauenvoll umfängt
den Einsamen die lebenlose Stille,
die nur der Tritte hohler Widerhall
In den geheimen Grüften unterbricht.
Von oben durch der Kuppel Öffnung wirft
Der Mond den bleichen, silberblauen Schein,
und furchtbar wie ein gegenwärtger Gott
erglänzt durch des Gewölbes Finsternisse
In ihrem langen Schleier die Gestalt.

Er tritt hinan mit ungewissem Schritt,
Schon will die freche Hand das Heilige berühren,
Da zuckt es heiß und kühl durch sein Gebein
und stößt ihn weg mit unsichtbarem Arme.
Unglücklicher, was willst du tun? So ruft
in seinem Innern eine treue Stimme.
Versuchen den Allheiligen willst du?
Kein Sterblicher, sprach des Orakels Mund,
rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.
Doch setzte nicht derselbe Mund hinzu:
Wer diesen Schleier hebt, soll Wahrheit schauen?
»Sei hinter ihm, was will! Ich heb ihn auf.«
(Er rufts mit lauter Stimm.) »Ich will sie schauen.«

Schauen!
Gellt ihm ein langes Echo spottend nach.
Er sprichts und hat den Schleier aufgedeckt.
Nun, fragt ihr, und was zeigte sich ihm hier?
Ich weiß es nicht. Besinnungslos und bleich,
so fanden ihn am andern Tag die Priester
am Fußgestell der Isis ausgestreckt.
Was er allda gesehen und erfahren,
Hat seine Zunge nie bekannt. Auf ewig
war seines Lebens Heiterkeit dahin,
ihn riß ein tiefer Gram zum frühen Grabe.

»Weh dem«, dies war sein warnungsvolles Wort,
wenn ungestüme Frager in ihn drangen,
»Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld,
Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein.«

Erklärung:

  1. Sais: Eine antike Stadt in Ägypten (Unterägypten), am Nil gelegen.
  2. Hierophant: Ein Priester, der heilige Gegenstände zeigt.
  3. Rotonde: Eine Rotunde ist ein Gebäude mit einem kreisrunden Grundriss.
  4. Flor: ein dünner Vorhang aus Seide oder Wolle.
  5. Isis: Ist eine Göttin in der ägypt. Mythologie. Sie war die Göttin der Geburt, der Wiedergeburt und der Magie, aber auch Totengöttin.

Guter Mond du gehst so stille

Melody Max Friedlaender / Dichter unbekannt / Interpreten: Comedian Harmonists

Guter Mond, du gehst so stille durch die Abendwolken hin.
Bist so ruhig und ich fühle, dass ich ohne Ruhe bin.
Traurig folgen meine Blicke deiner stillen, heitern Bahn.
O, wie hart ist das Geschicke, dass ich dir nicht folgen kann.

Guter Mond, du gehst so stille durch die Abendwolken hin.
Deines Schöpfers weiser Wille hieß auf jener Bahn dich ziehn.
Leuchte freundlich jedem Müden in das stille Kämmerlein
und ergieße Ruh und Frieden ins bedrängte Herz hinein.

Guter Mond, dir will ich's sagen, was mein banges Herze kränkt,
und an wen mit bittern Klagen die betrübte Seele denkt!
Guter Mond, du sollst es wissen, weil du so verschwiegen bist,
warum meine Tränen fließen und mein Herz so traurig ist.

Die Urfassung war ein anonymes, volkstümliches Liebeslied mit sieben Strophen, das ab etwa 1800 in mehreren Schriften überliefert ist.

Karl Enslin ist nicht der Autor der Originalfassung, sondern des Andachtslieds von 1851, das drei Strophen umfasst.

Veni, veni, Emmanuel

Veni, veni, Emmanuel ist eigentlich ein Adventslied, doch aufgrund der neuesten Ereignisse habe ich es heute hier veröffentlicht.

Text bei John Mason Neale, Hymni Ecclesiae, 1851
Sängerin: Loreena McKennitt

Lateinisch  / 	Übersetzung

Veni, veni Emmanuel!
Captivum solve Israel!
Qui gemit in exilio,
Privatus Dei Filio,
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.
	

