Die Tage fließen, wie die stillen Stunden,
im Fluss des Lebens, hin zur Quelle.
Heilung bringende Kraft Seiner Liebe,
gesegnet strömt sie in offene Herzen.
Die Lichtwelt ist um uns, sie wartet auf unser Erfassen.
Ehrfürchtig schöpfen wir dann aus ewigem Born.
Kommt jetzt der Winter? Wo ist er geblieben?
Die Gier der Menschen hat ihn fortgetrieben!
Hier gibt es keinen Schneefall mehr,
nur warme Tage, klimaschwer.
Wo einstens früher Flocken tanzten,
Eisblumen sich auf Fenster pflanzten,
stieß Glaserkitt gefasstes Glas,
auf isoliertes Doppelglas.
So abgegrenzt von der Natur,
verließ der Mensch gerahmte Spur,
ist schöpfungsreich durch Wissenschaft,
Gott, der sie führt, den schafft sie ab.
Lass doch den Schneefall wieder treiben!
Mein Opa flickte alle Scheiben
mit Fensterkitt in Ölpapier.
Sei DU der Kitt der Seele mir!
Für mich ist sie ein stilles Angedenken
an eine Zeit, die längst vorüberging,
an Menschen, die in meiner Nähe,
als ich noch klein an Mutters Röcken hing.
Es war ein Menschenschlag, alt ihre Mienen,
obgleich sie erst in jungen Jahren,
so unermüdlich, wie sie mir erschienen,
obwohl die schwere Arbeit ihre Stunden nahm.
Da war kein Urlaub und kein Wochenende,
an denen nicht das Haus, der Hof bestellt;
die Einfachheit kroch durch die alten Wände,
die schwarz des Kohlenstaubs vor Krieg erstellt.
Im Garten wuchs das Nötige zum Zehren,
und was der kleine Keller auf sich nahm,
von wo wir Kohlen in die Öfen leerten,
damit die warme Luft in unsere Stube kam.
Die Kälte kam des nachts in unsere Zimmer,
und morgens schmückten Eisblumen die Fenster;
neu angefachtes Holz löste den Schimmer
des Eises, scheuchte fort die Frostgespenster.
An Heiligabend und an Weihnachtstagen,
an denen Christkind und die Eintracht zu uns kamen,
waren Geschenke klein, doch groß die Gabe,
Familienglück im Kerzenschein zu haben.
St. Nikolaus Bescherung – Johann Matthias Ranftl (1804 -1854)
Als ich ein kleines Mädchen war,
musste ich lang auf ihn warten.
Es waren viele Kinder da,
in unsrem Kindergarten.
Es duftete nach Tannengrün,
das war zum Kranz gebunden.
Zwei Kerzen darauf brannten ihm.
So warteten wir Stunden.
Wir bastelten so manches Ding,
malten auf buntem Papier.
Dann endlich kam er, und er ging
durch unsren Raum zu mir.
Brav sollt ich sein, das ganze Jahr,
ein wohlerzogenes Kind.
Und da ich dort recht artig war,
ging alles ganz geschwind.
Knecht Ruprecht mit der Rute schwieg,
hob an mich zu begrüßen.
Der Nikolaus ein Büchlein hielt,
ein Sack zu seinen Füßen.
Ein Plätzchen reichte mir der Mann
ganz gütig, lieb und heiter.
Ich sei ein gutes Kind und dann
ging er zum nächsten weiter.
Nur damals hab ich ihn gesehen.
Er liebte Weihnachtslieder.
Er frommte unser Taggeschehen.
Ich sah ihn niemals wieder.
Heut liebt man eher den Weihnachtsmann
der Coca-Cola-Werbung;
amerikanisch ist der Drang,
kulturlos seine Erben.
Es haftet Böses in der Welt
und geht durch alle Zeiten.
Wenn diese Eigenschaft regiert,
wird sie ins Unglück leiten.
Wozu die Macht, wofür das Geld? –
Der Tod hat keine Taschen!
Was man für gut und richtig hält,
leert sich wie volle Flaschen.
Des Menschen Sinnen ist der Drang
den Wohlstand zu erlangen.
Es treibt sie durch die ganze Welt,
zu groß ist das Verlangen.
Ein wenig Glück, ein stiller Herd -
das wird nicht lange halten.
Ein Bessersein als nebenan,
wird die Gesinnung spalten.
Denn Einfachheit scheint keine Zier,
man will sie überwinden;
ein schlechter Trieb öffnet die Gier -
Erfolg trägt Augenbinden.
Es kämpft die Stille gegen ferne Stimmen, verklingen leise, wie vergangne Nacht. Der Wind hob an ein letztes Singen; die Frühe hat ein Leuchten uns gebracht.
Lässt graue Dissonanzen höher klingen, dass jeder Ton am lichten Fest in Dur verwandelt, alles Moll der Dinge, wie Glockenläuten klingen lässt.
Die Welt erwacht und Regenbogen-Fahnen weh’n auf der Brücke, die zum Himmel führt, so bunt und freudig; lässt das Ziel erahnen, das Mensch und Tier seit Ewigkeit berührt.
Wir gehn und sehen nur das Dunkel, manch‘ helles Leuchten sehn wir nicht, wie über uns das Sternenfunkeln, doch ist es bei uns, bis das Auge bricht.
Märchen von Hans Christian Andersen – Des Kaisers neue Kleider
Es lügen Große mit den Kleinen
und lassen sich für Geld verbiegen,
um Macht zu halten, zu vermeiden,
dass manche Menschen besser lügen.
Sie fälschen, schleimen oder wüten,
wo‘s doch banal und unbegründet,
und zeigen ihrer Unschuld Güte,
obwohl ihr Heil’genschein verschwindet.
Noch leben sie auf großem Fuße,
schleichen mit finsterem Gesicht.
Ihr Größenwahn wird längst zum Fluche,
doch die Fassade bröckelt nicht.
In ‚Kaisers neuen Kleidern‘ stehend,
leugnet man seinen Niedergang,
damit manch Dummer, Gelder gebend,
noch schmeichelnd ‚Jacke ziehen‘ kann.
Des Lügners Nacktheit sieht ein Jeder,
die ganze Welt schaut auf sein Toben.
Lügt er nun weiter oder geht er?
Brillen dem Volk und Hirn von oben!
John Atkinson Grimshaw (1836-1893) – November Morgen
Novembertag, du dunkler Pantomime, bist jemand, der nicht gehen will. Treibst hinter Fenster und Gardine Gebärdenspiele, schweigend still.
Wie die Ruinen ausgedienter Hallen, ganz lichtlos, elend, grau erfüllt, verlassen, melancholisch, halb verfallen, bedrückend, scheint bizarr dein Bild.
Der Himmel hängt nicht voller Geigen, er hat sich lichtlos eingehüllt. Aus vielen Wolken tropft das Schweigen – der Tag, er steht mit Schwert und Schild.
Will sich der Helligkeit erwehren, verteidigt seine Dunkelheit und weder Kampf, noch Aufbegehren, hilft abzuwenden diese Zeit.
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