Die alte Weide treibt in ihren Ruten
die neuen Blätter, himmelwärts, zum Licht.
Sie spiegelt sich verzerrt in ruhigen Fluten
des Baches Lauf und fließend Angesicht.
Die hellen Birken nässen ihre Zweige
im Morgentau und wiegen sanft im Wind;
bald stehn sie da, in neuem Frühlingskleide,
die Krone tragend, weil sie Königinnen sind.
Die Bäume öffnen sehnsuchtsvoll die Lüster -
ein rechter Ort zum nächsten Nesterbau.
Ein Rascheln - heimlich geht ein Flüstern
durch alle Welt von Baum und Wiesentau.
Der erste Löwenzahn ist gelb erblühet,
mit weißen Gänseblümchen ringsumher,
die Vögel sind in aller Herrgottsfrühe
dem blauen Himmel nah, im Sonnenmeer.
Im Frühlicht möcht‘ ich stehen, bei den Bäumen,
und Deinen heil’gen Atem spüren.
Fühl‘ Dich in jedem Lächeln, jedem Träumen;
auf allen Wegen wirst Du mich berühren.
Wenn einst zur Stärke dein Wachstum dich führt,
so, wie ein Keimspross zum Baumstamme wird;
trag auch du, wie ein Wipfel die flüsternde Krone,
sei Heimat für jene, die im Schutz bei dir wohnen.
Während des Regens, im rauschenden Quell,
sei wie ein schirmendes Dach an der Stell,
in dem sich im Anschluss das Sonnenlicht bricht;
zeig, wie im Schwingen der Blätter, das Licht.
Aufsteigend wachse, zielstrebig, mit Lust;
fühl‘ das Schwingen des Baumes in deiner Brust.
Ihn trieb ein lebendiges Strahlen empor,
zu dem ihn erleuchtend die Gottheit erkor.
Im Innern vollendet, spür‘ im geistigen Licht,
wie Sehnsucht durch heil’ges Erschauern bricht;
dring, wie der Baum, zu den Himmeln empor,
der sich schweigend an seinen Schöpfer verlor.
Du, Frühling, der die Welt belebt,
lass blühen, was blühen will!
Wo Gottes Geist aufsteigend weht,
dort steht der Winter still.
Treib Fruchtbarkeit in Raum und Zeit,
blas' Tod und Kälte fort.
Erwacht im Licht - empfangsbereit
ist der verschlossene Ort.
Wie Sand, bleibt unfruchtbar zurück,
was Kälte dunkel hält.
Lass wachsen in dir, zeitentrückt,
die lichte Sonnenwelt.
Auf der Wiese, über Nacht,
sind die Krokusse erwacht,
und aus dunklen Erdenritzen,
kriechen frische Tulpenspitzen.
Blühen in vermehrter Pracht,
sind vom Winter aufgewacht.
Frühaufsteher singen schon,
ihren wohlbekannten Ton.
Auf der Erde baut sich wieder
neue Nester das Gefieder,
und die Sonne scheint dazu -
friedlich ist die Mittagsruh.
Dort im Beet die weißen Glöckchen,
wiegen winterlich die Röckchen.
Die Natur ist still erwacht –
über Nacht.
Die Bäume, die ich liebte, sind gefällt,
Jahrzehnte ihres Wachsens sind dahin.
Kein Zweiglein mehr, kein Nistplatz, der gewählt;
die Äste abgeholzt, die Leere ohne Sinn.
Vergangen ist das Schauen auf das grüne
und frische Blattwerk, das sich wog im Wind.
Dort, wo die Amsel sang in aller Frühe,
ist die Natur gebeugt, von Tränen blind.
Eichhörnchen spielten in den Zweigen,
voll Freude sprangen sie von Ast zu Ast.
Die Säge, sie erzählte von den Leiden,
die kreischend schrie der Baum in Todeslast.
Geöffnet hat der Himmel seine Weiten;
die Sonne strahlt erbarmungslos herab.
Kein Schutz mehr vor den heißen Sommerzeiten,
den uns das Blattwerk vor den Strahlen gab.
Dass wir gefällt, einst auch am Boden liegen,
Naturgesetz - ein unabwendbar‘ Ding;
lässt unsren Geist in off‘ne Himmel fliegen,
gibt uns im Tod des Lebens höheren Sinn.