Komm, komm, Immanuel!
Befreie das gefangene Israel,
das in der Verbannung wehklagt,
beraubt um Gottes Sohn.
Freue dich, freue dich; Immanuel
wird für dich, Israel, geboren werden.

Veni o Iesse virgula!
Ex hostis tuos ungula,
De specu tuos tartari
Educ, et antro barathri.
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.
	

Komm, o Spross des Jesse!
Aus des Feindes Klauen
führe die Deinen heraus,
aus der Tiefe der Unterwelt,
aus dem Abgrund der Hölle.
Freue dich …

Veni, veni o oriens!
Solare nos adveniens,
Noctis depelle nebulas,
Dirasque mortis tenebras.
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.
	

Komm, komm, o Morgenstern!
Tröste uns, indem du kommst.
Vertreibe die Nebel der Nacht
und die schreckliche Finsternis des Todes!
Freue dich …

Veni clavis Davidica!
Regna reclude coelica,
Fac iter tutum superum,
Et claude vias inferum.
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.
	

Komm, Schlüssel Davids!
Schließe auf die himmlischen Reiche.
Mach sicher den Weg nach oben
und verschließe die Wege nach unten!
Freue dich …

Veni, veni Adonai!
Qui populo in Sinai
Legem dedisti vertice,
In maiestate gloriae.
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.
	

Komm, komm, Herr!
Deinem Volk gabst du das Gesetz
auf Sinais Gipfel
in erhabener Herrlichkeit.
Freue dich …

Eine blaue Stunde

Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys

Text: Herbert Nelson
Lyricist: Herbert Turbar

Maler: Evgeny Lushpin / Quelle: Pinterest
Eine blaue Stunde an einem grauen Tag
Ja, das ist die Stunde, der ich willkommen sag'
Denn in dieser kleinen blauen Stunde, die so selten ist
Fühlt man sich so glücklich, weil man da in fernen Welten ist
Ja, es gibt im Leben nichts, was ich lieber mag
Als die blaue Stunde an einem grauen Tag

Aus vierundzwanzig Stunden ist der lange Tag gemacht
Aus vierundzwanzig Stunden, inklusive der Nacht
In vierundzwanzig Stunden kann so mancherlei geschehen
In vierundzwanzig Stunden kann's dir gut und schlecht gehen
Von vierundzwanzig Stunden sind meist dreiundzwanzig grau
Und oft scheint eine einz'ge Stunde himmelblau

Ja, in dieser kleinen blauen Stunde, die so selten ist
Fühlt man sich so glücklich, weil man da in fernen Welten ist
Ja, es gibt im Leben nichts, was ich lieber mag
Als die blaue Stunde
Als die blaue Stunde
An einem grauen Tag



The shadow of your smile

Sänger: Andy Williams (1927-2012)

Musik aus dem Film von 1965 „The Sandpiper“ – starring Richard Burton and Elizabeth Taylor

Writer(s): Johnny Mandel, Paul Webster

The shadow of your smile
When you are gone,
Will color all my dreams
And light the dawn,
 
Look into my eyes, my love, and see
All the lovely things you are to me.
 
Our wistful little star
It was far, too high,
A teardrop kissed your lips
And so did I,
 
Now when I remember spring,
All the joys that love can bring,
I will be remembering
The shadow of your smile.


Übersetzung: 

Der Schatten deines Lächelns
wenn du weg bist,
wird alle meine Träume färben
und die Morgendämmerung erhellen.
 
Schau mir in die Augen, meine Liebe, und sieh
all die schönen Dinge, die du für mich bist.
 
Unser wehmütiger kleiner Stern,
er war weit, zu hoch.
Eine Träne küsste deine Lippen
und das tat ich auch,
 
wenn ich jetzt an den Frühling denke,
an all die Freuden, die die Liebe bringen kann,
werde ich mich erinnern
an den Schatten deines Lächelns.

Child of Sin

ein englischsprachiges Duett mit Sheron Kovacs und Till Lindemann

Sharon: „Es hat viele Jahre gedauert, bis ich meine Geschichte erzählen konnte. Vor über einem Jahr haben Till Lindemann und ich uns zusammengetan, um an dem für mich sehr wichtigen Song „Child of Sin“ zu arbeiten, der sich mit dem schmerzhaften Thema des Missbrauchs auseinandersetzt und von meinen eigenen persönlichen Erfahrungen zeugt. Es war ein sehr heikles Thema und ich habe mich von Till und seinem Team immer sehr respektiert und unterstützt gefühlt. Im Januar dieses Jahres hat der Song seinen Platz auf meinem Album gefunden, und gemeinsam mit vielen wunderbaren Menschen haben wir ein Musikvideo gedreht, das mir sehr am Herzen liegt und das ich mit euch teilen möchte.

Als Künstlerin ist es mir wichtig, diese Aussage zu treffen und gleichzeitig sensibel für das Thema Missbrauch zu sein. Ich bin entschieden gegen jede Form des Missbrauchs von Frauen, ganz gleich unter welchen Umständen. Ich bin davon überzeugt, dass das Teilen meiner Geschichte ein wichtiger Schritt ist, um das Bewusstsein für die Gefahren des Missbrauchs und seine lang anhaltenden Auswirkungen auf Frauen und Mädchen zu schärfen.

Ich hoffe, dass wir durch die Kraft meines Liedes Licht in die dunkle Realität des Missbrauchs bringen können, um Verständnis und Empathie zu fördern und gleichzeitig für Veränderungen einzutreten.“

Die niederländische Sängerin Sharon Kovacs hat ihr drittes Album „Child Of Sin“ veröffentlicht. Der Titelsong: ein englischsprachiges Duett mit Till Lindemann.

Deutsche Übersetzung:

„Als du neun Jahre alt warst / Terrorisierten wir diese Straßen / Von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen / als ich sechzehn wurde / Meine schmutzigen Hände bluteten / Vom Klopfen an deiner Tür / Wo soll ich anfangen? / Ich hatte das alles schon gesehen / Und es wird nie enden / Du bist kein Kind der Liebe / Du bist ein Kind der Sünde.“

Till Lindemann wird momentan von einer Reihe junger Frauen in der Öffentlichkeit dargestellt, als sei er ein Pädophiler, der ‚unschuldige Mädchen‘ missbraucht, obwohl diese ihn niemals persönlich kennengelernt haben. Hier gibt es eine Vorverurteilung für eine Anschuldigung, die völlig aus der Luft gegriffen ist. Von der Verabreichung von K.O.-Tropfen auf einem Rammstein-Konzert ist die Rede und von sexueller Belästigung. Einige Vorwürfe haben sich bereits vor der Staatsanwaltschaft in Vilnius als falsch erwiesen.

Hier setzen sich Frauen absichtlich in Szene, um einen seltsamen Ruhm zu erlangen und rufen damit natürlich auch andere ‚Geister‘ ans Licht, die sich ausgiebig daran beteiligen, um Gelder zu kassieren, wie z. B. hierzu die Amadeu-Antonie-Stiftung, die mittels prominenter Damen eine Petition ins Leben riefen, um angeblich mittellosen Frauen zu helfen, die einen Rechtsanwalt brauchen und ihn nicht selbst bezahlen können. Eine weitere Vorverurteilung! Die hier ins Leben gerufene „Sheros“-Verbindung (Nomen est Omen) der Feministinnen will Rammstein und Till Lindemann zerstören. Böse alte weiße Männer sind ihre Zielscheibe. Hierzu spielt Till Lindemann auf der Bühne eine hervorragende Rolle.

Wer leitet diesen Verein, der hierzu bereits ca. 1.000.000 Euro erbettelt hat? Ihr Name ist Anette Kahane. Dazu die „Jüdische Rundschau“: https://juedischerundschau.de/article.2021-01.wie-anetta-kahane-in-der-ddr-juden-denunzierte.html

Wie soll der Durchschnittsleser das alles verstehen? Das ist m. E. glattweg eine aus der Luft gegriffene Manipulation. Mittlerweile wurden gewisse Passagen des „Spiegels“ vom Landgericht Hamburg für rechtswidrig erklärt.