Das Grün in diesem Land ist blass, befleckt,
dem Wachstum fern, im Wintergrau verblichen;
das kahle Astwerk, das sich in die Lüfte streckt,
ist wärmesuchend vor dem Frost gewichen.
Wie ein Chamäleon, bereit für neue Farben,
liegt es getarnt, das Kolorit verdeckt;
fast unsichtbar, die Haut mit Kältenarben,
geduldig, tief im letzten Schnee versteckt.
Das Leben haucht im Atem feuchte Wärme,
im Februar klopft ein eisig‘ Kälteherz,
erstarrt ist die Natur in Sonnenferne,
am Winterende pflügt der Monat März.
Dann bricht hervor aus dunklen Erdenschollen,
was in der Tiefe längst im Kern geboren,
und aus naturbedingtem heil‘gem Wollen
treibt es hinaus am warmen Frühjahrsmorgen.
Natur, berauscht von Licht und Leben,
liegt ruhend in den Winterbetten.
Der kalte Wind, ein frostig Beben,
trägt Flocken auf die kargen Stätten.
Frisch trägt die Luft die kühlen Träume
bis in die fernsten Weltenecken.
Macht aus den Kanten Rüschensäume,
legt grünes Land in weiße Decken.
Die Bäume strecken kahl die Äste,
vom Schnee bedeckt, ein schweres Tragen,
begrüßen flatterhafte Gäste;
die träumen müd‘ von Frühlingstagen.
Die Winterzeit geht in die Stille,
hält mit der Welt den Atem an.
Wo die Natur, mit neuer Fülle,
das nächste Jahr beleben kann.
Sie können in die Ferne sehen,
von schlanken Birkenzweigen,
sie sehn die alte Welt verblühn,
schaukelnd im Jahresreigen.
Die Krähen ziehen ihre Kreise,
verwaist sind schon die Felder;
das Jahr geht auf Erholungsreise,
das Laub wird braun und gelber.
Die Gärten sind längst keine mehr,
nur kurzgeschorener Rasen,
Ein Blatt darauf scheint hier verquer,
Beton ziert die Terrassen.
Natur geht fort im Bau der Welt,
künstlich, das neue Denken;
gebt Herzlichkeit zurück, sie fehlt,
der Große Geist wird’s lenken.
Noch wiegt der Baum sein Blattgewand,
das herbstlich bunte, schöne.
Sein grünes Kleid ist braungebrannt –
in hell und dunkle Töne.
Regen beschwert die müde Pracht,
lässt sie zu Boden gleiten.
Der Sturmwind treibt die fahle Fracht
hinab, hinauf, beizeiten.
Die Straßen sind des Laubes voll –
es raschelt auf den Wegen.
Ein Jeder bringt der Mühe Soll
dem Erntedank entgegen.
Die Sonne scheint verhalten, mild;
gar lang die Regenzeiten.
Die triste Dunkelheit verhüllt
das In-den-Winter-gleiten.
Die Lebensgeister sind verstummt,
nun herrscht ein dunkles Treiben.
Die Erde ruht. Die Herbstwelt summt
besinnlich, leise Weisen.
Es liegt die Glut des Sommers auf der Welt.
Die Wärme ist zum Greifen, Tag und Nacht.
Sie treibt die Dürrezeit schon früh durch Stadt und Feld.
Die Winde ruh’n und sammeln ihre Kraft.
Schon jetzt sah ich manch müdes, braune Blatt,
wie es mit letzter Kraft am Sommerzweige klebt
und schließlich herbstverloren, kraftlos, matt,
den Weg ‚Vergänglichkeit‘ zu gehen pflegt.
Die Nachtigall singt Abschiedsmelodien,
vertagt sind Frühjahrsträume bis ins nächste Jahr.
Wenn Vogelschwärme in den Süden ziehn,
dann ist der trübe Herbst zum Greifen nah.
Die Regensehnsucht schaut den Himmel an.
Kein Wölkchen hängt am tiefen Himmelblau,
und rinnt das Lebenswasser irgendwann,
entleert sich sanft das feuchte Wolkengrau.
Dann trinkt die Welt das langersehnte Nass,
füllt dürftig auf, was längst schon Staub geworden,
es grünt erneut das längst verdorrte Gras
und erste Winde kühlen unsren Morgen.
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