Besonnenheit anstatt Fanatismus! Die Presse reagierte überregional mit verheerender Berichterstattung gegen Till Lindemann und zerstört damit seine Existenz. Er selbst ist Vater und hat eine Tochter. Wie soll die sich fühlen?

Warum ich das schreibe? In diesem Video geht es um Missbrauch eines Kindes. Till Lindemann spielt hierin nur eine Rolle, sonst nichts und wie immer tut er das eindrucksvoll.  

Jede Anklage muss bewiesen werden. Solange der Beweis nicht erbracht ist, gilt die Unschuldsvermutung. Trotzdem sollen hier schon vorher Konzerte abgesagt und Veröffentlichungen von Till Lindemann verboten werden, nur weil hysterische Frauen das so wollen. Hier wird Feminismus zur neurologischen Episode!

Ist Deutschland eine ‚Bananenrepublik‘ geworden? Pädophile Priester werden nicht vor Gericht gestellt und nachgewiesene Vergewaltiger auf freien Fuß gesetzt.

Mit geht es vor allem um Gerechtigkeit. Jeder sollte mit seinem Nächsten umgehen, wie man selbst von anderen Menschen behandelt werden möchte.

Es gibt sehr viel Dunkelheit in dieser Welt. Wir erschrecken, wenn sich die dunkle Seite zeigt, besonders, wenn sie uns vorher hell erschien. Wir können nicht glauben, dass eine Person, die sich auf der Bühne stets dunkel darstellt, in Wirklichkeit hell ist.

Der Juli

von Erich Kästner
Bild von Ralf Kunze auf Pixabay
Still ruht die Stadt. Es wogt die Flur.
Die Menschheit geht auf Reisen
oder wandert sehr oder wandelt nur.
Und die Bauern vermieten die Natur
zu sehenswerten Preisen.

Sie vermieten den Himmel, den Sand am Meer,
die Platzmusik der Ortsfeuerwehr
und den Blick auf die Kuh auf der Wiese.
Limousinen rasen hin und her
und finden und finden den Weg nicht mehr
zum Verlorenen Paradiese.

Im Feld wächst Brot. Und es wachsen dort
auch die zukünftigen Brötchen und Brezeln.
Eidechsen zucken von Ort zu Ort.
Und die Wolken führen Regen an Bord
und den spitzen Blitz und das Donnerwort.
Der Mensch treibt Berg- und Wassersport
und hält nicht viel von Rätseln.

Er hält die Welt für ein Bilderbuch
mit Ansichtskartenserien.
Die Landschaft belächelt den lauten Besuch.
Sie weiß Bescheid.
Sie weiß, die Zeit
überdauert sogar die Ferien.

Sie weiß auch: Einen Steinwurf schon
von hier beginnt das Märchen.
Verborgen im Korn, auf zerdrücktem Mohn,
ruht ein zerzaustes Pärchen.
Hier steigt kein Preis, hier sinkt kein Lohn.
Hier steigen und sinken die Lerchen.

Das Mädchen schläft entzückten Gesichts.
Die Bienen summen zufrieden.
Der Jüngling heißt, immer noch, Taugenichts.
Er tritt durch das Gitter des Schattens und Lichts
in den Wald und zieht, durch den Schluß des Gedichts,
wie in alten Zeiten gen Süden.
Erich Kästner (1899-1974)

Morgengebet

Bild von Myriams-Fotos auf Pixabay
O wunderbares, tiefes Schweigen,
Wie einsam ist's noch auf der Welt!
Die Wälder nur sich leise neigen,
Als ging' der Herr durchs stille Feld.

Ich fühl mich recht wie neu geschaffen,
Wo ist die Sorge nun und Not?
Was mich noch gestern wollt erschlaffen,
Ich schäm mich des im Morgenrot.

Die Welt mit ihrem Gram und Glücke
Will ich, ein Pilger, frohbereit
Betreten nur wie eine Brücke
Zu dir, Herr, übern Strom der Zeit.

Und buhlt mein Lied, auf Weltgunst lauernd,
Um schnöden Sold der Eitelkeit:
Zerschlag mein Saitenspiel, und schauernd
Schweig ich vor dir in Ewigkeit.

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff (1788 – 1857)

Paulinchen – Der Struwwelpeter

Dr. Heinrich Hoffmann 1809-1894
Kinderbuch „Der Struwwelpeter“
Schriftsteller Dr. Heinrich Hoffmann
erschienen bei: Esslinger Verlag Schreiber
ISBN: 3-480-20253-5
Altersempfehlung: ab 5 Jahren

Paulinchen war allein zu Haus,
Die Eltern waren beide aus.
Als sie nun durch das Zimmer sprang
Mit leichtem Mut und Sing und Sang,
Da sah sie plötzlich vor sich stehn
Ein Feuerzeug, nett anzusehn.
„Ei,“ sprach sie, „ei, wie schön und fein !
Das muß ein trefflich Spielzeug sein.
Ich zünde mir ein Hölzlein an,
wie’s oft die Mutter hat getan.“

Und Minz und Maunz, die Katzen,
Erheben ihre Tatzen.
Sie drohen mit den Pfoten:
„Der Vater hat’s verboten!“
Miau! Mio! Miau! Mio!
Laß stehn! Sonst brennst Du lichterloh!“

Paulinchen hört die Katzen nicht!
Das Hölzchen brennt gar lustig hell und licht,
Das flackert lustig, knistert laut,
Grad wie ihr’s auf dem Bilde schaut.
Paulinchen aber freut sich sehr
Und sprang im Zimmer hin und her.

Doch Minz und Maunz, die Katzen,
Erheben ihre Tatzen.
Sie drohen mit den Pfoten:
„Die Mutter hat’s verboten !
Miau! Mio! Miau! Mio!
Wirf’s weg! Sonst brennst Du lichterloh

Doch weh ! Die Flamme faßt das Kleid,
Die Schürze brennt; es leuchtet weit.
Es brennt die Hand, es brennt das Haar,
Es brennt das ganze Kind sogar.

Und Minz und Maunz, die schreien
Gar jämmerlich zu zweien :
„Herbei ! Herbei ! Wer hilft geschwind ?
Im Feuer steht das ganze Kind !
Miau! Mio! Miau! Mio!
Zu Hilf‘! Das Kind brennt lichterloh !“

Verbrannt ist alles ganz und gar,
Das arme Kind mit Haut und Haar;
Ein Häuflein Asche bleibt allein
Und beide Schuh‘, so hübsch und fein.

Und Minz und Maunz, die kleinen,
die sitzen da und weinen :
„Miau ! Mio ! Miau ! Mio !
Wo sind die armen Eltern ? Wo ?“
Und ihre Tränen fließen
Wie’s Bächlein auf den Wiesen.

Die Grabstätte der mit 16 Jahren verstorbenen Pauline Schmidt (27.12.1840 – 18.06.1856) gibt es tatsächlich. Sie liegt auf dem Frankfurter Friedhof „Im Gewann“ mit der Grabnummer 148. Dieser Ort ist Ziel von vielen Besuchern. Pauline Schmidt war die Tochter einer in Frankfurt lebenden Arztfamilie. Wie Historiker feststellten, ist sie nicht an ihrem Spiel mit dem Feuer gestorben, sondern an Typhus oder Lungenschwindsucht.

Bereits 1820 erschien in London das Kinderbuch „The Lily“, ein Mädchen, das mit Zündhölzern spielte. Hier handelte es sich womöglich um die Vorläuferin Paulinchens im „Struwwelpeter“.

Arzt und Autor des weltbekannten Buches „Der Struwwelpeter“ war der Psychiater Dr. Heinrich Hoffmann (1809-1894), der tagtäglich mit Krankheiten seiner jungen Patienten umgehen musste.

Die Wirkung des Buches verängstigte die kleinen Leser und galt als Warnung, nicht das Gleiche zu tun. Durch die Augen eines Kindes gesehen, waren alle Geschichten wahr und sehr einprägend. Die Bilder bewirkten mehr, als der erhobene Zeigefinger der Eltern.

Dieses Buch konnte ich bereits mit 5 Jahren auswendig. Alle Geschichten haben mich fasziniert und geängstigt zugleich. Heutzutage nennt man das ‚Schwarze Pädagogik‘, die manipuliert und verborgen Macht ausübt. Besser ein Kind schaut sich das Bild eines brennenden Mädchens an, als sich unachtsam selbst zu verbrennen.

Bei aller Vorsicht vergisst man leider, dass heute jedes Kind der Manipulation und verborgenen Macht durch Medien und sonstigen Alltäglichkeiten ausgesetzt ist.

Die Geschichten des Bilderbuches haben ihren festen Platz in meinem Kopf und sind ein Teil meiner fernen Vergangenheit.

Das bin ich, 4. Jahre alt, mit meiner „Schatzkiste“ voller Mickey Mouse Hefte und dem Struwwelpeter

Amazing Grace

Englischsprachiges geistliches Lied, das zu den beliebtesten Kirchenliedern der Welt zählt.

Text: John Newton (1725-1807).

John Newton war der Kapitän eines Sklavenschiffs. Nachdem er am 10. Mai 1748 in schwere Seenot geraten und nach Anrufung des Erbarmens Gottes gerettet worden war, behandelte er zunächst die Sklaven menschlicher. Nach einigen Jahren gab er seinen Beruf sogar ganz auf, wurde stattdessen Geistlicher und trat gemeinsam mit William Wilberforce für die Bekämpfung der Sklaverei ein. (Quelle: Wikipedia.org)

Amazing grace! How sweet the sound
That saved a wretch like me!
I once was lost, but now am found;
Was blind, but now I see.
 
’Twas grace that taught my heart to fear,
And grace my fears relieved;
How precious did that grace appear
The hour I first believed.
 
Through many dangers, toils and snares,
I have already come;
’Tis grace hath brought me safe thus far,
And grace will lead me home.
 
The Lord has promised good to me,
His Word my hope secures;
He will my Shield and Portion be,
As long as life endures.
 
Yea, when this flesh and heart shall fail,
And mortal life shall cease,
I shall possess, within the veil,
A life of joy and peace.
 
The earth shall soon dissolve like snow,
The sun forbear to shine;
But God, who called me here below,
Will be forever mine.
 
When we’ve been there ten thousand years,
Bright shining as the sun,
We’ve no less days to sing God’s praise
Than when we’d first begun.

Übersetzung:

Erstaunliche Gnade! Wie süß der Klang,
die einen Unglücklichen wie mich rettete!
Einst war ich verloren, doch nun bin ich gefunden;
war blind, doch nun sehe ich.
 
Gnade war's, die mein Herz das Fürchten lehrte,
und die Gnade hat meine Ängste gelindert;
wie kostbar erschien diese Gnade
in der Stunde, da ich zum ersten Mal glaubte.
 
Durch viele Gefahren, Mühen und Fallstricke,
bin ich schon gekommen;
die Gnade hat mich sicher bis hierher gebracht,
und die Gnade wird mich heimführen.
 
Der Herr hat mir Gutes verheißen,
sein Wort sichert meine Hoffnung;
Er wird mein Schutz und meine Zuflucht sein,
solange das Leben währt.
 
Ja, wenn dieses Fleisch und Herz versagen,
und das sterbliche Leben vergeht,
werde ich im Innern des Schleiers  
ein Leben in Freude und Frieden besitzen.
 
Die Erde wird sich bald auflösen wie Schnee,
und die Sonne wird nicht mehr scheinen;
doch Gott, der mich hierher gerufen hat,
wird für immer mein sein.
 
Wenn wir zehntausend Jahre dort gewesen sind,
hell leuchtend wie die Sonne,
haben wir nicht weniger Tage, um Gottes Lob zu singen
als zu Beginn unserer Reise.